Dorfmühle (Dahn)

Dorfmühle

Dorfmühle aus südöstlicher Richtung von der Lauterbrücke aus

Lage und Geschichte
Koordinaten 49° 9′ 3″ N, 7° 46′ 40″ O

Standort Dahn
Gewässer Lauter
Erbaut 1567 (überdauertes Gebäude)
Stillgelegt 1940
Technik
Nutzung Getreidemühle, Ölmühle, Sägewerk

Wasserrad 1989 eingefügt, nachdem das vorherige 1940 demontiert worden war

Die Dorfmühle ist das älteste Bauwerk innerhalb der Stadt Dahn und wurde ab dem Mittelalter bis 1940 betrieben.[Anm. 1] Ihr erhaltenes Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Lage und Beschreibung

Das Gebäude steht mit der Hausnummer 2 in der städtischen Mühlgasse am rechten Ufer der Lauter unweit des östlichen Stadtzentrums in Form der Marktstraße. Es ist ein aus Sandsteinquadern errichteter verputzter Bau mit Walmdach.[1] Unmittelbar westlich angebaut befand sich früher das Hauptwohngebäude, das 1970 abgerissen wurde.[2] Am Bauwerk vorbei führen eine Route der Pfälzer Jakobswege und eine nicht mehr unterhaltene Markierung „gelbes W“ des Westpfalz-Wanderwegs.[3]

Geschichte

Entwicklung bis 1800

Die Dorfmühle als Institution existiert mutmaßlich seit dem 12. Jahrhundert und diente der nahen Burg Tanstein, weshalb sie gelegentlich als „Schloßmühle“ bezeichnet wird.[4] Sie ist die älteste Mühle im Einzugsgebiet der oberen Lauter.[5] Bereits ein Jahrhundert später war mehrere hundert Meter weiter nördlich mit der Äußermühle eine weitere Mühle innerhalb von Dahn hinzugekommen, da der Grafendahner Teil der Dahner Herrschaft entzogen worden war.[6] Urkundlich erwähnt wird die Dorfmühle erstmals im Jahr 1493.[7][Anm. 2] Nachdem sie 1552 von den Franzosen im Zuge ihrer Offensive gegen Kaiser Karl V. zerstört worden war, entstand sie in ihrer jetzigen Form 1567 neu und ist somit das älteste erhaltene Gebäude innerhalb der Stadt Dahn.[8][5]

Im 17. Jahrhundert war sie zeitweilig Privateigentum des Speyerer Bischofs Philipp Christoph von Sötern. Von 1660 bis 1708 gehörte sie dem damaligen Schultheißen von Wissembourg und danach den Vitztum von Egersberg, die seinerzeit das Schloss Langenberg bei Wissembourg bewohnten.[9]

Aufgrund der territorialen Herrschaftsverhältnisse und des damit einhergehenden Mühlenzwangs mussten die Bewohner umliegender Orte wie Bruchweiler, Erfweiler, Schindhard oder des zum Hochstift Speyer gehörenden Teils von Hinterweidenthal die Dahner Dorfmühle benutzen, obwohl teilweise andere Mühlen räumlich näher lagen, die sich jedoch innerhalb anderer Territorien befanden.[10] Dieser Umstand trug beispielsweise zur Errichtung der Bruchweilerer Mühle im Jahr 1760 bei.[6]

Seit dem 19. Jahrhundert

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Mühle von der im Wasgau verbreiteten Müllerdynastie Breiner betrieben. Nach der französischen Revolution wurde nicht mehr ausschließlich Getreide gemahlen. Mit dem damit einhergehenden Ende der Feudalherrschaft ging die Dorfmühle in das Eigentum der Familie Breiner über. Nach dem Tod des Müllers Jakob Breiner 1830 versuchte dessen Witwe vergeblich, das Anwesen samt Betrieb zu versteigern.[11] Ein Jahr später fand deshalb eine Erbteilung statt, im Zuge derer sich die Institution organisatorisch in eine Getreidemühle, eine Ölmühle und ein Sägewerk gliederte. Ab 1850 gehörte die Mahlmühle der Familie Riesbeck.[12]

Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts besaß die Dorfmühle drei Wasserräder, die zwei Getreidemühlen, eine Ölmühle sowie ein Sägewerk antrieben. Ein Rad diente zusätzlich der Stromversorgung.[6] 1940 folgte inmitten des Zweiten Weltkriegs die Stilllegung der Mühle, da sie sich innerhalb der Roten Zone befand und die Wiederaufbaubehörde die Abwesenheit der Besitzer zum Anlass nahm, die Wasserräder, den gesamten Wasserbau und den Sägeschuppen zu entfernen.[13] Das derzeitige Wasserrad wurde 1989 aus touristischen Gründen eingefügt, rotiert aus finanziellen Gründen jedoch ausschließlich sporadisch.[14][8] In naher Zukunft ist im Zuge des Städtebauprogramms Lebendige Zentren - Aktive Stadt eine Sanierung der Mühle einschließlich ihres Rades geplant.[15][16][17]

Literatur

Commons: Dorfmühle (Dahn) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 180.
  2. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 408.
  3. Waymarked Trails: Wanderwege. In: hiking.waymarkedtrails.org. 18. Oktober 2025, abgerufen am 18. Oktober 2025.
  4. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 220.
  5. a b Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 225.
  6. a b c Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 221.
  7. Die Wegelnburg und Ihre Mühle. In: wegelnburg.info. Abgerufen am 18. Oktober 2025.
  8. a b Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 220.
  9. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 226.
  10. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 226 f.
  11. Verzeichnis der pfälzischen Mühlen erstellt von Eberhard Ref (mailto: eberhard.ref@gmx.de) Litera D (Dackenheim-Dirmstein). In: eberhard-ref.net. Abgerufen am 18. Oktober 2025.
  12. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 227.
  13. Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 227 f.
  14. Die Wieslauter rauscht, aber an der Mühle klappert’s nur selten. In: rheinpfalz.de. 13. September 2023, abgerufen am 18. Oktober 2025.
  15. Wenn ein Stadtbürgermeister auf die Pauke haut. In: rheinpfalz.de. 22. Januar 2024, abgerufen am 18. Oktober 2025.
  16. Dahn wird in das Städtebauprogramm aufgenommen. „Lebendige Zentren - Aktive Stadt“. In: wochenblatt-reporter.de. 5. Juni 2024, abgerufen am 18. Oktober 2025.
  17. Altes Mühlrad und Kurparkwege in Dahn: Stadtrat plant Revitalisierung. In: rheinpfalz.de. 22. Januar 2024, abgerufen am 18. Oktober 2025.

Anmerkungen

  1. Dahn erlangte erst 1963 die Stadtrechte; zu diesem Zeitpunkt war die Mühle bereits stillgelegt.
  2. Einige Quellen bezeichnen die weiter südlich liegende Falkenmühle im Rumbach als älteste Mühle, da diese bereits 1447 erwähnt wurde.