GWR-Klasse 5700

GWR-Klasse 5700
GWR Nr. 9661 Pannier Tank (Swindon Works, Bj. 1946)
Nummerierung: 5700–5799, 6700–6779, 7700–7799, 8700–8799, 9701–9799, 3600–3699, 3700–3799, 4600–4699, 9600–9682[1]
Anzahl: 863
Hersteller: Armstrong (25)
Beyer, Peacock (25)
Kerr Stuart (25)
North British (100)
Swindon Works (613)
W. G. Bagnall (50)
Yorkshire (25)
Baujahr(e): 1929–1950
Ausmusterung: 1956–1966[2]
(bei British Rail)
Bauart: C n2t
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 9500 mm
Höhe: 3735 mm
Breite: 2616 mm
Gesamtradstand: 4720 mm
Kleinster bef. Halbmesser: 100 m
Leermasse: 48,3 t
Radsatzfahrmasse: 17 t
Anfahrzugkraft: 100 kN
Kuppelraddurchmesser: 1410 mm (4 ft 7 ½ in)
Steuerungsart: Stephenson
Zylinderanzahl: 2
Zylinderdurchmesser: 444 mm (17 ½ in)
Kolbenhub: 610 mm (24 in)
Kessel: GWR Nr. 10
Kesselüberdruck: 13,8 bar (200 psi)
Anzahl der Heizrohre: 233
Heizrohrlänge: 3120 mm
Rostfläche: 1,42 m²
Strahlungsheizfläche: 9,5 m²
Rohrheizfläche: 100 m²
Verdampfungsheizfläche: 109,5 m²
Wasservorrat: 5,5 m³
Brennstoffvorrat: 3,4 t
Bremse: Dampfbremse
Zugbremse: Vakuumbremse
Zugbeeinflussung: GWR ATC
Zugheizung: Dampf
Konstrukteur: Charles Collett
Quelle der technischen Daten:[3]

Die Klasse 5700, auch Pannier Tank, war eine als Panniertanklokomotive ausgeführte britische Baureihe von Tenderlokomotiven der Great Western Railway (GWR) mit drei Kuppelachsen. Zwischen 1929 und 1950 entstanden insgesamt 863 Exemplare, womit sie zu den zahlenmäßig größten Dampflokomotivbaureihen Großbritanniens zählt. Die von Charles Collett entworfenen Maschinen prägten über Jahrzehnte den Rangier‑ und Nebenbahnbetrieb im GWR‑Netz und blieben auch nach der Verstaatlichung bei British Railways, London Transport sowie in Industriebetrieben im Einsatz. 16 Lokomotiven sind erhalten geblieben.

Geschichte

Die Entwicklung der Baureihe 5700 geht auf Colletts Bestreben zurück, eine robuste, wartungsfreundliche und vielseitige Rangier- und Güterzuglokomotive zu schaffen. Damit sollten ältere Satteltankmaschinen der Klassen 2721, 1854 und 1813 sowie andere kleinere Klassen ersetzt werden. Viele dieser Maschinen stammten noch aus den 1880er Jahren. Mit insgesamt 863 Lokomotiven war die Klasse 5700 die größte Baureihe, die jemals für die GWR hergestellt wurde.

Die Serienfertigung begann 1929 in den Swindon Works, wurde jedoch aufgrund des hohen Bedarfs an Rangierlokomotiven bald auf die externe Hersteller Armstrong-Whitworth, Beyer, Peacock & Co, Kerr, Stuart and Company, North British Locomotive Company, W. G. Bagnall und Yorkshire ausgeweitet. Während der gesamten Produktionszeit wurden nur sehr wenige Änderungen am Design dieser Baureihe vorgenommen, die auffälligste Änderung war die Form des Führerhauses.

