Friedrich von Beckedorff
Friedrich Ludwig Emil Beckedorff, seit 1840 von Beckedorff (* 2. April 1818 in Ballenstedt; † 31. März 1893 in Grünhof, Pommern) war ein preußischer Generalleutnant und Herr auf Grünhof.
Leben
Herkunft
Friedrich war ein Sohn des 1840 in den erblichen preußischen Adelsstand erhobenen Ministerialbeamten Ludolph von Beckedorff (1778–1858) und dessen Ehefrau Anna Sophie, geborene Fließbach (1783–1855). Er hatte noch drei Brüder und zwei Schwestern. Der preußische Generalleutnant Erich von Beckedorff (1855–1936) war sein Neffe.
Militärkarriere
Beckedorff besuchte zunächst die Universität in Berlin und trat am 19. Januar 1838 als Dreijährig-Freiwilliger mit Aussicht auf Beförderung in das 2. Infanterie-Regiment der Preußischen Armee in Stettin ein. Bis Ende Mai 1839 avancierte er zum Sekondeleutnant, war ab April 1841 zum II. kombinierten Reserve-Bataillon kommandiert und absolvierte 1844/47 zur weiteren Ausbildung die Allgemeine Kriegsschule. 1848 nahm er mit seinem Regiment während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung als Kompanieführer an den Kämpfen bei Schleswig und Düppel gegen Dänemark teil.
Ab Ende April 1849 war Beckedorff als Lehrer zum Kadettenhaus Berlin kommandiert. Unter Belassung in diesem Kommando und Beförderung zum Premierleutnant erfolgte Mitte Juli 1852 seine Versetzung in das 2. Jäger-Bataillon. Vom 1. Mai bis zum 11. Juli 1853 versah er Dienst in seinem Bataillon in Greifswald, um anschließend mit der Beförderung zum Hauptmann zur Topographischen Abteilung des Großen Generalstabes kommandiert zu werden. Mit der Ernennung zum Kompaniechef kehrte Beckedorff am 12. Januar 1858 in den Truppendienst zurück. Am 29. April 1862 wurde er Major und als Kommandeur des Westfälischen Jäger-Bataillons Nr. 7 nach Kleve versetzt. Diesen Verband führte Beckedorff 1864 im Krieg gegen Dänemark bei Windeby und Missunde sowie bei der Belagerung und Erstürmung der Düppeler Schanzen.
Während der Reorganisation der Armee verfasste Beckedorff für den Kriegsminister Albrecht von Roon mehrere Denkschriften über die taktische Ausbildung und Bewaffnung der Infanterie. Aus diesem Grund wurde er in eine Kommission berufen, die taktische Fragen der Infanterie kläre sollte.
Am 9. Mai 1865 wurde er Kommandeur des I. Bataillons im 8. Pommerschen Infanterie-Regiment Nr. 61 und in dieser Eigenschaft erhielt Beckedorff die Erlaubnis zur Annahme des Ritterkreuzes des Guelphen-Ordens. In Jahr darauf führte er sein Bataillon im Krieg gegen Österrreich in der Schlacht bei Königgrätz. Nach dem Friedensschluss avancierte er Ende September 1866 zum Oberstleutnant und wurde für sein Wirken mit dem Roten Adlerorden IV. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet. Am 7. Juli 1868 trat er an die Spitze des 6. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 95 und stieg Ende des Monats zum Oberst auf. Als solcher führte er sein Regiment nach dem Beginn des Krieges gegen Frankreich zunächst in der Schlacht bei Weißenburg. In der Schlacht bei Wörth wurde Beckedorff schwer verwundet und verbrachte die kommenden Monate zur Erholung in der Heimat. Am 28. Dezember 1870 kehrte er zu seinem Regiment nach Frankreich zurück und beteiligte an den Kämpfen bei Le Mans, Le Gibet, Bonnétable, Chante Loup, La Croix und Alençon.
Ausgezeichnet mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes und des Mecklenburgischen Militärverdienstkreuzes wurde Beckedorff nach dem Friedensschluss am 28. Dezember 1872 zu den Offizieren von der Armee versetzt und als Kommandeur der stellvertretenden 37. Infanterie-Brigade in Oldenburg verwendet. Er erhielt die Erlaubnis zur Annahme des Komturkreuzes I. Klasse des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens und avancierte am 22. März 1873 zum Generalmajor.[1] Vom 7. August 1873 bis zum 13. Juli 1874 war er zur Vertretung des erkrankten Kommandeurs der 23. Infanterie-Brigade kommandiert und erhielt die Erlaubnis zur Annahme des Ehrengroßkomturkreuzes des Oldenburgischen Haus- und Verdienstordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig. Daran schloss sich eine Verwendung als Kommandeur der 33. Infanterie-Brigade in Stettin an. Nachdem man ihn am 22. April 1879 zunächst mit der Führung der 1. Division in Königsberg beauftragt hatte, wurde er am 13. Mai Kommandeur dieses Großverbandes und am 11. Juni 1879 zum Generalleutnant befördert. In dieser Stellung verlieh ihm Wilhelm I. Anfang September 1879 den Stern zum Roten Adlerorden II. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe. In Genehmigung seines Abschiedsgesuches wurde Beckendorff am 5. Februar 1881 unter Verleihung des Kronen-Ordens I. Klasse mit Pension zur Disposition gestellt.
Nach seiner Verabschiedung übernahm er die Bewirtschaftung seines Gutes Grünhof im Kreis Regenwalde.
Familie
Beckedorff hatte sich am 16. Juli 1849 in Koblenz mit Berta Freiin von Dalwigk zu Schauenburg (1827–1854) verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Georg (1852–1870) fiel während des Deutsch-Französischen Krieges als Avantageur im 4. Garde-Grenadier-Regiment „Königin“ bei St. Privat. Der jüngere Sohn Karl (1854–1916) erbte das Gut Grünhof (500 ha).[2]
Literatur
- Arnold: Stammliste der Offiziere des 6. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 95 nebst Stammtruppenteilen vom 18. Februar 1807 ab. Gotha 1900, S. 150.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1911. Fünfter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1910, S. 41–42.
- Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 9, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, o. O. [Hamburg], o. J. [1941], DNB 986919780, S. 51f., Nr. 2740.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Militär-Wochenblatt. Nr. 20 vom 5. März 1873, S. 182.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1919. Dreizehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1918, S. 46.