Giovanni Maria Antonio Tencalla
Giovanni Maria Antonio Tencalla, auch Johann Maria Anton Dengala (* 9. Juni 1684 in Bissone; † 26. Februar 1754 in Wien[1]), war ein österreichischer Stuckateur und ein Teil der weitverzweigten europäischen Künstlerfamilie Tencalla von Architekten, Malern, Bildhauern und Steinmetzen.[2]
Leben
Familie und Freundeskreis
Giovanni Maria Antonio Tencalla war ein Sohn des Malers Giacomo Tencalla (1644–1689)[3] von Bissone, der mit dem renommierten Hof-Maler Carpoforo Tencalla (1623–1685), einem älteren Cousin und Lehrmeister arbeitete. Er hatte noch eine Schwester Barbara Maria Giovanna. Am 3. Februar 1712 fand seine Eheschließung mit Maria Caterina Prassede statt, einer Enkelin des Carpoforo Tencalla und Schwester des bedeutenden Stuckateurs Carpoforo Antonio Salvatore Mazzetti Tencalla.[4]
Im selben Jahr 1716 Bürger und Meister der Stadt Wien
Im Alter von 32 Jahren, am 5. März 1716 erhielt Tencalla das Bürgerrecht in Wien, sein Name in der Eintragung „Johan Anton Dengala Stukator“. Als Meister der Wiener Zunft war er in den Steuerbüchern von 1716 nur bis 1742 vertreten, anfangs dominierten die Großbetriebe von Hieronymus Alfieri, Santino Bussi, Alberto Camesina und in den 1720er Jahren Johann Michael Bolla. Bis 1739 gehörte Johann Maria Anton Dengala dieser Gruppe an, dann erfolgte ein starker Abfall. In den Jahren 1716–1717 lebte er in Wien im Neubau, zwischen 1720 und 1724 beim Werdertor und anschließend bis 1742 bei der Mölkerbastei.[5]
- Als Witwer heiratete Tencalla, Stuckateur, wohnhaft im ‚Doctor Schmidischen Haus‘ in der Teinfaltstraße[6], in der Schottenkirche zu Wien am 28. Oktober 1721 Maria Elisabeth Magdalena Passardin aus Gumpendorf, Tochter des hofbefreiten Kaufmannes Johann Peter Passardi.[7] Trauzeugen waren Bernardo Ceresola[8] und Ludwig Antonio Visconti.[9][10] Tochter Anna Theresia, 30. September 1723[13]
Tencalla hatte mit seiner Frau zwei Töchter, die er beide sehr jung in das norditalienische Mailand an Kaufleute verheiratete. Johann Maria Tengala, ein bürgerl. Stuckateur, starb mit 70 Jahren am 26. Februar 1754 im Haus ‚Zum goldenen Zahn‘ am Salzgries.[11]
Auswahl seiner Stuckaturarbeiten
Für den Reichsvizekanzler Friedrich Karl von Schönborn
Reichsvizekanzler Friedrich Karl von Schönborn schrieb am 17. Juni 1713 aus Göllersdorf an seinen Onkel Lothar Franz von Schönborn, dass ein Stuckateur, der für ihn im Schloss zu Göllersdorf arbeite, ‚fertig und die Stuckierung sehr schön ausgefallen sei‘. Dies lässt sich eindeutig auf Giovanni Maria Antonio Tencalla beziehen. Ob damit alle 12 Zimmer gemeint waren, bleibt unerforscht.
Salomon KleinerSchloss Schönborn
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Saal im Schloss Schönborn zu Göllersdorf Salomon Kleiner
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Großer Saal, eine Seite
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Andere Seite
Friedrich Karl bot seinem Bruder, dem Würzburger Bischof Johann Philipp Franz von Schönborn in einem Brief vom 15. März 1724 aus Wien einen Künstler für dessen in Bau befindlicher Würzburger Residenz an.
