Truus Kardol

Truus Kardol (* 1934 in Amsterdam; † 1994 in Leidschendam) war eine niederländische Künstlerin, die sich der Art brut zurechnen lässt.

Werdegang

Truus Kardol wurde als Tochter eines Architekten in Amsterdam geboren. Sie galt als intelligent, sensibel und künstlerisch begabt, aber auch zurückgezogen in ihrer eigenen Welt lebend. Bereits in der Sekundarschule betätigte sie sich künstlerisch. Nach einem Nervenzusammenbruch im Jahr 1953 und dem darauf folgenden Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik nahm sie eine Stelle als Textildesignerin in einer Weberei an. 1955 begann sie ein Studium an der Koninklijke Academie van Beeldende Kunsten in Den Haag, wo sie sich im Aktzeichnen hervortat,[1] und an der Vrije Academie Werkplaats voor Beeldende Kunsten in Den Haag.[2]

Wiederholte psychische Zusammenbrüche machten Truus Kardol eine Fortführung ihres Studiums unmöglich und 1962 wurde sie „auf unbestimmte Zeit“ in die psychiatrische Klinik Hulp en Heil in Leidschendam eingewiesen und es wurde bei ihr Schizophrenie diagnostiziert.[1][2] Auch während und zwischen ihren Aufenthalten in Kliniken war sie künstlerisch tätig. In Hulp en Heil befand sie sich in Behandlung bei dem Psychiater Johannes Herbert Plokker und besuchte das „Atelier für kreative Therapie“, das er dort bereits um 1955 eingerichtet hatte,[2] da er an die heilende Wirkung kreativer Therapie[3] ohne festgelegtes Behandlungsprogramm glaubte. Zu den Betreuungspersonen, die meist einen künstlerischen Hintergrund hatten, zählte auch Plokkers Schwester Grace. Im Atelier fertigte Truus Kardol Zeichnungen und schuf Stickereien,[1] bis Plokker 1964 als Professor für Psychiatrie nach Utrecht ging und sein Nachfolger die kostenlose kreative Therapie einstellte. Auch in der Zeit danach entstanden noch Arbeiten von Truus Kardol.[4]

Truus Kardol starb 1994 in Leidschendam.

Werk

Truus Kardol schuf Serien von schwarz-weißen Porträts oder Selbstporträts mit Conté-Kreiden oder Bleistift. Ihre ausdrucksstarken, mitunter monströsen Porträts[3] mit teils gewalttätigen oder halluzinatorischen Gesichtszügen[5] zeichnete sie mit hoher Geschwindigkeit. Daneben malte sie mit großem Gespür für Farbkombinationen eine Vielzahl farbenfroher Gemälde mit ruhigen Fantasielandschaften, exotischen Pflanzen[3] und „maskenartigen Köpfen, die in Pflanzen und Bäume übergehen, wobei die großen, starren Augen am längsten sichtbar bleiben. Die von ihr geschaffenen Landschaften sind bizarr, mit wucherndem Gestrüpp in leuchtenden Farben oder karger, öder Leere“.[2][6]

Obwohl Johannes Herbert Plokker die Zeichnungen seiner Patienten nicht als Kunst ansah, bezeichnete er einige von Truus Kardols Werken als „wahre Kunstwerke von bestechender Originalität“ und lobte ihre ruhige Hand, ihren kraftvollen Stil, gelungene Komposition und ihren schönen Umgang mit Farbe.[2]

Truus Kardols Werke befinden sich in der niederländischen Stiftung Collectie De Stadshof. Sie sind Teil einer Schenkung der Familie Plokker von über 1100 Zeichnungen und Gemälden psychiatrischer Patienten, die der Psychiater Johannes Herbert Plokker während seiner Arbeit gesammelt hatte.[3] Die Sammlung wurde in den 1990er Jahren in Zwolle ausgestellt und befindet sich seit 2002 als Dauerleihgabe im Museum Dr. Guislain in Gent.[2]

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. a b c d e Kardol, Truus. In: Collectie de Stadshof. Abgerufen am 29. Dezember 2025
  2. a b c d e f g Frans Smolders: Truus Kardol, Ank van Pagée en Sylvain Cosijns. Indrukwekkend in hun schrikbarendheid. In: Origine 04 2010, S. 66–71, Collectie de Stadshof. Abgerufen am 29. Dezember 2025
  3. a b c d Mac van Dinther: Echter dan echt. In: De Volkskrant vom 6. Januar 2001. Abgerufen am 30. Dezember 2025
  4. a b Plokker Collection. In: Collectie de Stadshof vom 5. Januar 2010. Abgerufen am 30. Dezember 2025
  5. Mis je de kunstcollectie? Ontdek dan online een aantal werken in detail! In: Museum Dr. Guislain. Abgerufen am 29. Dezember 2025
  6. Liesbeth Reith: Formes, Expression Plastique, Art? La collection Plokker. In: Hidden Worlds: Outsider Art. Antique Collectors' Club 2007, ISBN 978-9-0209-7023-4, S. 53–54
  7. Sous le vent de l’art brut 2: La collection De Stadshof . In: Halle Saint Pierre. Abgerufen am 29. Dezember 2025
  8. Outsider Art. Creativity outside the mainstream. In: Kunstmuseum Den Haag. Abgerufen am 30. Dezember 2025
  9. Anima Mundi. Exhibit in Museum Boijmans van Beuningen. In: Collectie de Stadshof vom 2. Juni 2018. Abgerufen am 30. Dezember 2025
  10. De Stadshof Collection in exhibit Seoul. In: Collectie de Stadshof vom 2. März 2018. Abgerufen am 30. Dezember 2025