Georg Donalies

Georg Donalies (* 22. Januar 1868 in Königsberg, Provinz Preußen; † 6. August 1914 in Lüttich, Belgien) war ein deutscher Berufsoffizier, der in den ersten Tagen des Ersten Weltkriegs in Belgien fiel und an den am Bundeswehrstandort Bückeburg bis heute erinnert wird.

Leben

Herkunft und Familie

Donalies war ein Nachkomme des baltischen Pfarrers Kristijonas Donelaitis. Sein vor 1886 verstorbener Vater war Kaufmann.[1] Seine Ehefrau betätigte sich in den 1920er Jahren in der Bückeburger DNVP unter dem Vorsitz des Zahnarzten Mützelfeldt.[2] Ein Verwandter war Hans Wilhelm Donalies (* 1867), ein Historiker.[3]

Militärische Laufbahn

Donalies besuchte das städtische Realgymnasium in Königsberg und erlangte zu Ostern 1886 das Abitur.[1] Anschließend trat er in die preußische Armee ein und wurde Sekondeleutnant im Lauenburgischen Jäger-Bataillon Nr. 9 in Ratzeburg.[4] Vor 1896 wurde er in das Jäger-Bataillon Graf Yorck von Wartenburg (Ostpreußisches) Nr. 1 in Ortelsburg versetzt.[5] Am 15. November 1904 erfolgte seine Beförderung zum Hauptmann.[6] Knapp zehn Jahre später wurde er am 21. März 1914 als Offizier des Westfälischen Jäger-Bataillons Nr. 7 in Bückeburg zum Major befördert.[7]

Schicksal und Gedenken

Im Zuge der Mobilmachung im August 1914 wurde der bisherige Kommandeur des Bückeburger Jäger-Bataillons, Oberstleutnant Ralf von Rango (der spätere Kommandeur des Jäger-Regiments Nr. 3 beim Alpenkorps), zum Kommandeur des Infanterie-Regiments „Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig“ (Ostfriesisches) Nr. 78 ernannt[8] und Donalies zu seinem Nachfolger im Jäger-Bataillon Nr. 7. Er war der erste Bürgerliche in dieser Position.[9] Gleich in den ersten Tagen des Ersten Weltkriegs beim Einmarsch in Belgien, wo seine Division an der Eroberung der Lütticher Forts teilnahm, erlitt das Bataillon nach dem Übergang über die Maas bei der Annäherung an Lüttich schwere Verluste und schmolz auf die Kampfstärke einer Kompanie zusammen.[10] Unter Donalies’ Führung verirrte sich das Bataillon im Gelände zwischen den belgischen Forts, verlor den Kontakt zur 26. Infanterie-Brigade, der es unterstand, und teilte sich in unabhängig agierende Kompanien und Trupps auf, die immer wieder versuchten, in die noch von den Belgiern kontrollierte Stadt Lüttich vorzudringen, und dabei aufgerieben wurden oder in Gefangenschaft gerieten. Nach einem solchen missglückten Vorstoß zog sich Major Donalies am Spätnachmittag des 6. August 1914 mit wenigen Männern auf der Suche nach Deckung in eine Hecke zurück, fand sich dort isoliert wieder und wurde von belgischen Soldaten umzingelt. Statt sich zu ergeben, schoss er auf seine Gegner und wurde nach einer Ladehemmung von einem Belgier mit dem Bajonett erstochen.[11]

Donalies war bei seinen Männern beliebt. In den 1920er Jahren ließ der Landwirt Ernst (oder Karl)[9] Klare, der sein Offiziersbursche gewesen war und von Donalies vor dem Maasübergang in die Etappe zurück in Sicherheit geschickt worden war, auf seinem Grundstück Hof Kelle in Meinsen/Warber bei Bückeburg ein Denkmal für seinen ehemaligen Vorgesetzten errichten.[11] Der Gedenkstein wird von der Reservistenkameradschaft Meinsen/Warber/Rusbend gepflegt.[12] Außerdem wurde die Donaliesstraße in Bückeburg nach ihm benannt.[9]

Sein Grab befindet sich auf dem zentralen Deutschen Soldatenfriedhof Vladslo südlich von Ostende in Belgien. Eine Ehrentafel, auf der sein Name erwähnt ist, findet sich auch auf dem Friedhof St. Walburga (Cimetière de Sainte Walburge) bei Lüttich.[13]

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b Programm des Städtischen Realgymnasiums zu Königsberg in Pr: mit welchem zur öffentlichen Prüfung seiner Schüler ... im Namen des Lehrer-Kollegiums ergebenst einladet. 1885/86 (1886). 1886 (google.com [abgerufen am 2. Januar 2023]).
  2. Politischer Orkan fegt übers Land. Abgerufen am 2. Januar 2023.
  3. 'Der Anteil des Sekretärs Westphalen an den Feldzügen des Herzogs Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg : 1758 - 1762' - Viewer | MDZ. Abgerufen am 2. Januar 2023.
  4. 'Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee und des XIII. (Königlich-Württembergischen) Armeekorps : für ... ; mit Dienstalters-Listen der Generalität und der Stabsoffiziere ... ; nach dem Stande vom .... 1892' - Viewer | MDZ. Abgerufen am 2. Januar 2023.
  5. 'Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee und des XIII. (Königlich-Württembergischen) Armeekorps : für ... ; mit Dienstalters-Listen der Generalität und der Stabsoffiziere ... ; nach dem Stande vom ...' - Viewer | MDZ. Abgerufen am 2. Januar 2023.
  6. Dienstalters-Liste der Offiziere der Königlich Preussischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps. Mittler und Sohn., 1913 (google.com [abgerufen am 2. Januar 2023]).
  7. Denkmal aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Abgerufen am 2. Januar 2023.
  8. Hans Biegert: Realität und Mythos im Ersten Weltkrieg. Das Beispiel Langemarck/Ypern. In: Leviathan, Bd. 44 (2016), Nr. 1, S. 97–125, hier: S. 115.
  9. a b c Schaumburger Nachrichten: Urenkel von Major Donalies zu Gast. Abgerufen am 2. Januar 2023.
  10. Harald van Nes: Die „Kavallerie-Debatte“ vor dem Ersten Weltkrieg und das Gefecht von Halen am 12. August 1914. In: Militärgeschichte, Neue Folge, Band 3 (1993), S. 25–30, hier: S. 27 u. Anm. 16.
  11. a b Spurensuche in Schaumburg. Abgerufen am 2. Januar 2023.
  12. Donalies Denkmal gepflegt. Abgerufen am 2. Januar 2023 (deutsch).
  13. Maj. Georg Donalies in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 19. Oktober 2025.