Industrielehrpfad Gerthe Grumme Hiltrop
Der Industrielehrpfad Gerthe / Grumme / Hiltrop ist ein etwa 20 Kilometer langer industriegeschichtlicher Lehrpfad als Fahrradtour durch die Bochumer Stadtteile Gerthe, Grumme und Hiltrop.[1]
Beschreibung
Der Industrielehrpfad aus dem Jahr 1995 ist einer von drei Lehrpfaden, welche in den 1990er Jahren erarbeitet worden sind, und in Broschüren von der Stadt Bochum veröffentlicht wurden.[1] Im Gegensatz zu anderen Bergbaulehrpfaden wurden keine Schilder an den Stationen aufgestellt. Die beiden anderen Routen sind der Industrielehrpfad Hamme / Hordel / Hofstede[2] und der Industrielehrpfad Langendreer / Werne.[3] Die Idee für den ersten Industrielehrpfad Langendreer / Werne resultierte aus einem Seminar über Technische Denkmäler, das im Sommersemester 1990 unter der Leitung von W. Weber an der Ruhr-Universität Bochum stattfand.[3]
Der Industrielehrpfad Gerthe / Grumme / Hiltrop beleuchtet die Industrialisierung des Ruhrgebiets seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, einschließlich Zechen wie Lothringen und Constantin, Werkssiedlungen, Stahlwerken und Verkehrsinfrastrukturen. Der Pfad zeigt Spuren wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und geographischer Veränderungen, die ländliche Dörfer in industrielle Zentren verwandelten. Um 1860 waren die Gebiete ländlich mit rund 1000 Einwohnern; ab 1870 führten Zechen zu starkem Zuzug und Siedlungsbau. Er betont typische Entwicklungen des Ruhrbergbaus. Der Rundweg ist für 3–4 Stunden Fahrzeit konzipiert.
Stationen
Die Stationen sind:
- I. und II. Parallelstraße, Wichernstraße, Auf der Bochumer Landwehr: Älteste erhaltene Werkssiedlung der Zeche Prinz von Preußen (1868), schmucklose Doppelhäuser für Arbeiter, später modernisiert und privatisiert.
- Castroper Straße (Stahlwerke Bochum): Ehemaliges Stahl-, Walz- und Schmiedewerk des Lothringen-Konzerns (1926/27), später Thyssen AG, mit markantem Kugelwasserbehälter (nicht mehr erhalten) als Denkmal.
- Um den Kolpingplatz (Siedlung Grümerbaum): Werkssiedlung (1920–1926) für Zeche Lothringen IV, mit variantenreichen Häusern, Gärten und Straßenbenennungen nach Arbeiterbewegung.
- Castroper Hellweg (Straßenbahn-Betriebshof): Ältester Straßenbahnbetriebshof Bochums (1908), entstanden aus Rechtsstreit, später BOGESTRA-Werkstatt.
- Paul-Müller-Straße (Gartenstadt-Siedlung): Werkssiedlung der Westfälischen Straßenbahn (1913), mit Gärten für Beschäftigte.
- Schweringstraße / Heinrichstraße: Komprimierte Siedlung der Zeche Lothringen (1908/09), zweieinhalbgeschossige Häuser mit Jugendstilelementen.
- Kirchharpener Straße (Gerther Friedhof): Erinnerungsstätte an Schlagwetterexplosion Zeche Lothringen I II (1912, um 117 Tote), erhaltenes Massengrab mit Gedenkstatue.
- Fischerstraße u. a. (Siedlung Lothringen): Siedlung ab 1908 nahe Zeche, einheitlicher Entwurf mit Gärten, Jugendstilelementen und Selbstversorgung.
- Lothringer Straße (Zeche Lothringen 1/2): Hauptzeche in Gerthe seit 1872, mit Maschinenhaus, Kokerei, Benzolfabrik; stillgelegt 1967/78.
- Lothringer Straße 2 (Konsumgenossenschaft): Filiale des Konsumvereins Wohlfahrt (1928), typisch für Arbeiterkonsum bis Nachkriegszeit.
- Karl-Ernst-Straße: Siedlung in Hiltrop (1900–1907) für polnische Arbeiter, städtisches Erscheinungsbild mit Ställen.
- Heiksfeld (Kokerei Constantin X): Nebenproduktanlagen (1914–1959), Benzolverarbeitung, Rußfabrik als technische Besonderheit.
- Wiekskamp (Schachtanlage Constantin X): Schacht 1913, sachliche Bauten mit Allee, stillgelegt 1961, weitgehend erhalten.
- Bergener Straße 116 a-h (Lagerbaracken): Zwangsarbeiterlager für Constantin-Zechen (1941/42), später Siedlung für Neubergleute.
- Hiltroper Straße (Schachtanlage Lothringen IV): Schacht 1911 mit Kraftwerk (bis 1975), Industriekulisse, größtenteils abgerissen.
- Weg am Kötterberg (Ledigenheim Constantin VI/VII): Wohnheim für ledige Bergleute (1923), spartanisch, später umgenutzt.
- Hiltroper Straße (Tippelsberg): Aussichtspunkt mit Panoramablick auf Bochums Industriehorizont.
- Tenthoffstraße (Eisenbahnbrücken): Werksbahnbrücken Zeche Constantin (1905/1960er Jahre), denkmalgeschützt
Heutiger Zustand
Der Rundweg führte schon in den 1990er Jahren an einigen Objekten vorbei, die bereits damals nicht mehr vorhanden waren. In der Zwischenzeit sind weitere Objekte abgebrochen worden, wie der Wasserturm der Stahlwerke. Andere Objekte, wie das ehemalige Zwangsarbeiterlager, sind heute mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt.
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Ralf Peters, Helmut Keipert, Susanne Krüger, Hans-Georg Thomas: Industrielehrpfad Gerthe/Grumme/Hiltrop. Hrsg.: Stadt Bochum, Der Oberbürgermeister. 5.000 Auflage. Bochum Februar 1995.
- ↑ Jörg Dau, Lutz Engelskirchen, Boris Hofeland, Heike König, Ralf Peters, Jessica Runte, Oliver Strüber, Andreas Zolper: Industrielehrpfad Hamme / Hordel / Hofstede. Hrsg.: Stadt Bochum, Der Oberbürgermeister. Bochum März 1998.
- ↑ a b Ralf Peters, Helmut Keipert, Susanne Krüger, Hans-Georg Thomas: Wanderung durch den Industrielehrpfad Langendreer / Werne. Hrsg.: Stadt Bochum, Der Oberbürgermeister. Bochum Februar 1993.
Koordinaten: 51° 30′ 38″ N, 7° 16′ 22,6″ O