Reinhard Öhlberger

Reinhard Öhlberger (* 4. Juni 1950 in Wien) ist ein österreichischer Fagottist und ehemaliges aktives Mitglied der Wiener Symphoniker, des Wiener Staatsopernorchesters, der Wiener Philharmoniker und der Wiener Hofmusikkapelle. Daneben war er auch als Autor tätig und wirkte als Hörfunksprecher und -moderator.

Leben

Reinhard Öhlberger wurde am 4. Juni 1950 als Sohn von Camillo Öhlberger (* 28. Mai 1921 in St. Pölten; † 12. Juni 2013 in Wien),[1] Fagottist, Mitglied der Wiener Philharmoniker und späterer Hochschullehrer sowie Autor, und dessen Ehefrau Maria (geborene Malcher; * 25. März 1921; † 10. September 2002) in Wien geboren. Sechs Jahre später folgte der Bruder Alexander (* 1956), der in späteren Jahren als Oboist und Komponist tätig war und ebenfalls als aktives Mitglied den Wiener Philharmonikern angehörte.[2] Die Eltern hatten am 27. April 1946 im Dom zu St. Pölten geheiratet.[1]

Nach seiner allgemeinen Schulausbildung, die er 1968 mit der Matura am humanistischen Gymnasium Wien-Landstraße abschloss, legte er im Jahr 1969 die rechtshistorische Staatsprüfung ab, mit drei Auszeichnungen. Bereits ab seinem siebenten Lebensjahr erhielt Öhlberger Violinunterricht von Christl Genser-Winkler, der Ehefrau des philharmonischen Cellisten Ewald Winkler. In den Jahren 1965/66 absolvierte er ein Violinstudium bei Günter Pichler; anschließend studierte er von 1966 bis 1975 Fagott bei seinem Vater und seinem Onkel an der Wiener Musikakademie bzw. späteren Hochschule für Musik und darstellende Kunst (seit 1998: Universität für Musik und darstellende Kunst Wien). Im Jahr 1974 absolvierte er das Diplom im Konzertfach Fagott mit Auszeichnung.

Nach bestandenem Probespiel im Dezember 1970 wurde Öhlberger bei den Wiener Symphonikern als Fagottist engagiert. Dabei trat er anfangs noch als Pauschalsubstitut ins Erscheinung und erhielt ab 1972 einen Dauervertrag. Nach einem weiteren erfolgreichen Probespiel wechselte er im Jahr 1975 an die Wiener Staatsoper und wurde mit 1. Februar 1978 ein aktives Mitglied der Wiener Philharmoniker. Bei diesen war er neben seiner künstlerischen Tätigkeit von 1979 bis 2014 zusätzlich auch als ununterbrochen gewähltes Mitglied im Verwaltungsausschuss tätig und war dabei von 1981 bis 2014 für den Bereich der Kartenverwaltung zuständig. Mit einer Amtszeit von insgesamt 33 Jahren als Kartenverwalter, verteilt auf elf gewählte Perioden, zählt Öhlberger zu den am längsten amtierenden Funktionären in der Geschichte des Orchesters. Seit der Saison 2014/15 tritt er auch als Chronist der Wiener Philharmoniker in den Programmheften der Abonnementkonzerte in Erscheinung und unterstützt Wolfgang Plank im historischen Archiv. Ab 1999 gehörte er zudem der Wiener Hofmusikkapelle an.

Neben seiner Tätigkeit als Fagottist widmete sich Öhlberger insbesondere dem Kontrafagott, das er wiederholt als ihm besonders wichtiges Nebeninstrument bezeichnete. Das prägnante Kontrafagott-Solo in Richard Strauss’ Oper Salome spielte er während seiner Dienstzeit mehr als 200 Mal. Es war unter anderem in Wien, bei den Salzburger Festspielen, auf Schallplatteneinspielungen sowie bei Gastspielen der Staatsoper in New York, Washington, Tokio und Osaka zu hören. Darüber hinaus führte er das Werk in konzertanter Form an verschiedenen europäischen Aufführungsorten auf, darunter Amsterdam, Athen, Braunschweig, Florenz, Ravenna, Sofia und Valencia. Seine kammermusikalische Tätigkeit erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte, unter anderem bei den Wiener Bläsersolisten. Zudem wirkte er von 1971 bis etwa 1985 im Ensemble „die reihe“ sowie im Ensemble Kontrapunkte mit. Darüber hinaus war er auch in der Anfangsphase des Ensembles „11“ tätig.

Auch über diese Tätigkeitsfelder hinaus gilt Öhlberger als äußerst vielseitig. Bereits früh entwickelte er künstlerische Interessen im Bereich der Federzeichnung und Radierung, die sich in mehreren Ausstellungen niederschlugen, darunter 1972 in der Wiener Wert-Galerie. Nebenbei trat er auch als Sprecher und Moderator in Erscheinung und war unter anderem Sprecher einer 160-teiligen Sendereihe im ORF (1982/83, Der Taschenbaedeker) bzw. Moderator in der Radiosendung Pasticcio. Darüber hinaus moderierte er auch Konzerte des Wiener Hornquartetts, verschiedener Blechblasformationen der Wiener Philharmoniker sowie des Ensembles „11“ und auch der Philharmonia Schrammeln. Des Weiteren ist er Autor von buchhandelsgeschichtlichen Artikeln, unter anderem im Frankfurter Börsenblatt, im Magazin Büchermarkt sowie in weiteren Fachzeitschriften. Nebenbei verfasste er auch Schüttelreime und gestaltete 1995 eine Ausstellung über seine hobbymäßigen Sammelbeschäftigungen mit dem Titel Baedekerei und Pickerliade im Österreichischen Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum.[3] Über den in Wien ansässigen Löcker Verlag veröffentlichte er im September 2000 die Monografie Wenn am Buch der Händler klebt, das sich als erstes Werk im deutschsprachigen Raum mit dem Spezialthema Buchhändlermarken als Buchhandelswerbung beschäftigte. Drei Jahre nach der Veröffentlichung wurde er im Jahr 2003 für sein Werk mit dem Antiquaria-Preis ausgezeichnet.[4]

Darüber hinaus ist Öhlberger Träger der Goldenen Ehrenzeichens des Landes Salzburg sowie des Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. Wie bereits seinem Vater und seinem Onkel wurde auch ihm vom Bundespräsidenten der BerufstitelProfessor“ (2002) verliehen.

Zusammen mit seiner Ehefrau Marianna lebt Öhlberger in Wien und Salzburg.

Auszeichnungen (Auswahl)

Schriften (Auswahl)

  • Wenn am Buch der Händler klebt. Löcker Verlag, Wien 2000, ISBN 978-3-85409-329-9

Einzelnachweise

  1. a b Taufbuch St. Pölten-Dom, tom. XVIII, fol. 17 (Faksimile), abgerufen am 8. Jänner 2026
  2. Prof. Alexander Öhlberger tritt in den Ruhestand, abgerufen am 8. Jänner 2026
  3. Volkskunde in Österreich. Nachrichtenblatt des Vereines für Volkskunde, Jahrgang 30, Folge 1, Wien, Jänner 1995 (pdf), abgerufen am 8. Jänner 2026
  4. Preisträger*innen auf der offiziellen Webpräsenz des Antiquaria-Preises, abgerufen am 8. Jänner 2026