Monumentalfriedhof Lugano

Der Monumentalfriedhof Lugano (italienisch Cimitero monumentale di Lugano) ist der Zentralfriedhof der Stadt Lugano im Schweizer Kanton Tessin.

Er wurde zwischen 1897 und 1899 nach Plänen von Paolo Zanini im Quartier Molino Nuovo errichtet und beherbergt bedeutende Werke von Tessiner Bildhauern wie Vincenzo Vela, Antonio Soldini, Antonio und Giuseppe Chiattone, Raimondo Pereda, Luigi Vassalli, Fiorenzo Abbondio und Nag Arnoldi. 1916 wurde hier das erste Krematorium des Kantons eingeweiht. Der Friedhofkomplex wird im Schweizerischen Kulturgüterschutzinventar als Objekt von nationaler Bedeutung geführt.[1]

Geschichte

Der erste Friedhof Luganos entstand hinter der Kathedrale San Lorenzo. 1833 erliess der Grosse Rat, bewogen durch hygienische Bedenken infolge einer Cholera-Epidemie, ein kantonales Gesetz, das Bestattungen in und bei Kirchen verbot und die Gemeinden zum Anlegen von Friedhöfen ausserhalb des Siedlungsgebiets verpflichtete. Die Stadt Lugano liess deswegen den Kirchhof aufheben und 1835 den katholischen Friedhof «Gambalarga» beim heutigen Piazzale Paride Pelli und den reformierten Friedhof im Quartier Loreto errichten. Als sich diese gegen Ende des 19. Jahrhunderts als zu klein erwiesen, eröffnete die Gemeinde 1895 einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen neuen, monumentalen Friedhof, den der Architekt aus dem Maggiatal Paolo Zanini gewann. Er orientierte sich bei seinen Plänen am Monumentalfriedhof von Mailand. Der Monumentalfriedhof Lugano wurde am 1. Januar 1899 eingeweiht. Zahlreiche Grabmäler, darunter auch die Skulpturen Vincenzo Velas, wurden transferiert.

Der Friedhof konnte ursprünglich allein im Westen, von der Via Trevano her, betreten werden. Das Eingangstor ist von zwei Pavillons flankiert, in denen bis 1971 einerseits Wohnung und Büro des Wächters, andererseits die anatomische Abteilung und Lagerräume untergebracht waren. Der linke ist mit zwei Mosaiken von Filippo Boldini (1961) versehen. Das Areal wurde im Norden und Süden von Bogengängen mit Grabnischen abgeschlossen. Im Zentrum erhebt sich der neobyzantinische «Famedio» mit dem Grundriss eines griechischen Kreuzes und einer imposante Kuppel, in dem die Trauerfeiern abgehalten werden. Sein Portal ist thematisch der Auferstehung gewidmet. Unter der in römischen Ziffern geschriebenen Jahreszahl 1897 steht die lateinische Inschrift: Resurgamus sed utinam in Domino resurgamus («Mögen wir auferstehen, aber hoffentlich auferstehen wir im Herrn»). Die Lünette ist mit dem 1899 von Edoardo Berta gemalten Fresko Resurge («Auferstehe») geschmückt. Hinter dem Famedio steht das ebenfalls von Zanini 1911 bis 1913 erbaute alte Beinhaus («Ossuarium»), das den Friedhof ursprünglich gegen Osten hin abschloss.

1916 wurde noch weiter östlich das erste Krematorium des Kantons errichtet. Dem Bau waren 50 Jahre heftiger Debatten vorausgegangen, die 1866 vom liberalen Politiker Augusto Mordasini angestossen worden waren. Um das Krematorium herum wurde der Friedhof bis 1921 zum ersten Mal erweitert und mit einem zweiten Eingang versehen.

2003 wurde im Norden der islamische Friedhof angebaut.

Bedeutende Grabmäler

Der Monumentalfriedhof Lugano ist dank der zahlreichen hier platzierten bildhauerischen Werke auch ein «Museum unter freiem Himmel».

