Wirtschaft Italiens

Italien
Weltwirtschaftsrang 8. (nominal) (2024)[1]
Währung Euro
Handels-
organisationen
Europäische Union, WTO
Kennzahlen
Bruttoinlands-
produkt (BIP)
2,4 Billionen USD (nom.) (2024)[1]
3,6 Billionen USD (PPP) (2024)[1]
BIP pro Kopf 40.224 USD (nominal) (2024)
61.165 USD (PPP) (2024)[1]
BIP nach Wirtschaftssektor Landwirtschaft: 2 % (2024)
Industrie: 21,7 % (2024)
Dienstleistung: 65,6 % (2024)[2]
Wachstum   0,7 % (2024)[1]
Inflationsrate 1,1 % (2024)[1]
Gini-Index 51,6 (2023)[2]
Erwerbstätige 25,8 Mio. (2024)[2]
Arbeitslosenquote 6,6 % (2024)[1]
Außenhandel
Export 778,898 Mrd. $ (2024)[2]
Exportpartner Deutschland: 11 % (2023)
Vereinigte Staaten: 11 % (2023)
Frankreich: 10 % (2023) Spanien: 5 % (2023) Vereinigtes Königreich: 5 % (2023)[2]
Import 717,278 Mrd. $ (2024)[2]
Importpartner Deutschland: 15 % (2023)
Frankreich: 9 % (2023)
China: 8 % (2023)
Niederlande: 6 % (2023)
Spanien: 5 % (2023)[2]
Außenhandelsbilanz 62 Mrd. € (2024)
Öffentliche Finanzen
Öffentliche Schulden 135,3 % des BIP (2024)[1]
Staatseinnahmen 47,1 % des BIP (2024)[1]
Staatsausgaben 50,6 % des BIP (2024)[1]
Haushaltssaldo −3,4 % des BIP (2024)[1]

Die Wirtschaft Italiens ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union und zählt mit einem nominalen Bruttoinlandsprodukt von über 2 Billionen US-Dollar zu den acht größten der Welt. Italien verfügt über eine diversifizierte Wirtschaft, die vom Dienstleistungssektor dominiert wird. Das Land ist Gründungsmitglied der Europäischen Union, der Eurozone, des Schengen-Raums, der OECD, der G7 und der G20. Von der Weltbank wird Italien als Hocheinkommensland klassifiziert[3], zählt zu den entwickelten Volkswirtschaften und gehört zu den führenden Exporteuren. Trotz seiner Industriebasis und einem starken Mittelstand hat das Land in den letzten Jahrzehnten jedoch unter niedrigem Wachstum und strukturellen Problemen gelitten.

Geschichte

Vor der Einigung Italiens

Das Gebiet des heutigen Italien war in der Antike das Zentrum des Römischen Reiches, dessen wirtschaftliche Stärke auf produktiver Landwirtschaft, blühendem Handel und einem ausgebauten Verkehrsnetz basierte. Laut den Schätzungen des Wirtschaftshistorikers Angus Maddison wurde der Wohlstand des römischen Italiens in Europa erst wieder während der industriellen Revolution der Neuzeit erreicht.[4] Nach dem Zerfall Roms blieb der italienische Raum über Jahrhunderte in rivalisierende Klein- und Stadtstaaten zersplittert, Arbeitsteilung und Handel gingen für mehrere Jahrhunderte deutlich zurück. Im Mittelalter erlebten einige norditalienische Stadtstaaten wie Venedig, Genua und Florenz jedoch eine erstaunliche wirtschaftliche Blüte: Sie beherrschten den Mittelmeerhandel, entwickelten frühe Bank- und Kreditsysteme und wurden zur Drehscheibe des europäischen Fernhandels zwischen dem Nahen Osten und Nordeuropa.[5] Mit der Entdeckung Amerikas nahm die relative Bedeutung Italiens im Fernhandel allerdings ab und die kommende Industrialisierung wurde weitgehend verpasst. Besonders blieb das überwiegend agrarisch geprägte Süditalien wirtschaftlich zurück und schon vor der staatlichen Einigung deutete sich das spätere Nord-Süd-Gefälle an.[6]

Einigung Italiens und frühe Industrialisierung

Nach der politischen Einigung 1861 stand Italien vor der Herausforderung, eine moderne Industriewirtschaft aufzubauen. Die neue Regierung förderte den Ausbau von Industrie und Infrastruktur vor allem im Norden (u. a. durch Eisenbahnbau und Schutzzölle), während der Mezzogiorno agrarisch geprägt blieb. Die Industrialisierung erfolgte relativ spät und schleppend; um 1914 lag das Pro-Kopf-Einkommen Italiens erst bei rund 60 % des westeuropäischen Durchschnitts.[7] In dieser Zeit wanderten Millionen Italiener mangels wirtschaftlicher Perspektiven nach Übersee aus (besonders in die Amerikas). Bis zum Ersten Weltkrieg entstanden zwar erste industrielle „Dreiecke“ (z. B. MailandTurinGenua), doch Italien blieb ein Nachzügler in der industriellen Entwicklung. Nach dem Krieg litt Italien unter hohen Schulden und Inflation, was zu verstärkten sozialen Konflikten (Biennio rosso) führte und die Machtübernahme der Faschisten in den frühen 1920er Jahren begünstigte.

Faschistisches Italien

Die faschistische Diktatur unter Benito Mussolini (1922–1943) führte zunächst eine marktorientierte, später eine immer stärker staatsdirigistische Wirtschaftspolitik ein. In Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise wurde 1933 die staatliche Holding IRI (Istituto per la Ricostruzione Industriale) gegründet, welche Banken und Schlüsselindustrien übernahm und im Sinne der korporativen Wirtschaft den Staatseinfluss ausbaute. Ab Mitte der 1930er verfolgte das Regime eine Autarkie- und Aufrüstungspolitik (etwa mit der Weizenschlacht zur Steigerung der Getreideproduktion). Diese Bemühungen hinterließen nach dem Zweiten Weltkrieg einen aufgeblähten Staatssektor: Allein im IRI-Komplex gab es rund 250 verstaatlichte Unternehmen, von denen viele ineffizient waren und dauerhaft Staatshilfe benötigten.[8] Die italienische Wirtschaft war 1945 daher durch Kriegsschäden und strukturelle Schwächen gezeichnet, das Leistungsniveau auf 40 Prozent des westeuropäischen Durchschnitts gefallen.[7]

Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit

In den 1950er und 1960er Jahren holte Italien wirtschaftlich rasant auf. Bereits 1948 erreichte die Industrieproduktion wieder das Vorkriegsniveau, begünstigt durch amerikanische Marshallplan-Hilfe, den Abbau der faschistischen Zwangswirtschaft und der europäischen Integration (1951 war Italien Gründungsmitglied der Montanunion). In den Jahren 1958–63 erlebte das Land ein „Wirtschaftswunder“ mit jährlichen Industriewachstumsraten von über 8 %. Italien integrierte sich in den europäischen Handel, trat 1957 der EWG bei und investierte massiv in den Aufbau moderner Industrien. Neue Autobahnen, erschwingliche Konsumgüter (vom Kühlschrank bis zum Fiat-500) und günstige Energie (u. a. durch Erdgasfunde in der Po-Ebene), transformierten das Land in kurzer Zeit von einer agrarischen Gesellschaft zu einer der dynamischsten Industrienationen der Welt.[9] Ende der 1960er Jahre übertraf Italiens Pro-Kopf-Einkommen zeitweise sogar das von Deutschland und Frankreich.[7] Der Lebensstandard stieg deutlich, begleitet von steigender urbaner Beschäftigung und dem Ausbau des Sozialstaats.

Vom Boom zur Stagnation

Ab den 1970er Jahren verlor der Aufschwung jedoch an Dynamik. Die Ölpreisschocks 1973/79 führten zu Stagflation, und innenpolitische Unruhen (Streikwellen, Terror der bleiernen Jahre) belasteten die Wirtschaft. Zwar modernisierte sich Italiens Industrie weiter, in den 1980ern trieb u. a. die Anpassung an das Europäische Währungssystem die Inflation zurück und es entstanden technologische Nischenführer, jedoch explodierten zugleich die Staatsausgaben. In den 1980er Jahren verdoppelte sich die Staatsverschuldung, und die Lira wurde mehrfach abgewertet, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. In den 1990ern offenbarte sich dann eine strukturelle Wachstumsschwäche: Die Produktivität stagnierte zunehmend. Untersuchungen zeigen, dass Italiens totale Faktorproduktivität bereits ab den späten 1970ern zurückfiel und in den Jahren nach Einführung des Euro sogar negativ wurde.[10]

Italien geriet im Vergleich zu anderen Industrienationen ins Hintertreffen. Eine Währungskrise 1992 führte zu einer drastischen Lira-Abwertung und zwang zu haushaltspolitischen Konsolidierungen; dennoch konnte Italien bis 1999 die Euro-Konvergenzkriterien erfüllen und der Währungsunion beitreten. Die langfristigen strukturellen Probleme, schwaches Produktivitätswachstum, Bürokratie, hohe Schulden, blieben aber bestehen und bremsten das Potenzial. Nach 2000 wuchs die Wirtschaft kaum noch, während Staatsschulden anstiegen.

Eurokrise und langsame Erholung

Die internationale Finanzkrise 2007/08 stürzte Italien in eine schwere Rezession (2009 ging das BIP um knapp 5 Prozent zurück[11]), gefolgt von der Euro-Schuldenkrise 2011–2013, in der Italiens Staatsanleihen unter massivem Druck standen. Zur Beruhigung der Lage implementierte die Technokratenregierung Monti ab 2011 Sparmaßnahmen und Reformen (u. a. Rentenkürzungen und höhere Steuern).[12] Trotzdem durchlief Italien 2012–2013 eine neue Rezession, und die Wirtschaftsleistung 2013 lag etwa 8,5 % unter dem Vorkrisenniveau von 2007.[10] Erst ab 2014 stabilisierte sich die Lage langsam. Die Erholung verlief jedoch äußerst schleppend: Selbst ein Jahrzehnt nach der Finanzkrise blieb die Wirtschaftskraft hinter früheren Spitzenwerten zurück. So waren die italienischen Lebensstandards auch 2020 noch nicht auf dem Niveau von 2007; das BIP pro Kopf lag unter dem Wert von 2006.[13]

In den 2010er Jahren kam es nur zu minimalem Wachstum (durchschnittlich ca. 0,5 % jährlich), die Produktivität stagnierte weiter und die Arbeitslosigkeit verharrte im zweistelligen Bereich. Immerhin erholte sich die italienische Exportwirtschaft, dank interner Lohnzurückhaltung und Reformen, etwas und trug zum bescheidenen Wachstum bei.[10] 2020 traf die COVID-19-Pandemie Italien jedoch hart (BIP 2020: −9 %), bevor 2021/22 eine Erholung einsetzte. Von dem EU-Wiederaufbaufonds profitierte Italien mit Zahlungen in Höhe von 194 Milliarden Euro über mehrere Jahre, davon 70 Milliarden Zuschüsse. Die Hilfen lösten einen Bauboom in Italien aus, auch wenn viele Mittel nicht effektiv eingesetzt werden konnten.[14] Mitte 2025 lag die Arbeitslosenquote in Italien auf dem niedrigsten Stand seit 2007.[15]

Struktur

Dienstleistungen und Bankenwesen

Die Dienstleistungsbranche erwirtschaftet zwischen 65 und 70 % des italienischen BIP[16] und stellt etwa 70 % der Arbeitsplätze. Dazu zählen Handel und Verkehr, der Tourismussektor, öffentliche Verwaltung, Bildung und Gesundheit sowie das Finanz- und Versicherungswesen. Italien ist eines der weltweit meistbesuchten Länder (68 Millionen Auslandsgäste 2024[17]), wodurch Gastronomie, Hotellerie und kulturelle Dienstleistungen erheblich zur Wirtschaft beitragen. Auch der Finanzsektor hat traditionell Gewicht: Große italienische Banken wie Intesa Sanpaolo oder UniCredit gehören zu den größten Geldhäusern Europas. Zugleich ist der Bankensektor stark fragmentiert, mit vielen Regional- und Genossenschaftsbanken. Nach der Finanzkrise zeigten sich Probleme im Bankensystem, etwa ein hoher Bestand fauler Kredite. Eine Bankenreform 2015 zielte darauf ab, die zahlreichen Genossenschaftsbanken (Banche Popolari) zu konsolidieren und zu stärken.[18] Insgesamt sind die Dienstleistungen in Italien in vielen Bereichen wettbewerbsfähig (z. B. Modehandel, Design, Tourismus), leiden aber teils unter Überregulierung und Investitionsschwäche.

