Bahnhof Altenkirchen (Westerw)
| Altenkirchen (Westerw) | |
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Bahnhof Altenkirchen (2025)
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| Daten | |
| Betriebsstellenart | Bahnhof |
| Lage im Netz | Trennungsbahnhof |
| Bauform | Durchgangsbahnhof |
| Bahnsteiggleise | 2 |
| Abkürzung | KAK |
| IBNR | 8000351 |
| Eröffnung | 30. Mai 1884 |
| Profil auf bahnhof.de | Altenkirchen(Westerw) |
| Lage | |
| Stadt/Gemeinde | Altenkirchen |
| Land | Rheinland-Pfalz |
| Staat | Deutschland |
| Koordinaten | 50° 41′ 6″ N, 7° 38′ 21″ O |
| Höhe (SO) | 215 m |
| Eisenbahnstrecken | |
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| Bahnhöfe in Rheinland-Pfalz | |
Der Bahnhof Altenkirchen (Westerw) ist eine Betriebsstelle der Bahnstrecke Engers–Au und der einmündenden Bahnstrecke Limburg–Altenkirchen auf dem Gemeindegebiet von Altenkirchen (Westerwald) in Rheinland-Pfalz.
Als regionaler Verkehrsknotenpunkt besaß der Bahnhof früher auch ein eigenes Bahnbetriebswerk, das für den Lokomotiveinsatz auf den Nebenbahnen im Westerwald zuständig war.
Geschichte
Der Bahnhof Altenkirchen (Westerw) wurde am 30. Mai 1884 zusammen mit dem Streckenabschnitt Engers–Altenkirchen der Unterwesterwaldbahn eröffnet. Endbahnhof war die Station aber nur bis zum 1. April, als der Streckenabschnitt Altenkirchen–Hachenburg der Oberwesterwaldbahn eröffnet wurde. Die Weiterführung der Oberwesterwaldbahn nach Au (Sieg) – heute ein Teil der Bahnstrecke Engers–Au – wurde am 1. Mai 1887 eröffnet. Damit wurde der Bahnhof Altenkirchen zu einem Trennungsbahnhof und Verkehrsknotenpunkt.
Auch die Züge der 1912 eröffneten Bahnstrecke Linz (Rhein)–Flammersfeld wurden teilweise bis Altenkirchen durchgebunden.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Bahnhof mehrfach das Ziel von Bombenangriffen und dabei schwer beschädigt, einzig das Bahnbetriebswerk blieb relativ unbeschädigt. Zurückweichende Truppen sprengten dann im März 1945 zahlreiche Brücken, sodass der Verkehr vorerst zum Erliegen kam.[1] Komplett durchgängig befahrbar waren die Strecken bei Altenkirchen dann erst 1946/47,[2] die Strecke nach Linz blieb aber dauerhaft unterbrochen.
Die Französische Besatzungsmacht ordnete nach dem Zweiten Weltkrieg alle Bahnstrecken im nördlichen Teil ihrer Besatzungszone der Eisenbahndirektion Mainz zu.
Mit der schrittweisen Auflösung der Bundesbahndirektion Mainz in den Jahren 1971/72 fiel die Zuständigkeit für den Bahnhof Altenkirchen (Westerw) zum 1. Januar 1971 an die Bundesbahndirektion Frankfurt/Main.[3]
Am 2. Juni 1984 wurde der Personenverkehr auf der Bahnstrecke Siershahn–Altenkirchen eingestellt. Güterverkehr findet 2022 weiterhin von Altenkirchen aus statt.
Am 23. Mai 1993 wurde die Strecke zwischen Au (Sieg) und Altenkirchen auf signalisierten Zugleitbetrieb umgestellt, gleichzeitig erfolgte eine Vertaktung des Personenverkehrs auf der gesamten Linie von Au über Altenkirchen nach Limburg.
