Johann Michael Bolla

Johann Michael Bolla, auch Giovanni Michele Bulla, (* 1682 in Mailand; † 29. Jänner 1759 in Wien) war ein italienisch-österreichischer Bildhauer und Hofstuckateur.[1]

Er war der Begründer einer österreichischen Stuckatorenfamilie.

Leben

Familie und Freundeskreis

Der in Mailand geborene Stuckateurgeselle Johann Michael Bolla heiratete im Stephansdom zu Wien am 24. Juni 1714 Maria Theresia Korbin, Tochter des Büxenmachermeisters von Wiener Neustadt.[2] Bei der Taufe von Tochter Maria Theresia am 12. Juli 1718 waren Baumeister Donato Felice d’Allio und Frau Maria Anna Paten. Bei Sohn Albert Georg wurden der kaysl. Hof-Stuckateur Alberto Camesina mit Frau Maria Elisabeth und der kaysl. Holzbeschauer Johann Georg Daffner mit Frau Maria Margaretha gebeten. Am 26. Oktober 1727 wurde Sohn Joseph Ignaz getauft[3] und Meister Michael Bolla erstmals kaiserl. Hofstuckateur genannt.

In den Jahren 1718 bis 1730 war er in der Michaelerkirche Taufpate für die Kinder des Stuckateurkollegen Franciscus Piazoll und Magdalena.[4] Ebenso 1739 in Maria Treu für den Sohn des Hofstuckateurs Lorenz Aliprandi[5], aus Laino im Mailändischen.[6]

Seine Söhne Albert und Joseph Ignatius[7] wurden erfolgreiche Stuckateure, Albert sein Nachfolger im Hofdienst, vor allem im Schloss Schönbrunn. Mit den Enkeln, Alberts Söhne, Johann Baptist und Ignaz[8] endete diese Tradition.

Er erwarb 1717 das Meister- und Bürgerrecht der Stadt und arbeitete von 1727 bis 1753 im Hofdienst. Die Steuerleistungen der bürgerlichen Stuckateure (‚Hantierung‘) der Jahre 1717 bis 1758 (mit einigen Lücken) zeigen seinen durchgehend beschäftigten Großbetrieb.[9] Am 29. Jänner 1759 wurde der Hofstuckateur Johann Michael Bolla mit einem Conduct 2. Klasse auf dem ‚Stephansfreydhof‘ begraben.

Stuckaturen (Auswahl)

In Niederösterreich

Prälat Schmerling veranlasste den Umbau des Stiftes 1714, die Bauleitung hatte Jakob Prandtauer. Zuerst wurden der Südtrakt, oder Gasttrakt gebaut und daran anschließend der Osttrakt bis zum großen Saal.[10][11]

Der Pfarrhof wurde 1716 unter Propst Wilhelm Schmerling durch Architekt Jakob Prandtauer zum Jagdschloss und Sommersitz der Pröpste von Herzogenburg ausgebaut. Der Stuckateur Johann Michael Bolla ist im ‚Saal‘ dokumentiert.[13]

Zu den Künstlern die in Dürnstein beschäftigt waren, gehörten die Stuckateure Domenico Piazoll, Santino Bussi, Johann Michael Bolla und Balthasar Haggenmüller.[14]

„Den 14. Juni ist h(err)n Bolle ein e(imer) wein versprochen worden de mio, wan er die bassaralev in die stockhoder schön machen wird, item 1 e(imer) für das bassaralev in dem oratorio callix in gloria.“

Hieronymus Übelbacher, Propst von Dürnstein

In Wien

Die Obere Sakristei erbaute von 1718 bis 1722 Christian Alexander Oedtl, die Stuckaturen gestaltete Michael Bolla.[15][16]

Das Kirchner`sches Schloss wurde ab 1714 nach Plänen von Anton Erhard Martinelli im Auftrag von Gregor Wilhelm von Kirchner errichtet. Die ehemalige Schlosskapelle, erbaut von 1714 bis 1724, ist mit Sakristei und Pfarrhof erhalten. Die Kirche ist mit Stuckmarmor ausgestattet, alle Elemente, Säulen und Figuren wurden so angefertigt. Die Stuckateure Michael Bolla und Alberto Camesina sind dokumentiert. Beide kannten sich gut, Alberto war 1722 Taufpate für Bollas Sohn Albert.[17][18]

Eine 1753 ausbezahlte Abrechnung für Arbeiten im Appartement der Kaiserin umfasste neben Hofstuckateur Johann Michael Bolla auch den Hofbildhauer Johann Georg Pichler und den Hofmaler Franz Bertl.[19]

Mit seinem Sohn Albert Georg arbeitete er ab 1755 an den weiß-goldenen Stuckaturen der Gardekirche, dieser leistete dabei wohl die Hauptarbeit.[20]

