Belagerung von Saati

Belagerung von Saati
Teil von: Eritreakrieg (1886–1889)

Die Kämpfe um Saati, Le Monde illustré 1887
Datum 25. Januar 1887
Ort Saati, Eritrea
Ausgang Italienischer Sieg
Folgen Schlacht bei Dogali
Konfliktparteien

Italien 1861 Königreich Italien

Abessinien

Befehlshaber

Italien 1861 Carlo Gené
Italien 1861 Giovanni Boretti

Ras Alula Engida

Truppenstärke

2 Infanterie-Kompanien
1 Artillerieabteilung
300 Basci Buzuk
etwa 700 Mann[1]

5000–6000 Mann

Verluste

5 Tote
3 Verwundete
5 Vermisste[2]

unbekannt

Die Belagerung von Saati war die erste bewaffnete Auseinandersetzung im Eritreakrieg (1886–1889). Sie fand am 25. Januar 1887 zwischen italienischen Kolonialtruppen und der abessinischen Armee um die Kontrolle des Forts Saati statt.

Lage

Saati, auch Sahati geschrieben, war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im eritreischen Hügelland westlich der Hafenstadt Massaua. Hier führte der Karawanenweg vorbei, der Massaua mit Keren verband. Er kreuzte sich hier mit dem Weg, der über Ghinda nach Asmara führte.[3]

Im Jahr 1887 war Saati nicht viel mehr als eine halbwüstenartige Senke, die auf allen Seiten von Hügeln eingegrenzt war. In der Mitte der Senke lagen eine paar wenige ärmliche Hütten. Westlich der Hütten befand sich eine Wasserquelle,[4] die als Tränke für die Karawanen von besonderer Bedeutung war.[5]

Der Ort lag etwa 28 km von Massaua entfernt auf einer Höhe von 180 m. Später führte hier die von den Italienern erbaute Bahnstrecke Massaua–Asmara vorbei.[6]

Vorgeschichte

Saati wurde im Zuge der ägyptischen Expansionspolitik 1866 zeitgleich mit Massaua von ägyptischen Truppen besetzt. Sie richteten dort einen kleinen Stützpunkt ein, den sie bis 1876 hielten, als sie infolge der im Ägyptisch-Äthiopischen Krieg erlittenen Niederlagen den Stützpunkt aufgaben.[7] Nach der Wiederbesetzung durch die Ägypter wurde Ende Oktober 1883 eine in Saati verschanzte ägyptische Kompanie von den Äthiopiern unter Ras Alula Engida vollständig aufgerieben.[8] Im Zuge der Friedensverhandlungen, die 1884 zum Abschluss des Hewett-Vertrages führten, wurde Saati erneut von ägyptischen Truppen besetzt.[7]

Nach der Landung des italienischen Expeditionskorps im Februar 1885 in Massaua ordnete der Kommandeur, Oberst Tancredi Saletta, an, eine Sicherheitszone um Massaua zu errichten.[9] Zu diesem Zweck ließ er einige von den Ägyptern gehaltene Stützpunkte besetzen. In einem Schreiben von Ende April 1885 unterrichtete er Kaiser Yohannes IV. von seinen Absichten, auch die Stützpunkte Amba und Saati unter italienische Kontrolle zu bringen.[10] Nach dem abessinischen Angriff auf den von ägyptischen Basci Buzuk gehaltenen Stützpunkt Amba am 11. Mai 1885 wandte er sein Augenmerk Saati zu.[11]

Nach Saletta musste alles unternommen werden, um zu vermeiden, dass Saati in die Hände der Abessinier fiel. Um die Abessinier zu täuschen, sollten die in Saati in ägyptischen Diensten stehenden Basci Buzuk angeworben werden.[12] Anfang Juli 1885 teilte er in einem Brief an das Kriegsministerium mit, dass Ende Juni in Saati 36 Irreguläre rekrutiert wurden. In einem weiteren Schreiben von Mitte August benachrichtigte er Rom, dass dank weiterer Anwerbungen nun 70 in italienischen Diensten stehende Basci Buzuk in Saati stationiert seien.[13] Der nachfolgende Ausbau des Stützpunktes löste in Abessinien Irritationen aus. Nach Ras Alula war Saati dazu bestimmt, nach dem ägyptischen Abzug gemäß dem Hewett-Vertrag an Abessinien zu fallen.[14]

