Pietro Borsari
Pietro Antonio Borsari (* 24. November 1894 in Lugano; † 4. Dezember 1959 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer und Grafiker. Er war der Bruder des Malers Costante Borsari.
Leben
Pietro Borsari begann als Lehrling bei Luigi Vassalli und Giuseppe Chiattone in Lugano, besuchte dann die Zeichenschule in Mendrisio unter Augusto Cometta und von 1909 bis 1914 die Zeichenfachhochschule und die Scuola di arti plastiche in Lugano bei Luigi Vassalli.[1][2] Er lebte eine Weile in Brescia, ehe er den Militärdienst ableistete, im Zuge dessen er alle wichtigen Kunstmuseen der Schweiz besuchen konnte. Danach ging er nach Florenz, Mailand, Genua, Como und Varese.[2] 1920 eröffnete er ein eigenes Atelier in Lugano.[1] 1933 porträtierte ihn Aldo Patocchi.[3] Borsari starb am 4. Dezember 1959, mit 65 Jahren, in Lugano und wurde am 5. Dezember auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.
Ausstellungstätigkeit
Borsari debütierte 1913 an der Esposizione della Svizzera Italiana. 1914 stellte er in Bern, 1919 in Basel und 1922 in Genf aus, ausserdem 1913 und 1917 an der Turnus-Ausstellung des Schweizer Kunstvereins.[2] 1926 zeigte er in der Kunsthalle Bern einen Männerkopf (Testa d’uomo), dessen «starker, herber Wirklichkeitssinn» generell und dessen Züge im Bund als «köstlich getroffen» gelobt wurden.[4] 1928 veranstaltete er mit seinem Bruder Costante im Palazzo am Stadtpark in Lugano eine Ausstellung, in der er 17 Skulpturen und 5 Zeichnungen zeigte.[5] 1930 zeigte er im Kunsthaus Zürich einen Kinderkopf, über den die Neuen Zürcher Nachrichten schrieben, er sei «reizvoll in seiner weichen unentwickelten Form».[6] 1937 stellte Borsari abermals im Kunsthaus Zürich aus. Die Neue Zürcher Zeitung empfand seinen Stil als «ausgesprochen klassizistisch» und urteilte: «Seine Büsten weisen eine ruhige Form auf und dürften recht ähnlich sein. Plastisch originell sind sie kaum.»[7] Im selben Jahr zeigte Borsari Kinderbüsten bei einer Ausstellung auf Schloss Trevano in Lugano.[8] 1945 war er an der Schau «Arte del Ticino» im Kunsthaus Zürich vertreten.[9]
Olympische Spiele
Borsari vertrat die Schweiz zweimal am Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele: 1928 in Amsterdam in der Sparte Skulptur und 1936 in Berlin in der Sparte Medaillen. Er gelangte beide Male nicht aufs Podest, weitere Plätze wurden nicht vergeben.[1]
Werke
Borsari schuf Büsten, Statuen, Reliefs, Medaillen und Grabmäler aus Marmor und Bronze, vornehmlich zu religiösen Themen und als genialer Porträtist. Sein Frühwerk war noch dem Akademismus verpflichtet, später pflegte er einen am Symbolismus orientierten, nüchternen und auf die Reduktion der Form und einen konzentrierten Aufbau bedachten Stil. In seinen Reliefs finden sich Anklänge an die altägyptische Kunst.[10]
Öffentlich einsehbare Werke sind:
- ca. 1930: Relief am Grabmal von Enrico Besana, Monumentalfriedhof Lugano (25-44)[10]
- 1930: Relief am Grabmal der Familie Cattaneo, Monumentalfriedhof Lugano (91-20)[10]
- 1932: Grabmal der Familie Naef, Monumentalfriedhof Lugano (74-61)[11]
- 1936: Grabmal von Pietro De Filippis, Monumentalfriedhof Lugano (11-63)[10]
- 1937: Brunnenfigur des Heiligen Franziskus, Bronze, 182 × 94 cm, Lugano, Via Loreto 18[12]
- 1950: Mädchenstatue, Bronze, 130 × 54 × 56 cm, Massagno, Casa Girasole[13]
Literatur
- Un profilo di Pietro Borsari. In: Gazzetta Ticinese. 6. Oktober 1931, S. 1 (online).
Weblinks
- Pietro Borsari. In: Sikart
- Pietro Antonio Borsari. In: Olympics
Einzelnachweise
- ↑ a b c Pietro Antonio Borsari. In: Olympics.com. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ a b c Un profilo di Pietro Borsari. In: Gazzetta Ticinese. 6. Oktober 1931, S. 1 (online).
- ↑ Illustrazione Ticinese. In: La voce della Rezia. Band 8, Nr. 19, 13. Mai 1933, S. 5 (online).
- ↑ W. A.: Schweizer Maler, Bildhauer und Architekten in der Kunsthalle Bern. In: Der Bund. Erstes Blatt. Band 77, Nr. 429, 8. Oktober 1926, S. 2 (online).
- ↑ Esposizione di belle arti. In: Gazzetta Ticinese. 11. August 1928, S. 2 (online).
- ↑ E. Sch.: Maiausstellung im Kunsthaus Zürich. In: Neue Zürcher Nachrichten. 1. Blatt. Band 26, Nr. 127, 20. Mai 1930, S. 1 (online).
- ↑ H. Gr.: Aus dem Zürcher Kunsthaus. In: Neue Zürcher Zeitung. Blatt 3. Nr. 349, 27. Februar 1937, S. 1 (online).
- ↑ H. Gr.: Tessiner Kunst in Lugano. In: Neue Zürcher Zeitung. Blatt 1. Nr. 1300, 19. Juli 1937, S. 1 (online).
- ↑ H. Gr.: Aus dem Zürcher Kunsthaus: Arte del Ticino. In: Neue Zürcher Nachrichten. 2. Blatt. Nr. 236, 10. Oktober 1945, S. 1 (online).
- ↑ a b c d Paola Capozza: Tomba Enrico Besana. In: Cristina Brazzola, Giovanna Ginex, Paola Capozza: Il cimitero monumentale di Lugano. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2016 (= Schweizerische Kunstführer, Band 986–987), ISBN 9783037972748, S. 56 f.
- ↑ Cristina Brazzola, Giovanna Ginex, Paola Capozza: Il cimitero monumentale di Lugano. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2016 (= Schweizerische Kunstführer, Band 986–987), ISBN 9783037972748, S. 71.
- ↑ Federica Alamia: San Francesco. In: Lugano Cultura. 23. Dezember 2021, abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ Opere artistiche. In: Massagno.ch. Abgerufen am 15. Dezember 2025.