Literatur

  • Johann Michael Bolla im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
  • Max Pfister, Bernard Anderes: Bolla, Giovanni Michele. In: Repertorium Tessiner Künstler. Band 1 (alphabetisch). 1994.
  • Ursula Stevens: Bulla Giovanni Michele. In: tessinerkuenstler-ineuropa.ch. Tessiner Künstler in Europa;.
  • Albert Georg Bolla, Johann Michael.Rudolf Schmidt, Österreichisches Künstlerlexikon von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1980. S. 222.[10]
  • Dehio Wien Innere Stadt 2003, Stephansdom, Obere Sakristei, 1718–1722. S. 237.
  • Veronika Kaiser, Hofkünstler versus Hofmusiker. Zur sozialen Situation der bildenden Künstler und Musiker am Hof in Wien zur Zeit Karls VI. Diplomarbeit, Wien 2009.[11]
  • Bolla, Johann Michael. In: Leopold Sailer: Die Stukkateure. (= Die Künstler Wiens. Band I). S. 71 f.
  • Johann Michael Bolla.Rudolf Schmidt, Österreichisches Künstlerlexikon von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1980. S. 222.[12]
  • Hellmut Lorenz, Anna Mader-Kratky (Hrsg.): Die Wiener Hofburg 1705–1835, Die kaiserliche Residenz vom Barock bis zum Klassizismus. Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2016, ISBN 978-3-7001-7843-9. S. 372. Im Kapitel: Erster mariatheresianischer Umbau der kaiserlichen Appartements (im leopoldinischen Trakt) 1751–1753.

Einzelnachweise

  1. Martin Scheutz, Italiener im Wien des 18. Jahrhunderts. Neubürger, Hofangehörige und hofbefreite Handwerker. Römische Historische Mitteilungen by ÖAW 65. Band/2023. S. 223 f.[1]
  2. Matriken Wien St. Stephan, Trauungsbuch 1711–1714, S. 800. 14. Jun 1714.[2].
  3. Matriken Wien St. Stephan, Taufbuch 1726–1728, S. 647. 26. Oktober 1727.[3]
  4. Alexander Hajdecki: Die Dynastien-Familien der italienischen Bau- und Maurermeister der Barocke in Wien. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereines zu Wien. Band 39. 1906. S. 74.
  5. Alliprandi, Lorenzo In: Artisti Italiani in Austria, 2009.
  6. Bolla, Johann Michael. In: Herbert Haupt: Das Hof- und hofbefreite Handwerk im barocken Wien 1620 bis 1770. Nr. 513, S. 256.
  7. Bolla, Josef Ignaz. In: Leopold Sailer: Die Stukkateure. S. 72 f.
  8. Bolla, Ignaz. In: Leopold Sailer: Die Stukkateure. (= Die Künstler Wiens.) S. 71.
  9. Tabellen im Anhang. In: Leopold Sailer: Die Stukkateure. (= Die Künstler Wiens.)
  10. Sacra Wiki.Stift Herzogenburg.[4]
  11. Dehio Niederösterreich südlich der Donau 2003, Teil 1, S. 783: Herzogenburg, Stifts- und Pfarrkirche hll. Georg und Stefan, Sakristeien; S. 787. Südtrakt, ehem. Gästeflügel.
  12. Johann Michael Bolla.Rudolf Schmidt, Österreichisches Künstlerlexikon von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1980. S. 222.[5]
  13. Maria Ponsee, Gemeinde Zwentendorf an der Donau, Pfarrhof. In: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Niederösterreich südlich der Donau 2003. S. 1335.
  14. Brigitte Merta und Andrea Sommerlechner (Hrsg.): Die Kalendernotizen des Hieronymus Übelbacher, Propst von Dürnstein 1710–1740. Edition und Kommentare. 2013 Wien. S. 70.[6]
  15. Obere Sakristei.[7]
  16. Dehio Wien Innere Stadt 2003, Stephansdom, Obere Sakristei, Ausstattung. S. 237.
  17. Teil 11: Breitenfurt Gute Bilder.[8]
  18. Wilhelm Georg Rizzi, Das Kirchnersche Schloss Breitenfurt und seine Ausstattung. Die Fresken. In: Barockberichte 31. S. 94.[9]
  19. Erster mariatheresianischer Umbau der kaiserlichen Appartements (im leopoldinischen Trakt) 1751–1753. In: Hellmut Lorenz, Anna Mader-Kratky (Hrsg.): Die Wiener Hofburg 1705–1835, Die kaiserliche Residenz vom Barock bis zum Klassizismus. Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2016, ISBN 978-3-7001-7843-9. S. 372.
  20. Albert Georg Bolla im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien