Westfälisches Jäger-Bataillon Nr. 7
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Westfälisches Jäger-Bataillon Nr. 7 | |
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| Aktiv | 3. Oktober 1815 bis Dezember 1918 |
| Staat | Königreich Preußen |
| Streitkräfte | Preußische Armee |
| Truppengattung | Jäger |
| Typ | Bataillon |
| Ehemalige Standorte | Düsseldorf (–1854) Frankfurt am Main (1854–1859) Düsseldorf (1859–1860) Cleve (1860–1866) Bückeburg (1867–1918) |
| Führung | |
| Ehemalige Kommandeure |
Siehe Kommandeursliste |
Das Westfälische Jäger-Bataillon Nr. 7 (genannt Bückeburger Jäger) war ein Verband der leichten Infanterie in der preußischen Armee. Das selbständige Bataillon der Truppengattung Schützen wurde 1815 aufgestellt, 1845 in Jäger umgewandelt und 1860 zum Westfälischen Jägerbataillon formiert. Es war ab 1867 in Bückeburg stationiert und eng mit dem dort residierenden Hof des Fürstentums Schaumburg-Lippe verbunden. Das Bataillon nahm an den deutschen Einigungskriegen sowie am Ersten Weltkrieg teil und wurde anschließend aufgelöst.
Formierung und Geschichte
Das Bataillon wurde am 3. Oktober 1815 per Allerhöchster Kabinettsorder als „Rheinisches Schützenbataillon“ errichtet. Dieses Datum gilt somit als Stiftungstag des Bataillons. Die in Paris von König Friedrich Wilhelm III. unterzeichnete Urkunde lautet: „Ich habe die Errichtung eines Rheinischen Schützenbataillons beschlossen und genehmigt, dass bei Auflösung der freiwilligen Jäger-Detachements nach dem Zurückmarsch aus Frankreich alle diejenigen Jäger, welche fortzudienen und in dem Rheinischen Schützenbataillon angestellt zu werden wünschen, zu dessen Formation zusammengezogen und dasselbe aus ihnen errichtet werden soll.“
Das Bataillon rekrutierte sich aus Mannschaften des aufgelösten freiwilligen Jäger-Detachements, dem ehemals bergischen Jägerbataillon sowie aus Teilen der ehemaligen Nassauischen und Sächsischen Infanterie. Die erste Rangliste des „Rheinischen Schützen-Bataillons“ stammt aus dem Jahre 1816. Sie weist als Kommandeur Oberstleutnant Johann Christian von Böhler, sowie vier Kapitäne, vier Premier- und acht Sekondeleutnant aus. Die Kriegsstärke wurde auf 802 Mann festgesetzt.
Das Bataillon wechselte in den Jahren 1815 bis 1860 häufig die Garnison und war in Königswinter, Kreuznach, Aachen, Köln, Jülich, Andernach und dann bis März 1854 in Düsseldorf stationiert, von April 1854 bis April 1859 in Frankfurt am Main, ab Mai 1859 wieder in Düsseldorf, um endlich ab April/Mai 1860 Garnison in Kleve zu finden.[1]
Das Bataillon wurde im April 1821 in die 3. und 4. Schützen-Abteilung (Westf. und Rhein.) zu je zwei Kompanien geteilt. Beide Abteilungen unterstanden jedoch bis 1834 einem gemeinsamen Kommandeur. Die frühere 1. und 4. Kompanie bildeten die 1. und 2. Kompanie der 3. Schützen-Abteilung (Westf.). 1845 wurden alle Schützen-Abteilungen der Linieninfanterie in Jäger-Abteilungen umgewandelt; damit wurden die 3. und 4. Schützen-Abteilung zur 7. und 8. Jäger-Abteilung.[2] Die 7. Abteilung wurde im November 1848 durch eine 3. Kompanie verstärkt und zum Bataillon umformiert; im Juni 1852 kam eine 4. Kompanie hinzu. Das 7. Jäger-Bataillon nahm am Feldzug gegen Dänemark im Jahre 1849 teil und gehörte zur Besatzung Altonas.
Gemäß AKO vom 4. Juli 1860 erhielt der Verband die Bezeichnung „Westfälisches Jäger-Bataillon Nr. 7“, während aus der ehemaligen 8. Abteilung das „Rheinische Jäger-Bataillon Nr. 8“ entstand. Am 18. Januar 1861 wurde dem Westfälischen Bataillon die Truppenfahne und gleichzeitig das Band des Militär-Ehrenzeichens für die Teilnahme am Feldzug 1849 verliehen. Im Krieg gegen Dänemark 1864 kämpfte das Bataillon im Gefecht von Missunde, vor den Düppeler Schanzen und an anderen Orten.
