Pietro-Mola-Denkmal

Das Pietro-Mola-Denkmal ist ein von Antonio Soldini geschaffenes, 1909 eingeweihtes Büstendenkmal in Coldrerio im Schweizer Kanton Tessin, das dem liberalen Politiker, Anwalt und Oberst Pietro Mola (1832–1884) gewidmet ist.

Geschichte

Pietro Mola starb am 17. Januar 1884, mit erst 51 Jahren und nur dreieinhalb Jahre nach dem für ihn äusserst demütigenden, politisch motivierten «Stabio-Prozess», in seiner Geburtsgemeinde Coldrerio und galt in liberalen Kreisen seither als Märtyrer ihrer Sache. Der Verein «Chiasso Liberale» plante für Molas 25. Todesjahr 1909 eine grossangelegte Gedenkfeier, und die Gemeinde Coldrerio beschloss kurzfristig, zu diesem Anlass auch ein Denkmal zu stiften.[1] Den Auftrag übergab sie Antonio Soldini, der, selbst liberaler Politiker, bereits zahlreiche Monumente für hervorragende Repräsentanten der Partei geschaffen hatte, unter anderem das Mordasini-Denkmal in Locarno, das Franscini-Denkmal in Faido und das Luigi-Lavizzari-Denkmal in Mendrisio. Er führte das Werk binnen eines Monats aus. Die Bronzebüste wurde von der Firma «Brambilla & C.» in Mailand gegossen.[2]

Die Einweihung war eigentlich auf den 14. Februar 1909 angesetzt (die Festrede sollte Staatsrat Evaristo Garbani-Nerini halten),[3] musste aber wegen starken Schneefalls verschoben werden. Aus demselben Grund wurde auch die Feier am Ausweichdatum, dem 28. Februar, abermals abgesagt.[2] Erst am 2. Mai konnte das Denkmal endlich eingeweiht werden, auch wenn erneut missliche Wetterbedingungen herrschten; es blies nämlich ein starker und kalter Wind.

Zu Füssen des Denkmals waren drei Kränze niedergelegt. Um 14:45 Uhr betrat Guglielmo Camponovo den Balkon des Hauses gegenüber dem Denkmal, sprach kurz und übergab dann das Wort dem offiziellen Festredner Rinaldo Borella,[1][2] der mit Mola in die «Ereignisse von Stabio» involviert gewesen war.[4] Während seiner Rede wurde das Denkmal unter Musik und Applaus enthüllt. Abschliessend hielt auch Emilio Bossi eine Rede, und Camponovo bedankte sich im Namen von «Chiasso Liberale» und der Gemeinde Coldrerio. Die Festgemeinde zerstreute sich in Richtung Mendrisio und Chiasso.[1][2]

Die konservative Presse schenkte dem Anlass kaum Beachtung. Die Zeitung Popolo e Libertà mokierte sich lediglich über die mehrfache Verschiebung und die gehaltenen Reden:

«Der ehrenwerte Herr Rinaldo Borella […] hat am vergangenen Sonntag des Obersts Mola selig gedacht. Und er hat gut daran getan, sich dieser Last endlich zu entledigen, zumal diese Gedenkfeier selbst dem Redner langsam zuwider zu werden begann.»

Popolo e Libertà

Gleichzeitig mit dem Denkmal wurde auch eine Gedenktafel an Molas Geburtshaus angebracht. Sie enthält die schlichte Inschrift: In questa casa nacque, visse e morì Pietro Mola 1832–1884 («In diesem Hause kam auf die Welt, lebte und starb Pietro Mola 1832–1884»).[2]

Beschreibung

Das Denkmal steht bei der Pfarrkirche San Giorgio und ist insgesamt 3,60 Meter hoch. Sein Postament erhebt sich auf einer dreistufigen Krepis aus Osogna-Granit. Darauf thront ein überlebensgrosses bronzenes Brustbild Molas, das mit einem Flechtwerk aus Eichenlaub, Kodizes und Schwert geschmückt ist.[2][5] Ursprünglich war das Monument von einem schmiedeeisernen Gitter umgeben.[5] Auf der Frontseite im Oberfeld des Sockels ist folgende Inschrift in Bronzelettern angebracht:

«Al Col. PIETRO MOLA
Deputato Giureconsulto
che all’amore di patria
congiunse lo spirito di
sacrificio e d’abnegazione
Coldrerio
e il Ticino Liberale
con affetto memore
riconoscenti eressero
14 febbraio 1909
»

«Dem Oberst Pietro Mola, Abgeordnetem und Rechtsgelehrtem, der Vaterlandsliebe mit Opfermut und Entsagungsbereitschaft vereinte, errichteten Coldrerio und das liberale Tessin mit erinnernder Liebe und in Dankbarkeit [dieses Denkmal] am 14. Februar 1909.»

Die Inschrift enthält das ursprünglich geplante Einweihungsdatum und konnte nachträglich nicht mehr geändert werden.

Siehe auch

Literatur

  • L’inaugurazione del monumento al colonnello Mola a Coldrerio. In: L'Azione. Giornale delle idee radicali-democratiche. 3. Mai 1909, S. 1 (online).
  • La commemorazione Mola a Coldrerio. In: Gazzetta Ticinese. 3. Mai 1909, S. 3 (online).

Einzelnachweise

  1. a b c Commemorazione Mola. In: Gazzetta Ticinese. 8. Februar 1909, S. 2 (online).
  2. a b c d e f L’inaugurazione del monumento al colonnello Mola a Coldrerio. In: L’Azione. Giornale delle idee radicali-democratiche. 3. Mai 1909, S. 1 (online).
  3. Le nostre riunioni. In: Gazzetta Ticinese. 9. Februar 1909, S. 2 (online).
  4. Giovanni Andrea Scartazzini: Der Stabio-Prozess. Im Zusammenhange geschichtlich dargestellt. Orell Füssli, Zürich 1880 (Digitalisat auf Google Books), S. 19.
  5. a b La commemorazione Mola a Coldrerio. In: Gazzetta Ticinese. 3. Mai 1909, S. 3 (online).

Koordinaten: 45° 51′ 14,4″ N, 8° 59′ 14,6″ O; CH1903: 720301 / 79228