Industrie und Handwerk

Italien zählt trotz aller Herausforderungen zu den führenden Industrienationen und ist die zweitgrößte Fertigungswirtschaft Europas. Die Industrie (inklusive Baugewerbe und Handwerk) trägt rund 22 bis 23 % zum BIP bei.[19] Charakteristisch ist die breite Mittelstandsstruktur: Neben einigen Großkonzernen (etwa Fiat/Stellantis im Automobilbau, Leonardo in der Luftfahrt oder ENI in der Energie) wird die Wirtschaft von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt – häufig familiengeführt und in regionalen „Industriebezirken“ organisiert. Diese Cluster spezialisierter Betriebe haben Italien in vielen Branchen wettbewerbsfähig gemacht, etwa in der Textil- und Modeindustrie (Seide und Mode in Como, Prato etc.), im Maschinenbau und der Automatisierungstechnik (Emilia-Romagna), der Keramik (Sassuolo) oder der Möbel- und Designbranche (Brianza im Norden). Italienische Hersteller genießen einen Ruf für hochwertige Verarbeitung und Design – Beispiele reichen von Luxusautos (Ferrari, Lamborghini) über Möbel und Haushaltsgeräte bis zu Lebensmitteln und Bekleidung. Viele Firmen sind exportorientiert und „Hidden Champions“ in Nischenmärkten. Allerdings geht die kleinteilige Unternehmensstruktur auch mit geringer F&E-Investition in einigen Sektoren einher, was die Innovationsdynamik hemmt. Insgesamt bleibt die Industrie ein Rückgrat der Wirtschaft: Mit einer industriellen Wertschöpfung von geschätzt 353 Mrd. US-Dollar hat Italien den zweitgrößten verarbeitenden Sektor in Europa (nach Deutschland) und liegt damit deutlich vor Frankreich oder Großbritannien.[20]

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft trägt nur etwa 2 % zum BIP bei und beschäftigt rund 4 % der Erwerbstätigen, doch besitzt sie kulturell und regionalwirtschaftlich Bedeutung. Italien ist einer der größten Agrarproduzenten Europas und weltweit bekannt für hochwertige Lebensmittel. Wichtig sind Weinbau, Olivenöl, Obst und Gemüse sowie Getreide (vor allem Weichweizen, Mais, Reis). Italien ist in den letzten Jahren regelmäßig der weltweit führende Weinproduzent gewesen, durchschnittlich werden ca. 50 Millionen Hektoliter Wein pro Jahr erzeugt, mehr als in Frankreich oder Spanien.[21] Die landwirtschaftliche Struktur ist zweigeteilt: In Norditalien (v. a. Po-Ebene) dominieren vergleichsweise größere, mechanisierte Betriebe, die etwa Milchprodukte, Rindfleisch, Getreide und Wein in Massen produzieren. Im Süden hingegen überwiegen kleinere Familienbetriebe, die Olivenhaine, Weinberge, Zitrusfrüchte und Gemüse bewirtschaften. Italien verfügt über eine Fülle berühmter regionaler Spezialitäten mit geschützter Herkunft (z. B. Parmigiano Reggiano, Prosciutto di Parma, Chianti-Wein), die einen hohen Wertschöpfungsanteil erzielen und sich international gut verkaufen. Dennoch ist die Produktivität im Agrarsektor moderat; ohne EU-Subventionen wären viele Betriebe kaum wettbewerbsfähig. Italien muss einige Agrargüter importieren (etwa Futtermittel und Fleisch) und kämpft in Teilen mit Problemen wie Bodenqualität, Wasserknappheit und Strukturwandel (Landflucht aus ländlichen Regionen).

Außenwirtschaft

Außenhandel

Italien ist seit langem stark in den Welthandel eingebunden. Das Land gehört zu den zehn größten Exportnationen (Platz 9 im Warenexport 2024[22]) und ist Mitglied der Welthandelsorganisation WTO sowie Teil des EU-Binnenmarkts. Wichtigste Handelspartner sind die EU-Nachbarn und die USA. 2022 erreichte der bilaterale Waren- und Dienstleistungsaustausch zwischen Italien und den USA einen Rekordwert von 117 Mrd. US-Dollar.[23] Auch die Volksrepublik China ist ein wichtiger Handelspartner. Etwa die Hälfte der Warenausfuhren bleiben jedoch innerhalb der EU; Deutschland nimmt mit ca. 11 % Anteil den ersten Rang ein, gefolgt von den USA, Frankreich, Spanien und der Schweiz. Die Struktur der Exporte spiegelt Italiens industrielle Stärken wider: Verkauft werden vor allem Maschinen und Anlagen, Fahrzeuge (inkl. Kfz-Teile), Chemie- und Pharmazeutika, Mode/Textilien, Möbel sowie Nahrungs- und Genussmittel (Wein, Käse etc.). Auf der Importseite stehen Rohstoffe, Energie und Vorprodukte im Vordergrund – Italien ist z. B. bei Erdöl und Erdgas hochgradig importabhängig, was zu einem chronischen Defizit in der Energiebilanz führt. Insgesamt gelingt es Italien jedoch, dank seiner starken Industrie einen Überschuss im Warenhandel zu erwirtschaften: Im Jahr 2024 betrug der Handelsbilanzüberschuss etwa 59,3 Mrd. Euro.[24]