„„Johann Maria Antonius Tencalla, stuccatormeister dahier, nachdeme derselbe schon verschiedene jahre her in meinem bauweesen zu vollkommenen meinem vergnügen gearbeitet.““
Das Bauprojekt von Friedrich Karl näherte sich dem Ende, so bat der Stuckateur, ihn nach Würzburg zu empfehlen. Die Entscheidung war schon für Giovanni Pietro Castelli gefallen. An welchen Bauvorhaben Tencalla einige Jahre für den Reichsvizekanzler arbeitete, ist unerforscht.
- Kleiner Zwettlhof in Wien, Schwertgasse 4
In den 1720er Jahren ließ Abt Melchior vom Stift Zwettl auf dem bestehenden Gebäude einen dritten Stock erbauen. Mit Stuckateur Giovanni Maria Antonio Tencalla schloss er am 1. März 1725 einen Vertrag. Diese Arbeit umfasste zwei Säle, einen Alkoven und vier Fenster mit Hilfe von „sauberen Zirathen und Passi rilievi“ zum Preis von 150 Gulden und fünf Zimmer „mit Quadraturen und Zirathen“ zum Preis von 120 Gulden.[12][13]
- Stift Göttweig Bibliothek
Giovanni Maria Antonio Tencalle stuckierte 1727 die Decke des Bibliotheksaals.[14][15]
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Stuckdecke
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Stift Göttweig Bibliothekssaal
Es war ein ehrenvoller Auftrag für Giovanni Maria Antonio Tencalla, die zwei Räume der ‚unteren Sakristei‘ im Wiener Stephansdom zu stuckieren. Die Arbeiten begannen 1731, ein Vertrag über die Ausgestaltung wurde abgeschlossen. Tencalla erhielt insgesamt 1500 Gulden. Im kleineren Raum wurde die Stuckzier nach 1732 fortgesetzt, 1735 erfolgte eine weitere Zahlung an Tencalla. Über dem Portal thront Moses mit den Gesetzestafeln, an der anderen Seite des Portals die sitzende Allegorie der Ecclesia. mit dem Kirchenmodell, der Taube des hl. Geistes und den Schlüsseln eine Art Pendant bildet. Ein zentrales Gemälde des Martino Altomonte wird von Stuckzierrat umrahmt, in Seitennischen stehen lebensgroße Skulpturen des Franz Xaver Messerschmidt.[16]
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Wand gegenüber Allegorie der Ecclesia
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Moses mit den Gesetzestafeln
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Gegenüber Moses
Der hohe ungarische Militär Graf Andreas Joseph von Koháry erwarb das niederösterreichische Gut Ebenthal, um sich 1733 eine Residenz zu errichten. Im neuen Schloss ließ er 1745 eine Kapelle erbauen. Er schloss mit „Johann Tencalla Stokator Maister in Wienn“ einen Vertrag über die Errichtung des Hauptaltars und zweier Seitenaltäre für 1000 Gulden.[17]
„Primo wird ihme Stokatormeistern in der hiesigen Schloss Cappelle nachstehende Marmolir= und Stokatorarbeith nach dem von S. Excellenz unterschriebenen Rieß überlassen.“[18]
1733 erwarben die Grafen Koháry auch dieses Gut. Hier ist neben Giovanni Maria Antonio Tencalla auch Sebastiano Domenico d´Allio (1697 – 1782) mit Stuckaturen in einem der Kabinette dokumentiert.
- Haus des Gewürzhändlers Bartolomeo Patuzzi in der Spiegelgasse zu Wien
1723 erwarb Bartolomeo Patuzzi (1674–1736), italienischer Gewürzhändler ein Haus in der Rosengasse/Spiegelgasse, 1733 auch das andere Haus und beantragte 1734 einen Neubau. Um 1735 arbeitete Giovanni Maria Antonio Tencalla an der Stuckierung des Hauses. Dieses Haus hatte Baumeister Francesco Allio[19] errichtet.[20]
Literatur
- Jana Zapletalová, Der Wiener Stuckateur Giovanni Maria Antonio Tencalla. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege, 2011, S. 69–75.[14]
- Tencalla, Giov. Antonio. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 32: Stephens–Theodotos. E. A. Seemann, Leipzig 1938, S. 522 (biblos.pk.edu.pl).
