Giacomo Tencalla

Giacomo Tencalla (* 11. Januar 1644 in Bissone; † 30. Januar 1689 in Prag[1]) war ein Maler des Barock.

Giacomo wirkte in seinen jungen Jahren in Österreich, später auch im Königreich Böhmen.

Leben

Familie und Freundeskreis

Giacomo Tencalla war ein Sohn des Giovanni Tencalla (1610–1676) und der Barbara Caratti Orsatti (1618–1670). Giacomo war durch seine Mutter Barbara, eine geborene Caratti, mit dem Architekten Francesco Caratti verwandt. Der Maler Carpoforo Tencalla (1623–1685) war sein älterer Cousin, der sein Lehrmeister in der Malkunst wurde.[2]

Am 16. Februar 1676 heiratete Giacomo Tencalla Anna Maria Pioda, eine Tochter des Pietro Martire Pioda aus Vacallo. Dort fand auch die Hochzeit statt. Die Taufe des erstgeborenen Sohnes Giovanni Maria Antonio Tencalla war am 11. Juni 1684 (geboren am 9. Juni) mit den Paten Bernardo und Francesca Pioda, die Geschwister von Giacomos Frau. Er wurde ein bekannter Wiener Stuckateur, wer ihn ausgebildet hat, ist unbekannt.

Schüler des Carpoforo Tencalla

Giacomo arbeitete mit Carpoforo (eine Auswahl in Österreich) in Stift Lambach bei Linz, in Schloss Esterházy in Eisenstadt, Schloss Trautenfels und Schloss Ennsegg zusammen.[3]

Anmerkung

Der Maler Giacomo Tencalla wurde durch die Forschungen von Martin Mádl, Jana Zapletalová und Radka Nokkola Miltová wieder entdeckt. Dem bekannteren, sehr beschäftigen kaiserlichen Hofkünstler Carpoforo Tencalla wurden zahlreiche Arbeiten zugeschrieben. Der Qualitätsunterschied in Bauten des mährischen und böhmischen Hochadels führte zu Giacomo, der die Ideen seines Lehrmeisters übernahm, ihn aber in der künstlerischen Ausführung nicht erreichte.[4]

Auswahl seiner Werke

Für Karl II. von Liechtenstein-Kastelkorn, Bischof von Olmütz

Von 1673 bis 1675 schuf er einige der Gemälde im Pavillon des Blumengartens (Květná zahrada) in Kremsier (Kroměříž).

In der Wallfahrtskirche auf dem Svatý Kopeček (Heiliger Berg) malte er um 1677 Fresken für die Kirche Mariä Heimsuchung. Die Deckenmalereien im langen Chor und im Kirchenschiff werden ihm (zusammen mit Martin Anton Lublinsky) zugeschrieben.

  • Erzbischöfliches Palais in Olmütz

Karl II. von Liechtenstein-Kastelkorn ließ den Palast neu aufbauen. Er beauftagte 1664 Filiberto Lucchese und Giovanni Pietro Tencalla mit dem Bau einer barocken Residenz. Lucchese starb 1666, Tencalla führte die Arbeiten 1674 zu Ende. Die Ausstattung der Räumlichkeiten lag u. a. in den Händen des Bildhauers und Stuckateurs Baldassare Fontana und des Malers Carpoforo Tencalla, diese Fresken durch einen Brand verloren.[7]

Für Graf Caspar Zdenko von Capliers, Feldmarschall

Graf Caspar Zdenko von Capliers ließ das Schloss nach Plänen von Antonio della Porta neu erbauen.[8]

Für Humprecht Johann Graf Czernin von Chudenitz

Graf Humprecht Johann Czernin von Chudenitz betraute Giacomo Tencalla um 1677 mit mythologischen Darstellungen für die Deckenfresken im Festsaal seines Schlosses.[9]

Für Fürst Wenzel Eusebius von Lobkowicz

Fürst Wenzel Eusebius von Lobkowicz ließ sein Schloss durch die Architekten Francesco Caratti und Antonio della Porta umbauen. An den Fresken war Giacomo Tencalla beteiligt.

