Museum Dr. Guislain
Das Museum Dr. Guislain ist ein Museum zur Geschichte der Psychiatrie und zu Art brut im Genter Stadtteil Bloemekeswijk in Belgien.
Geschichte des Museums
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Die Einrichtung, 1978
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Die Einrichtung, 2017
Der Gebäudekomplex wurde 1857 als „Hospice pour hommes aliénés“ zur psychiatrischen Unterbringung und Behandlung von männlichen Patienten in Betrieb genommen und wurde im Volksmund nach seinem Gründer Professor Joseph Guislain (1797–1860) „Guislain-Anstalt“ genannt. Als einer der Pioniere der modernen Psychiatrie, der Geisteskrankheit als behandelbare Krankheit ansah, setzte Guislain in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchitekten Adolphe Pauli seine Vorstellungen einer patientengerechten Anstaltsarchitektur um. Der Gebäudekomplex in einem eklektischen Stil mit Elementen der Neoromanik, Neugotik und Neorenaissance wurde in ruhiger Lage außerhalb der Stadt gebaut.[1]
Der Gebäudekomplex wird heute durch das „Psychiatrische Zentrum Dr. Guislain“, das „Ausbildungszentrum Dr. Guislain“ und das „Museum Dr. Guislain“ genutzt.[2] Das Museum wurde 1986 von René Stockman (* 1954) gegründet, dem Generaloberen der Broeders van Liefde, der zu dieser Zeit auch Generaldirektor des Psychiatrischen Zentrums Dr. Guislain war. Er wurde der erste Kurator des Museums.[3] Das Gebäudeensemble wurde 1999 von der Flämischen Gemeinschaft als Denkmal anerkannt.[1]
Sammlung
Die Museumssammlung besteht aus zwei Teilsammlungen: einer umfassenden Geschichte der Psychiatrie und der Kunstsammlung, von denen eine Auswahl dauerhaft ausgestellt wird.[4] Daneben werden Wechselausstellungen gezeigt.[5]
Ausstellung zur Geschichte der Psychiatrie
Die Sammlung entstand aus einer kleinen Kernsammlung mit alten Objekten im Hospital, die gelegentlich im Rahmen des „Tags der offenen Tür“ ausgestellt worden waren. Dazu gehörte auch eine Sammlung von Zwangsinstrumenten, die im Genter Männerkrankenhaus vom späten 18. bis zum frühen 19. Jahrhundert verwendet wurden.[6] Gezeigt werden unter anderem medizinische Modelle im Zusammenhang mit der Psychiatrie, Krankenzimmer mit historischer Ausstattung, Schriften und Gegenstände aus Patientenbesitz.[4] Anhand früher Röntgenapparate, medizinischer Apparaturen und von Trepanationsinstrumenten werden alte Behandlungsmethoden beschrieben bis zum modernen Gebrauch von Psychopharmaka.[5]
Neben den Objekten ist eine umfangreiche Fotosammlung zur Geschichte der Psychiatrie mit einem Katalog von Fotografien psychisch Kranker ab 1860 ausgestellt,[5] die vom Museum durch den Erwerb von Werken zeitgenössischer Fotografen ergänzt wird. Der größte Teil der heutigen Sammlung wurde vom Museum durch Kauf, Schenkung oder Vermächtnis erworben.[4]
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Gehirnschnittmaschine zur Herstellung mikroskopischer Präparate von Professor André Dewulf
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Früher Röntgen-Apparat
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„Psychotron“ zur Verabreichung von Elektroschocks
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Apotheke im Museum
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Räume der Dauerausstellung zur Geschichte der Psychiatrie
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Räume der Dauerausstellung zur Geschichte der Psychiatrie
Ausstellung zu Art brut
Den Grundstock der Sammlung zu Art brut bildete eine kleine Kollektion bildender Kunst von künstlerisch begabten Psychiatriepatienten und Menschen mit geistiger Behinderung.[4][7] Heute werden Gemälde und Skulpturen von Autodidakten aus aller Welt präsentiert.[5]
