Hertmannsweiler
Hertmannsweiler Stadt Winnenden
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| Koordinaten: | 48° 53′ N, 9° 25′ O | |
| Einwohner: | 2051 (30. Juni 2021)[Ohne Beleg] | |
| Eingemeindung: | 1. Dezember 1971 | |
| Postleitzahl: | 71364 | |
| Vorwahl: | 07195 | |
Lage von Hertmannsweiler in Baden-Württemberg
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Luftbild von Erich Merkler (1983)
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Hertmannsweiler ist ein Pfarrdorf und seit 1971 ein Stadtteil der Großen Kreisstadt Winnenden im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Der Ort ist für seinen Obst- und Weinbau bekannt.
Lage und Verkehrsanbindung
Hertmannsweiler liegt nordöstlich der Kernstadt Winnenden an der Landesstraße L 1120. Die B 14 verläuft westlich. Südlich fließt der Buchenbach.
Umliegende Ortschaften sind Waldrems im Norden, Horbach und Allmersbach im Tal im Nordosten, Öschelbronn-Stöckenhof im Osten, Bürg, Baach und Höfen im Südosten, die Kernstadt Winnenden, Leutenbach im Westen sowie Nellmersbach im Nordwesten.
Ortsname
Der Ort wurde 1393 als Hirsmanswiler erstmals erwähnt. Um 1400 erscheint er erstmals als Hartmasweiler. Der Ortsname könnte Siedlung des Hirsemann (d. h. des Hirsebauern) oder Siedlung des Hartmann bedeuten.[1]
Geschichte
Der Ort gehörte bereits früh zum Herrschaftsgebiet des Hauses Württemberg und war dem äußeren Gericht des Amtes Winnenden zugeordnet.
Mit Unterstützung der Stadt Winnenden legte das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg in den Jahren 2009 und 2010 in Hertmannsweiler eine steinzeitliche Dorfanlage aus der Zeit um etwa 4500 v. Chr. frei, die in der mittleren Phase der Jungsteinzeit, der so genannten Rössener Kulturstufe entstand.
Die Siedlung bestand aus einfachen, in Holz- und Lehmfachwerk erbauten Rechteckhäusern. Ferner fanden sich Spuren von Vorratsgruben und Ofenanlagen, interessanterweise jedoch keine Brunnen, wie sie anderswo aus der Jungsteinzeit bereits belegbar sind. Von besonderem Interesse ist auch die Tatsache, dass die auf einem flachen Höhenrücken gelegene Dorfanlage zumindest zeitweise von mächtigen, durchgehenden Palisaden geschützt gewesen war. Diese mit erheblichem Aufwand errichtete Befestigung kann als Beleg für eine äußere Bedrohung gelten, vor der sich die Dorfbewohner schützen wollten. Offenbar nur zwei oder drei Generationen lang lebten hier Familien von Ackerbau und Viehhaltung und töpferten einfache Keramikgefäße, fertigten aber auch komplizierte Werkzeuge aus Feuerstein oder Felsgeröll an. Ihre Toten bestatteten sie in unmittelbarer Nähe zum Dorf in Hockergräbern, von denen eines ausgegraben werden konnte.
Bei weiteren Grabungen 2018 auf demselben Areal haben Archäologen rund 6500 Jahre alte Tonscherben, aus der Jungsteinzeit ausgegraben. Diese sind zum Teil mit aufwendigen Ornamentenverziert, mit deutlichen Gravuren versehen und belegen, dass hier das erste nachweisbare „Gewerbegebiet“ Winnendens angesiedelt war.[2]
Zweiter Weltkrieg
Am 21. April 1945 kam es in Hertmannsweiler zu einem Gefecht zwischen Truppen der US-Armee und Soldaten der Deutschen Wehrmacht. Dabei wurde ein US-Panzer durch ein getarntes deutsches Geschütz zerstört, wobei die Panzerbesatzung getötet wurde. Weiterhin beschossen Geschütze der Deutschen von Hertmannsweiler aus das bereits von US-Truppen besetzte Backnang. Durch den Beschuss wurden drei deutsche Zivilisten in Backnang getötet.[3]
Einwohnerentwicklung
- 1828: 610 (alle evangelischer Konfession)[4]
- 1850: 706 (darunter 2 Katholiken)[5]
- 1894: 584 (581 Evangelische, 2 Katholiken, 1 Person mit anderem Bekenntnis)[6]
Religion
Seit der Einführung der Reformation 1535 durch Herzog Ulrich ist Hertmannsweiler wie ganz Altwürttemberg evangelisch geprägt. Eine nach dem Apostel Bartholomäus benannte Kirche wurde bereits 1423 erwähnt, jedoch blieb Hertmannsweiler bis ins 19. Jahrhundert kirchlich mit Winnenden verbunden. 1733 wurde die alte Bartholomäuskirche bis auf den spätgotischen Chor abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. 1876 wurde die Kirche renoviert. Eine eigene Pfarrei bildet Hertmannsweiler seit 1837. Die wenigen Katholiken zogen zumeist in neuerer Zeit zu. Sie besuchen die Hl. Messe in Winnenden.[7]
Politik
Schultheißen und Bürgermeister
Die Schultheißen waren zumeist wohlhabende und angesehene Landwirte, die man umgangssprachlich auch Bauraschultes (Bauernschultheiß) nannte. Erst 1930 wurde in Württemberg die Amtsbezeichnung Schultheiß durch Bürgermeister ersetzt.