Auslandsinvestitionen

Bei den Direktinvestitionen zeigt sich in Italien ein gemischtes Bild. Einerseits investieren italienische Firmen selbst weltweit: Traditionsunternehmen haben Produktionsstätten oder Akquisitionen im Ausland (z. B. Fiat/Stellantis in den USA, Luxottica in Frankreich). So beliefen sich italienische Direktinvestitionen in den USA 2022 auf etwa 46,2 Mrd. USD, womit Italien ein wichtiger Investor in den USA ist.[23] Umgekehrt sind zahlreiche multinationale Konzerne in Italien aktiv. Trotzdem liegt der kumulierte Bestand an ausländischen Direktinvestitionen in Italien unter dem Niveau vergleichbarer EU-Volkswirtschaften. Dazu zählen bürokratische Hürden, ein oft unberechenbares Regulierungsumfeld und langwierige Genehmigungsverfahren, die Investoren abschrecken. Während etwa in Spanien oder Frankreich viele Infrastrukturprojekte von ausländischem Kapital getragen werden, verbleibt in Italien vieles in heimischer Hand (teils aufgrund früherer Staatsbeteiligungen und Privatisierungshemmnisse). Die Regierungen der letzten Jahre bemühten sich, durch Investitionsanreize (Steuererleichterungen, „Investitionsfonds Italia“ etc.), Privatisierungen und das Marketing des Landesimages mehr Auslandskapital anzuziehen. Dennoch rangiert Italien in Rankings der Auslandsinvestitionsattraktivität meist hinter Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Spanien.

Arbeitsmarkt

Der italienische Arbeitsmarkt war lange Zeit durch starre Regulierung und eine scharfe Trennung in geschützte Stammarbeitsplätze und marginale Beschäftigung geprägt. Jahrzehntelang garantierte das Arbeitsrecht Festangestellten in größeren Firmen einen starken Kündigungsschutz, während neueinsteigende und junge Arbeitskräfte oft nur befristete oder informelle Jobs fanden. Seit den 1990er Jahren wurde das Arbeitsrecht jedoch schrittweise liberalisiert: 1997 ermöglichte eine Reform erstmals Leiharbeit und befristete Verträge; 2003 führte das Biagi-Gesetz weitere flexible Beschäftigungsformen ein. Ein Meilenstein war der Jobs Act 2015 unter Matteo Renzi, der den Kündigungsschutz bei Neueinstellungen lockerte und ein neues System von gleitenden Abfindungen anstelle der Wiedereinstellung einführte.[25]

Diese Reform, verbunden mit zeitweiligen Lohnnebenkostensenkungen für neue unbefristete Jobs, kurbelte die Beschäftigung zunächst an (über 500.000 neue Stellen binnen zwei Jahren).[18] Dennoch bleiben Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung zentrale Probleme. Die landesweite Arbeitslosenquote lag 2022 bei etwa 9 % und damit deutlich über dem EU-Durchschnitt (6,8 %). Besonders dramatisch ist die Jugendarbeitslosigkeit: Im März 2023 betrug sie immer noch 22,3 % in der Altersgruppe 15–24 Jahr. Viele Berufseinsteiger finden nur Praktika (oftmals unbezahlt) oder befristete Stellen. Laut Zentralbank müssen rund 20 % der jungen Arbeitnehmer fünf Jahre nach Berufseinstieg immer noch mit temporären Verträgen auskommen. Zudem sind über NEETs (d. h. junge Menschen ohne Arbeit oder Ausbildung) besorgniserregend zahlreich: Etwa 18 % der 15–34-Jährigen gehörten 2022 zu dieser Kategorie, nach Rumänien der zweithöchste Anteil in der EU. Hochqualifizierte verlassen gleichzeitig häufig das Land, da sie in ihrer Heimat häufig keine ihrer Qualifikation angemessene Beschäftigung finden. Schätzungen zufolge leben derzeit rund 1,8 Millionen Italiener unter 30 Jahren im Ausland.[26]

Weitere Auffälligkeiten des Arbeitsmarkts sind die geringe Erwerbsbeteiligung von Frauen (nur rund 55 % der Frauen im erwerbsfähigen Alter sind berufstätig – einer der niedrigsten Werte in der EU) und die großen regionalen Disparitäten: In Norditalien herrscht in vielen Branchen faktisch Vollbeschäftigung, während im Mezzogiorno Arbeitslosenraten von über 15 % (bei Jugendlichen über 40 %) verzeichnet werden. Dies führt zu einer internen Migration, viele Süditaliener wandern für Jobs in Städte des Nordens ab. Die Regierung hat mit verschiedenen Maßnahmen reagiert, darunter Anreize für Unternehmensneugründungen im Süden, Lohnkostensenkungen (Steuergutschriften) für Einstellungen von Jugendlichen, und 2019 wurde ein begrenztes Bürgereinkommen (Reddito di Cittadinanza) eingeführt, das Arbeitslosen ein Grundeinkommen bietet und mit Weiterbildung verknüpft ist.[27] 2024 wurde das frühere staatliche Grundeinkommen (Reddito di cittadinanza) durch zwei neue Programme (Assegno di inclusione, Supporto per la formazione e il lavoro) ersetzt, um bedürftige Familien gezielter zu unterstützen.[28]

Lebensstandard

Italienische Haushalte erzielen ein durchschnittliches Nettoeinkommen von rund 37.500 Euro pro Jahr (2023) bei einem Median von etwa 30.000 Euro. Zwischen 2007 und 2023 sind die realen Einkommen in Italien zurückgegangen. Auch ist die Einkommensverteilung relativ ungleich: Die reichsten 20 % der Haushalte verfügen etwa 5,5-mal über so viel Einkommen wie die ärmsten 20 %. Nach europäischer Definition („Armutsgefährdung oder soziale Ausgrenzung“) gelten rund 23,1 % der Bevölkerung (ca. 13,5 Millionen Menschen) als armutsgefährdet oder sozial ausgeschlossen. Kinder sind überdurchschnittlich betroffen: 26,7 % der unter 16-Jährigen leben in armutsgefährdeten Haushalten. Auch allein lebende Senioren weisen mit knapp 29,5 % ein hohes Armutsrisiko auf.[29] Das italienische Sozialsystem ist stark auf Renten und Sozialtransfers ausgerichtet. Die Sozialausgaben Italiens lagen 2022 bei über 30 % des BIP (höchster Wert im OECD-Vergleich nach Frankreich), über 15 % des BIP entfielen allein auf öffentliche Rentenzahlungen.[30] Insgesamt machen Sozialleistungen (z. B. Renten, Familienleistungen, Arbeitslosengeld) etwa 28,7 % des Haushaltseinkommens aus, eine der höchsten Werte in Europa.[31] Relativ gut schneiden italienische Haushalte beim Vermögen ab. Nach Angaben der Banca d’Italia belief sich das Nettovermögen der privaten Haushalte Ende 2023 auf etwa 11,29 Billionen Euro.[32] Das Medianvermögen pro Haushalt lag 2024/25 bei 161.000 Euro und damit höher als z. B. in Österreich oder Deutschland.[33] Auch ist die Wohneigentumsquote in Italien außergewöhnlich hoch, etwa 76 % der Haushalte besitzen eigenes Wohneigentum, deutlich mehr als der EU-Durchschnitt (etwa 70 %)[34], auch wenn Wohnungen in Italien häufig kleiner sind als in Nordeuropa.

