Bärenschanze
Bärenschanze Statistischer Bezirk 22 Kreisfreie Stadt Nürnberg
| |
|---|---|
| Koordinaten: | 49° 27′ N, 11° 3′ O |
| Höhe: | 300–310 m ü. NHN |
| Fläche: | 1,09 km² |
| Einwohner: | 9475 (31. Dez. 2023)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 8.693 Einwohner/km² |
| Postleitzahl: | 90429 |
| Vorwahl: | 0911 |
| Lage des statistischen Bezirks 22 Bärenschanze in Nürnberg
| |
Luftaufnahme des Bezirks,
im Vordergrund das Dürer-Gymnasium | |
Bärenschanze (nürnbergisch: Bäanschandsn[2]) ist der statistische Bezirk 22 in Nürnberg,[3] benannt nach einer früheren Befestigungsanlage, die während des Dreißigjährigen Krieges entstand.
Lage
Der Bezirk Bärenschanze liegt an der Fürther Straße. Die Pegnitz ist die nordöstliche Trennlinie zu Sandberg (Bezirk 23). Im Osten grenzen bei der Willstraße Himpfelshof (Bezirk 05) und bei der Kernstraße Gostenhof (Bezirk 04) an. Jenseits des Frankenschnellwegs im Süden liegt Sündersbühl (Bezirk 23). Nordwestlich des Westrings (Bundesstraße 8) liegt Eberhardshof (Bezirk 64).[4]
| Statistische Nachbarbezirke | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
|
Die historische Festungsanlage Bärenschanze stand in der Nähe des Himpfelshof. Heute befindet sich dieses Gelände zwischen dem Alten Jüdischer Friedhof, Roon- und Bärenschanzstraße und liegt damit im Statischen Bezirk Himpfelshof und nicht im Statischen Bezirk Bärenschanze.
Ortsname
Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist mhd. bër für ‚Bär‘. Als Bären wurden die in der frühen Neuzeit aufgekommenen Kanonengeschütze bezeichnet. Der Ortsname bedeutet also ‚Befestigungsanlage mit Kanonengeschützen‘.[5]
Geschichte
1632 ließ Gustav Adolf gegen die heranrückenden Truppen Wallensteins einen äußeren Befestigungsring um die Reichsstadt Nürnberg errichten. Westlich Nürnbergs entstand als ein Teil dieser Befestigungsanlagen die Bärenschanze als eine sternförmige Artilleriebastion, die bis circa 1820 bestand. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde die Anlage von der Reichsstadt Nürnberg zu einer Kaserne ausgebaut, die während der Koalitionskriege (1792 bis 1815) als Lazarett für die französischen Soldaten genutzt wurde. Heute existiert nur noch das Kommandanturhaus aus dem Jahre 1721 in der Bärenschanzstraße 8b, das mit einer Loftwohnung belegt ist.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Bärenschanze aus drei Anwesen (2 Häuser, 1 Wachhaus). Das Hochgericht übte die Reichsstadt Nürnberg aus, was aber vom brandenburg-ansbachischen Oberamt Cadolzburg bestritten wurde.[6]
Von 1797 bis 1808 unterstand Bärenschanze dem Justiz- und Kammeramt Wöhrd-Gostenhof. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde der Ort dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Sündersbühl[7] und der 1810 gegründeten Munizipalgemeinde Gostenhof zugeordnet. 1825 wurde Dürrenhof nach Nürnberg eingemeindet.[8]
Seit 1864 existiert hier der Alte Jüdische Friedhof, der bis 1922 genutzt wurde.
Der Nürnberger Justizpalast mit angrenzendem Zellengefängnis liegt im Nordwesten des Bezirkes 22. Hier fanden nach dem Zweiten Weltkrieg von 1945 bis 1949 die Nürnberger Prozesse statt.
Einwohnerentwicklung
| Jahr | 1818 | 1824 | 1836 | 1840 |
|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 46 | * | ||
| Häuser[9] | 10 | 2 | 2 | 2 |
| Quelle | [7] | [8] | [10] | [11] |
Religion
Bärenschanze war evangelisch-lutherisch geprägt und ursprünglich nach St. Lorenz gepfarrt.[6] Heute ist die Dreieinigkeitskirche (Gostenhof) zuständig. Die Katholiken sind seit 1895 nach St. Elisabeth gepfarrt.[12]
Literatur
- Katrin Bielefeldt u. a.: Gostenhof, Muggenhof, Eberhardshof & Kleinweidenmühle : Geschichte eines Stadtteils. Hrsg.: Geschichte für Alle e. V. Sandberg Verlag, Nürnberg 2005, ISBN 3-930699-42-7.
- Michael Diefenbacher: Bärenschanze. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2., verbesserte Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8, S. 96 (online).
- Dorothea Fastnacht: Nürnberg : ehemaliger Stadtkreis (= Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Mittelfranken. Band 9). Michael Laßleben, Kallmünz 2022, ISBN 978-3-7696-6594-9, S. 8–10.
- Hanns Hubert Hofmann: Nürnberg-Fürth (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 4). Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 1954, DNB 452071224, S. 147 (Digitalisat). Ebd. S. 239 (Digitalisat).
- Martin Schieber: Geschichte Nürnbergs. C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-56465-9 (Google Books).
Weblinks
- Bezirksdatenblatt Nürnberg – Statistischer Bezirk 22 Bärenschanze, Stand 2021 (PDF; circa 120 kB)
Einzelnachweise
- ↑ Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (Hrsg.): Datenblatt 2023 für den Statistischen Bezirk 22-Bärenschanze. Dezember 2023 (nuernberg.de [PDF; abgerufen am 14. Oktober 2025]).
- ↑ D. Fastnacht: Nürnberg, S. 9. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „bäɐnšandsn“.
- ↑ Stadtplandienst Nürnberg, abgerufen auf online-service.nuernberg.de am 10. Februar 2012.
- ↑ Ortskarte 1:10.000. Darstellung mit Schummerung. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 8. Oktober 2025.
- ↑ D. Fastnacht: Nürnberg, S. 9.
- ↑ a b H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth, S. 147.
- ↑ a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, OCLC 1071656043, S. 7 (Digitalisat). Dort als Bärnschanz mit Ställen aufgelistet.
- ↑ a b H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth, S. 239.
- ↑ Es sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 und 1824 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1836 als Wohngebäude und 1840 als Häuser.
- ↑ Wilhelm Meyer: Eintheilung der Amtsbezirke im Rezatkreis des Königreichs Bayern und Verzeichniß aller dazu gehörigen Ortschaften. Brügel’sche Kanzleybuchdruckerey, Ansbach 1837, OCLC 911053266, S. 128.
- ↑ Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, OCLC 635011891, S. 15 (Digitalisat).
- ↑ D. Fastnacht: Nürnberg, S. 8.