Für Wenzel Adalbert Graf von Šternberk

Graf von Sternberg, beauftragte eine große Zahl von Künstlern zur Ausgestaltung seines Schlosses. Das zentrale Bild eines Gewölbes war der Mythologie der Hesperiden gewidmet, der Entwurf stammte von Carpoforo Tencalla (im Schloss Trautenfels). Giacomos Urheberschaft der Gemälde ist auch durch einen versiegelten Brief vom 8. Februar 1687 aus „Bobencio“ dokumentiert.[10]

Für Reichsgraf Gundakar von Dietrichstein

Gundakar von Dietrichstein ließ sein Schloss von Antonio della Porta errichten. Er schloss am 12. Juni 1688 einen Arbeitsvertrag mit den Malern Giacomo Tencalla und Giuseppe Muttoni für die Dekoration in Libochovice.[11]

Literatur

  • Tugenden, Hesperiden und Giacomo Tencalla. In: Radka Nokkola Miltová, In Gesellschaft von Göttern und Helden. S. 113–168. Habilitationsschrift, Masaryk-Universität 2016.[nokkala-miltova_habilitacni_prace.pdf - IS MUNI]
  • Jana Zapletalová, Jacobus Tencalla figlius Joannis de Bissone. Ursprung und Leben des Malers Giacomo Tencalla. Umění LVI, 2008.[7]
  • Jana Zapletalová, Der geheimnisvolle Giacomo Tencalla oder der Maler Giacomo Tencalla im Licht von Archivdokumenten, Bollettino storico della Svizzera Italiana CXI, Serie IX, 2008, Nr. 2, S. 395–410, ISSN 0006-6869 [8]
  • Hesperidenäpfel in der Hofburg. In: Herbert Karner (Hrsg.), Die Wiener Hofburg 1521–1705, Baugeschichte, Funktion und Etablierung als Kaiserresidenz. 2014, S. 560. ISBN 978-3-7001-7657-2.
  • Tencalla, Giacomo.Quirin-Lexikon.at[9]
  • Ursula Stevens: Giacomo Tencalla. In: tessinerkuenstler-ineuropa.ch. 2016, abgerufen am 22. November 2025.
  • Max Pfister, Bernard Anderes: Tencalla, Giacomo. In: Repertorium Tessiner Künstler. Der vergessene größte Kulturbeitrag der Schweiz an Europa. Band 2. (alphabetisch) 1994.
  • Martin Mádl (Hrsg.): Tencalla I–II, Barokní nástěnná malba v českých zemích, 2 Bände, Prag, 2012–13.

Einzelnachweise

  1. Bibliothek der Slowakischen Nationalgalerie Tencalla, Giacomo[1]
  2. Martin Mádl (Hrsg.): Tencalla I–II, Barocke Wandmalereien in Tschechien, 2 Bände, Prag, 2012/13. Katalogisierung von Tencallas dortigen Werken durch die Tschechische Akademie der Wissenschaften.
  3. Martin Mádl, Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei Carpoforo und Giacomo Tencalla. In: ARS 2007, Bd. 40, Nr. 2. Slowakische Akademie der Wissenschaften. S. 225 f. [2]
  4. Martin Mádl: Giacomo Tencalla und die Deckenmalerei im 17. Jahrhundert in Böhmen und Mähren, In: Umĕni 56, 2008, S. 38–64.[3]
  5. Graf Buquoy war wohl Ferdinand Karl Buquoy (1634–1685), der Schwiegersohn des Grafen Ernst III. Abensperg-Traun. Dieser beauftragte 1666 den bekannten Maler Carpoforo Tencalla mit der künstlerischen Ausschmückung seines Schloss Petronell in Petronell. Graf Buquoy wurde 1672 nobilitiert und erwarb Schloss Vösendorf bei Wien. Er kannte also Meister Carpoforo, der ihm seinen Schüler vermittelte.
  6. Catharina Holzer, Schloss Vösendorf in Niederösterreich und seine barocke Freskenausstattung in der Sala terrena. Diplomarbeit, Betreuerin Ingeborg Schemper-Sparholz, Universität Wien, 2013.[4]
  7. Der Bischof sucht neue Fresken und Maler. In: Jana Zapletalová, Freskenmaler im Dienste von Karl von Lichtenstein-Castelcorno S. 233 ff. [5]
  8. Martin Mádl, Carpoforo und Giacomo Tencalla, Schloss Milesov. In: ARS 2007, Bd. 40, Nr. 2. S. 231.[6]
  9. Hesperidenäpfel in der Hofburg. In: Herbert Karner (Hrsg.), Die Wiener Hofburg 1521–1705, Baugeschichte, Funktion und Etablierung als Kaiserresidenz. 2014, S. 560. ISBN 978-3-7001-7657-2.
  10. Jana Zapletalová, Jacobus Tencalla figlius Joannis de Bissone. Ursprung und Leben des Malers Giacomo Tencalla. S. 69 ff.
  11. Ein frühbarocker Palazzo, Libochowitz. In: Wilfried Rogasch, Schlösser und Gärten in Böhmen und Mähren. S. 140. Köln 2001. ISBN 3-8290-7224-4.