Bedeutend erweitert wurde der Bestand des Museums durch die Sammlung der Stiftung „Collectie de Stadshof“ aus Zwolle. Nach der Schließung des Zwoller Museums wird die Sammlung seit 2002 als Dauerleihgabe in Gent bewahrt und ausgestellt. Sie enthält über 6.000 Werke von fast 400 Außenseiterkünstlern wie A.C.M., Herman Bossert, Tim Brown, Nek Chand, Sylvain Cosijns, Joris Coudeville, Aaltje Dammer, Adama Diakhaté, Paul Duhem, Luiz Figueiredo, Willem van Genk, Irène Gérard, Shérazade Gharbi, Madge Gill, Siebe Wiemer Glastra, Bertus Jonkers, Herman Kamphuis, Truus Kardol, Saï Kijima, Rosemarie Koczy, Reuben Lake, Marc Lamy, Gerard van Lankveld, Simone Le Carré-Galimard, Jean Leclercq, Pavel Leonov, Pascal Leyder, Alexis Lippstreu, Bonaria Manca, Dirk Martens, Markus Meurer, Bruno Montpied, Michel Nedjar, Nikifor, André Robillard, Lucie Szaak, Oswald Tschirtner, Pascale Vincke, Theodor Wagemann, August Walla, Johnson Weree, Roy Wenzel, Anna Zemánková und Carlo Zinelli.[4][7][8]
Ausstellungen (Auswahl)
- 2024: Off-Comics. Gruppenausstellung, unter anderem mit Werken von Michael Golz, Marilena Pelosi, Gustav Sievers, Clemens Wild[9]
- 2022/2023: Wim Opbrouck: Open Hart
- 2021/2022: Eric De Volder: Archive
- 2021: Gaston Wuestenbergs
- 2020–2022: De Kabinetten IV. Collectiepresentatie Kunstcollecties: Stichting Collectie De Stadshof en Museum Dr. Guislain, unter anderem mit Werken von Nek Chand, Madge Gill, Markus Meurer, Michel Nedjar, Oswald Tschirtner, Willem van Genk, August Walla[7]
- 2018: Prikkels, unter anderem mit Werken von Friederike von Rauch
- 2014: Ich sehe was, was du nicht siehst. Kunst und Autismus, mit Werken von Benjamin Binder, Stefanie Bubert, Olaf Behnke, Johannes Dechau (Ateliergemeinschaft Die Schlumper)
- Bilder von Gertrud Schwyzer in der Ausstellung Nerveuze Vrouwen
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- 2012/2013: Nerveuze Vrouwen: Twee Eeuwen Vrouwen en Hun Psychiaters: Two Centuries of Women and Their Psychiatrists, unter anderem mit Werken von Gertrud Schwyzer
- 2011: The weighty body, unter anderem mit Werken von Daniele Buetti
- 2007: Hans-Jörg Georgi: Schets of Schim. Over architectuur en intuitie
- 2006: Lisa Niederreiter: Antwortkleid für Agnes Richter
- 2003/2004: Wunderhülsen & Willenskurven – Bücher, Hefte, Kalendarien aus der Sammlung Prinzhorn. Wanderausstellung: Sammlung Prinzhorn Heidelberg 2002, Stadtmuseum Jena 2002, Museum Dr. Guislain 2003/2004, unter anderem mit Werken von Emma Hauck, Barbara Suckfüll
- 1999/2000: Theodor Wagemann: Gestoorde Vorsten
Weblinks
- Website des Museum Dr. Guislain
Einzelnachweise
- ↑ a b De gebouwen op de guislainsite kennen een boeiende geschiedenis. In: Museum Dr. Guislain. Abgerufen am 27. September 2025
- ↑ Museum Dr. Guislain. In: Clio-online. Abgerufen am 28. September 2025
- ↑ Francesca Lanz: Mind Museums: Former Asylums and the Heritage of Mental Health. Routledge Focus, New York 2024, ISBN 978-1-032-19398-4, S. 2007 (eingeschränkte Buchvorschau)
- ↑ a b c d e Vaste collectie. In: Museum Dr. Guislain. Abgerufen am 27. September 2025
- ↑ Van ziekenhuis naar museum. In: Museum Dr. Guislain. Abgerufen am 27. September 2025
- ↑ a b c De Kabinetten IV. In: Museum Dr. Guislain. Abgerufen am 27. September 2025
- ↑ Gent: Das Museum für Psychiatrie Dr. Guislain. In: Reisemagazin Schwarzaufweiss. Abgerufen am 27. September 2025
- ↑ Off-Comics. In: Museum Dr. Guislain. Abgerufen am 27. September 2025
Koordinaten: 51° 4′ 4,3″ N, 3° 42′ 12,8″ O