Bürg (Winnenden)

Bürg
Stadt Winnenden
Koordinaten: 48° 53′ N, 9° 27′ O
Höhe: 388 m
Einwohner: 615 (30. Juni 2021)[Ohne Beleg]Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/NoEinwQuelle
Eingemeindung: 1. Dezember 1971
Postleitzahl: 71364
Vorwahl: 07195
Lage von Bürg in Baden-Württemberg
Der sogenannte Bürger Turm (2012)

Bürg ist ein kleines Dorf und seit 1971 ein Stadtteil der Großen Kreisstadt Winnenden im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis.

Lage und Verkehrsanbindung

Bürg liegt östlich der Kernstadt Winnenden an der Kreisstraße K 1914.

Zur Altgemeinde Bürg gehörte der Schulerhof und der Stöckenhof, der 1971 nach Öschelbronn (Gemeinde Berglen) umgemeindet wurde.

Geschichte

Der Ortsname Bürg rührt von der Burg der Herren von Winnenden, die noch im Landbuch von 1623 Alt-Winnenden genannt wurde. Im Schutze der Festung entstand eine kleine Burgsiedlung, in der sich das Gesinde (Handwerker, Knechte und Burgwächter mit deren Familien) ansiedelte. Aus dieser Siedlung ging Bürg hervor.

Um 1181 residierte in Bürg der Hochadelige Gottfried von Winnenden. Durch Heirat Adelheids von Winnenden kam die Anlage an Heinrich von Neuffen, der die Burg zu Beginn des 13. Jahrhunderts grundlegend umbauen ließ. Die Buckelquader des Bürger Turms sind charakteristisch für die Zeit der Hohenstaufer (ca. 1200 bis 1250). Der Minnesänger Gottfried von Neuffen hielt sich nachweislich auf der Burg und in der stat ze Winden (d. h. Winnenden) auf. Nach dem Tode Bertolds von Neuffen ging die Burg in den 1290er Jahren an dessen Schwester Luitgard von Neuffen, die mit Konrad von Weinsberg heiratete. Die Herren von Weinsberg hatten jedoch kein Interesse an der Anlage und verpfändeten sie 1323 an Graf Eberhard den Erlauchten von Württemberg. 1325 traten die Weinsberger ihr Eigentum an Burg und Stadt Winnenden endgültig für 4600 Heller an Graf Ulrich III. von Württemberg ab. Die Württemberger residierten nicht selber auf der Burg; sie ließen sich von adligen Dienstmännern vertreten. Ab 1354 sind die Herren von Yberg als Dienstleute der Württemberger nachweisbar.[1]

Die Burg war im 15. Jahrhundert noch intakt, verlor jedoch immer mehr an Bedeutung. 1489 war die Burg wohl schon unbewohnt und im Abgang. Um einem weiteren Verfall entgegenzuwirken, gab es Vorschläge, die Burg in ein Verwaltungsgebäude umzuwandeln und mit einem Amtmann zu versehen. 1499 verzichtete Anselm von Yberg gegenüber Ulrich von Württemberg auf sein väterliches Erbe, eine Hofstätte im Vorhof der Anlage.[1]

1538 war die Burg noch im Wesentlichen erhalten, wurde jedoch auf Befehl des Herzogs zur Gewinnung von günstigem Baumaterial abgebrochen; die Steine wurden nach Schorndorf abtransportiert und dort zum Bau des Burgschlosses und der Stadtbefestigung verwendet. Als die Anlage schließlich weitgehend abgetragen war, verlor das Haus Württemberg das Interesse an dem alten Gemäuer. 1581 kaufte schließlich die Gemeinde Bürg die Ruinen samt Streuobstwiesen und 6 Morgen Ackerland für 310 Gulden.[1] Im 19. Jahrhundert war der Burggraben noch sichtbar.

Einwohnerentwicklung

  • 1808: 214 Einwohner[2]
  • 1850: 375 (alle evangelischer Konfession)[3]
  • 1873: 248 (1 Katholik)[4]
  • 1894: 247 (240 evangelische Christen, 7 mit anderem Bekenntnis)[5]
  • 1961: 322
  • 1970: 414

Religion

Seit der Einführung der Reformation 1535 durch Herzog Ulrich ist Bürg wie ganz Altwürttemberg evangelisch geprägt. Bis 1909 besuchten die Einwohner die Gottesdienste in Winnenden, danach gehörte Bürg kirchlich zu Hertmannsweiler. Seit 1964 besteht die evangelische Auferstehungskirche im Dorf. Katholiken zogen erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu und blieben eine kleine Minderheit.

