Blumenthal (Selb)

Blumenthal
Große Kreisstadt Selb
Koordinaten: 50° 7′ N, 12° 8′ O
Höhe: 488 m ü. NHN
Einwohner: (25. Mai 1987)[1]
Postleitzahl: 95100
Vorwahl: 09235

Blumenthal ist ein Gemeindeteil der Großen Kreisstadt Selb im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge (Oberfranken, Bayern).[2] Blumenthal liegt in der Gemarkung Silberbach.[3]

Geographie

Lage

Die Einöde liegt an der Eger und ist allseits von Wald umgeben; im Norden ist es die Selber Forst und im Süden die Kaiserhammer Forst-Ost. Der gesamte Gebiet des dortigen Egertales steht unter Naturschutz. Von Süden kommen drei rechte Zuflüsse der Eger her, die jeweils ganze Weiherketten speisen. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Wellerthal (0,7 km östlich). Ein Anliegerweg führt nach Leupoldshammer (0,9 km nordwestlich).[4]

Sauerbrunnen

Südwestlich und westlich des ehemaligen Gutsgebäudes befindet sich in zwei Taleinschnitten eine Reihe von künstlich angelegten Teichen mit Biotopflächen. In den Verlandungszonen der Teiche wachsen Arten der Großröhrichte, der Eisvogel wurde gesichtet.

Mitten im zweiten Teich befindet sich ein gemauerter Brunnenturm mit Holzaufbau. Unter dem Häuschen sprudelt ein „Sauerbrunnen“, eine eisenhaltige und kohlensäurehaltige Quelle. Wann die Mineralquelle entdeckt wurde, ist nicht bekannt. Der Sauerbrunnen gehört zu einer Quellenreihe, deren Zentrum bei Františkovy Lázně in Tschechien liegt. Ein Holzsteg verband früher das Teichufer mit dem Brunnenhäuschen. Nach 1918 wurde der Fischteich trockengelegt. Von etwa 1920 bis 1936 wurde das heilkräftige Wasser in Flaschen abgefüllt und verkauft. In einer Trinkhalle neben dem Gutshofgebäude Blumenthal wurde an Wanderer und Gäste das Mineralwasser ausgeschenkt. Der beliebte Säuerling lag mitten in der Wiese und wurde im Sommer von vielen Gästen aufgesucht. Das veranlasste den Grundeigentümer, den Teich wieder anzustauen, da es doch zu erheblichen Schäden gekommen war.[5]

Geschichte

Im Jahr 1749 errichtete der Hochofenmeister Benjamin Opp oberhalb des damaligen Blumenthal-Werkes an der Eger eine Eisenschneidmühle. Da der Blumenthaler Betrieb zeitweise völlig zum Erliegen kam, konnte auch die Eisenschneidmühle ab 1753 nicht mehr rentabel arbeiten. Die Anlage wurde vom Besitzer in eine Sägemühle umgewandelt und erhielt 1758 die Konzession. Die Mühle wurde nun „Oppenmühle“ genannt, 1827 wurde sie nicht mehr erwähnt. 1833 erwarb Kommerzienrat Johann Michael Zeitler das Gut Blumenthal, 1895 kaufte Eugen Hutschenreuther, ein Sohn von Lorenz Hutschenreuther, Gut Blumenthal und errichtete neben den Wirtschaftsgebäuden eine Backstein-Villa. 1973 wurde der Porzellanhersteller Hutschenreuther AG Besitzerin des gesamten Areals mit Gebäuden und Fischteichen und richtete ein Feriengut für erholungssuchende Mitarbeiter und Jubilare ein. Bis 1991 gab es eine Gastwirtschaft und ein kleines Porzellanmuseum. Heute besteht dort eine Bildungseinrichtung.[6]

