Volharding 9900

Volharding 9900
Virginiaborg
Schiffsdaten
Schiffsart Mehrzweckfrachtschiff
Bauwerft Bodewes Scheepswerf Volharding, Foxhol
Bauzeitraum 2000 bis 2003
Gebaute Einheiten 6
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 132,23 m (Lüa)
123,84 m (Lpp)
Breite 15,87 m
Seitenhöhe 11,15 m
Tiefgang (max.) 7,77 m
Vermessung 6.361 BRZ / 3.099 NRZ
Maschinenanlage
Maschine 1 × Dieselmotor
Höchst­geschwindigkeit 15 kn (28 km/h)
Propeller 1 × Verstellpropeller
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 9.875 tdw
Container 500 TEU
Rauminhalt 12.814 m³

Volharding 9900 bezeichnet einen Mehrzweckfrachtschiffstyp der niederländischen Werft Bodewes Scheepswerf Volharding.

Geschichte

Bau und Betrieb

Die Schiffe basieren auf dem Typ Volharding 8700, der von 1996 bis 2000 gebaut wurde. Bei identischen Abmessungen verfügen sie über eine etwas höhere Tragfähigkeit und sind etwas höher vermessen.

Die Schiffe wurden auf der niederländischen Werft Bodewes Scheepswerf Volharding in Foxhol gebaut. Der Rumpf wurde jeweils von der rumänischen Werft Daewoo-Mangalia Heavy Industries in Mangalia zugeliefert. Die Schiffe wurden zwischen 2001 und 2004 abgeliefert.

Vier Schiffe des Typs wurden für die niederländische Reederei Wagenborg Shipping in Delfzijl gebaut, eine weitere Einheit für die ebenfalls in Delfzijl ansässige Reederei Pot Scheepvaart.[1] Das Schiff wird ebenfalls von Wagenborg betrieben. Die Schiffe bilden bei Wagenborg die V-XL-Klasse.[2] Ein Schiff des Typs wurde für die Reederei Frank Dahl in Cuxhaven gebaut.

Zwischenfälle

Das zuletzt gebaute Schiff, das als Vermontborg für Wagenborg bestimmt war, riss sich Anfang Januar 2003 auf der Überführungsfahrt von Rumänien in die Niederlande vom Schlepper los und strandete bei Guernsey. Versuche, die Strandung zu verhindern, scheiterten.[3] Der Havarist wurde etwa zwei Wochen später geborgen und nach Harlingen gebracht, wo Reparaturarbeiten durchgeführt wurden und das Schiff fertiggestellt wurde. Das Schiff wurde von Wagenborg nicht mehr abgenommen und Ende 2003/Anfang 2004 an eine zur Intersee Schiffahrtsgesellschaft gehörende Reederei verkauft. Das von der Intersee Schiffahrtsgesellschaft betriebene Schiff wurde als Winona in Fahrt gesetzt.[4][5]

Am 6. September 2019 brach im Maschinenraum der Kelly ein Feuer aus. Das Schiff befand sich auf der Elbe auf einer Ballastreise von Rotterdam nach Kaliningrad. Das Feuer konnte mit Bordmitteln gelöscht werden. Durch das Feuer wurden zwei Besatzungsmitglieder schwer verletzt, ein drittes Besatzungsmitglied kam bei dem Unglück ums Leben.[6]

Die Fitburg wurde am 31. Dezember 2025 im Finnischen Meerbusen von finnischen Behörden aufgebracht und festgesetzt, nachdem es zu einem Ausfall eines Seekabels zwischen Finnland und Estland gekommen war. Das Schiff befand sich zum Zeitpunkt des Ausfalls des Kabels im fraglichen Seegebiet und hatte den Anker heruntergelassen, so dass der Verdacht bestand, dass es das Kabel beschädigt haben könnte.[7] Das Schiff wurde für die Ermittlungen nach Kantvik in Finnland gebracht.[8] Die Fitburg, die sich auf der Fahrt von St. Petersburg nach Haifa befand, beförderte Stahlprodukte, die unter EU-Sanktionen gegen Russland im Zusammenhang mit dem russischen Überfall auf die Ukraine fielen.[9] Diesbezüglich wurden keine Ermittlungen aufgenommen, da das Schiff die Ladung nicht in einen EU-Hafen bringen sollte.[10] Am 12. Januar 2026 konnte das Schiff seine Fahrt fortsetzen.[11]

Beschreibung

Die Schiffe werden von einem Dieselmotor angetrieben. Teilweise wurden Viertakt-Sechszylinder-Dieselmotoren des Typs Wärtsilä 6L38B mit 4200 kW Leistung und teilweise Viertakt-Achtzylinder-Dieselmotoren des Typs MaK 8M32C mit 3840 kW Leistung verbaut. Die Motoren wirken über ein Untersetzungsgetriebe auf einen Verstellpropeller. Die Schiffe sind mit einem mit 500 kW Leistung angetriebenen Bugstrahlruder ausgestattet. Für die Stromerzeugung stehen zwei von Dieselmotoren angetriebenen Generatoren zur Verfügung. Weiterhin wurde ein von einem Dieselmotor angetriebener Notgenerator verbaut.