Die Lokomotiven bewährten sich im gesamten GWR‑Netz, insbesondere im Rangierdienst, bei Nahgüterzügen und Leerzugbewegungen, übernahmen aber auch Leistungen im Personenverkehr. Nach der Gründung von British Railways 1948 blieben sie weiterhin unentbehrlich. Ab den späten 1950er‑Jahren begann jedoch im Zuge der fortschreitenden Verwendung von Diesellokomotiven die Ausmusterung; die letzten Exemplare wurden bei British Rail 1966 außer Dienst gestellt. Zahlreiche Maschinen fanden anschließend Verwendung bei Industriebetrieben oder bei London Transport (LT); das Unternehmen erwarb 13 Lokomotiven für den Einsatz vor Arbeitszügen im Londoner U‑Bahn‑Netz, von denen die letzten bis 1971 im Dienst blieben. Fünf Lokomotiven gingen an das National Coal Board für den Einsatz in Bergwerken in Südwales.[4]

Erhaltene Lokomotiven

Es sind 16 Lokomotiven der GWR-Klasse 5700 erhalten:

Betriebsnummer Standort / Betreiber Bemerkungen
5764 Severn Valley Railway betriebsfähig
5766 Buckinghamshire Railway Centre rollfähig
5775 Keighley & Worth Valley Railway bekannt aus The Railway Children
5786 South Devon Railway ex London Transport L92
6700 STEAM – Museum, Swindon statisch
6701 Severn Valley Railway betriebsfähig
7714 Severn Valley Railway betriebsfähig
7715 Buckinghamshire Railway Centre ex London Transport L99
8750 Didcot Railway Centre statisch
8788 Severn Valley Railway rollfähig
9600 Tyseley Locomotive Works betriebsfähig
9629 Didcot Railway Centre statisch
9642 South Devon Railway rollfähig
9681 Great Central Railway betriebsfähig
9682 Buckinghamshire Railway Centre rollfähig
9700 Didcot Railway Centre London Transport-Umbau für U-Bahn-Dienst (L90)

Technik

Die Klasse 5700 war eine dreifach gekuppelte Panniertanklokomotive mit innenliegenden Zylindern und Stephenson-Steuerung. Die Lokomotiven sind ähnlich der GWR-Klasse 2721 aus dem Jahre 1897, hatten jedoch Kessel mit Belpaire-Feuerbüchse, geschlossene Führerstände und größere Kohlekästen.

Charakteristisch für die Panniertanklokomotive waren die seitlich am Kessel angebrachten Wasserkästen, die jedoch nicht bis zum Umlaufblech hinunterreichten. Dadurch blieb der Zugang zu den innenliegenden Triebwerksteilen gewährleistet und das Umlaufblech kann weiterhin als Laufsteg genutzt werden. Im Vergleich zu einer Satteltanklokomotive lag der Schwerpunkt der Pannierlokomotive tiefer. Das hatte einen positiven Einfluss auf die Laufstabilität bei schneller Fahrt.

Die Lokomotiven konnten Radien von 100 m noch befahren, weshalb sie besonders für Rangierbahnhöfe, Industrieanlagen und städtische Netze wie das der London Transport geeignet waren.

Commons: GWR-Klasse 5700 – Sammlung von Bildern
  • 5700 0-6-0T GWR Collett 3600–3799, 4600–4699, 7700–7799, 8700–8799, 9600–9682 & 9711–9799. In: Preserved British Steam Locomotives. 16. Juni 2017, abgerufen am 25. Dezember 2025 (englisch).
  • A Beginner's Guide to Pannier Tanks. Abgerufen am 26. Dezember 2025.
  • Kevin Dare: Pannier Tanks. Archiviert vom Original am 2. Mai 2014; abgerufen am 26. Dezember 2025 (englisch).

Einzelnachweise

  1. 5700 class introduction. In: The Great Western Archive. Abgerufen am 25. Dezember 2025 (englisch).
  2. GWR Collett "5700" Class 0-6-0PT. In: BRDatabase. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
  3. 0-6-0 Steam Locomotives in Great Britain: Class 57xx/Tankies (Locobase 3590). In: steamlocomotive.com. Wes Barris, abgerufen am 17. November 2025 (englisch).
  4. Brian Whitehurst: Great Western engines, names, numbers, types, classes: 1940 to preservation. Oxford, Oxford Publishing Co., 1973, ISBN 978-0-902888-21-0, S. 82 (englisch, archive.org [abgerufen am 26. Dezember 2025]).