Geschichte der Stadt Dahn
Die Geschichte der Stadt Dahn beginnt im Mittelalter mit der Dahner Burgengruppe, die als Keimzelle für die seinerzeitige Siedlung diente. Nach der Aufgabe der Burgen führte die Zentrumsfunktion in den 1960er Jahren zur Stadterhebung. Seither ist Dahn Zentrum im Ostteil des Landkreises Südwestpfalz.
Entwicklung bis zum Mittelalter
Das Gebiet entlang der Wieslauter wurde bereits in der Antike von Kelten und Römern durchstreift. Der Ort selbst entstand im Mittelalter frühestens zu Zeiten der Merowinger im 7. oder frühen 8. Jahrhundert. Besagter Fluss war durch seine Wassermenge ein günstiger Siedlungsplatz. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass ein Abzweig von der nahen Salzstraße über Dahn verlief und bis in den südlichen Teil der Vorderpfalz führte. Bei der Dorfmühle befindet sich eine abgedeckte Quelle und eine weitere südlich davon in der Nähe der Hasenbergbrücke, die mittlerweile überbaut ist, was den Ausschlag für die Gründung von Hofstellen plausibel erscheinen lässt.[1]
Die Ritter von Dahn beziehungsweise „Than“ waren als Lehnsleute der Fürstbischöfe von Speyer über vierhundert Jahre lang die Herren des Orts; wie im Mittelalter häufig, wurde der bei der Burg gelegene Ort nach dem Namen des – meist chronologisch ersten – Adelsgeschlechts benannt. Urkundlich erwähnt wird dieses erstmals 1127 als „de Tannicka“. In der Folgezeit finden sich die Varianten Tanne, Danne, dan, Tan, Than, Thane, Tann und Thann.[2] Zunächst bauten sie in der Nähe des Ortes die Burg Tanstein, später unmittelbar daneben die Burg Dahn, später „Altdahn“. Mehrere Kilometer weiter nordwestlich entstand außerdem die Burg Neudahn.
Erstmals urkundlich erwähnt ist der Ort 1268, der bereits damals Sitz einer Pfarrei war.[3] 1287 errichtete der aus besagtem Rittergeschlecht stammende Konrad von Mursel neben den beiden erstgenannten Burgen die Burg Grafendahn; da er nur Töchter und keine Söhne hatte, war Grafendahn von Anfang an als Ganerbenburg geplant. Auf diese Weise gelangte sie 1345 in Besitz der Grafen von Sponheim.[4] Ab dem 15. Jahrhundert hatte dies zur Folge, dass der Ort verwaltungsmäßig geteilt wurde, als nach dem Aussterben der Sponheimer Hans von Trotha Grafendahn erhielt. Der Bereich innerhalb des sogenannten „Kirchgrabens“, der vom Marktplatz bis zur Wieslauter reichte, verblieb im Eigentum der Herren von Dahn, der Rest des Siedlungsgebiets – darunter das damalige Rathaus und das Pfarrhaus – waren Teil des „Grafendahner Viertels“, das den jeweiligen Eigentürmern der gleichnamigen Burg gehörte.[5][6] Von 1406 bis 1408 wurde der sogenannte Vierherrenkrieg teilweise auf dem Territorium von Dahn ausgetragen.[7]
Frühe Neuzeit
Da die Burgen spätestens ab der frühen Neuzeit unbewohnbar geworden waren, verlegten die Herren von Dahn ihren Sitz nach Burrweiler, wo sie sich im 16. Jahrhundert ein Schloss bauten. Seit dem Aussterben des Rittergeschlechts im Jahr 1603 bis zu den Französischen Revolutionskriegen (1792/97) war Dahn Sitz eines Amtes. Dieses gehörte als Kondominium zu drei Vierteln dem Hochstifts Speyer. Der Rest – als Überbleibsel des Grafendahner Anteils – war ab dem 16. Jahrhundert zunächst im Eigentum des Freiherren von Fleckenstein und gehörte ab 1652 den Schenkern von Waldenburg.[2][8] Der Versuch der Fleckensteiner, durch die Versetzung eines Pfarrers in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts den Protestantismus in Dahn einzuführen, wurde 1603 mit dem Rückfall des Dahner Lehens an Speyer gegenstandslos und Dahn wie auch die übrigen Dörfer der Herrschaft wurden rekatholisiert.[9]
Bis in die frühe Neuzeit hinein bildete Dahn ein Runddorf, das den Marktplatz und einige unmittelbar umliegende Straßen wie den vorderen Teil der Schulstraße sowie Teile der Bachstraße, der Grabenstraße, der Weißenburger Straße, der Hasenbergstraße sowie die Mühlgasse und die darin liegenden Straßen Kirchgasse, Kanalstraße sowie Schäfergasse umfasste.[10]
Der Dreißigjährige Krieg bewirkte eine fast vollständige Entvölkerung der Region.[11] Spätestens im 17. Jahrhundert war die überwiegend rechts der Lauter befindliche Hasenbergstraße bebaut und auf einer Karte von 1652 als Wohnplatz „Hasenberg“ aufgeführt; bereits 1576 hatte der Straßburger Kartograph Daniel Specklin an dieser Stelle auf einer Landkarte eine Ortschaft mit dem Namen aufgeführt.[12][13]
Sowohl der Pfälzische als auch der Spanische Erbfolgekrieg waren von Truppendurchzügen und Einquartierungen der an den Kampfhandlungen beteiligten Soldaten geprägt, während die Kämpfe lediglich innerhalb der Rheinebene stattfanden. Trotzdem bedeutete ersteres Einschränkungen für die Bewohner.[14]
Im 18. Jahrhundert etablierte sich die Schreibweise „Dahn“, die bereits Anfang des 17. Jahrhunderts gebraucht worden war.[15] Während dieser Zeit besaß der Ort ein Rathaus, ein Schulhaus, ein Wachthaus und zwei Hirtenhäuser.[16] Bereits während der zweiten Hälfte des Jahrhunderts hatte Dahn sich unter französischer Souveränität befunden.[17]
19. Jahrhundert
Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Ersten Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Dahn Sitz eines gleichnamigen Kantons. 1815 wurde die Gemeinde Österreich zugeschlagen und wechselte ein Jahr später in das Königreich Bayern. Während dieser Zeit war Dahn Sitz eines Friedensgerichts, ab 1861 Landgericht und ab 1879 schließlich Amtsgericht sowie Sitz eines Rentamtes.[18] Mit Ausnahme der Hasenbergstraße und einigen Gebäuden der Äußermühle war der Teil westlich der Lauter unbebaut geblieben.[19][20]
Ab 1818 war der Ort Bestandteil des Landkommissariats Pirmasens, das 1862 in ein Bezirksamt umgewandelt wurde.