Probleme und Herausforderungen

Nord-Süd-Unterschiede

Ein zentrales und historisch gewachsenes Problem ist das wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle. Der wohlhabende Norditalien (Lombardei, Piemont, Venetien, Emilia-Romagna u. a.) weist ein Pro-Kopf-BIP und eine Produktivität auf, die weit über dem im Süden liegen. 2023 lag das BIP pro Kopf der nördlichen Regionen um 83,1 % höher als im Mezzogiorno und dieser erbringt mit einem Drittel der Bevölkerung nur ein Viertel des Gesamtprodukts. Während Regionen wie die Lombardei oder Südtirol Wohlstandsniveaus wie die reichsten Regionen in Mitteleuropa erreichen, liegen Regionen in Kalabrien, Apulien oder auf Sizilien weit darunter, teils unter 60 % des EU-Durchschnitts auf dem Niveau von Ländern wie Rumänien oder der Slowakei. Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit im Süden chronisch hoch: 2024 betrug die Quote im Mezzogiorno 12,1 %, fast dreimal so hoch wie in Norditalien (4,1 %).[35] Besonders die Jugendarbeitslosigkeit und die Frauenbeschäftigung bleiben im Süden desolat. Diese Disparitäten führen zu Abwanderung („brain drain“): Gut ausgebildete junge Süditaliener verlassen in großer Zahl ihre Heimat Richtung Norden oder ins Ausland, was den Süden weiter schwächt. Trotz milliardenschwerer Entwicklungsprogramme, von der Cassa per il Mezzogiorno (1950–1984) über diverse EU-Strukturfonds bis zu jüngsten Infrastrukturprojekten, hat sich die Kluft nur langsam reduziert. Neben den Strukturschwächen der Region (wenig Forschung und Industrie) hat auch die Veruntreuung von Hilfsmitteln durch die Präsenz der Mafia die wirtschaftliche Entwicklung behindert.

Stagnation der Produktivität

Die Produktivitätskrise gilt als Hauptursache für Italiens wirtschaftliche Stagnation. Seit Mitte der 1990er Jahre wächst die Arbeitsproduktivität nur noch marginal, in manchen Jahren ging sie sogar zurück. Im Zeitraum 1999 bis 2008 betrug das durchschnittliche jährliche Produktivitätswachstum lediglich 0,3 %, und von 2008 bis 2021 sogar nur 0,2 % pro Jahr. Zum Vergleich: In den zehn Jahren vor Einführung des Euro (1989–1999) lag der Zuwachs noch bei durchschnittlich 1,4 % jährlich.[36] Italien fällt damit deutlich hinter andere Industrienationen zurück. Die Ursachen sind vielfältig: Die Unternehmenslandschaft ist geprägt von kleinen Betrieben, die oft nur begrenzte Möglichkeiten für Innovation und Skaleneffekte haben. Drei Viertel der Beschäftigten arbeiten in kleinen und mittleren Betrieben.[23] Investitionen in Forschung und Entwicklung sind chronisch niedrig, denn Italien wendet nur rund 1,3 % seines BIP für F&E auf, während es in Schweden etwa 3,5 bis 3,8 % sind.[10]

Auch Digitalisierung und Technologieadaption verlaufen langsamer als in vergleichbaren Ländern. Des Weiteren wird auf strukturelle Defizite im Bildungssystem verwiesen: Nur ca. 20 % der italienischen Erwerbsbevölkerung haben einen Hochschulabschluss, deutlich weniger als in anderen westlichen Ländern (zum Vergleich: Schweden ca. 34 %). Viele Unternehmen konkurrieren daher über Kosten statt über Technologie. In der Folge hat Italien Marktanteile in forschungsintensiven Branchen verloren und musste seine Wettbewerbsfähigkeit häufig durch Lohnzurückhaltung (interne Abwertung) sichern, was wiederum die Binnennachfrage schwächt. Die stagnierende Produktivität, die in den 2000er Jahren sogar negativ war, bleibt ein Kernproblem bei der Überwindung der Wachstumsschwäche.[10]

Hohe Staatsverschuldung

Italiens Staatsverschuldung ist mit rund 2,8 Billionen Euro (2024) eine der höchsten der Welt und stellt ein dauerhaftes Risiko dar. Bereits ab den 1980er Jahren geriet der Staatshaushalt außer Kontrolle: Die Schuldenquote stieg von etwa 60 % des BIP 1980 auf über 120 %[37] Anfang der 1990er Jahre. Hauptgründe waren hohe Haushaltsdefizite, bedingt durch expansive Sozialausgaben, Zinszahlungen und ein schwaches Steueraufkommen. In den 1990ern zwang die Aussicht auf den Eurobeitritt zu harter Konsolidierung – durch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen sank die Quote bis Ende der 1990er leicht (auf ca. 105 % des BIP). Doch schon vor der globalen Finanzkrise lag sie wieder bei knapp 120 %. Die Rezession 2009 und die Bankenrettungen ließen Italiens Schuldenstand weiter anschwellen; 2012 überschritt er 130 % des BIP.[38] Während der COVID-19-Pandemie 2020 sprang die Quote kurzfristig auf rund 155 % (durch Wirtschaftseinbruch und Kreditprogramme).[39] Zwar profitierte Italien von den Niedrigzinsen der EZB und konnte dank Primärüberschüssen die Lage stabilisieren, doch bleibt die Verschuldung extrem hoch. Für 2025 prognostiziert die EU-Kommission eine Schuldenquote von 136,7 % des BIP, der zweithöchste Wert in der EU nach Griechenland.[35] Die Zinsausgaben binden einen erheblichen Teil des Haushalts (2023 etwa 3,7 % des BIP[40]). Zudem schränkt der Schuldenstand die Fähigkeit ein, in Abschwungphasen gegenzusteuern (geringer fiskalischer Spielraum) und macht Italien anfällig für Vertrauenskrisen. Ratingagenturen bewerten Italiens Bonität nur knapp über Ramschniveau, und Risikoaufschläge am Anleihenmarkt steigen in Zeiten politischer Unsicherheit spürbar. Langfristig ist Italien darauf angewiesen, entweder kräftiger zu wachsen oder Primärüberschüsse zu erwirtschaften, um die Schuldenquote zu senken, beides gelang in den letzten Jahren nur unzureichend. Gleichwohl konnte Italien bislang eine akute Schuldenkrise vermeiden, da ein großer Teil der Schulden im Inland gehalten wird und die EZB im Notfall stabilisierend eingegriffen hat.