Bild gewidmet Künstler Jahr Parzelle Kommentar
Pietro Riva Pietro Lucchini 1849 Sud 16
Elisabetta Enderlin Vegezzi Vincenzo Vela 1856 Sud 18
Iacopo Bianchi Vincenzo Vela 1858 Nord 15
Luvini-Perseghini Vincenzo Vela 1866 Nord 33
Luigi Enderlin Antonio Soldini 1882 Nord 16
Anna Airoldi Riva Cesare Berra 1885 Nord 3
Carlo Bossoli Antonio Chiattone 1887 1-2
Gujoni Bosisio Antonio und Giuseppe Chiattone 1888 Nord 8
Guglielmo Airoldi Cesare Berra 1895 Nord 3
De Filippis Raimondo Pereda,
Otto Maraini
1900 61-1
Fraschiroli Luigi Vassalli 1900–1902 Nord 4
Primavesi Raimondo Pereda 1902 Nord 14
Rezzonico Antonio Chiattone 1902 Nord 6
Vittorio Reali Antonio Chiattone 1903 30-2
Enderlin Antonio Chiattone 1903 Nord 15 Büsten links (Giuseppe Enderlin, 1885) und rechts (Angiolina Enderlin Bianchi, 1875) von Vincenzo Vela
Somazzi Luigi Vassalli 1903 Nord 20 basiert auf dem Gemälde Die Vestalinnen verlassen den Tempel von Pietro Anastasio
Emilio Cabiati Raimondo Pereda 1903 14-1
Rava-Molo-Lissoni Antonio Chiattone 1904 Nord 18
Depietri Raimondo Pereda 1905 Nord 23
D’Ambrogio Giuseppe Chiattone 1905 Nord 26
Scala-Solari Luigi Vassalli 1905 Nord 28
Chiattone Antonio Chiattone 1906 29-5 ausgeführt von Giuseppe Chiattone
Riccardo Fedele Giuseppe Chiattone 1906 Nord 25 Skulptur «Pace domestica» (Häuslicher Frieden)
Supersax-Jacchini Raimondo Pereda 1906 Sud 7
Clelia Cometti Raimondo Pereda 1906 1-1
Marta Luvini und Luigia Grecchi Raimondo Pereda 1906 Nord 33
Olgiati Leone Pandolfi 1907 22-1
Giovanni Airoldi Luigi Piffaretti 1908 42-1
Brusa Giuseppe Chiattone 1908 Nord 29
Bianchi-Raposi Giuseppe Chiattone 1909 Sud 4 Büste links (Margherita Bianchi-Raposi, 1892) von Giuseppe Gianini
Guindani Leone Pandolfi, Cesare Berra 1909 Sud 8 Büste links von Raimondo Pereda
Semm Leone Pandolfi 1910 52-3
Torricelli Luigi Vassalli 1911 Nord 9
Emilio Bossi Luigi Vassalli 1911 2-4
Moroni-Stampa Giuseppe Chiattone 1911 Sud 5
Rusca Pietro Andreoletti 1919 Sud 22
Bucher Paolo Bianchi 1920er 36-10
Giovanni Widmer Luigi Vassalli 1927 58-5
Cattaneo Pietro Borsari 1930 91-20
Sigg-Montorfani Fiorenzo Abbondio 1932 75-1
Carlo Hoffmann Luigi Vassalli 1933 4-12
Luigi Vassalli Luigi Vassalli 1933 22-18 Skulptur «Toter Christus» aus den 1880er Jahren
Tibiletti Fiorenzo Abbondio 1939 20-1
Rodolfo Meuli Giuseppe Chiattone 1941 20-77
Fumagalli Riccardo Lomazzi 1953 24-66
Sommaruga-Moroni-Stampa Nag Arnoldi 1992 12-95
Mantegazza Nag Arnoldi 2010 69-1

Literatur

  • Cristina Brazzola, Giovanna Ginex, Paola Capozza: Il cimitero monumentale di Lugano. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2016 (= Schweizerische Kunstführer, Band 986–987), ISBN 9783037972748.
Commons: Cimitero di Lugano – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS): Inventario PBC 2021: Lista cantonale del Canton TI (Stato: 1.1.2024). S. 7 (PDF; 147 KB).

Koordinaten: 46° 1′ 11,9″ N, 8° 57′ 34,7″ O; CH1903: 717787 / 97634