Kriegerdenkmal Feldmoching (1923)
Das Feldmochinger Kriegerdenkmal in Gedenken an die 70 gefallenen Feldmochinger Bürger im Ersten Weltkrieg, auch der Eduard genannt, wurde im Jahr 1923 erbaut und im Jahr 1924 enthüllt.[1]
Im Jahr 1982 wurde es um einen Sockel in Gedenken auch an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Feldmochinger Bürger erweitert.[2][3]
Es befindet sich an der Straßengabelung Feldmochinger und Grashofstraße unweit der Kirche St. Peter und Paul bzw. unmittelbar vor dem älteren Kriegerdenkmal in Gestalt einer Mariensäule und hinter dem Feldmochinger Zwergbrunnen.
Darstellung
Das Denkmal stellt einen, die Jugend Deutschlands verkörpernden jungen Krieger dar. In der linken Hand hält er eine Handgranate, in der rechten Hand das Gewehr bei Fuß.[4]
Geschichte
Am 27. August 1923 reichte die Gemeinde Feldmoching dem Münchner Bezirksamt die seitens desselben im Vorfeld „mehrfach an(ge)mahn(t)en“[5] Pläne für ein „Kriegerdenkmal im Altdorf“[5] ein. Dem Begleitschreiben gemäß hatte sich die Einwohnerschaft „Nach Prüfung von Hunderten von Entwürfen und Modellen in vielen Versammlungen“[5] auf einen Entwurf geeinigt. Es solle aus Treuchtlinger Marmor ausgeführt, die Figur vom Münchner Bildhauer Reinhold Fritz modelliert werden. Die Bildhauerarbeiten sollten von Finsterwalden, die Steinmetzarbeiten von Hensold ausgeführt werden.[5]
Der Sachbearbeiter des Münchner Bezirksamt kommentierte im Manuskript die angebliche Anzahl der Entwürfe schriftlich mit einem Fragezeichen, die Einigung auf den vorliegenden Entwurf mit einem „leider“[5] und leitete es „zur gefl. (gefälligen) Äußerung“[5] an das Münchner Landbauamt weiter.[5]
Das Landbauamt antwortete am 14. September 1923, dass sich der vorgelegte Entwurf nicht eigne, genehmigt zu werden. Die Art der Aufstellung und die Einzelheiten des Denkmals seien „unkünstlerisch“[5] und würden „eine Verunzierung der Ortschaft bedeuten und weder den Gefallenen noch den Stiftern Ehre machen“.[5]
Am 23. September 1923 stellte der Münchner Bildhauer Reinhold Fritz angeblich ungedrungen klar, dass er lediglich die Figur modelliert habe, der Entwurf stamme vom Feldmochinger Architekten Georg[6] Müllner.[5]
Am 10. November 1923 hingegen schrieben die Feldmochinger dem Bezirksamt, dass sie den Beschluss vom 21. September 1923, mit dem die Errichtung des Denkmals nicht genehmigt wurde, zur Kenntnis genommen haben. Allerdings hätten sie aufgrund „fortschreitende[r] Teuerung“[5] sofort nach dem Einreichen des Entwurfs mit dem Bau begonnen.[5] Zwei Drittel habe man schon fertiggestellt. Nach Eintreffen des Ablehnungsbescheids seien die Arbeiten jedoch eingestellt worden.[7]
Die Gemeinde ersuche die Genehmigung aus verschiedenen Gründen trotzdem zu erhalten: Die Feldmochinger Einwohner hätten schwere Opfer gebracht, um ein Denkmal zu erhalten. Von den 200 Entwürfen habe keiner den Wünschen der Stifter und gleichzeitig der Einwohnerschaft gefallen. Der vorgelegten Entwurf wurde in Einklang mit den Wünschen der Stifter und der Einwohnerschaft erstellt. Aufgrund der Verzögerung und der Inflation (vergleiche: Deutsche Inflation 1914 bis 1923) reichten die zur Verfügung stehenden Mittel nicht aus, „neuerdings [müsse] mit einer Sammlung an die Einwohnerschaft herangegangen werden“ (sic!).[4]
Der die Bitte ans Landbauamt weiterleitende Sachbearbeiter kommentierte das Manuskript am Rand: „von den 200 der hässlichste“.[4]
Das Landbauamt antwortete am 17. November 1923, das Gesuch vom 10. November ändere am Gutachten vom 14. September nichts. Die genannten Gründe seien nicht „in keiner Weise stichhaltig“.[4] Das Denkmal könne längst fertig sein, man hätte sich lieber an die Denkmalsberatung gehalten. An gutem Willen der Feldmochinger mangele es, der Entwurf sei „in jeder Hinsicht derart minderwertig, daß an eine Genehmigung nicht zu denken ist“.[4] Für diese Mitteilung stellte das Bezirksamt 2000 Milliarden Mark Staatsgebühren und 200 Milliarden Mark Postgebühren in Rechnung.[4]