Die Schiffe verfügen über zwei boxenförmige Laderäume ohne Unterstau. Laderaum 1 ist 39,96 m lang, Laderaum 2 ist 52,54 m lang. Die Laderäume sind 13,2 m breit und 10,84 m hoch. Laderaum 1 verjüngt sich im vorderen Bereich, Laderaum 2 verjüngt sich im hinteren Bereich. Die Kapazität der Laderäume beträgt 12.814 m³.[12] Laderaum 1 ist mit sechs, Laderaum 2 mit acht Stapellukendeckeln verschlossen. Die Lukendeckel können mithilfe eines Lukenwagens bewegt werden. In den Laderäumen kann ein Zwischendeck eingehängt werden. Die Zwischendeckspaneele können auch als Getreideschotten zur horizontalen Unterteilung der Laderäume genutzt werden, die in Laderaum 1 an drei Positionen und in Laderaum 2 an fünf Positionen errichtet werden können. Die Tankdecke kann mit 15 t/m², das Zwischendeck kann mit 3,5 t/m² und die Lukendeckel können mit 1,75 t/m² belastet werden. Die Schiffe sind mit einer gedeckten Back ausgestattet. Diese dient auch als Wellenbrecher zum Schutz vor überkommendem Wasser.

Die Schiffe sind für den Transport von Containern vorbereitet. Die Containerkapazität beträgt 500 TEU, von denen 264 TEU in den Räumen und 236 TEU an Deck geladen werden können.

Die Decksaufbauten befinden sich im hinteren Bereich der Schiffe. Die Schiffe wurden größtenteils mit offenen Nocken gebaut. Zwei Einheiten verfügen über ein geschlossenes Brückendeck. Hinter den Decksaufbauten befindet sich auf der Backbordseite ein Freifallrettungsboot.

Der Rumpf der Schiffe ist eisverstärkt (Eisklasse 1A).

Schiffe

Volharding 9900
Bauname Bau-
nummer
IMO-
Nummer
Auftraggeber Kiellegung
Ablieferung
Umbenennungen
und Verbleib
Vancouverborg 1029 / 501 9213741 Wagenborg  
6. Juli 2001
Victoriaborg 1030 / 502 9234276 Wagenborg 30. Juni 2000
10. Dezember 2001
Kwintebank 1031 / 503 9234288 Pot Scheepvaart Juni 2000
9. August 2002
Finex 1038 / 504 9250397 Reederei Frank Dahl November 2000
Februar 2002
2001: Volmeborg, 2006: Finex, 2014: Fitburg
Virginiaborg 1032 / 505 9234290 Wagenborg  
1. Oktober 2001
Vermontborg 1042 / 515 9255622 Wagenborg Juni 2002
30. Januar 2004
Rumpf 2002 fertiggestellt, auf der Überführungsfahrt havariert, von Wagenborg nicht abgenommen, 2004 an Intersee Schiffahrtsgesellschaft; 2004: Winona, 2014: Lucina, 2019: Kelly
Commons: Volharding 9900 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kwintebank, Pot Scheepvaart. Abgerufen am 2. Januar 2026.
  2. V-XL Class, Royal Wagenborg. Abgerufen am 2. Januar 2026.
  3. Vermontborg grounding ‘was just bad luck’. In: Daily Shipping Newsletter, Nr. 012/2003, 11. Januar 2003 (PDF, 892 kB). Abgerufen am 2. Januar 2026.
  4. Lucina, Stichting Maritiem-Historische Data. Abgerufen am 2. Januar 2026.
  5. Scheepsfotoruilbeurs Zeebrief #159, 12. Oktober 2019. Abgerufen am 2. Januar 2026.
  6. Feuer im Maschinenraum an Bord des Mehrzweckfrachters Kelly, Untersuchungsbericht 338/19, Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung, 27. Juli 2021 (PDF, 5,5 MB). Abgerufen am 2. Januar 2026.
  7. Cargo ship seized after undersea cable damage in Gulf of Finland, Helsinki Times, 31. Dezember 2025. Abgerufen am 2. Januar 2026.
  8. Fitburg brought to port after Elisa cable damage in Baltic Sea, Helsinki Times, 31. Dezember 2025. Abgerufen am 2. Januar 2026.
  9. Finnish Customs: Sanctioned Russian steel found on Fitburg, Helsinki Times, 1. Januar 2026. Abgerufen am 2. Januar 2026.
  10. Fitburg held by NBI, Customs finds no sanctions offence, Helsinki Times, 7. Januar 2026. Abgerufen am 13. Januar 2026.
  11. Finland releases Fitburg ship suspected of cable damage, Helsinki Times, 12. Januar 2026. Abgerufen am 13. Januar 2026.
  12. MV Kelly, Hansa Shipping. Abgerufen am 2. Januar 2026.