CR-Klasse 1

CR 1
CR‑Klasse 1 mit LMS Nr. 15027, ehemalige CR Nr. 8
Nummerierung: CR 1–12;
LMS 15020–15031
Anzahl: 12
Hersteller: CR St Rollox Works
Baujahr(e): 1893–1894
Ausmusterung: 1926–1938
Bauart: 2’B n2t
Gattung: Personenzuglokomotive
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Drehgestellachsstand: 1829 mm
Kuppelachsradstand: 2743 mm
Gesamtradstand: 7590 mm
Anfahrzugkraft: 65 kN
Treibraddurchmesser: 5 ft 0 in (1524 mm)
Laufraddurchmesser vorn: 3 ft 2 in (965 mm)
Zylinderanzahl: 2
Zylinderdurchmesser: 17 in (432 mm)
Kolbenhub: 24 in (610 mm)
Kesselüberdruck: 150 psi (10,3 bar)
Anzahl der Heizrohre: 224
Heizrohrlänge: 3150 mm
Rostfläche: 1,6 m²
Rohrheizfläche: 91,5 m²
Überhitzerfläche: 10,3 m²
Verdampfungsheizfläche: 101,8 m²
Wasservorrat: 4,5 m³
Brennstoffvorrat: 2 t Kohle
Konstrukteur: John Lambie
Technische Daten:[1]

Die Klasse 1 der schottischen Eisenbahngesellschaft Caledonian Railway (CR) war eine Baureihe von Tenderlokomotiven für den Einsatz auf der Lanarkshire and Dumbartonshire Railway und auf der Glasgow Central Railway, die von 1883 bis 1894 in 12 Exemplaren von den St Rollox Works gebaut wurden.[2.1]

Geschichte

Der Entwurf der Klasse 1 stammte von John Lambie, der 1891 zum Locomotive Superintendent der CR ernannt worden war. Die Lokomotiven waren für die Lanarkshire and Dumbartonshire Railway und für die Glasgow Central Railway konstruieren, die lange Tunnelabschnitte aufwiesen. Zur Verringerung der Rauchbelastung erhielten die Lokomotiven eine Kondensationseinrichtung.

Bei der Ablieferung waren die beiden Strecken noch nicht eröffnet. So gingen zwei Maschinen nach Airdrie, die übrigen nach Polmadie. Mit der Eröffnung der vorgesehenen Strecken 1896 wurden die Lokomotiven von Polmadie nach Dawsholm versetzt. Haupteinsatzgebiet war der dichte Verkehr auf der Relation Maryhill–Airdrie, die zeitweise 39 Zugpaare täglich aufwies. Daneben kamen die Lokomotiven auf der Strecke Airdrie–Newhouse, im leichten Personenzugdienst sowie als Bahnhofs- und Rangierlokomotiven zum Einsatz. Der zunehmende Straßenbahnverkehr in Glasgow führte ab den 1910er-Jahren zu einem deutlichen Rückgang der Verkehrsleistungen.

Nach dem Zusammenschluss der britischen Bahnen zu vier großen Gesellschaften im Jahr 1923 kamen alle Lokomotiven zur London, Midland and Scottish Railway (LMS). Die Ausmusterung begann 1927 mit Lok Nr. 11, die vermutlich nie ihre zugeteilte LMS-Nummer 15030 trug, ebenso die 1930 ausgemusterte Nr. 12, die nie ihre Nummer 15031 erhalten haben dürfte. Die übrigen Lokomotiven erhielten ihre LMS-Nummern und blieben bis in die 1930er-Jahre im Dienst. Aufgrund ihrer geringen Stückzahl und der nicht weiterverwendeten Bauart galten sie im LMS-Betrieb nicht als Standardlokomotiven. Die letzten Exemplare wurden 1938 ausgemustert; keine Lokomotive blieb erhalten.[2.1]

Technik

Die Zweizylinder-Nassdampf-Tenderlokomotiven waren mit zwei Kuppelradsätzen und einem vorderen Laufdrehgestell ausgestattet. Die Wassertanks waren seitlich angeordnet, ein Kohlenkasten befand sich hinter dem Führerstand. Die Feuerbüchse war zwischen dem beiden Kuppelradsätzen angeordnet. Sie lehnten sich konstruktiv an die Schlepptenderlokomotiven der CR-Klasse 66 an, wiesen jedoch einen verkürzten Drehgestell-Radstand und kleinere Drehgestellräder auf.

Der Zylinderblock mit Zylindern von 17 × 24 Zoll (432 × 610 mm) Abmessung war eine Neukonstruktion, während das übrige Triebwerk weitgehend der Bauart von Dugald Drummond folgte. Der Kessel basierte auf einem Entwurf von Drummond, der von Lambies Vorgänger Hugh Smellie und von Lambie selbst modifiziert worden war, unter anderem durch eine geänderte Feuerbüchse und die Verlegung der Sicherheitsventile auf den Feuerbüchsmantel. Die Wasserversorgung erfolgte über ein Injektor sowie über Kreuzkopfpumpen, die auf beiden Seiten angebracht waren.[3]

Ursprünglich waren die Lokomotiven mit Kondensationseinrichtung für den Einsatz auf der unterirdischen Glasgow Central Railway in Glasgow ausgerüstet. Diese Einrichtung führte den nicht für die Anfachung des Feuers benötigten Abdampf der Zylinder zurück in die Wasserkästen.[4]

Die Kondensationseinrichtung erwies sich im Betrieb als unzuverlässig, da sie das Speisewasser so stark erwärmte, dass der Injektor und die Kreuzkopfpumpen zeitweise nicht mehr funktionierten. Das Lokpersonal musste wiederholt heißes Wasser ablassen und die Tanks mit kaltem Wasser füllen um die Kesselspeisung wieder in Gang zu bringen. Trotz betrieblicher Vorschriften wurde deshalb die Kondensation auf dem unterirdischen Abschnitt oft nicht benutzt. Die Entfernung der Anlagen begann 1917, wurde jedoch nicht bei allen Lokomotiven abgeschlossen.[3]

Drei Lokomotiven waren mit Dampfsandstreueinrichtungen der Bauart Gresham & Craven ausgestattet, die vor und hinter den Kuppelradsätzen Sand streuen konnte.[2.1] Aus der Baureihe leitete sich die CR-Klasse 19, die allerdings mit einem B2’-Fahrwerk ausgestattet war.

Literatur

  • Jim Smellie: Caledonian Railway Class 1 4-4-0T. (englisch, caley.com [PDF]).
  • CR Class 1. Caledonia Works, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).

Einzelnachweise

  1. Jim Smellie: Caledonian Railway Class 1 4-4-0T. (caley.com [PDF]).
  2. CR/LMS Lambie "1" Class 4-4-0T. In: BRDatabase. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
    1. a b c Summary
  3. a b CR Class 1. Caledonia Works, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  4. A. E. (Alexander Ernest) Glen: Caledonian cavalcade. I. Allan, London 1979, ISBN 978-0-7110-0919-6, S. 21 (englisch, archive.org).