Karl Öhlberger

Karl Friedrich Öhlberger (* 30. April 1912 in St. Pölten; † 9. Oktober 2001 in Klosterneuburg) war ein österreichischer Fagottist, Mitglied der Wiener Philharmoniker und Hochschullehrer.

Leben

Karl Öhlberger wurde am 30. April 1912 als Sohn von Karl Öhlberger (* 25. Dezember 1887), Werkmann und Maler bei der Bundesbahn-Werkstätte in St. Pölten, und dessen Ehefrau Anna (geborene Richter; * 1. Juni 1891) in Hofstatt Nr. 1 in St. Pölten geboren und am 5. Mai 1912 auf den Namen Karl Friedrich getauft.[1] Seine Großeltern väterlicherseits waren der Maler und Anstreicher Andreas Öhlberger und dessen Frau Anna (geborene Teufl) aus St. Pölten.[1] Die Großeltern mütterlicherseits waren Karl Richter, Tischler in Schlaggenwald in Böhmen, und dessen Ehefrau Franziska (geborene Hein).[1] Seine Eltern hatten am 6. Juni 1911 im Dom zu St. Pölten geheiratet; der Vater war in dieser Zeit noch als Schriftenmaler beschäftigt.[1][2] Mit Camillo (1921–2013),[3] der von 1957 bis 1977 Fagottist der Wiener Philharmoniker war, und Anna Leopoldine (1913–1992)[4] hatte er zwei Geschwister.

Nach seiner allgemeinen Schulausbildung absolvierte Öhlberger von 1930 bis 1936 ein Fagottstudium bei Karl Strobl und schloss dieses im Jahre 1936 mit der Reifeprüfung ab. Noch ab seinem Abschlussjahr fungierte er als 1. Fagottist im Staatsopernorchester und war zudem vom 1. Oktober 1936 bis zu seiner Pensionierung 1975 Mitglied der Wiener Philharmoniker. Darüber hinaus gehörte er der Bläservereinigung der Wiener Philharmoniker und war ab 1946 Mitglied der Hofmusikkapelle. Als Solist nahm er unter anderem an der ersten Japan-Tournee der Wiener Philharmoniker im Jahr 1956 teil und spielte dabei ein Fagottkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart unter Paul Hindemith.

Im Jahr 1938 begann er seine mehr als fünf Jahrzehnte überdauernde Lehrtätigkeit an der Wiener Musikakademie bzw. späteren Hochschule für Musik und darstellende Kunst (seit 1998: Universität für Musik und darstellende Kunst Wien), wo er sich für Fagott und Bläserkammermusik verantwortlich zeigte. Im Jahr 1967 erfolgte seine Bestellung zum außerordentlichen Professor. In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen und seiner kontinuierlichen akademischen Tätigkeit wurde er im Jahr 1974 zum ordentlichen Professor berufen. Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 1982 blieb er der Hochschule bis Mitte der 1990er Jahre verbunden und nahm in dieser Zeit weiterhin Lehraufträge wahr. Mit Beginn seiner Lehrtätigkeit im Jahr 1938 erhielt der damals 26-Jährige den Spitznamen „Der Alte“.[5] Als Lehrkraft erreichte Öhlberger große Breitenwirkung und internationale Bedeutung. Er prägte über Jahrzehnte hinweg Generationen von Schülern, von denen zahlreiche anschließend eine internationale Orchestertätigkeit aufnahmen.[5] Zeitweise musizierte er im Orchester ausnahmslos mit eigenen Schülern, zu denen zu dieser Zeit unter anderem auch internationale Solisten wie Milan Turković zählten.[5]

Als Musiker und Lehrer galt Öhlberger in der NS-Zeit als durchweg unpolitisch.[5] Vom Ortsgruppenleiter, der für den Gauakt eine Beurteilung der politischen Zuverlässigkeit Öhlbergers abgeben musste, wurde dieser wie folgt charakterisiert:

Vg. (Anmerkung: Volksgenosse), der bisher ohne jede Bindung nur für sich gelebt hat und bis zum Umbruch nicht den Hauch der neuen Zeit verspürt hat. Es steht zu erwarten, dass dieser Vg. nun in die Volksgemeinschaft hineinwächst.[5]

Im Dezember 1938 fällte der Kreisleiter das Gesamturteil:

Bisher jeder Politik ferngestanden, eine Einstellung zur Partei müßte erst abgewartet werden.[5]

Entsprechende Erwartungen des Kreisleiters erfüllten sich offenbar nicht; auch die politische Haltung der Familienangehörigen wurde als „indifferent“ eingestuft.[5] Zwar trat er sechs Tage nach Antritt seines Engagements bei den Philharmonikern der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) bei, erwarb sich dort jedoch „keine Verdienste“, galt als „nicht gebefreudig“ und war weder in (Wehr-)Verbänden noch in Logen, Frontkämpferorganisationen oder Gewerkschaften aktiv.[5] Abschließend wurde festgehalten, dass „nichts Nachteiliges über ihn bekannt“ sei.[5]

Am 9. Oktober 2001 starb Öhlberger 89-jährig in Klosterneuburg.[1] Er hinterließ seine Ehefrau Melanie (geborene Heuer; * 13. September 1912 in Harland bei Pyhra; † 3. Dezember 2001 in Wien-Ottakring),[6] die er am 12. September 1937 im Dom zu St. Pölten durch Bischof Alois Stöger geheiratet hatte,[1][7] sowie eine gemeinsame Tochter, Gerda Unger-Öhlberger.

Die Neffen von Karl Öhlberger – beides Kinder seines Bruders Camillo – sind ebenfalls Musiker: Reinhard (* 1950) war bis 2015 ebenfalls Fagottist der Wiener Philharmoniker,[8] Alexander (* 1956) bis 2019 Oboist des Orchesters.[9] Reinhard Öhlberger wurde, wie bereits sein Vater vor ihm, von Karl Öhlberger ausgebildet.[5]

Auszeichnungen (Auswahl)

Literatur

  • Walter Hermann Sallagar (Hrsg.): Fagott forever. Eine Festgabe für Karl Öhlberger zum achtzigsten Geburtstag. Musikverlag Hilaria, Wilhering 1992, ISBN 978-3-90116-900-7

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Taufbuch St. Pölten-Dom, tom. XVI, fol. 239 (Faksimile), abgerufen am 7. Jänner 2026
  2. Trauungsbuch St. Pölten-Dom, tom. X, fol. 165 (Faksimile), abgerufen am 7. Jänner 2026
  3. Taufbuch St. Pölten-Dom, tom. XVIII, fol. 17 (Faksimile), abgerufen am 7. Jänner 2026
  4. Taufbuch St. Pölten-Dom, tom. XVII, fol. 17 (Faksimile), abgerufen am 7. Jänner 2026
  5. a b c d e f g h i j Karl Öhlberger wäre 100. In: Wiener Oboen-Journal, Gesellschaft der Freunde der Wiener Oboe, 54. Ausgabe, Juni 2012, S. 12–13
  6. Taufbuch Pyhra, tom. XIII, fol. 211 (Faksimile), abgerufen am 7. Jänner 2026
  7. Trauungsbuch St. Pölten-Dom, tom. XIV, fol. 73 (Faksimile), abgerufen am 7. Jänner 2026
  8. Prof. Reinhard Öhlberger trat in den Ruhestand, abgerufen am 7. Jänner 2026
  9. Prof. Alexander Öhlberger tritt in den Ruhestand, abgerufen am 7. Jänner 2026