Glasgow Central Railway
| Glasgow Central Railway | |
|---|---|
Tunnelbahnhof unter der Bahnhof Glasgow Central (1896) | |
Verlauf der Glasgow Central Railway | |
| Streckenlänge: | 10,3 km |
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) |
| Zweigleisigkeit: | ja |
Die Glasgow Central Railway war eine von der Caledonian Railway (CR) errichtete Eisenbahnstrecke, die ab 1894 in mehreren Abschnitten eröffnet wurde. Sie verlief in einem langen Tunnel in Ost-West-Richtung durch das Stadtzentrum von Glasgow und ermöglichte der Caledonian Railway den Zugang zu den Docks und Industriebetrieben am Nordufer des Clyde. Die Strecke bot einen intensiven Vorortverkehr, litt jedoch unter starker Rauch- und Dampfbildungen in den Tunnelabschnitten. Zwischen 1959 und 1964 wurde die Strecke stillgelegt; der zentrale Abschnitt wurde 1979 als Argyle Line wiedereröffnet.
Geschichte
Vorgeschichte
Die Caledonian Railway erreichte 1848 Glasgow, hatte aber trotz mehrerer Endbahnhöfe keinen günstig gelegenen Zugang zum Stadtzentrum oder zum Clydeufer, was den Güterumschlag erschwerte. Die Edinburgh and Glasgow Railway (E&GR) hatte schon 1842 Glasgow Queen Street erreicht. Ihre Nachfolgerin North British Railway (NBR) baute ein dichtes Vorort‑ und Industrienetz auf. dazu gehörte auch der Zugang zum Hafen in Stobcross am Nordufer des Clydes. Im Gegensatz dazu, hatte die Caledonian Railway lediglich den Anschluss an den Schüttguthafen General Terminus am Südufer, weitere Hafenverbindungen fehlten. Ab den 1870er‑Jahren verlor die CR immer mehr Marktanteile, da konkurrierende Strecken wie die City of Glasgow Union Railway, die Glasgow, Dumbarton and Helensburgh Railway (GD&HR), die Glasgow City and District Railway sowie die Glasgow, Yoker and Clydebank Railway den Verkehr im Großraum Glasgow beherrschten.
Bau
Um Marktanteile zurückzugewinnen unterstütze die Caledonian Railway den Plan eines unabhängigen Ingenieurbüros einer in Ost-West-Richtung verlaufenden Hochbahn durch Glasgow, die Glasgow Central Railway. Sie sollte den Bahnhof Glasgow Central mit Maryhill, Dalmarnock und den Hafenanlagen in Stobcross verbinden. Die Konzession für den Bau der Strecke wurde 1888 der Gesellschaft erteilt,[1.1] jedoch ging ein Aufschrei durch die Bevölkerung, die sich des geplanten Bauvorhabens nicht bewusst war. Nach heftigem Widerstand aus Wirtschaft und Öffentlichkeit wurde das Projekt 1889 zu einer unterirdischen Strecke umgeplant, doch die technischen Herausforderungen waren so groß, dass die Caledonian Railway die Gesellschaft 1889 übernahm,[1.1] bevor mit dem Bau der Strecke begonnen worden war. Die Bauarbeiten begannen im Juni 1890.
Zwischen 1894 und 1897 wurde die Glasgow Central Railway schrittweise für den Güter‑ und Personenverkehr eröffnet. Der Abschnitt von Maryhill nach Stobcross ging im November 1894 für den Güterverkehr in Betrieb – gleichzeitig mit der Strecke von Maryhill nach Balornock der Lanarkshire and Dumbartonshire Railway, womit die Gebiete westlich des Stadtzentrums erschlossen waren. Ein Jahr später im November 1895 wurde der Personenverkehr auf dem Abschnitt Dalmarnock–Glasgow Cross eröffnet und am 10. August 1896 wurde die ganze Strecke für jeglichen Verkehr geöffnet. Im Februar 1897 ging die Strecke Bridgeton Cross–Tollcross–Newton in Betrieb.
Betrieb
Die fast vollständig im Tunnel verlaufende Strecke war von Anfang an zweigleisig, der Tiefbahnhof unter der Central Station besaß zwei Mittelbahnsteige mit insgesamt vier Gleisen. Die Strecke war von Beginn an stark befahren: Schon kurz nach der Eröffnung fuhren täglich 130 Personenzüge in jede Richtung, dazu kamen zahlreiche Güterzüge zum Hafen in Stobcross durch die Tunnel.
Von Beginn an war die Central Railway für Reisende nicht attraktiv wegen der schlechten Luft und dem Russ in den Stationen und Wagen. Die Straßenbahn war die größte Konkurrenz. Sie verkehrte häufiger, war sauber und hatte Haltestellen näher an den Zielen der Benutzer. Die Belüftung und Beleuchtung der unterirdischen Stationen war schlecht. Zwar wurden Tenderlokomotiven der CR-Klassen 1 und 19 mit Kondensationseinrichtung eingesetzt, doch war diese nur eingeschränkt brauchbar und wurde vom Personal teils nicht genutzt, da sich durch die Einleitung des Abdampfs in das Speisewasser, dieses manchmal so stark erhitzte, dass es weder von den Injektoren noch den Kreuzkopfpumpen gefördert werden konnte. Die CR erhielt deshalb bereits 1898 die Konzession zur Elektrifizierung der Strecke, führte sie aber nie aus.
Nachkriegszeit
Nach der Gründung der British Railways 1948 stand die Glasgow Central Railway im Wettbewerb zu den Strecken der NBR, im Besonderen zur ebenfalls stadtquerenden Glasgow City and District Railway. Nach der Elektrifizierung der Strecke der ehemaligen Glasgow, Dumbarton and Helensburgh Railway 1960 verlor die Central Railway für den Personenverkehr vollständig an Bedeutung, so dass die Strecke zwischen 1959 und 1964 schrittweise stillgelegt wurde.
Argyle Line
Nachdem die stillgelegte Central Railway jahrelang ungenutzt war, beschloss die Greater Glasgow Passenger Transport Authority (GGPTA) in den 1970er‑Jahren, die Strecke wiederzueröffnen. 1974 wurden die finanziellen Mittel für das Projekt bereitgestellt, und im November 1979 ging die Argyle Line in Betrieb. Die Strecke verläuft von einer Abzweigung bei Patrick an der NBR-Strecke über eine neue, unter der Argyle Street gelegene Station bis nach Rutherglen. Die Argyle Line entwickelte sich schnell zu einer beliebten Durchmesserstrecke mit dichtem Taktverkehr. Pro Stunde verkehren in jeder Richtung etwa acht ScotRail-Züge durch das Stadtzentrum.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Ewan Crawford, Contributors: Glasgow Central Railway. In: Railscot. Archiviert vom am 20. Juni 2025; abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).