Künstlerfamilie

Eine Künstlerfamilie ist gekennzeichnet durch das Auftreten von hervorragenden Künstlern derselben oder verwandter Richtung (auch von Kunsthandwerkern) in bestimmten Familien im Verlauf mehrerer Generationen.

Definition

Die Künstlerfamilie ist damit eine Prägung für einen heranwachsenden jungen Menschen. Denn ein künstlerisch tätiges Elternhaus vermittelt nicht nur künstlerische Fachkenntnisse, sondern vor allem das notwendige Selbstverständnis sowie das Selbstbewusstsein für den gewählten Lebensentwurf. Neben einer meist hohen, intellektuellen Begabung ist die Voraussetzung für künstlerische Hochleistungen ein ganz spezifisches Talent in einer Richtung, eine entsprechende Ausbildung sowie ein sehr oft gehobener, sozialer und gesellschaftlicher Rahmen.

Das Allgemeine Künstlerlexikon (AKL) der kunsthistorischen Standardwerke Thieme-Becker und Vollmer beschränkt sich bewusst nicht auf die großen Meister: bildende Künstler aus aller Welt, von der Antike bis zur Gegenwart, werden aufgenommen. Enthalten sind nicht nur Maler, Bildhauer oder Graphiker, sondern auch Architekten, Designer, Fotografen, Schriftkünstler und die verschiedenen Kunsthandwerker.[1]

Im Bereich von aktueller und zeitgenössischer Musik-Schaffenden Künstlern ist das Nachschlagewerk Lexikon der Musik in Deutschland die wichtigste Informationsquelle.[2]

Geschichtlicher Hintergrund

Friedrich Maas hat 1916 die Herkunftsbedingungen von 4421 berühmten Persönlichkeiten untersucht, die bis dahin in der Allgemeinen Deutschen Biographie verzeichnet waren (Geburtsjahrgänge 1700–1860). Er war ein deutscher Psychologe und Soziologe, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts als einer der frühen Pioniere der empirischen Hochbegabten- und Eliten-Forschung galt.

Maas schreibt in seinem Hauptwerk: „Häufig wird der Sohn frühzeitig in das Berufsmilieu des Vaters hineingezogen, was sein Interesse weckt, oder im häuslichen Kreis früh zu Tätigkeiten angehalten, die ihm die technischen Schwierigkeiten seines Berufs leichter überwältigen lassen, was ihm dem Eindringling von außen gegenüber, den jene Schwierigkeiten abhalten, einen großen Vorteil verschafft. Bei Musikern und Malern spielen diese Umstände neben der Vererbung des musikalischen und malerischen Sinnes eine ziemliche Rolle. So stammen 38 % der berühmten Musiker von Berufsmusikern, 24 % der Maler von Berufsmalern.“[3]

Die bemerkenswerteste von allen Musikerfamilien der Geschichte ist sicherlich die der Familie Bach. Denn 48 von 55 männlichen Nachkommen der Familie Bach in sechs Generationen waren Musiker.[4]

Bereits 1910 hatte Oswald Feis den Versuch unternommen, die Ahnen und Nachkommen von 285 berühmten Musikern zu erfassen.[5] Oswald Feis (auch als Oskar geführt) veröffentlichte 1910 sein Werk „Studien über die Genealogie und Psychologie der Musiker“ im Verlag von J. F. Bergmann.[6]

Beispiele (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. Allgemeines Künstlerlexikon (AKL). Abgerufen am 31. Dezember 2025.
  2. Rock. In: Lexikon der Musik - Instrumente, Musikrichtungen, Veranstaltungen. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
  3. Museum-digital.org: Mitglied einer Künstlerfamilie. Museum Digital, 14. September 2025, abgerufen am 30. Dezember 2025.
  4. Werner Neumann, Hans-Joachim Schulze: Johann Sebastian Bach: Ursprung der musicalisch-bachischen Familie. 1735. In: Werner Neumann, Hans-Joachim Schulze (Hrsg.): Schriftstücke von der Hand Johann Sebastian Bachs. 2. Auflage. Bach-Dokumente, Band 1. Bärenreiter, Kassel 2012, ISBN 978-3-7618-0025-6, S. 255–267.
  5. Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, September en November Heft 1915. (41 Band. 1 u. 2es Heft). In: De Economist. Band 65, Nr. 1, 1. Dezember 1916, ISSN 1572-9982, S. 208–215, doi:10.1007/BF02204958.
  6. Studien über die Genealogie und Psychologie der Musiker. Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens; Heft 71. by Feis, Oswald:: Gut Pappband. (1910) | Fundus-Online GbR Borkert Schwarz Zerfaß. Abgerufen am 31. Dezember 2025 (englisch).