Die Strecke der Oberwesterwaldbahn (RB 28) wurde im Rahmen der Ausschreibung des Dieselnetzes Eifel-Westerwald-Sieg (EWS) im September 2011 durch den Zweckverband SPNV-Nord neu ausgeschrieben. Im Zuge dieser Ausschreibung wurden die Züge von Limburg bzw. Westerburg kommend über Altenkirchen und Au (Sieg) hinaus nach Siegen sowie bei einzelnen Fahrten bis Kreuztal verlängert. Die Linien RB 28 (Limburg–Westerburg–Altenkirchen–Au (Sieg)) und RB 95 (Au (Sieg)–Wissen (Sieg)–Siegen) wurden im Zuge dieser Maßnahme zu einer durchgehenden Linie (RB 90) zusammengelegt.[4]
Infrastruktur
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Altenkirchen (Westerw) ist ein stattlicher Typenbau aus Bruchstein. Es wurde um 1883/84 errichtet. Der Bahnhof besitzt die Adresse Bahnhofstraße 1. Gemäß rheinland-pfälzischem Denkmalschutzgesetz ist das Empfangsgebäude des Altenkirchener Bahnhofs ein Kulturdenkmal.
Der Bahnhof besitzt 2022 insgesamt vier von ursprünglich acht Gleisen, davon zwei Bahnsteiggleise. Die meisten Züge verkehren von Gleis 2. Die beiden bahnsteiglosen Gleise dienen der Hessischen Landesbahn zum Abstellen ihrer Fahrzeuge sowie dem Güterverkehr.
Bahnbetriebswerk
Bereits bei der Streckeneröffnung 1884 entstand eine kleine Lokstation mit einem zweigleisigen Lokschuppen samt Drehscheibe nördlich der Streckengleise an der Ausfahrt Richtung Siershahn/Engers. Diese Anlagen genügten aber bald nicht mehr dem gestiegenen Verkehr. Südlich der bisherigen Anlagen entstand somit 1897/98 ein neuer sechsgleisiger Ringlokschuppen mit 12,5 m-Drehscheibe. Der Ringlokschuppen wurde 1911 und 1922 um je zwei Gleise erweitert und die Drehscheibe 1920 gegen ein Exemplar mit 20 m Bühnenlänge getauscht.[5]
Es war als Bahnbetriebswerk Altenkirchen eine eigenständige Dienststelle. Diese besaß Außenstellen in Hachenburg, Höhr-Grenzhausen, Marienberg, Rennerod, Siershahn und Westerburg.[6] Als selbstständige Dienststelle wurde das Bw 1966 aufgelöst und dem Bw Koblenz-Mosel unterstellt.[7] Abgerissen wurden die Anlagen 1990/91,[5] das Gelände ist heute überbaut.
Stationiert waren in Altenkirchen hauptsächlich Tenderlokomotiven, wie die Baureihen 82, 93.5–12, 94.2–4, 94.5–18 und ab 1952[8] auch Schienenbusse.[6] Die letzten hier stationierten Triebfahrzeuge, einige Kleinloks, wurden 1978 abgezogen.[8]
Verkehr
Personenverkehr
Die Verbindungen Au–Altenkirchen–Limburg wurden zwischen Dezember 2004 und Dezember 2014 von der vectus Verkehrsgesellschaft befahren; seit Dezember 2014 wird sie von der Hessischen Landesbahn betrieben. Hier verkehren die Züge der Linie RB 90 (Oberwesterwaldbahn) nach dem Rheinland-Pfalz-Takt im Auftrag des Zweckverband SPNV Nord täglich im Stundentakt sowie Züge der Linie RB 93 (Rothaar-Bahn) täglich mit einem Zugpaar. Im Abschnitt Betzdorf–Altenkirchen wird zu den Hauptverkehrszeiten teilweise im Halbstundentakt gefahren.