Politik

Schultheißen und Bürgermeister

Liste der Schultheißen und Bürgermeister (unvollständig, Amtszeiten teilweise unklar):

  • 1873: Schiefer[4]
  • 1894: Bauer[6]

Wappen und Flagge

Die Altgemeinde Bürg führte ein Wappen und eine Flagge.

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: In silbernem (weißen) Wappenschild ein grüner Berg, belegt mit einer gestürzten silbernen (weißen) Pflugschar, darüber eine zweitürmige rote Burg.

Wappenbegründung: Das redende Wappen weist auf die ehemalige Burg Altwinnenden hin, die in früheren Zeiten erheblich größer und eine Kastellburg gewesen sein soll. Die Burg verfiel im 15. Jahrhundert und wurde im 16. Jahrhundert abgebrochen. Von den ursprünglich vier Türmen blieb nur noch der heutige Bürger Turm erhalten. Dementsprechend führte die Gemeinde Bürg bis etwa 1933 ein Dienstsiegel mit einem Turm-Motiv. Mit der Einführung des neu gestalteten Wappens 1960 wurde das Wappen um eine Pflugschar ergänzt.

Das Wappen wurde am 2. Dezember 1960 durch das baden-württembergische Innenministerium verliehen und ist mit der Auflösung der Gemeinde 1971 erloschen.

Sehenswürdigkeiten

In der Liste der Kulturdenkmale in Winnenden sind für Bürg zwei Kulturdenkmale aufgeführt:

  • der sogenannte Bürgerturm (Neuffenstraße 20)
  • Burg Altwinnenden, auch Burg Bürg genannt – die Ruine einer Spornburg
  • Panoramaweg für Rollstuhlfahrer in Winnenden-Bürg[7]

Ortsneckname

Die Einwohner von Bürg wurden früher scherzhaft Sandhasen genannt. Grund für die Bezeichnung ist die Lage des Ortes auf Sandsteinterrassen des Keuperrandes.[8]

Sonstiges

Durch Bürg verläuft der nach Georg Fahrbach benannte Georg-Fahrbach-Weg, der als Fernwanderweg Ingelfingen-Criesbach mit Stuttgart-Uhlbach verbindet.

Persönlichkeiten

Mit Bürg verbundene Personen

Siehe auch

Literatur

  • Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Waiblingen. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen, S. 129 f.
  • Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN. Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag, Stuttgart 1990. ISBN 3-12-258290-2, S. 222.
  • Eugen Bellon: Zur Siedlungs- und Weinbaugeschichte im Raum Waiblingen-Winterbach. Natur-Rems-Murr-Verlag, Remshalden 1992, ISBN 3-927981-26-5, S. 336f.
  • Gerhard Fritz, Roland Schurig (Hrsg.): Die Burgen im Rems-Murr-Kreis. 1. Ausgabe. Verlag Manfred Hennecke, Remshalden 1994, ISBN 3-927981-42-7, S. 125–128.
Commons: Bürg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Gerhard Fritz, Roland Schurig (Hrsg.): Die Burgen im Rems-Murr-Kreis. 1. Ausgabe. Verlag Manfred Hennecke, Remshalden 1994, ISBN 3-927981-42-7, S. 125–128.
  2. Königlich Württembergisches Staatshandbuch. Verlag J.F. Steinkopf, Stuttgart 1808, S. 703.
  3. Beschreibung des Oberamts Waiblingen, S. 145 f.
  4. a b Königlich Statistisch-topographisches Bureau (Hrsg.): Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg. Carl Grüninger, Stuttgart 1873, S. 415.
  5. Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1894, S. 398.
  6. Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1894, S. 399.
  7. Rundweg, Panoramaweg für Rollstuhlfahrer in Winnenden-Bürg | Urlaubsland Baden-Württemberg. Ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 10. Mai 2020.@1@2Vorlage:Toter Link/www.tourismus-bw.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
  8. Kennzeichen WN, S. 223.