Anlässlich des Endes des Deutsch-Französischen Kriegs und der damit einhergehenden Gründung des Deutschen Kaiserreichs wurde am 5. März 1871 im Norden der Gemeinde die bis 1967 existierende Friedenslinde gepflanzt.[21]
Um 1900 war die bauliche Entwicklung so weit fortgeschritten, dass der bis dahin dörfliche Charakter zunehmend dem einer Kleinstadt wich.[22]
20. Jahrhundert
1898, als die Schuhindustrie im nahen Pirmasens sich auf ihr Umland auszudehnen begann, entstand in Dahn als erste Schuhfabrik Weibel, in den folgenden Jahren kamen weitere wie Klan und Cronda hinzu.[23] 1911 wurde die durch Dahn führende Wieslauterbahn eröffnet; der Bahnhof entstand in der Nähe des Jungfernsprungs.
Wie in anderen Orten mit überwiegend katholischer Bevölkerung lagen die Wahlergebnisse der NSDAP stets unter den reichsweiten Ergebnissen. Bei der Reichstagswahl im März 1933 erzielte die NSDAP in Dahn lediglich 26,4 Prozent gegenüber 43,9 Prozent im gesamten Reich.[24]
1939 wurde Dahn in den Landkreis Pirmasens (ab 1997 Landkreis Südwestpfalz) eingegliedert. Da der Ort in der Roten Zone lag, wurden die Bewohner mit Beginn des Zweiten Weltkriegs vorübergehend evakuiert. Nach dem Krieg wurde die Gemeinde innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten entstanden zahlreiche neue Wohngebiete wie Büttelwoog im Südwesten oder Gerstel im Norden.[25]
Die Stadtrechte erhielt Dahn vergleichsweise spät. Dem Antrag auf Verleihung vom 24. Januar 1963 gab das Land Rheinland-Pfalz am 27. Oktober desselben Jahres statt. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde die Stadt Sitz der neu geschaffenen Verbandsgemeinde Dahn, die 1997 in Verbandsgemeinde Dahner Felsenland umbenannt wurde, und der sie ebenso angehört.[26]
1976 wurde das Schulzentrum eröffnet, zu dem das 1958 gegründete Otfried-von-Weißenburg-Gymnasium Dahn gehört.[27] In den 1980er Jahren wurde im Süden der Stadt entlang des Heimbachs der Kurpark angelegt.[28]
21. Jahrhundert
Weil ein syrischer Asylbewerber am 16. Juni 2016 an einer Bushaltestelle in Dahn seine von ihm getrennt lebende Ehefrau mit mehreren Messerstichen getötet hatte,[29] wurde der Täter im Dezember 2016 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.[30]
Am 30. Juni 2019 kam es in der Stadt zu einem flüchtlingsfeindlichen Angriff, bei dem zwei Asylbewerber von einem Angreifer verletzt wurden.
Am 3. Februar 2024 fand vor Ort eine Demonstration gegen Rechtsextremismus statt; die Teilnehmerzahl betrug zwischen 350 und 500.[31][32]
Einzelnachweise
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 162.
- ↑ a b Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 24.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 168.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 32.
- ↑ Stadt Dahn (Hrsg.): Stadt Dahn – Luftkurort im Wasgau. Landau in der Pfalz 2000, S. 16.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 43.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 24.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 42.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 22.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 179 f.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 49.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 181.
- ↑ Stadt Dahn (Hrsg.): Stadt Dahn – Luftkurort im Wasgau. Landau in der Pfalz 2000, S. 14.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 52.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 25.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 166.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 55 f.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 218 f.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 180.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 184.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 96.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 185.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 315.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 129 f.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 188 ff.
- ↑ Stadt Dahn (Hrsg.): Stadt Dahn – Luftkurort im Wasgau. Landau in der Pfalz 2000, S. 58 f.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 348.
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 194.
- ↑ Zuerst umarmt und dann getötet: Junge Syrerin mit Messer erstochen. In: Pfalz-Express. 16. Juni 2016, abgerufen am 14. September 2020.
- ↑ Erstochene Syrerin: Lebenslange Haft für Ehemann. In: Pfalz-Express. 23. Dezember 2016, abgerufen am 14. September 2020.
- ↑ Harald Reisel: Dahn – Demo gegen Rechts: Dahner Felsenland setzt ein Zeichen. In: Die Rheinpfalz (rheinpfalz.de). 4. Februar 2024, abgerufen am 22. Februar 2024.
- ↑ Tausende demonstrieren in Rheinland-Pfalz gegen rechts