Ende September 1885 erreichte Saletta die Nachricht, dass Ras Alula den Befehl erteilt hatte, Saati anzugreifen, falls anstelle der Basci Buzuk reguläre italienische Truppen Saati besetzen sollten.[15] Da er allerdings zeitgleich in heftige Kämpfe mit den Aufständischen des Mahdi-Aufstandes bei Kufit und Agordat verwickelt war, beruhigte sich die Situation in Saati wieder.[16] Da Italien dem Frieden nicht traute, wurden in der zweiten Jahreshälfte 1886 weitere ehemalige ägyptische Stützpunkte im Landesinneren besetzt und befestigt. Am 12. Januar 1887 schickte Ras Alula ein Ultimatum an den neuen italienischen Oberbefehlshaber in Massaua, Generalmajor Carlo Gené. Darin forderte er die Italiener zum Abzug aus Ua-à und Zula auf. Als Antwort darauf entsandte Genè Bersaglieri-, Infanterie- und Artillerieenheiten nach Ua-à und Saati. Auf die italienische Provokation hin drohte Ras Alula mit einem Angriff, falls sich die Italiener nicht bis zum 20. Januar aus Saati zurückziehen sollten. Auf italienischer Seite schenkte man den letzten Drohungen zunächst keinen größeren Glauben, weder in Massaua noch im Kriegsministerium in Rom. Erst am 24. Januar 1887 fragte Genè bei Außenminister Carlo Felice Nicolis di Robilant um Verstärkungen nach.[17]

Verlauf

Nach dem Verstreichen des Ultimatums setzte sich Ras Alula mit seinen Truppen von Asmara in Richtung Ghinda in Bewegung.[1] Saati war zu diesem Zeitpunkt von 700 Mann, davon 300 Irreguläre, besetzt. Unter dem Kommando von Major Giovanni Boretto des 2. Afrika-Infanterie-Bataillons standen folgende Einheiten:

  • 9. Kompanie des 6. Infanterie-Regiments
  • 10. Kompanie des 7. Infanterie-Regiments
  • eine Abteilung der 1. Kompanie des 17. Artillerie-Regiments
  • 12 unvollständige Buluc Basci Buzuk[18]

Die vom italienischen Oberbefehlshaber in Massaua Carlo Gené nach Saati beorderten Truppen hatten sich nach ihrer Ankunft verschanzt und ein kleines Fort aus Trockmauern errichtet. Das Fort war zudem mit einem Graben und einer Palisade, der sogenannten Zeriba, umgeben.[19]

Am 22. Januar 1885 trafen im italienischen Oberkommando in Massaua Nachrichten ein, dass sich Ras Alula mit seinen Truppen von Süden Saati nähere. Am 24. Januar befand sich Alula etwas mehr als fünf Kilometer südöstlich vom Fort entfernt und hatte im Tal des Jangus sein Lager aufgeschlagen.[20]

Am Morgen des 25. Januar 1885 sandte Major Boretto eine Aufklärungspatrouille in das feindliche Lager aus. Etwa 1½ km vor dem abessinischen Lager wurden die Italiener beschossen und mussten umkehren. Aus der Entfernung konnten sie sich dennoch ein Bild vom Aufgebot der Abessinier machen. Zudem konnte die Patrouille erkennen, dass mehrere gegnerische Gruppen das Lager in Richtung Norden verließen. Gegen 11 Uhr konnte Major Boretti nördlich des Forts eine größere feindliche Gruppe ausmachen, die er mit Artillerie beschießen ließ. Um einer Einkesselung zu entgehen, sollte eine halbe Kompanie Infanterie und zwei Züge Basci-Buzuk unter dem Kommando von Tenente Federico Cuomo einen Gegenangriff vortäuschen und den Gegner damit auf sich ziehen. Bei diesem Unternehmen wurde Cuomo schwer verwundet, konnte sich aber im Schutz der eigenen Artillerie ins Fort zurückziehen.[21]

