Burgus Niederlahnstein

Burgus Niederlahnstein
Limes spätantiker Rheinlimes
Abschnitt Germania prima
Datierung (Belegung) valentinianisch (um 364/375)
bis 1. Hälfte 5. Jh.
Typ Ländeburgus
Bauweise Stein
Erhaltungszustand vollständig überbaut
Ort Lahnstein-Niederlahnstein
Geographische Lage 50° 18′ 35,8″ N, 7° 35′ 42″ O
Höhe 60 m ü. NHN
Vorhergehend Burgus Neuwied-Engers (nördlich)
Anschließend Kastell Boppard (Bodobrica) (südlich)

Der Burgus Niederlahnstein war eine spätantike römische Befestigungsanlage (Burgus) auf dem Gebiet von Niederlahnstein, einem Stadtteil von Lahnstein im rheinland-pfälzischen Rhein-Lahn-Kreis. In antiker Zeit war er Bestandteil der Provinz Germania prima (Germania I).

Lage und Forschungsgeschichte

Die Reste des ehemaligen Burgus liegen unter den mehreren Meter mächtigen Aufschüttungen der rezenten Uferbefestigung in einer Parkanlage im Mündungsbereich der Lahn, unmittelbar südlich der Johanniskirche. Die Anlage wurde 1914 von Robert Bodewig, dem Streckenkommissar der Reichs-Limeskommission, und 1926 von Ferdinand Kutsch vom Landesmuseum Nassauischer Altertümer in Wiesbaden (heute Teil des Museums Wiesbaden) archäologisch untersucht.[1] Künftige Untersuchungen wird es kaum noch geben, da große Teile der Befunde den Bauarbeiten bei der Anlage der modernen Uferbefestigung zum Opfer gefallen sind und der Rest unter deren Aufschüttungen verborgen liegt. An Ort und Stelle weist heute eine bronzene Informationstafel mit rekonstruierender Darstellung und erläuterndem Text auf den Burgus hin.

Archäologische Befunde und Funde

Burgus

Die Mauern des Kerngebäudes bestanden aus Opus caementitium, der mit Tuffsteinblöcken verblendet war. Das Mauerwerk besaß eine Mächtigkeit von über drei Metern und umfasste eine Fläche von 20 m mal 13 m (= 260 m²). Die ehemalige Höhe des Bauwerks wird grob auf drei Geschosse geschätzt. In seinem Inneren befanden sich Lager- und Aufenthaltsräume, während das obere Stockwerk Verteidigungszwecken diente. Als Annäherungshindernis umzog ein Spitzgraben das Gebäude an den drei flussabgewandten Seiten im Abstand von 15 m bis 17 m. Vermutlich handelte es sich um einen Ländeburgus, der vom Bautyp her dem Burgus Neuwied-Engers ähnelte. Im Mittelalter wurde der ehemalige Burgus als Wohnburg zunächst der Grafen des Niederlahngaus, später des Erzbistums Triers weiter genutzt. Im Jahr 1549 wird er als Ruine zum letzten Mal urkundlich erwähnt.[2][3]

Münzschatzfund von Braubach

Im Jahr 1972 wurden im südlich Niederlahnsteins liegenden Braubach, in einem Baugebiet unterhalb der Marksburg im Bereich des damaligen Bahnhofs (heute ein Lebensmitteldiscounter) von spielenden Kindern eine große Anzahl römischer Münzen gefunden, die vermutlich mit dem Aushub einer Ausschachtung in Niederlahnstein dorthin gelangt waren. Es konnten noch rund 200 Bronze- und Silbermünzen geborgen werden, jedoch muss die ursprüngliche Anzahl höher gewesen sein. Die gesicherten Münzen waren Sesterze, Denare und Antoniniane. Bis auf einige wenige ältere Exemplare umfasste das Münzspektrum im Wesentlichen Prägungen von Septimius Severus (193–211) bis Decius (249–251). Es handelte sich offenbar um die Bestandteile eines Depotfunds, der vermutlich von den Bewohnern einer Villa rustica der Umgebung in den unruhiger werdenden Zeiten ab der Mitte des dritten Jahrhunderts vergraben worden war.[4]

Literatur

  • Robert Bodewig: Ein spätrömischer Burgus in Niederlahnstein. In: Nassauische Heimatblätter. Nr. 18, 1915, S. 121 f (Digitalisat)
  • Ferdinand Kutsch: Der römische „Burgus“ bei Niederlahnstein. In: Rheinische Heimatblätter. Nr. 4, 1927, S. 137 f (Digitalisat).
  • Hans-Helmut Wegner: Lahnstein-Niederlahnstein. In: Heinz Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. Theiss, Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0308-3, S. 432 f.

Einzelnachweise

  1. Robert Bodewig: Ein spätrömischer Burgus in Niederlahnstein. In: Nassauische Heimatblätter. Nr. 18, 1915, S. 121 f (Digitalisat); Ferdinand Kutsch: Der römische „Burgus“ bei Niederlahnstein. In: Rheinische Heimatblätter. Nr. 4, 1927, S. 137 f (Digitalisat).
  2. Hans-Helmut Wegner: Lahnstein-Niederlahnstein. In: Heinz Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. Theiss, Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0308-3, S. 432 f.
  3. Vor 475 Jahren wird letztmals der römische Burgus an der Lahnmündung erwähnt auf lahnstein.de, abgerufen am 8. Januar 2026.
  4. Hans-Helmut Wegner: Lahnstein-Niederlahnstein. In: Heinz Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. Theiss, Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0308-3, S. 432.