Kolonie Hannover

Die Kolonie Hannover ist eine in Bochum-Günnigfeld befindliche Werkssiedlung der Zeche Hannover. Die Siedlung wurde von der Firma Krupp, dem Besitzer der Zeche, für die Arbeiter ihrer sich damals in Wattenscheid befindlichen Zechen-Anlagen im späten 19. Jahrhundert gebaut.[1]

Siedlungsgestalt

Ab 1875 baute die Firma Krupp in Günnigfeld eine Werkssiedlung für die entstehende Zeche Hannover III/IV auf, die bis 1890 in vier Etappen 37 Gebäude mit insgesamt 148 Wohneinheiten umfasste. Zunächst entstanden Backsteindoppelhäuser für Angestellte an der Ulrichstraße, gefolgt von charakteristischen zweigeschossigen Fachwerk- und Ziegelbauten mit Kreuzgrundriss und Holzverschalung an der Wetterseite entlang der Karlstraße; dieser Bautyp prägte auch spätere Abschnitte an Karl-, Friedrich- und Rudolfstraße und schuf eine einheitliche Struktur (Krupp’sches System II). Ergänzt wurden sie durch zwei Volksschulen, eine Konsumanstalt (beides nicht erhalten) sowie die Kruppsche Kleinkinderschule an der Günnigfelder Straße 68. Die Kolonie Hannover zeichnet sich durch ihre geradlinige Zeilenstruktur von Nordwest nach Südost, prägnante Kreuzgrundrisse mit Satteldach-Haupthäusern und niedrigen Anbauten (ursprünglich Kleintierställe und Toiletten, später Bäder) sowie große Parzellen für Obst- und Gemüseanbau aus.[2]

Heutige Bedeutung

Die schlichte, einheitliche Gestaltung macht die Siedlung zu einem der wenigen weitgehend unveränderten Beispiele für Arbeiterkolonien der 1870er- und 1880er-Jahre des Ruhrgebiets und vermittelt ein authentisches Bild des Bergarbeiterlebens im 19. und 20. Jahrhundert.

Eine Ausnahme bildet der teilweise in den 1980er-Jahren privatisierte Abschnitt Ulrichstraße mit Fassadenänderungen und Nachverdichtung, doch insgesamt bleibt die Kolonie ein herausragendes Zeugnis industrieller Sozialarchitektur.

Die Siedlung wurde im Jahr 1989 unter Denkmalschutz gestellt (A 59).[3]

Lage der denkmalgeschützten Häuser

  • Alfredstraße 1–12
  • Friedrichstraße 1–2
  • Hofstraße 6–16 (gerade)
  • Karlstraße 2, 4–24
  • Rudolfstraße 2, 2 a, 2 b, 4–16
  • Wilhelmstraße 1, 2 b, 3–20

Namensgebung

Der Name der Kolonie leitet sich von dem Bauherren, der Zeche Hannover ab. Selbige wurde nach der Herkunft der Kapitalgeber aus Hannover benannt.[4]

Einzelnachweise

  1. Denkmalgeschützte Siedlung Kolonie Hannover
  2. Dietmar Bleidick: Bochum: Industriekultur im Herzen des Reviers. In: route.industriekultur. Regionalverband Ruhrgebiet, 2021, S. 35, abgerufen am 7. Dezember 2025.
  3. A 59 - Denkmalliste der Stadt Bochum
  4. Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr: Vergangenheit und Zukunft einer Schlüsseltechnologie ; mit einem Katalog der "Lebensgeschichten" von 477 Zechen (= Die Blauen Bücher). 6., um einen Exkurs ... erw. und in energiepolitischen Teilen aktualisierte Auflage. Langewiesche Nachf. H. Köster, Königstein im Taunus 2008, ISBN 978-3-7845-6994-9, S. 145.

Koordinaten: 51° 29′ 48″ N, 7° 8′ 47,8″ O