In der Zwischenzeit schritten die Abessinier zum Angriff über. Zu Fuß und von Reitergruppen unterstützt gelang es einigen, bis auf 300 m auf die italienischen Stellungen vorzurücken, bis sie im italienischen Abwehrfeuer zum Stehen gebracht wurden. Um 15 Uhr schickte Boretto einen Boten ab, um Verstärkungen und Munition anzufordern. Etwa eine Stunde später begannen sich die Abessinier zurückzuziehen. Nach einer weiteren halben Stunde waren sie aus der Sichtweite der Italiener verschwunden. Nach Einschätzung von Major Boretto wurde das Fort von etwa fünf- bis sechstausend Mann angegriffen. Während die Verluste bei den Angreifern nicht auszumachen waren, hatte die Italiener nur leichte Verluste erlitten.[22]

Unter den fünf Toten der Verteidiger befand sich auch Tenente Cuomo, der noch am Nachmittag des gleichen Tages seinen schweren Verletzungen erlegen war.[23]

Major Giovanni Boretto wurde für die Verteidigung des Forts Saati mit dem Ritterkreuz des Militärordens von Savoyen ausgezeichnet. Weiteren elf Italienern wurde die Tapferkeitsmedaille in Silber verliehen, unter den Ausgezeichneten befand sich auch Federico Cuomo. Von den 400 irregulären Basci Buzuk wurde weder jemand ausgezeichnet noch jemand besonders erwähnt.[24]

Die von Major Boretto angeforderten Verstärkungen brachen unter dem Kommando von Oberstleutnant Tommaso De Cristoforis am Morgen des darauffolgenden Tages vom Fort Monkullo auf. Auf halbem Weg wurde der Entsatz von den Abessiniern angegriffen und in der anschließenden Schlacht bei Dogali fast vollständig aufgerieben.[25]

Generalmajor Gené befahl noch am Abend des gleichen Tages angesichts nicht vorhandener Reserven und in Anbetracht eines möglichen abessinischen Angriffes auf Massaua den Rückzug von Saati. Bevor die italienische Besatzung am Abend des 27. Januars den Rückzug antrat, wurden sämtliche Lager im Fort zerstört. Ras Alula verzichtete darauf, Saati zu besetzen, und kehrte mit seinen Truppen nach Asmara zurück.[26]

