Glocke vor dem Bochumer Rathaus
Die Glocke vor dem Bochumer Rathaus ist eine von der Stahlfirma Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation hergestellte Glocke. Es ist die zweitschwerste Glocke Deutschlands,[1] und die größte, welche die Firma produziert hat.[2] Sie steht vor dem Rathaus in Bochum. Sie ist eine Erinnerung an die Produktion von Stahlformguss durch den Bochumer Verein, einen bedeutenden Teil der Stadtgeschichte von Bochum.
Geschichte
Der Bochumer Verein und der Glockenguss
Jacob Mayer, Erfinder des Formgussverfahrens für Gussstahl um 1850[3.1] und Gründer des Unternehmens Bochumer Verein, stellte Glocken auf der Gewerbe-Ausstellung zu Düsseldorf 1852 vor. Alfred Krupp ging davon aus, dass die Glocken aus Gusseisen und nicht aus Gussstahl bestanden, sodass es auf der Weltausstellung Paris 1855 zum Eklat kam, wo drei Glocken ausgestellt waren. Mayer willigte ein, eine noch rohe Glocke aus dem Werk nach Paris zu bringen und zerschlagen zu lassen, um den Beweis für die Schmiedbarkeit der Stücke zu erbringen; Krupps Ruf als Fachmann war danach beschädigt. Neben der Firma Krupp erhielt auch der Bochumer Verein die Große Goldene Ehren-Medaille. Jakob Mayer wurde für seine Erfindung des Stahlformguss von Napoleon III. zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt.[3.2]
Auf der Londoner Ausstellung von 1862 stellte der Bochumer Verein unter anderem eine Glocke von 2,66 m unterem Durchmesser und einem Gewicht von 10.000 kg vor. Kaiser Wilhelm I. verlieh Jacob Mayer den Kronenorden, der württembergische König den Friedrichs-Orden, Papst Leo XIII. den Gregoriusorden.
Aufgrund der Außenwirkung wurden Glocken das Aushängeschild des Bochumer Vereins.[2] Bochum selbst bezeichnete sich als Glockenstadt. Noch heute kann man zur Weihnachtszeit in der Innenstadt Glocken aus Tannengrün mit einer Grubenlampe sehen. Bis 1928 waren bereits 30.000 Kirchenglocken im Bochumer Werk hergestellt worden. Das Unternehmen stellte bis 1970 industriell Glocken her.
Die Glocke der Weltausstellung von 1867
Sie wurde 1867 vom Bochumer Verein hergestellt und wiegt 15.000 kg,[3.3][4] ihr Durchmesser beträgt zehn Fuß bzw. 3,13 Meter, der Schlagton ist d0. Die Glocke wurde auf der Weltausstellung Paris 1867 gezeigt,[4] für seine Produkte wurde der Bochumer Verein wieder mit der Goldene Ehren-Medaille ausgezeichnet.[3.4] Die Glocke soll die Weltausstellung eingeläutet haben.
Bei der Industrie- und Gewerbeausstellung Düsseldorf im Jahr 1902 stand die Glocke in der Messehalle des Bochumer Vereins, der späteren Jahrhunderthalle Bochum. Sie wurde dort mit einer kleinen elektronischen Läutmaschine präsentiert, als eine weitere Spezialität der Firma.[3.3]
Anfang der 1930er stand die Glocke auf dem Werksgelände hinter der Siedlung Stahlhausen.[5] Sie befand sich ab Juni 1937 vor dem Verwaltungsgebäude des Bochumer Vereins[6] beim Walzwerk Höntrop an der Essener Straße und wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt.
In den 1970er Jahren musste die Glocke einer Straßenerweiterung weichen. Inzwischen war der Bochumer Verein in den 1960er Jahren von dem ehemaligen Konkurrenten, der Krupp Stahl AG, übernommen worden. Diese überließ der Stadt Bochum die Glocke.[2] Sie wurde 1979 vor dem Rathaus aufgestellt[7]; ihr Klöppel ist seitdem verloren.
Literatur
- Deutschlands große Werkstätten. Der Bochumer Verein. In: Die Gartenlaube, Heft 32, S. 541–546
- Franz Eiermann: Bochumer Gußstahlglocken. In: Bochum Heimatbuch, 1928
- Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation AG (Hrsg.): Die Bochumer Gußstahlglocke. 1938
- Ralf Stremmel: Industrie und Fotografie. Der "Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation", 1854-1926. Aschendorff Verlag, Münster, 2017.
Weblinks
- Bochum Marketing: Glocke der Superlative. (archive.org)
- Dirk Sondermann: Krupp rot vor Neid.
- Beschreibung dieses Ortes als Teil der Route der Industriekultur in Dietmar Bleidick: Bochum: Industriekultur im Herzen des Reviers. In: route.industriekultur. Regionalverband Ruhrgebiet, 2021, abgerufen am 12. April 2023.
Einzelnachweise
- ↑ Die größten Glocken der Bundesrepublik Deutschland, Dipl. Ing. Walter Schäfer, Stand Januar 2021, auf glocken.impactev.de, abgerufen am 16. Juni 2025.
- ↑ a b c Dietmar Bleidick: Bochum: Industriekultur im Herzen des Reviers. In: route.industriekultur. Regionalverband Ruhrgebiet, 2021, abgerufen am 14. Dezember 2025.
- ↑ Walther Däbritz: Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation in Bochum - Neun Jahrzehnte seiner Geschichte im Rahmen der Wirtschaft des Ruhrbezirks. Stahleisen m.b.H., Düsseldorf 1934.
- ↑ a b Essener Zeitung, 17. März 1867
- ↑ Bochumer Gußstahlglocken klingen in allen Landen. In: zeitpunkt.nrw. Bochumer Anzeiger, 28. April 1932, abgerufen am 24. November 2024.
- ↑ Bochumer Anzeiger, 29. Juni 1937
- ↑ Bild der Aufstellung online
Koordinaten: 51° 28′ 55,7″ N, 7° 12′ 55,7″ O