Carlo Gené

Carlo Gené, auch Genè (geboren 16. April 1836 in Turin; gestorben 6. Dezember 1890 in Stresa), war ein italienischer Generalleutnant des Königlich-Italienischen Heeres und erster Oberbefehlshaber der italienischen Kolonialtruppen in Afrika.

Werdegang

Carlo Gené wurde 1836 in Turin geboren. Er war der Sohn von Giuseppe GenéZoologe an der Universität Turin – und Teresa Melchioni. 1851 wurde er als Kadett in die Militärakademie in Turin aufgenommen, die er 1856 im Rang eines Sottotenente der Genietruppen verließ. Er diente zunächst im Generalstab der Genietruppen, bevor er 1858 im Rang eines Leutnants dem 1. Sappeur-Regiment unterstellt wurde.[1]

1859 nahm er am Zweiten Italienischen Unabhängigskrieg teil und wurde mit der Tapferkeitsmedaille in Bronze ausgezeichnet. Noch im gleichen Jahr wurde er zum Hauptmann befördert. Im Zuge des Dritten Italienischen Unabhängigskrieges wurde ihm 1866, mittlerweile im Rang eines Majors, für die von ihm geleiteten Angriffsvorbereitungen auf den Ort Borgoforte das Offizierskreuz des Militärordens von Savoyen verliehen. In den folgenden Jahren stieg er weiter die Karriereleiter auf und wurde 1876 zum Obersten befördert. In jenen Jahren war er abwechselnd im Generalstab der Genietruppen, im Kriegsministerium und schließlich im Generalstab des Heeres tätig. Zwischen 1878 und 1881 war er zunächst Chef des Generalstabs beim VI. Armeekorps und dann Kommandeur des 6. Bersaglieri-Regiments. Anschließend übernahm Gené das Kommando über die Infanterie-Brigade „Regina“.[1]

Nach seiner Beförderung zum Generalmajor im November 1883 wurde er zum Direktor des geografischen Militärinstituts in Florenz ernannt. Diesen Posten hatte er bis zu seiner Ernennung zum Oberbefehlshaber der italienischen Kolonialtruppen in Afrika am 6. Oktober 1885 inne.[1] Dieses neue geschaffene Amt war vom Kabinett Depretis VII geschaffen worden, um das Kommando der in Eritrea stationierten Truppen des Königlichen Heeres und der Königlichen Marine unter einem einzigen Dach zu vereinen. Gené löste Oberst Tancredi Saletta als Oberbefehlshaber des italienischen Expeditionskorps sowie Admiral Raffaele Noce, dem Oberbefehlshaber der Marineeinheiten in Massaua ab. Ihm wurde ihm aber auch das letzte Wort in zivilen Angelegenheiten zugesprochen, so dass die ganze Macht in den von Italien beanspruchten Gebieten an der eritreischen Küste in seinen Händen lag. Nicola Labanca spricht in diesem Zusammenhang von einem „Staatsstreich“, mit dem es den Militärs gelang, die zivilen Einrichtungen letztlich ihrem Willen zu unterwerfen.[2]

Im Gegensatz zum nüchternen Pessimismus eines Saletta, war Gené von Natur aus Optimist. Probleme ignorierte er oder er sah sie erst gar nicht.[3] Dies sollte ihm keine zwei Jahre später zum Verhängnis werden, als er die Stärke seiner Truppen über- und die der Äthiopier unterschätzte. Doch zunächst verdrängte er nach seiner Ankunft im November 1885 mit britischen Einvernehmen die letzten verbliebenen ägyptischen Beamten und Truppen aus Massaua. Anfang Dezember konnte er die vollständige italienische Machtübernahme verkünden. Unter seiner Regie organisierte er 1886 den zivilen und administrativen Apparat in Massaua sowie die Basci Bozuk neu.[1] Nach einigen äthiopischen Grenzübergriffen in der zweiten Jahreshälfte 1886 ließ er einige Orte westlich von Massaua besetzen, was zu Irritationen bei den Äthiopiern führte. Auf ein äthiopisches Ultimatum, mit dem er zur Räumung dieser Orte aufgefordert wurde, ging er nicht ein, weil er sie als leere Drohung ansah. Seine Einschätzung teilte auch der italienische Außenminister Carlo Felice Nicolis di Robilant. Erst am 24. Januar forderte er in Italien Verstärkungen an, als Ras Alula bereits auf das Fort Saati zumarschierte. Zwar konnte die Belagerung von Saati am 25. Januar 1887 abgewehrt werden, aber der von Gené abkommandierte Entsatz wurde am Tag darauf fast vollständig von äthiopischen Truppen in der Schlacht von Dogali aufgerieben. Dabei wurde den italienischen Truppen zum Verhängnis, dass sie trotz des zahlenmäßig weit überlegenen Gegners zu sehr der Überlegenheit ihrer Waffen und ihrer militärischen Disziplin vertrauten.[4]

Nach der Niederlage von Dogali wurde Gené in der Heimat, vor allem von Kriegsminister Cesare Ricotti-Magnani, zum Sündenbock gemacht, blieb aber zunächst, im Gegensatz zu Ricotti-Magnani, auf seinem Posten. Erst als er im März 1887 auf die Forderungen von Ras Alula einging, eine für Alula bestimmte und im Hafen von Massaua blockierte Waffenlieferung im Austausch für einige italienische Geiseln freizugeben, wurde er seines Postens enthoben und durch Tancredi Saletta ersetzt.[5]

Als neue Aufgabe wurde ihm am 18. März 1887 das Kommando der Infanterie-Brigade „Basilicata“ anvertraut. Bevor er sein neues Kommando antreten konnte, wurde Gené nach seiner Ankunft in Italien von einer militärischen Kommission bezüglich der Übergabe der Waffen an die Äthiopier befragt. Letztlich wurde ihm zwar in der Sache ein Fehlverhalten zugesprochen, allerdings sei es nach Ansicht der Kommission nicht derart gewesen, dass ihm kein weiteres Kommando mehr anvertraut werden könne. Als Vertrauensbeweis schickte man ihn bereits wenige Monate später wieder zurück nach Eritrea.[1] Ende 1887 nahm er an der von General Alessandro Asinari di San Marzano angeführten Militärexpedition gegen die Äthiopier teil und befehligte die I. von vier dafür abgestellten Brigaden – die II. Brigade stand unter dem Kommando von Manfredo Cagni, die III. unter dem Befehl von Antonio Baldissera und die IV. Brigade war Carlo Lanza anvertraut worden.[6] Für seine Verdienste während des Feldzuges wurde ihm eine weitere Tapferkeitsmedaille in Bronze verliehen. Nach seiner Rückkehr wurde ihm das Kommando der 24. Militärdivision in Messina übertragen, das er bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden vom aktiven Dienst nach etwas mehr als einem Jahr innehatte. Vor seinem Rückzug ins Privatleben wurde er im September 1889 zum Generalleutnant befõrdert.[1]

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Piero Crociani: Carlo Gené. In: Dizionario Biografico degli Italiani (DBI).
  2. Nicola Labanca: In marcia verso Adua. S. 105.
  3. Angelo Del Boca: Gli Italiani in Africa Orientale: Dall’unità alla marcia su Roma. S. 213–214.
  4. Angelo Del Boca: Gli Italiani in Africa Orientale: Dall’unità alla marcia su Roma. S. 217–221, 260.
  5. Angelo Del Boca: Gli Italiani in Africa Orientale: Dall’unità alla marcia su Roma. S. 260–262.
  6. Angelo Del Boca: Gli Italiani in Africa Orientale: Dall’unità alla marcia su Roma. S. 280–281.