Demografische Alterung

Italiens Bevölkerung unterliegt einem starken demografischen Alterungsprozess. Die Fertilität ist seit Jahrzehnten sehr niedrig – 2023 lag sie bei rund 1,2 Kindern je Frau, eine der niedrigsten Raten in Europa. Zugleich gehört Italien zu den Ländern mit der höchsten Lebenserwartung (über 83 Jahre im Schnitt). Als Resultat steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung kontinuierlich: Der Median der Bevölkerung beträgt bereits etwa 48 Jahre.[41] Italien hat damit (neben Japan) eine der ältesten Gesellschaften weltweit. Diese Entwicklung hat erhebliche wirtschaftliche Folgen. Die einheimische Erwerbsbevölkerung schrumpft und altert, wodurch ein Mangel an Arbeitskräften, insbesondere an jungen Fachkräften, droht. Unternehmen finden teils nicht genügend Nachwuchs, während die Sozialsysteme durch die steigende Rentnerzahl belastet werden und die inländische Nachfrage gehemmt wird. Die Regierungen versuchen gegenzusteuern, etwa durch finanzielle Familienförderung und gesteuerte Zuwanderung von Arbeitskräften. Italien hat zwar in der Vergangenheit mehrfach Rentenreformen durchgeführt (zuletzt 2011 die Anhebung des Rentenalters durch die Fornero-Reform), doch bleibt das Pensionssystem angesichts der Alterung kostenintensiv.

Weitere Probleme

Neben den großen Themen Produktivität, Schulden und Demografie leidet Italiens Wirtschaftsklima unter einer Vielzahl weiterer struktureller Probleme. Ein oft genannter Faktor ist die ineffiziente Bürokratie und Verwaltung. Unternehmen sehen sich mit komplexen Regeln, langsamen Genehmigungsverfahren und unsicherer Rechtsdurchsetzung konfrontiert. Laut Analysen ist das „Doing Business“ in Italien vergleichsweise schwierig: Der Zugang zu Krediten – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen – ist eingeschränkt, das Steuersystem gilt als problematisch und kompliziert, die Justiz arbeitet außerordentlich langsam, und hohe Markteintrittsbarrieren behindern den Wettbewerb. Zivilgerichtsverfahren dauern in Italien oft viele Jahre, was Vertragsdurchsetzung und Investitionssicherheit beeinträchtigt.[42]

Das Steuerwesen ist gleichermaßen problematisch: Einerseits sind Steuersätze (etwa auf Arbeit) relativ hoch, andererseits ist Steuerhinterziehung weit verbreitet. So liegt die Mehrwertsteuer-Lücke, die Differenz zwischen theoretischen und tatsächlichen MwSt-Einnahmen, in Italien bei rund 21 %, während sie in Deutschland oder Frankreich nur bei 7–9 % liegt, was auf eine erhebliche Schattenwirtschaft hindeutet. Immer wieder gab es Steueramnestien, welche die Glaubwürdigkeit der Fiskalregeln unterminierten. Auch Korruption und organisierte Kriminalität stellen in Teilen des Landes ein Hemmnis dar, indem öffentliche Mittel ineffizient verwendet und Investoren abgeschreckt werden.[42]

Die politische Instabilität (Italien hatte seit 1945 dutzende Regierungen) erschwert zudem langfristige Reformstrategien. Viele Regierungen scheuen unpopuläre Maßnahmen, sodass Reformprojekte oft verwässert oder nicht konsistent verfolgt werden. Die Kombination aus diesen Faktoren führt dazu, dass Italien in internationalen Wettbewerbs- und Governance-Rankings regelmäßig schlechter abschneidet als andere westeuropäische Länder. In der letzten Ausgabe des Ease of Doing Business Index von 2020 belegte Italien nur Rang 58 von 190 Ländern.[43] Auch im Index für wirtschaftliche Freiheit lag das Land 2025 nur auf Rang 81.[44]

Jüngere Reformbemühungen

Angesichts der anhaltenden Probleme hat Italien in den letzten Jahrzehnten diverse Reformbemühungen unternommen. Bereits ab Anfang der 1990er wurden umfangreiche Privatisierungen durchgeführt: Zahlreiche zuvor staatliche Unternehmen in Sektoren wie Telekommunikation, Energie, Verkehr und Bankenwesen wurden ganz oder teilweise verkauft, um Effizienzgewinne zu erzielen und Staatseinnahmen zur Schuldensenkung zu generieren. Europaweit gehörten die Privatisierungen in Italien zu den umfangreichsten.[45] Parallel dazu bemühte sich Italien um Haushaltskonsolidierung – mit Erfolg, denn Mitte der 1990er konnte das über Jahrzehnte hohe Budgetdefizit gesenkt und die Maastricht-Kriterien für den Euro-Beitritt erfüllt werden.[38]