Literatur

  • Camillo Antona-Traversi: Sahati e Dogali: 25 e 26 gennaio 1887. Tipografia Fratelli Pallotta, Rom 1887.
  • Francesco Fasolo: L’Abissinia e le Colonie Italiane sul Mar Rosso. Tipografia Antonio Iaselli, Caserta 1887.
  • Vico Mantegazza: Da Massaua a Saati: Narrazione della spedizione italiana del 1888 in Abissinia. Fratelli Treves, Mailand 1888.
  • Beniamino Melli: La Colonia Eritrea: dalle sue origini fino al 1⁰ Marzo 1899. Luigi Battei, Parma 1899.
  • Saati. In: Enciclopedia Militare. Band 6: Pergolesi–Zvetkov. Istituto Editoriale Scientifico S.A., Mailand 1933, S. 696.
  • Agostino Gaibi: Saati. In: Enciclopedia Italiana. Band 30: Romania–Scap. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1936.
  • Ministero degli Affari Esteri – Comitato per la Documentazione dell’Opera dell’Italia in Africa (Hrsg.): L’Italia in Africa. Serie storico-militare Volume primo: L’opera dell’Esercito. Tomo II Avvenimenti militari e impiego. Parte prima – Africa Orientale (1868–1934). Bearbeitet von M. A. Vitale. Istituto Poligrafico dello Stato, Rom 1962.
  • Angelo Del Boca: Gli Italiani in Africa Orientale: Dall’unità alla marcia su Roma. Bari, Laterza 1976.
  • Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio Storico (Hrsg.): Tancredi Saletta a Massaua (Memoria, relazione, documenti). Ufficio Storico SME, Rom 1987
  • Maurizio Ulturale: Saletta, Tancredi. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 89: Rovereto–Salvemini. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2017.
  • Vito Zita: La nascita delle truppe coloniali italiane: Dai basci buzuk agli ascari. Paolo Emilio Persiani, Bologna 2023, ISBN 979-1-259-56103-9.
Commons: Belagerung von Saati – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b Agostino Gaibi: Saati. In: Enciclopedia Italiana. Band 30: Romania–Scap. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1936.
  2. Camillo Antona-Traversi: Sahati e Dogali: 25 e 26 gennaio 1887. S. 47.
  3. Francesco Fasolo: L‘Abissinia e le Colonie Italiane sul Mar Rosso. S. 91, 97.
  4. Francesco Fasolo: L‘Abissinia e le Colonie Italiane sul Mar Rosso. S. 218–219.
  5. Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio Storico (Hrsg.): Tancredi Saletta a Massaua (Memoria, relazione, documenti). S. 101.
  6. Agostino Gaibi: Saati. In: Enciclopedia Italiana. Band 30: Romania–Scap. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1936.
  7. a b Beniamino Melli: La Colonia Eritrea: dalle sue origini fino al 1⁰ Marzo 1899. S. 22.
  8. Egyptian Ethiopian War (የግብፅና-የኢትዮጵያ-ጦርነት). In: sewasew.com. Abgerufen am 10. Oktober 2025 (englisch).
  9. Maurizio Ulturale: Saletta, Tancredi. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 89: Rovereto–Salvemini. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2017.
  10. Angelo Del Boca: Gli Italiani in Africa Orientale: Dall’unità alla marcia su Roma. S. 208.
  11. Vito Zita: La nascita delle truppe coloniali italiane: Dai basci buzuk agli ascari. S. 72.
  12. Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio Storico (Hrsg.): Tancredi Saletta a Massaua (Memoria, relazione, documenti). S. 101–102.
  13. Vito Zita: La nascita delle truppe coloniali italiane: Dai basci buzuk agli ascari. S. 77, 79.
  14. Angelo Del Boca: Gli Italiani in Africa Orientale: Dall’unità alla marcia su Roma. S. 208–209.
  15. Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio Storico (Hrsg.): Tancredi Saletta a Massaua (Memoria, relazione, documenti). S. 129.
  16. Angelo Del Boca: Gli Italiani in Africa Orientale: Dall’unità alla marcia su Roma. S. 209.
  17. Angelo Del Boca: Gli Italiani in Africa Orientale: Dall’unità alla marcia su Roma. S. 219–220.
  18. Camillo Antona-Traversi: Sahati e Dogali: 25 e 26 gennaio 1887. S. 45, 305.
  19. Saati. In: Enciclopedia Militare. Band 6: Pergolesi–Zvetkov. Istituto Editoriale Scientifico S.A., Mailand 1933, S. 696.
  20. Camillo Antona-Traversi: Sahati e Dogali: 25 e 26 gennaio 1887. S. 45–46.
  21. Camillo Antona-Traversi: Sahati e Dogali: 25 e 26 gennaio 1887. S. 46.
  22. Camillo Antona-Traversi: Sahati e Dogali: 25 e 26 gennaio 1887. S. 46, 53.
  23. Camillo Antona-Traversi: Sahati e Dogali: 25 e 26 gennaio 1887. S. 11.
  24. Camillo Antona-Traversi: Sahati e Dogali: 25 e 26 gennaio 1887. S. 326–328.
  25. Camillo Antona-Traversi: Sahati e Dogali: 25 e 26 gennaio 1887. S. 43–44.
  26. Ministero degli Affari Esteri – Comitato per la Documentazione dell’Opera dell’Italia in Africa (Hrsg.): L’Italia in Africa. Serie storico-militare Volume primo: L’opera dell’Esercito. Tomo II Avvenimenti militari e impiego. Parte prima – Africa Orientale (1868–1934). S. 21.