Während des Krieges gegen Österreich im Jahre 1866 gehörte das Bataillon zur Elb-Armee und nahm an der Schlacht bei Münchengrätz sowie der Schlacht bei Königgrätz teil. Auf der Grundlage der am 30. Juni 1867 nach Bildung des Norddeutschen Bundes geschlossenen Militärkonvention zwischen Preußen und Schaumburg-Lippe wurde das Jägerbataillon per Kabinettsorder vom 22. August 1867 in die Garnisonen Bückeburg und Stadthagen befohlen.[3] Am 20. September 1867 erfolgte der Abmarsch aus Cleve und nach 12-tägigem Marsch erreichte das Bataillon am 2. Oktober 1867 die Residenzstadt Bückeburg, wo die Einheit die Jägerkaserne bezog. Ab 1870 war Bückeburg alleiniger Garnisonsort.
Das Bataillon nahm 1870/71 am Deutsch-Französischen Krieg teil, unterstellt der 13. Division, die zum VII. Armee-Korps gehörte. Im Jahre 1892 wurde vom VII. Armee-Korps der Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn für gefechtsmäßigen Schießübungen und Exerzieren in größeren Verbänden erworben. Der erste Verband des VII. Armee-Korps, der dort übte, war die 26. Infanterie-Brigade, dem das Jägerbataillon nach der Kriegsgliederung unterstellt war.
Bei der Mobilmachung 1914 wurde das Bataillon als Bestandteil der 26. Infanterie-Brigade zunächst erneut Teil der 13. Division. Gleich in den ersten Tagen des Ersten Weltkriegs beim Einmarsch in Belgien, wo die Division an der Eroberung der Lütticher Forts teilnahm, erlitt das Bataillon nach dem Übergang über die Maas bei der Annäherung an Lüttich schwere Verluste und schmolz auf die Kampfstärke einer Kompanie zusammen.[4] Die Reste wurden dem Höheren Kavallerie-Kommandeur Nr. 2 zugeteilt und der 4. Kavallerie-Division unterstellt,[5] nahmen am 12. August 1914 am Gefecht bei Halen und anschließend am Vormarsch nach Nordfrankreich teil, bis das Bataillon im November 1914 mit der 4. Kavallerie-Division an die Ostfront verlegt wurde, wo es bis November 1917 blieb und zuletzt der sächsischen 8. Kavallerie-Division sowie teilweise der selbstständigen mecklenburgischen 17. Kavallerie-Brigade unterstand. Es nahm an der Winterschlacht in Masuren, der Eroberung Litauens, den Kämpfen an der Düna und der Schlacht um Riga (1917) teil. Die Radfahrkompanie blieb bis Kriegsende in Ober Ost und wurde von Prinz Heinrich zu Schaumburg-Lippe (1894–1952) kommandiert. Das restliche Bataillon wurde Ende 1917 über Trient und Vivaro in die Venetischen Alpen verlegt und gemeinsam mit der Jäger-Division an der Südfront im Gebirgskampf und an der Piave eingesetzt. Im März 1918 kam es zurück an die Westfront ins Oberelsaß und nahm an der Frühjahrsoffensive 1918 und den anschließenden Abwehrschlachten an der Aisne und in der Hermannstellung teil, wurde der Jäger-Division unterstellt und hatte zuletzt eine Gefechtsstärke von nur noch 35 Mann. Nach dem Waffenstillstand von Compiègne erfolgte der Rückmarsch nach Westfalen über Lüttich und Köln, wo die Reste des Bataillons mit der Jäger-Division am 23. November 1918 an der riesigen Parade ca. 800.000 heimkehrender Fronttruppen[6] vor dem Kölner Dom teilnahmen. Nach dem mit Friedrich Ebert vereinbarten feierlichen Einzug in Berlin am 12. Dezember 1918, zu dem die Angehörigen der Jäger-Division mit Zügen transportiert worden waren, kehrte das Bataillon nach Bückeburg zurück und wurde größtenteils noch im selben Monat aufgelöst. 791 Angehörige des Bataillons fanden im Ersten Weltkrieg den Tod.
Nachwirkung und Erinnerung
In der Weimarer Republik übernahm die 11. und 12. Kompanie des 18. Infanterie-Regiments der Reichswehr die Tradition. In der Wehrmacht führte das III. Bataillon des Infanterie-Regiments 58 die Tradition fort, welches den Zusatznamen „Bückeburger Jäger“ führte.
