Hanweiler (Winnenden)
Hanweiler Stadt Winnenden
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| Koordinaten: | 48° 51′ N, 9° 23′ O | |
| Einwohner: | 602 (30. Juni 2021)[Ohne Beleg] | |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1972 | |
| Postleitzahl: | 71364 | |
| Vorwahl: | 07195 | |
Lage von Hanweiler in Baden-Württemberg
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Luftbild von Hanweiler 1983 (von Erich Merkler)
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Hanweiler (früher Hahnweiler)[1] ist ein kleines Dorf und seit 1972 ein Stadtteil der Großen Kreisstadt Winnenden im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Hanweiler liegt in der Metropolregion Stuttgart. Hanweiler ist für seinen Weinbau bekannt.
Lage und Verkehrsanbindung
Hanweiler liegt südwestlich der Kernstadt Winnenden an der Kreisstraße K 1853. Am östlichen Ortsrand fließt der Zipfelbach. Westlich verläuft die B 14.
Geschichte
Hanweiler wurde 1426 erstmals als Heinweiler erwähnt.[2] 1477 erscheint der Ort als Hainwyler. Der Ortsname bedeutet Siedlung des Hegino oder Heino.[3] Ursprünglich gehörte der Ort den hochadeligen Herren von Neuffen, die auf der Burg Alt-Winnenden in Bürg residierten. Durch eine Schenkung Hermanns von Neuffen kam der Ort an den Deutschen Orden. Im 17. Jahrhundert musste der sowohl finanziell als auch politisch angeschlagene Orden unter Hochmeister Johann Caspar von Ampringen seinen Besitz in der Region verkaufen. So kam Hanweiler mit anderen Orten 1665 an Herzog Eberhard III. von Württemberg und wird seither zu Alt-Württemberg gezählt.
Einwohnerentwicklung
- 1828: 318 Einwohner[4]
- 1850: 312 (311 Protestanten und 1 Person jüdischen Glaubens)[1]
- 1873: 283[5]
- 1894: 286 (272 Protestanten, 14 mit anderem Bekenntnis)[6]
Religion
Seit der Einführung der Reformation 1535 durch Herzog Ulrich ist Hanweiler wie ganz Altwürttemberg evangelisch geprägt. Hanweiler blieb stets ein Filial von Winnenden. Erst 1962 erhielt der Ort eine eigene Kirche. Katholiken zogen erst nach dem Zweiten Weltkrieg in größerer Anzahl zu. Sie besuchen die Heilige Messe in Winnenden.[7]
Politik
Schultheißen und Bürgermeister
Die Schultheißen waren zumeist wohlhabende und angesehene Landwirte, die man umgangssprachlich auch Bauraschultes (Bauernschultheiß) nannte. Erst 1930 wurde in Württemberg die Amtsbezeichnung Schultheiß durch Bürgermeister ersetzt.
Liste der Schultheißen und Bürgermeister (unvollständig, Amtszeiten teilweise unklar):
Wappen und Flagge
Die Altgemeinde Hanweiler führte ein Wappen und eine Flagge.
Die Blasonierung des Wappens lautet: In silbernem (weißem) Wappenschild ein schwarzes, durchgehendes Tatzenkreuz, darüber in rotem Schildhaupt ein goldenes Hifthorn (Signalhorn) mit silberner (weißer) Fessel.
Wappenbegründung: Hanweiler führte lange Zeit kein eigenes Wappen. Das von der Gemeinde verwendete Dienstsiegel zeigte lediglich das Wappen von Württemberg mit den drei Hirschstangen. Erst ab 1957 bemühte sich die Gemeinde um ein eigenes Wappen. Die Archivdirektion Stuttgart schlug der Gemeinde eine Kombination der Wappen der Herren von Neuffen (das Hifthorn) und des Deutschen Ordens (schwarzes Tatzenkreuz auf weißem Grund) vor. Letzteres kommt in der Altgemeinde Hanweiler noch auf alten Marksteinen vor.[9]
Das Gemeindewappen wurde am 15. März 1961 vom baden-württembergischen Innenministerium verliehen.[9] Es ist bereits 1972 mit der Auflösung der Gemeinde wieder erloschen. Es wird gelegentlich von ortsansässigen Vereinen genutzt.
Wirtschaft
In Hanweiler wird seit dem Mittelalter Weinbau betrieben. Eine Winzergenossenschaft wurde 1934 gegründet. 1980 waren 55 % der Anbauflächen mit Rotwein- und 45 % mit Weißweinsorten bestockt.[10]
Sehenswürdigkeiten
In der Liste der Kulturdenkmale in Winnenden ist für Hanweiler die Kelter als einziges Kulturdenkmal aufgeführt. Sie liegt nordwestlich außerhalb des Ortes in erhöhter Lage inmitten der Weinberge. Die Kelter wurde vom Deutschen Orden 1562 erbaut und 1738 erweitert.
Ortsneckname
Die Einwohner von Hanweiler wurden in früheren Zeiten von den Leuten umliegender Ortschaften Felghaue-Dippel genannt.[11] Eine Felghaue ist eine Hacke und Dippel bedeutet Dummköpfe. Die Ursprünge dieses sehr herabwürdigenden Namens sind nicht mehr bekannt. Wahrscheinlich machten sich die Nachbargemeinden auf diese Weise über die schweren, steinigen Böden Hanweilers lustig.
Sonstiges
In einem Sandsteinbruch wurde 1870 der so genannte Hanweiler Frosch gefunden. Das versteinerte Skelett eines Lurchs befindet sich im Staatlichen Naturkundemuseum in Stuttgart.[11]
Siehe auch
Literatur
- Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Waiblingen. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen, S. 145 f.
- Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN. Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag, Stuttgart 1990. ISBN 3-12-258290-2, S. 223.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Beschreibung des Oberamts Waiblingen, S. 145.
- ↑ Hanweiler - Altgemeinde~Teilort - Detailseite - LEO-BW. Abgerufen am 9. November 2025.
- ↑ Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Rems-Murr-Kreises. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1993, S. 138.
- ↑ a b Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. J.F. Steinkopf, Stuttgart 1828, S. 202.
- ↑ a b Königlich Statistisch-topographisches Bureau (Hrsg.): Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg. Carl Grüninger, Stuttgart 1873, S. 415.
- ↑ a b Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1894, S. 399.
- ↑ Hanweiler - Altgemeinde~Teilort - Detailseite - LEO-BW. Abgerufen am 9. November 2025.
- ↑ Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch auf die Jahre 1809 und 1810. Verlag J. F. Steinkopf, Stuttgart 1810, S. 239.
- ↑ a b Landkreis Waiblingen und Archivdirektion Stuttgart (Hrsg.): Wappenbuch des Landkreises Waiblingen. Heft 24 der Veröffentlichungen der staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg. Stuttgart 1970.
- ↑ Walter Nißler: Der Weinbau im Rems-Murr-Kreis. In: Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Konrad-Theiss-Verlag, Aalen 1980, ISBN 3-8062-0243-5, S. 403.
- ↑ a b Kennzeichen WN, S. 223.