Schließlich wurden lediglich die beiden laut Entwurf vorgesehenen Seitenflügel am nahezu vollendeten und bis „heute noch fast unverändert[en]“[4] Denkmal nicht verwirklicht. Die Lerchenauer Künstler Zehetbauer und Göhring bezeichneten den Entwurf als „wohl die beste Lösung“.[4]
Das Denkmal wurde am 18. Mai 1924, einem strahlenden Sonnentag, in Gegenwart 18 auswärtiger Vereine, enthüllt. Prinz Ludwig Ferdinand „nahm“ nach der Denkmalsenthüllung vor der Kirche „die Parade ab“.[8]
Der Steinmetz wurde unter anderem in Getreide ausbezahlt.[8]
In Feldmoching wurde der Krieger als „etwas schwächlich“ befunden und nach einer gewissen Zeit Eduard genannt.[4]
Das Denkmal wurde im Jahr 2024 saniert.[9]
Erweiterung
Das Denkmal wurde wenige Zentimeter davor m einen Sockel erweitert, auf dem auch die Namen der im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommene Feldmochinger Bürger zu sehen sind. Laut Inschrift auf seiner Rückseite wurde er im Jahr 1982 von „Feldmochinger, Harthofer u. Ludwigsfelder Bürgern“ erstellt.[2] Er trägt die Inschrift:[3]
„UNSEREN (FELDMOCHINGER,
HARTHOFER, LUDWIGSFELDER
UND DIE HEIMATVERTRIEBENEN)
GEFALLENEN U. VERMISSTEN
Soldaten
1939 1945
SOWIE DEN
BOMBEN-VERTRIEBENEN OPFERN
U. BEI KRIEGSENDE UMS LEBEN
GEKOMMENEN MITBÜRGERN
ZUM EHRENDEN GEDENKEN“[3]
Trivia
Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung wurde das Kriegerdenkmal unmittelbar hinter dem Zwergbrunnen zwischen den Jahren 1920 und 1930 fertiggestellt, der Zwergbrunnen hingegen im Jahr 1924.[10] Nach den wenigen wissenschaftlichen Publikationen über beide Denkmäler wurde das Kriegerdenkmal[8] an dem Tag (18. Mai 1924) enthüllt, an dem auch der Zwergbrunnen[11] fertiggestellt wurde.
Literatur
Der „Eduard“ in: Volker D. Laturell: Feldmoching. Die Entstehuns- und Entwicklungsgeschichte eines Münchner Stadtteiles. Verlag Dr. Benno Tins, München 1970. S. 236–238.
Weblinks
- Kriegerdenkmal Feldmoching 1./2. Weltkrieg auf stadtgeschichte-muenchen.de
- Reinhard Krohn: Feldmoching: Der „Eduard“ im neuen Glanz auf la24muc.de
- Kriegerdenkmal - Feldmoching auf bayern-kultur.de
Einzelnachweise
- ↑ Volker D. Laturell: Feldmoching. Die Entstehuns- und Entwicklungsgeschichte eines Münchner Stadtteiles. Verlag Dr. Benno Tins, München 1970, Der „Eduard“, S. 237–238.
- ↑ a b Fotoupload258743: English: Feldmochinger Kriegerdenkmal in Gedenken der Opfer und Vermissten des ersten und zweiten Weltkrieges. 11. November 2025, abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ a b c Kriegerdenkmal Feldmoching 1./2. Weltkrieg. In: stadtgeschichte-muenchen.de. Abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ a b c d e f g h i Volker D. Laturell: Feldmoching. Die Entstehuns- und Entwicklungsgeschichte eines Münchner Stadtteiles. Verlag Dr. Benno Tins, München 1970, Der „Eduard“, S. 237.
- ↑ a b c d e f g h i j k l Volker D. Laturell: Feldmoching. Die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte eines Münchner Stadtteiles. Verlag Dr. Benno Tins, München 1970, Der „Eduard“, S. 236.
- ↑ Volker D. Laturell: Feldmoching. Die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte eines Münchner Stadtteiles. Verlag Dr. Benno Tins, München 1970, Die politisch unruhigen Jahre um 1930, S. 241.
- ↑ Volker D. Laturell: Feldmoching. Die Entstehuns- und Entwicklungsgeschichte eines Münchner Stadtteiles. Verlag Dr. Benno Tins, München 1970, Der „Eduard“, S. 236–237.
- ↑ a b c Volker D. Laturell: Feldmoching. Die Entstehuns- und Entwicklungsgeschichte eines Münchner Stadtteiles. Verlag Dr. Benno Tins, München 1970, Der „Eduard“, S. 238.
- ↑ Reinhard Krohn: Feldmoching: Der „Eduard“ im neuen Glanz. In: la24muc.de. Abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Christian Jocher-Wiltschka: Münchens größtes Dorf. In: Münchner Stadtteile – Feldmoching. 28. Oktober 2011, abgerufen am 5. November 2025 (Fundstelle: 3/13).
- ↑ Otto Josef Bistritzki: Brunnen in München: lebendiges Wasser in einer großen Stadt. Callwey Verlag, München 1980, Zwerg-Brunnen, S. 137.
Koordinaten: 48° 13′ 0,6″ N, 11° 31′ 44″ O