Blumenthal unterstand dem brandenburg-bayreuthischen Amt Thierstein. Von 1797 bis 1810 wurde der Ort vom Justiz- und Kammeramt Wunsiedel verwaltet.[7] Mit dem Gemeindeedikt wurde Blumenthal dem 1812 gebildeten Steuerdistrikt Thierstein[8] und der mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstandenen Ruralgemeinde Silberbach zugewiesen. Am 1. Januar 1978 wurde Blumenthal im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Selb eingemeindet.[9]

Baudenkmäler

In Blumenthal gibt es zwei Baudenkmäler:[10]

  • Ehemaliger Selber Stadtbrunnen im Garten des ehemaligen Ökonomiegebäudes. Das oktogonale Steinbecken mit neugotischem Aufsatz mit zwei Ausläufen stammt aus dem 18. Jahrhundert.
  • Haus Nr. 2: Hutschenreuthersche Villa

Einwohnerentwicklung

Jahr 001818 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 5 14 10 9 9 8 19 6 5 0
Häuser[11] 2 2 2 2 2 2
Quelle [8] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [1]

Religion

Blumenthal ist evangelisch-lutherisch geprägt und bis heute nach St. Michael (Thierstein) gepfarrt.[18]

Museum

1989 eröffnete die Hutschenreuther AG in ehemaligen Stallungen und Heuböden des Guts ein Museum zur Dokumentation der Entwicklung der Porzellanfabriken C. M. Hutschenreuther in Hohenberg und Lorenz Hutschenreuther in Selb sowie der aus ihrer Vereinigung 1969 hervorgegangenen Hutschenreuther AG. Nach der Insolvenz von Hutschenreuther wurde das Museum aufgelöst. Der Verbleib der Porzellanobjekte ist unbekannt, eventuell gingen sie an das Porzellanikon.[20]

Literatur

Fußnoten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, OCLC 231287364, S. 321 (Digitalisat).
  2. Große Kreisstadt Selb, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 19. Dezember 2024.
  3. Webkarte. ALKIS®-Verwaltungsgrenzen - Gemarkungen. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 13. November 2025.
  4. Ortskarte 1:10.000. Darstellung mit Schummerung. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 13. November 2025 (Entfernungsangaben entsprechen Luftlinie).
  5. D. Hermann: Der Sauerbrunnen beim Blumenthal.
  6. D. Herrmann, H. Süssmann: Fichtelgebirge, Bayerisches Vogtland, Steinwald, Bayreuther Land, Sp. 83.
  7. Addreßhandbuch für die Fränkischen Fürstenthümer Ansbach und Bayreuth. Verlag der beiden Waisenhäuser, Ansbach und Bayreuth 1801, OCLC 869860275, S. 285 (Digitalisat).
  8. a b A. H. Hoenig (Hrsg.): Topographisch-alphabetisches Handbuch über die in dem Ober-Mainkreise befindlichen Städte, Märkte, Dörfer, Weiler, Mühlen und Einöden. Bayreuth 1820, OCLC 165644543, S. 10 (Digitalisat).
  9. Selb > Politische Einteilung. In: wiki.genealogy.net. Verein für Computergenealogie, abgerufen am 13. November 2025.
  10. Denkmalliste für Selb (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
  11. Es sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1885 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet.
  12. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, OCLC 457951812, Sp. 936, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  13. Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, OCLC 183234026, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1111, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  14. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, OCLC 1367926131, Abschnitt III, Sp. 1057 (Digitalisat).
  15. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, DNB 361988931, OCLC 556534974, Abschnitt II, Sp. 1110 (Digitalisat).
  16. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, DNB 361988923, OCLC 215857246, Abschnitt II, Sp. 1146 (Digitalisat).
  17. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, OCLC 183218794, Abschnitt II, Sp. 990 (Digitalisat).
  18. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, OCLC 230947413, Abschnitt II, Sp. 728 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, OCLC 220710116, S. 166 (Digitalisat).
  20. Hutschenreuther Museum. In: porzellan-selb.de. 28. Juli 2020, abgerufen am 6. Oktober 2025.