Nach 2000 flachte das Reformtempo unter Silvio Berlusconi zunächst ab, doch die schwere Finanz- und Eurokrise gab ab 2011 neuen Impuls. Die Technokratenregierung Monti (2011–2013) schnürte ein striktes Spar- und Reformpaket: Es umfasste eine tiefgreifende Rentenreform (Anhebung des Rentenalters bei gleichzeitigen Kürzungen), Steuererhöhungen zur Defizitreduktion sowie Arbeitsmarktreformen (Lockerung des Kündigungsschutzes und Förderung von Wettbewerb bei geschützten Berufen).[12] Die folgenden Regierungen setzten punktuell weitere Reformen um. So führte Premierminister Matteo Renzi 2014/15 den sogenannten „Jobs Act“ ein, ein Bündel an Arbeitsmarktreformen, das den rigiden Kündigungsschutz für neu eingestellte Arbeitnehmer lockerte und ein neues unbefristetes Arbeitsvertragsmodell mit erleichterter Kündigung einführte. Renzi ging zudem die Reform des Bankensektors an: 2015 beschloss seine Regierung die Umwandlung und Fusion der großen Genossenschaftsbanken (Banche Popolari) zu Aktiengesellschaften, um das zersplitterte Kreditwesen zu konsolidieren. Auch die öffentliche Verwaltung wurde einer Modernisierung unterzogen.[18] Weitere Reformschritte umfassten die Schulreform 2015 (Autonomie und Leistungskriterien für Schulen), eine Steuerreform mit Senkung der Unternehmenssteuer IRES und Maßnahmen zur Entbürokratisierung (Digitalisierung von Behördenleistungen).

Seit 2020 unternimmt Italien im Zuge der EU-Aufbauprogramme einen neuen Anlauf zu umfassenden Strukturreformen. Der nationale Aufbau- und Resilienzplan (PNRR), der 2021 unter Premier Mario Draghi gestartet wurde, bündelt über 190 Mrd. € aus EU-Mitteln bis 2026, um Wachstumshemmnisse abzubauen. Geplant sind Investitionen und Reformen entlang mehrerer Achsen: Digitalisierung, beschleunigte Justizverfahren (Italien hat einen der langsamsten Justizapparate der EU), Förderung grüner Technologien, Verbesserungen im Bildungs- und Ausbildungssystem und der Infrastruktur sowie Deregulierungen zur Stärkung des Wettbewerbs.[46][42] Unter der Regierung von Giorgia Meloni wurden 2023 Steuervergünstungen für ausländische Arbeiter beschlossen, um qualifizierte Fachkräfte anzulocken und qualifizierte Auslandsitaliener zurück ins Land zu holen.[47] Es wurden zudem Einsparungen im Sozialwesen beschlossen, um Steuersenkungen zu finanzieren.[48]

Kennzahlen

Verschiedene makroökonomische Indikatoren der italienischen Wirtschaft von 1980 bis 2024. Alle BIP-Werte sind in Euro angegeben.[49] Inflationsraten unter 2 Prozent sind mit einem grünen Pfeil versehen.

Jahr BIP
(in Mrd. Euro)
BIP pro Kopf
(in Euro)
BIP Wachstum
(real)
Inflationsrate
(in Prozent)
Arbeitslosenquote
(in Prozent)
Staatsverschuldung
(in % des BIP)
1980 212 3.758  3,1 %  21,8 % 7,4 %
1981  254  4.495  4,7 %  19,5 %  7,6 %
1982  300  5.301  0,4 %  16,5 %  8,3 %
1983  349  6.168  1,2 %  14,7 %  7,4 %
1984  399  7.052  3,2 %  10,7 %  7,8 %
1985  448  7.911  2,8 %  9,0 %  8,2 %
1986  495  8.745  2,9 %  5,8 %  8,9 %
1987  541  9.568  3,2 %  4,7 %  9,6 %
1988  602  10.629  4,2 %  5,1 %  9,7 % 95,7 %
1989  661  11.662  3,4 %  6,2 %  9,7 %  98,4 %
1990  719  12.684  2,1 %  6,4 %  8,9 %  101,7 %
1991  786  13.844  1,4 %  6,2 %  8,5 %  105,3 %
1992  827  14.562  0,8 %  5,0 %  8,8 %  113,0 %
1993  852  14.986  −0,9 %  4,5 %  9,8 %  124,1 %
1994  901  15.844  2,2 %  4,2 %  10,6 %  130,8 %
1995  991  17.425  2,9 %  5,4 %  11,2 %  119,1 %
1996  1.048  18.432  1,5 %  4,0 %  11,2 %  118,9 %
1997  1.095  19.254  1,9 %  1,8 %  11,2 %  116,5 %
1998  1.141  20.056  1,8 %  2,0 %  11,3 %  113,9 %
1999  1.178  20.692  1,7 %  1,7 %  10,9 %  113,1 %
2000  1.245  21.867  3,9 %  2,6 %  10,1 %  108,7 %
2001  1.309  22.974  2,0 %  2,3 %  9,1 %  108,5 %
2002  1.356  23.784  0,3 %  2,6 %  8,6 %  105,9 %
2003  1.399  24.471  0,1 %  2,8 %  8,5 %  105,1 %
2004  1.457  25.296  1,5 %  2,3 %  8,0 %  104,7 %
2005  1.499  25.826  0,8 %  2,2 %  7,8 %  106,2 %
2006  1.560  26.761  1,8 %  2,2 %  6,9 %  106,3 %
2007  1.622  27.717  1,5 %  2,0 %  6,2 %  103,5 %
2008  1.644  27.859  −1,0 %  3,5 %  6,8 %  105,8 %
2009  1.584  26.659  −5,3 %  0,8 %  7,9 %  116,1 %
2010  1.618  27.106  1,5 %  1,6 %  8,5 %  118,7 %
2011  1.657  27.646  0,7 %  2,9 %  8,6 %  119,1 %
2012  1.633  27.167  −3,1 %  3,3 %  10,9 %  125,9 %
2013  1.621  26.897  −1,8 %  1,2 %  12,4 %  131,8 %
2014  1.636  27.108  0,0 %  0,2 %  12,8 %  134,8 %
2015  1.663  27.585  0,9 %  0,1 %  12,0 %  134,7 %
2016  1.705  28.337  1,2 %  -0,1 %  11,7 %  134,2 %
2017  1.744  29.043  1,6 %  1,3 %  11,3 %  133,7 %
2018  1.778  29.660  0,8 %  1,2 %  10,6 %  134,1 %
2019  1.804  30.160  0,4 %  0,6 %  9,9 %  133,8 %
2020  1.670  28.001  −8,9 %  -0,1 %  9,4 %  154,3 %
2021  1.843  31.104  8,9 %  1,9 %  9,5 %  145,7 %
2022  1.998  33.848  4,8 %  8,7 %  8,1 %  138,3 %
2023  2.131  36.127  0,7 %  5,9 %  7,7 %  134,6 %
2024  2.192  37.174  0,7 %  1,1 %  6,6 %  135,3 %