Liste der Schultheißen und Bürgermeister (unvollständig, Amtszeiten teilweise unklar):
Wappen
Bis zur Eingemeindung führte Hertmannsweiler ein eigenes Wappen.
Die Blasonierung des ehemaligen Gemeindewappens lautet: „In Silber auf grünem Boden einen laubbekränztern, laubbeschürzten Wilden Mann mit einer schwarzen Keule.“
Mit der Auflösung der Gemeinde Hertmannsweiler im Zuge der Verwaltungsreform von 1971 ist das Wappen erloschen.
Manchmal wird das Wappen noch von ortsansässigen Vereinen zur Traditionspflege, als Abzeichen oder als Autoaufkleber verwendet.
Wirtschaft
In Hertmannsweiler wird seit alters her Weinbau betrieben. Die beste Lage ist die Flur Himmelreich[10]. 1951 wurde eine Winzergenossenschaft gegründet. 1980 waren die Anbauflächen zu 55 % mit Rotwein- und zu 45 % mit Weißweinsorten bestockt.[11]
Sehenswürdigkeiten
In der Liste der Kulturdenkmale in Winnenden sind für Hertmannsweiler zwei Kulturdenkmale aufgeführt:
- Evangelische Pfarrkirche St. Bartholomäus (Im Biegel 10) mit spätgotischem Chor und hölzernem Epitaph des Schultheißen G. Pfleiderer († 1652) und seiner vier Ehefrauen.
- ehemalige Rotebühlkelter (nördlich außerhalb von Hertmannsweiler in Solitärlage stehend; bezeichnet 1599, 1910 erneuert)
- Bilder von Hertmannsweiler
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Evangelische Pfarrkirche St. Bartholomäus (2018)
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Ehemalige Rotebühlkelter (2018)
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Ansicht von Hertmannsweiler (17. Jahrhundert)
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Ansicht von Degenhof (17. Jahrhundert)
Literatur
- Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Waiblingen. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen, S. 151 f.
- Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN. Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag, Stuttgart 1990. ISBN 3-12-258290-2, S. 223.
Weblinks
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Rems-Murr-Kreises. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1993, S. 154.
- ↑ Stuttgarter Zeitung: Ausgrabung in Winnenden: Steinzeittöpfern auf der Spur. Abgerufen am 21. August 2024.
- ↑ Erich Bauer: Die Besetzung des Weissacher Tals und der Orte auf den umliegenden Höhen durch amerikanische Truppen am 20.April 1945. In: Roland Schlichenmaier (Hrsg.): Geschichte und Geschichten aus unserer Heimat Weissacher Tal. Band 10. Verlag Roland Schlichenmaier, Weissach im Tal 1995, ISBN 3-929478-10-2, S. 21 f.
- ↑ a b Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. J.F. Steinkopf, Stuttgart 1828, S. 202.
- ↑ Beschreibung des Oberamts Waiblingen, S. 151.
- ↑ a b Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1894, S. 399.
- ↑ Hertmannsweiler - Altgemeinde~Teilort - Detailseite - LEO-BW. Abgerufen am 9. November 2025.
- ↑ Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch auf die Jahre 1809 und 1810. Verlag J. F. Steinkopf, Stuttgart 1810, S. 239.
- ↑ Königlich Statistisches Landesamt (Hrsg.): Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Württemberg. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1913, S. 319.
- ↑ https://weinlagen-info.de/#lage_id=2072
- ↑ Walter Nißler: Der Weinbau im Rems-Murr-Kreis. In: Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Konrad-Theiss-Verlag, Aalen 1980, ISBN 3-8062-0243-5, S. 403.