Nach Aufstellung der Bundeswehr wurde Bückeburg wieder zum Garnisonsort, die Jägerkaserne nahm die Heeresfliegerwaffenschule auf. Dabei wurde auf Initiative des Standortältesten die Tradition der Jägertruppe in das Mittelportal der Kaserne eingebunden. Der 1922 gegründete Deutsche Jägerbund e. V. (DJB) richtete in der Kaserne eine Gedenkstätte mit Erinnerungsstücken ein. 1992 wurde die Ehrenhalle in Räume des Vereins ehemaliger Jäger und Schützen Bückeburg e. V. verlegt. Seit 2017 befinden sich die Exponate der Ausstellung über das Jäger-Bataillon Nr. 7 und seine Folgeeinheiten im Preußen-Museum Minden, das archivarische Schriftgut wurde dem Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Bückeburg übergeben.[7]
Kommandeure
Die Ehrenbezeichnung Regimentschef trug vom 25. Oktober 1869 bis zu seinem Tode Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe, dann ab dem 15. Mai 1893 Fürst Georg zu Schaumburg-Lippe.
Kommandeure des Bataillons waren:
| Ernennung | Kommandeur | Ernennung | Kommandeur |
|---|---|---|---|
| 1815 | Böhler, von | 1876 | Vogel von Falckenstein, Hermann |
| 1816 | Tempski, von | 1881 | Carmer, Maximilian von |
| 1817 | Holleben, Heinrich von | 1883 | Hacke, Kurt von |
| 1830 | Bursky, von Albrecht | 1886 | Bojanowski, Hans von |
| 1834 | Frobel, Louis von | 1890 | Plettenberg, Karl von |
| 1848 | Schlieffen, Emil von | 1894 | Flatow, Heinrich von |
| 1849 | Meyne, Friedrich | 1897 | Bünau, Heinrich von |
| 1851 | Plonski, Karl von | 1901 | Larisch, Alfred von |
| 1854 | Stuckradt, Leopold von | 1906 | Finck von Finckenstein, Bernhard |
| 1857 | Massow, Heinrich von | 1909 | Buchka, Hermann von |
| 1862 | Beckedorff, Friedrich von | 1913 | Rango, Ralf von |
| 1865 | Sell, Theodor von | Aug. 1914 | Donalies, Georg |
| 1866 | Reinicke, Rudolf von | Aug. 1914 | Falkenstein, Erich von |
| 1870 | Kameke, Alexander von | Juli 1918 | Teichmann, Rudolf |
Siehe auch
Literatur
- Das Kgl. Preußische (Westfälische) Jäger-Bataillon Nr. 7 (Feldbataillon) im Weltkrieg 1914–18. hrsg. vom Verein der Offiziere des Bataillons, Gerhard Stalling, Oldenburg 1929, (Reihe Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Band 272). Digitalisat der Württembergischen Landesbibliothek.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Die Daten der Verlegungen ergeben sich aus der Düsseldorfer Zeitung: 20. März 1854 Abmarsch aus Düsseldorf, 1. April 1854 Eintreffen in Frankfurt a.M., 5. Mai 1859 Rückkehr nach Düsseldorf, 29. März 1860 (Stab und eine Kompanie) bzw. 1. Mai 1860 (drei weitere Kompanien) Eintreffen in Kleve
- ↑ Richard Knötel, Herbert Knötel d. J., Herbert Sieg: Handbuch der Uniformkunde. Die militärische Tracht in ihrer Entwicklung bis zur Gegenwart. 10. Auflage. G. Schulz, Hamburg 1971 (Nachdruck), S. 19 f.
- ↑ Hans-Georg Aschoff: Von der Reichsgründung bis zum Ende des 1. Weltkriegs. In: Stefan Brüdermann (Hrsg.): Geschichte Niedersachsens. Band 4, Teil 1, Wallstein, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-2803-7, S. 334 f.
- ↑ Harald van Nes: Die „Kavallerie-Debatte“ vor dem Ersten Weltkrieg und das Gefecht von Halen am 12. August 1914. In: Militärgeschichte, Neue Folge, Band 3 (1993), S. 25–30, hier: S. 27 u. Anm. 16.
- ↑ Maximilian von Poseck: Die deutsche Kavallerie 1914 in Belgien und Frankreich. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1922, S. 224; Textarchiv – Internet Archive
- ↑ Thomas Mergel: Köln im Ersten Weltkrieg. LVR-Portal Rheinische Geschichte, abgerufen am 19. Oktober 2025.
- ↑ Ehrenhalle und Archiv Jäger 7 auf der archivierten Website des Vereins ehemaliger Jäger und Schützen Bückeburg e. V.