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k World Economic Outlook Database, April 2025 Abgerufen am 15. September 2025
  2. a b c d e f g CIA World Factbook: Italy Abgerufen am 17. September 2025
  3. World Bank Country and Lending Groups – World Bank Data Help Desk. Abgerufen am 17. September 2025.
  4. The World Economy. 17. September 2006, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  5. Rainer Traub: Die kommerzielle Revolution. In: Der Spiegel. 27. Juli 2009, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 17. September 2025]).
  6. Redação: The map of GDP per capita in Italy. In: Italianismo – Notícias sobre a Itália. 20. Januar 2023, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  7. a b c Der lange Weg Italiens in die Krise. In: Ifo Institut. Abgerufen am 17. September 2025.
  8. B. Rom: Faschistisches Erbe. In: Die Zeit. Zeit.de, 27. Juli 1950, abgerufen am 22. September 2025.
  9. Italy - Economic Miracle, Post-WWII, Industrialization | Britannica. 12. September 2025, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  10. a b c d e Why does Italy not grow? 21. Januar 2016, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  11. Italy GDP - Gross Domestic Product 2009 | countryeconomy.com. Abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  12. a b Die Reformen der Regierung Mario Monti. In: Konrad-Adenauer-Stiftung. 1. Februar 2012, abgerufen am 17. September 2025 (deutsch).
  13. Ben Walker: How Italy has endured nearly two lost decades. In: New Statesman. 22. Juli 2022, abgerufen am 17. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  14. Andrea Affaticati: EU-Coronahilfen: Italien hat viel Geld und zu wenig Zeit. In: Die Zeit. 14. Januar 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 17. September 2025]).
  15. Infra-Annual Labor Statistics: Monthly Unemployment Rate Total: 15 Years or over for Italy. 15. September 2025, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  16. TGM StatBox Editors: Services Sector Contribution to GDP in Italy (1990-2022). Abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  17. Lewis Nunn: The World’s Most Visited Countries, According To Research. In: Forbes. Abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  18. a b c Crispian Balmer: Renzi's reforms leave Italian economy and voters flat. In: Reuters. 28. September 2016 (reuters.com [abgerufen am 17. September 2025]).
  19. Italy Share of industry - data, chart. Abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  20. Samo Burja: Italy is Europe’s Second Manufacturing Power. Abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  21. Felix Richter: Infographic: Vin vs. Vino: The World's Largest Wine Producers. 15. Dezember 2023, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  22. Goods exports (BoP, current US$). In: Weltbank. Abgerufen am 17. September 2025.
  23. a b c 5: Italy - Market Overview. 23. Januar 2024, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  24. Wirtschaftsdaten kompakt Italien. Abgerufen am 17. September 2025 (deutsch).
  25. https://www.firstonline.info/de/jobs-act-riforma-fornero-legge-biagi-lo-strano-caso-della-doppia-personalita-della-sinistra-in-italia/
  26. Andrea Affaticati: Arbeitsmarkt: Italiens Jugend beginnt zu rebellieren. In: Die Zeit. 4. Juni 2023, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 17. September 2025]).
  27. Reddito di cittadinanza. Abgerufen am 17. September 2025.
  28. OECD Employment Outlook 2024 - Country Notes: Italy. 9. Juli 2024, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  29. Condizioni di vita e reddito delle famiglie – Anni 2023-2024. Abgerufen am 17. September 2025 (italienisch).
  30. oecdstatistics: Sizing up Welfare States: How do OECD countries compare? 2. Februar 2023, abgerufen am 17. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  31. Households - statistics on income, saving and investment. Abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  32. Banca d'Italia: Banca d'Italia - È online la pubblicazione "La ricchezza dei settori istituzionali in Italia: 2005-2023". Abgerufen am 17. September 2025 (italienisch).
  33. Die armen Schlucker Europas? EU-Vergleich zeigt, wie wenig Vermögen die Deutschen haben. (focus.de [abgerufen am 17. September 2025]).
  34. Wohneigentumsquoten in ausgewählten europäischen Ländern - Sparda Wohnen in Deutschland 2025. Abgerufen am 17. September 2025.
  35. a b Wirtschaftsausblick Italien. In: Germany Trade and Invest. Abgerufen am 17. September 2025 (deutsch).
  36. Max Krahe: Italiens Stagnation verstehen Fachtexte, Dezernat Zukunft e.V., Berlin
  37. General Government Debt. In: IMF Data Mapper. Abgerufen am 17. September 2025.
  38. a b Schuldentragfähigkeit Italien: stabil, aber mit höherem Wachstum noch zu verbessern KfW Research Fokus Volkswirtschaft
  39. Staatsschuldenquoten im internationalen Vergleich - Bundesfinanzministerium - BMF-Monatsbericht Februar 2024. Abgerufen am 17. September 2025.
  40. Interest paid on public debt, percent of GDP. In: IMF Data Mapper. Abgerufen am 17. September 2025.
  41. Italy Population (2025). Abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  42. a b c Andrea Lorenzo Capussela, Enrico Borghetto, Igor Guardiancich: At Italy’s dark heart: the weak rule of law. 10. September 2024, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  43. Ease of doing business ranking Weltbank
  44. The Heritage Foundation: Index of Economic Freedom: Italy | The Heritage Foundation. Abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  45. Andrea Goldstein: What Can be Learned from Continental Europe's Largest Privatisation program?
  46. Was ist der PNRR. Abgerufen am 17. September 2025.
  47. Antonio Merola: Italy: tax breaks for foreign workers 2024. In: ITAXA Blog. 14. Juli 2024, abgerufen am 17. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  48. Max Gerber: Reform des Bürgergelds in Italien: „Die Menschen sollten einige Monate lang arbeiten können, ohne dass die Leistungen gekürzt werden“. In: IAB-Forum. 8. November 2024, abgerufen am 17. September 2025 (deutsch).
  49. Report for Selected Countries and Subjects. In: IMF. Abgerufen am 17. September 2025 (englisch).