Es werden seit 1998 die inzwischen überholten Fahrzeuge der Baureihe GTW 2/6 von Stadler sowie seit 2006 die neueren einteiligen Coradia LINT 27 (Baureihe 640) und die zweiteiligen LINT 41 (Baureihe 648) von ALSTOM LHB eingesetzt.[9]
Güterverkehr
Auf der Strecke Altenkirchen–Siershahn findet von Altenkirchen aus Güterverkehr statt. Die DB Cargo übernahm 2018 die Bedienung von der kreiseigenen Westerwaldbahn GmbH (WEBA). Im Abschnitt Selters–Raubach–Altenkirchen werden seit 2006 wieder Güterkunden auf der Schiene, darunter ein Gleisanschluss in Neitersen und die Firma Schütz Behälterbau in Selters bedient. Seit 2019 befindet sich die Strecke im Eigentum der Lappwaldbahn.
Straßenverkehr
Der Regionalbusverkehr wird mehrheitlich von den Unternehmen Martin Becker und Westerwaldbus durchgeführt.
Auf dem Bahnhofsvorplatz des Altenkirchener Bahnhofs befindet sich ein Busbahnhof, an welchem Regionalbusse in die umliegenden Städte und Dörfer verkehren. Zwischen dem Busbahnhof und dem Gleis 2 des Altenkirchener Bahnhofs liegt ein Kombibahnsteig, welcher ein „bahnsteiggleiches“ Umsteigen von Zügen auf Busse und umgekehrt ermöglicht.
Am Bahnhof Altenkirchen befindet sich zudem eine Park-and-Ride-Anlage sowie eine Bike-and-Ride-Anlage.
Tarife
Seit dem 1. August 2002 ist der Tarif des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) als Übergangstarif auf den Schienenstrecken – allerdings nicht auf den Buslinien – im Kreis Altenkirchen anerkannt, wenn der Start- oder Zielbahnhof im Gebiet des VRS liegt. Ebenso ist der Landkreis Altenkirchen seit dem 1. Januar 2009 Mitglied im Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM). Der VRM-Tarif gilt für Fahrten innerhalb des Landkreises Altenkirchen sowie in andere Landkreise, welche Mitglied im VRM sind, beispielsweise in den Landkreis Neuwied. Die Mitgliedschaft im VRM ermöglicht es Fahrgästen mit Verbundfahrscheinen, vom Zug in den Bus oder umgekehrt zu wechseln, ohne ein weiteres Ticket kaufen zu müssen.
Weblinks
- Westerwälder Bahnen
- Hessische Landesbahn
- Gleisplan DB InfraGO (PDF)
Einzelnachweise
- ↑ Willi Merzhäuser / Hans-Jürgen Wenzel: Eisenbahnen im Westerwald – Zwischen Sieg und Lahn. EK-Verlag, Freiburg 1996, S. 132 f.
- ↑ Willi Merzhäuser / Hans-Jürgen Wenzel: Eisenbahnen im Westerwald – Zwischen Sieg und Lahn. EK-Verlag, Freiburg 1996, S. 105.
- ↑ Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 23. November 1970, Nr. 52. Bekanntmachung Nr. 351, S. 351–356 (352); ebd., vom 30. Dezember 1970, Nr. 60, Bekanntmachung Nr. 402, S. 408–410.
- ↑ SPNV Nord schreibt Dieselnetz Eifel-Westerwald-Sieg aus. Abgerufen am 20. September 2022.
- ↑ a b Willi Merzhäuser / Hans-Jürgen Wenzel: Eisenbahnen im Westerwald – Zwischen Sieg und Lahn. EK-Verlag, Freiburg 1996, S. 313.
- ↑ a b Hans-Jürgen Wenzel: Die Baureihe 94 - Die preußischen Tenderloks T 16 und T 161, EK-Verlag, Freiburg 2018, ISBN 978-3-8446-6017-3, S. 282
- ↑ Hans-Jürgen Wenzel: Die Baureihe 94 - Die preußischen Tenderloks T 16 und T 161, EK-Verlag, Freiburg 2018, ISBN 978-3-8446-6017-3, S. 286
- ↑ a b Willi Merzhäuser / Hans-Jürgen Wenzel: Eisenbahnen im Westerwald – Zwischen Sieg und Lahn. EK-Verlag, Freiburg 1996, S. 310.
- ↑ Hessische Landesbahn GmbH: Triebfahrzeuge. Archiviert vom am 10. Oktober 2020; abgerufen am 8. Januar 2015.