- Dengala, Johann Maria Anton. In: Leopold Sailer: Die Stukkateure. (= Die Künstler Wiens. Band I). Rohrer, Wien 1943, S. 80.
- Stift Göttweig, Bibliothek. In Dehio Handbuch Niederösterreich. Band 2: Südlich der Donau. Teil 1: A bis L; Topographisches Denkmälerinventar. Horn/Wien 2003, S. 577.
- Dehio Wien Innere Stadt 2003, Stephansdom, Untere Sakristei, 1730–1740. S. 238.
Einzelnachweise
- ↑ Matriken Wien Schottenkirche, Sterbebuch 1744–1756, S. 285.[1] Johann Maria Tengalla, 70 Jahre alt
- ↑ Ivano Proserpi: Tencalla. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2013.
- ↑ Ursula Stevens: Giacomo Tencalla. In: tessinerkuenstler-ineuropa.ch. 2016, abgerufen am 27. September 2024.
- ↑ Mazzetti, Carpoforo; genannt Tencalla-Mazzetti. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 24: Mandere–Möhl. E. A. Seemann, Leipzig 1930, S. 307 (biblos.pk.edu.pl).
- ↑ Leopold Sailer, Die Stukkateure. S. 80.
- ↑ Teinfaltstraße im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
- ↑ Johann Peter Passardi.[2]
- ↑ Ceresola, Johann Bernhard. In: Artisti Italiani in Austria
- ↑ Ludwig Antoni Visconti, Handelsmann. In: Martin Scheutz, Italiener im Wien des 18. Jahrhunderts. Neubürger, Hofangehörige und hofbefreite Handwerker. Römische Historische Mitteilungen by ÖAW 65. Band/2023. S. 204, Anm. 24..[3]
- ↑ Matriken Wien Schottenkirche, Trauungsbuch 1721–1725, S. 92.[4]
- ↑ Haus Zum goldenen Zahn.[5]
- ↑ Leopold Sailer, Die Stukkateure. S. 80.
- ↑ „Zum kleinen Zwettlhof“.Das Haus wurde 1897 neu erbaut.[6]
- ↑ Michael Bohr, Die ehemalige Hofbibliothek in Wien und die österreichischen Klosterbibliotheken der Frühen Neuzeit, S. 76. In: Barockberichte 71/72 (2024/2025)[7]
- ↑ Dehio Niederösterreich südlich der Donau 2003, Teil 1, S. 577: Stift Göttweig, Bibliothek.
- ↑ Dom. und Metropolitankirche St. Stephan. Untere Sakristei. In: Lucia Laschalt, „Der Kaesten seyen in der Sacristey souil groß und kuenstlich gemacht auch also an gebuerende Ort gesetzt und aufgetheilt wie viel groß und schoene der der Kirchen Einkommen erleiden mag. Wiener Sakristeischränke des Barock.“ S. 107. Diplomarbeit Universität Wien, 2012.[8]
- ↑ Vertrag mit Giovanni Antonio Tencalla 1745. In: Joszef Medvecky, Zum spätbarocken Umbau und zur malerischen Ausschmückung des Koháry-Schlosses in Ebenthal. ARS Institut für Kunstgeschichte. S. 225. [9]
- ↑ Andrea Böhm, Andreas Josef Koháry und sein Schloss Ebenthal. In: Gemeindezeitung Marktgemeinde Ebenthal S. 45.[10]
- ↑ Allio, Francesco[11]
- ↑ Haus Nr. 1083 in Wien.Michael Lorenz[12]