Simone Le Carré-Galimard
Simone Le Carré-Galimard (* 10. September 1912 in Troyes; † 1996 in Paris) war eine französische bildende Künstlerin, die sich der Art brut zurechnen lässt.
Werdegang
Simone Le Carré-Galimard wurde in der Rue de la Paix 93 in Troyes geboren. Ihr Vater Jean-François Le Carré stammte aus der Bretagne und war Sergeant im 60. Infanterieregiment, ihre Mutter kam aus Lothringen und war Mennonitin.[1] Als ihr Vater 1919 bei einem LKW-Unfall ums Leben kam, wurde ihre Mutter mit 42 Jahren Witwe und zog mit ihren Kindern auf den abgelegenen Bauernhof ihrer Familie in der Champagne.[2] Simone Le Carré-Galimard wuchs mit ihren drei Brüdern in einem puritanischen und strengen Umfeld auf, in dem ihr selbst Spielzeug verboten war und die einzige erlaubte Freizeitbeschäftigung das sonntägliche Bibellesen war.[1][3]
1929 gelang es Simone Le Carré-Galimard, an der Pariser École Supérieure des Arts Décoratifs angenommen zu werden, die sie drei Jahre besuchte.[2][4] Da sie nach ihrem Abschluss keine Arbeit fand, kehrte sie 1934 zu ihrer Mutter zurück und wurde Imkerin. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges besaß sie über zweihundert Bienenstöcke.[1] Als sie einen ihrer Brüder in Marokko besuchte, erkrankte sie dort an Typhus und überlebte nur knapp. Während der Besatzungszeit schloss sie sich in ihrer Heimatregion der Résistance an. Für ihre Verdienste wurde sie mit dem Croix de Guerre ausgezeichnet.[2][3]
1947 begann Simone Le Carré-Galimard im Atelier von Germaine Richier als einfache Werkstatthelferin und Assistentin,[4] fegte die Ateliers, heizte die Öfen und erhielt nur mündlichen Unterricht.[3] Im selben Jahr heiratete sie ihren Jugendfreund Maurice Galimard, der aus deutschen Konzentrationslagern geflohen war.[2] In den 1950er Jahren begann sie, in Schwarz-Weiß zu zeichnen, unterstützt von ihrem Mann, der die kreative Leidenschaft seiner Frau bewunderte. Zusammen führten sie ab 1954 in Paris ein kleines Restaurant[3][5] und bekamen eine Tochter. Mit Beginn ihres Ruhestands zog das Paar 1970 in ein kleines Haus im 14. Arrondissement von Paris.[1] Simone Le Carré-Galimard begann neben ihrer Zeichentätigkeit, die als dunkel und trostlos empfundenen Räume mit selbstgefertigten Kunstwerken zu dekorieren.[2][5][6]
1976 fand Simone Le Carré-Galimards erste Ausstellung im Atelier Jacob von Alain Bourbonnais statt. Er drehte auch einen Film über ihr Werk.[6] Simone Le Carré-Galimard starb 1996. Ihre Tochter vermachte einige der im Haus verbliebenen Werke der Galerie La Fabuloserie.[6]
Werk
Simone le Carré-Galimard schuf farbenfrohe Collagen, Assemblagen, Zeichnungen[4] mit Kugelschreiber,[2] an afrikanische Kunst oder Voodoo-Kulte erinnernde Masken, Figuren, Puppen und Marionetten.[6] Ihre auf Flohmärkten und in der Umgebung gesammelten Materialien lagerte sie in Schubladen und Kisten nach Art und Werkstoff geordnet, um sie später für ihre Kunstwerke zu verwenden. Darunter befanden sich Alufolie, Flaschendeckel, Puppenaugen und -teile, Plastikspielzeug, Verpackungen, Knöpfe, Perlen, Holz, Muscheln, Federn,[5] Gaze, Stoffe, Garne, Borten[2][4] und verschiedene Papiersorten.[6]
Sie selbst bezeichnete als ihre Motivation, dass sie nun alles besitzen konnte, was ihr in ihrer Kindheit gefehlt habe.[6] Als Ausgleich zu ihrer trostlosen Kindheit, „geprägt vom frühen Verlust ihres Vaters und einer Mutter, deren Erziehung an Puritanismus grenzte“,[3] füllte sie „das kleine Haus aus einer anderen Welt“ komplett mit ihren Werken, für die ihr Mann die Rahmen fertigte.[6]
Werke von Simone Le Carré-Galimard sind in den Sammlungen der von Alain Bourbansais gegründeten La Fabuloserie in Dicy,[2] der Collection de l’Art Brut in Lausanne,[3] dem Musée de la Création Franche in Bègles[1] und der niederländischen Stiftung Collectie De Stadshof vertreten, die sich seit 2002 als Dauerleihgabe im Museum Dr. Guislain in Gent befindet.[4]
Ausstellungen (Auswahl)
- 1976: erste Ausstellung im Atelier Jacob[2][6]
- 1990: Les Jardiniers de la Mémoire. Musée de la Création Franche, Bègles
- 1990: Palais de la découverte, Paris[1]
- 1994: Regards sur la collection. Musée de la Création Franche, Bègles
- 1994: Création Franche N° 9. Musée de la Création Franche, Bègles
- 1994: Exposition d’enveloppes peintes ou diversement illustrées. Musée de la Création Franche, Bègles
- 2005: In Another World. Kiasma - Museum für zeitgenössische Kunst, Helsinki[7]
- 2010: Collection Création Franche – 1989-2010. Musée de la Création Franche, Bègles
- 2013: Un autre regard. Musée d'Art et d'Histoire de l'Hôpital Sainte-Anne (MAHHSA), Paris
- 2015: Création Franche, Hors-série N° 2. Musée de la Création Franche, Bègles[2]
- 2019: Galerie La Fabuloserie Paris.[6]
- 2020: Sereno Variável. Centro de Arte Oliva, São João da Madeira[7]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Simone Le Carré-Galimard. Interview vom 21. März 1995. In: rivaisjeanine.com. Abgerufen am 4. Januar 2026
- ↑ a b c d e f g h i j Le Carré-Galimard, Simone (1912 – 1996) In: Musée de la Création Franche. Abgerufen am 4. Januar 2026
- ↑ a b c d e f Jean-Michel Van Houtte: Simone Le Carré-Galimard : le voyage d’une Troyenne au pays de l’art brut. In: L’Est éclair vom 7. November 2021. Abgerufen am 4. Januar 2026
- ↑ a b c d e Le Carré-Galimard, Simone. In: Collectie de Stadshof. Abgerufen am 3. Januar 2026
- ↑ a b c Biographie et formation. In: Ville de Lausanne: Institutions, musées, archives et médiathèques. Abgerufen am 4. Januar 2026
- ↑ a b c d e f g h i Simone Le Carré-Galimard. In: La Fabuloserie. Abgerufen am 3. Januar 2026
- ↑ a b Simone le Carré Galimard. In: collecteurs.com. Abgerufen am 4. Januar 2026