Vinzenz Möhring
Vinzenz Möhring (häufig auch Vincenz Möhring) (* 5. Juni 1718 in Alsleben; † 8. April 1777 in Speyer) war ein Bildhauer des Barock und des Rokoko. Von seiner Werkstatt in Speyer aus, war er überwiegend in der Pfalz tätig.
Name
Neben der häufigen Alternativschreibweise des Vornamens, Vincenz, sind folgende Formen des Nachnamens belegt: Mähring, Mehring, Meyring und Moering.
Leben
Möhring wurde im Jahr 1718 im zu dieser Zeit noch eigenständigen Alsleben in Unterfranken als Sohn seiner Eltern Johann Möhring und Ottilia Albertin geboren. Er zog im Mai 1744 nach Aschaffenburg. Noch als Aschaffenburger Bürger begann er im späten 1746 in der Speyerer Werkstatt des im Februar desselben Jahres verstorbenen Bildhauers Johann Georg Linck zu arbeiten. In dieser Funktion wird er als Obergeselle beschrieben. Spätestens im Januar 1748 war er in Speyer ansässig, wo er zu dieser Zeit den Bürgereid ablegte und 24 Gulden Bürgergeld zahlte. Kurz darauf wurde er formal aus der Aschaffenburger Bürgerschaft entlassen. Am 22. Februar des Jahres heiratete er die Witwe des verstorbenen Johann Georg Linck, Anna Maria (geb. Gescheider), die 1747 fünf Kinder hatte. Daraufhin übernahm er auch das Anwesen Lincks an der Jakobsgasse. Aus der Ehe gingen keine Kinder hervor. Im Oktober 1749 stellte der Stadtrat ihm ein Attest über seine Zugehörigkeit zur Speyerer Bürgerschaft aus und genehmigte ihm die Wachfreiheit. Nachweislich war Möhring im Jahr 1752 Mitglied des großen Zunftausschusses der Zimmerleutezunft. Er bildete zwei seiner Stiefsöhne in seiner Werkstatt ebenfalls zu Bildhauern aus. Zum einen seinen späteren Nachfolger Peter Anton Linck und zum anderen den späteren kurpfälzischen Hofbildhauer Franz Conrad Linck.
Er starb 1777 in seinem Anwesen und wurde im Kirchhof der heute nicht mehr vorhandenen Kirche St. Johannes begraben. Zum Zeitpunkt seines Todes betrug sein Vermögen nach Aufstellung des Stadtrates 1050 Gulden und 46 Kreuzer. Seine Witwe war die einzige Erbin und verstarb zwei Jahre später. Möhrings Stiefsohn Peter Anton Linck übernahm die Werkstatt nach dessen Tod.
Werkliste (unvollständig)
Diese Werkliste umfasst die der Fachwelt bekannten Werke Möhrings. Das Jahr in der ersten Spalte meint das Jahr der Fertigstellung. Kursivschreibung zeigt an, dass das Werk nicht mehr vorhanden ist.
| Jahr | Ort | Gebäude | Bild | Werk | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| 1747 | Waldsee | Vorgängerkirche der St.-Martin-Kirche | Hochaltar und zwei Nebenaltäre | Beim Bau der heutigen Kirche zerstört | |
| 1749 | Speyer | Altes Kaufhaus | 12 Kapitellen und eine überlebensgroße Steinfigur der Fortuna | Fortunafiguar heute im Eingangsbereich des Historischen Museums der Pfalz[1.1] | |
| 1749 | Kirrweiler | Katholische Kirche | Wappen des Fürstbischofs Franz Christoph von Hutten zum Stolzenberg und der Probstei Weißenburg | ||
| 1749 | Heute Marxzell | Kloster Frauenalb | Hochaltar und Bildnis der Geißelung Christi | Bei Profanierung des Klosters 1804 verschollen | |
| 1750 | Speyer | Rathaus | Zwei Rahmen für kaiserliche Portraits | Wohl im Rahmen der Revolutionskriege zerstört | |
| 1750 | Venningen | St. Georg | Wappen des Fürstbischofs mit Muschelwerk | Heute an der Außenseite der Sakristei, ursprünglich über dem Portal. | |
| 1751 | Speyer | Rathaus | Rahmen für ein könglich-preußisches Portrait | ||
| 1752 | Speyer | Altes Jagdhaus | Ausgehauener Hirschkopf an der Hauswand | ||
| 1755 | Hambach an der Weinstraße | St. Jakobus | Hochaltar | erhalten[1.2], in der Schaffungszeit stark kritisiert | |
| 1754–1757 | Speyer | Zwei Hirschköpfe, zwei Wappen des Domkapitels und ein Rahmen für ein könglich-preußisches Portrait | |||
| 1757 | Edesheim | St. Peter und Paul | Hochaltar | ||
| Um 1760 | Speyer | Winkelbau an der Brudergasse | Relief | Hofseitg[2.1] | |
| Um 1760 | Speyer | Ehemaliges Pfarr- und Konventhaus | Torbogen mit Hochrelief | Heute im Historischen Museum der Pfalz[2.2] | |
| 1763 | Schifferstadt | St. Jakobus | Holzfigurengruppe der Taufe Jesu | ||
| 1764 | Speyer | Ehemaliges St.-Georg-Hospital | Eingangsportal mit einer Stinfigur auf dem Schlussstein, die einen Bettler auf Stelzen zeigt | Heute Eigentum des Historischen Museums der Pfalz | |
| 1765 | Schifferstadt | St. Jakobus | Figur des heiligen Sebastian | ||
| 1765 | Maikammer | St. Kosmas und Damian | Steinfigurengruppe der Erscheinung der Gottesmutter vor dem heiligen Dominikus | In Figurennische über dem Eingangsportal | |
| 1770 | Speyer | St. Guidostift | Beichtkreuz | ||
| 1776 | Speyer | Speyerer Dom | Epitaph des Bischofs Gerhard von Ehrenberg | Heute in die südliche Außenwand eingelassen | |
| 1776 | Speyer | Speyerer Dom | Drei große Wappen über den Eingangsportalen | Von Peter Anton Linck vollendet; 1794 zerstört und 1822 endgültig beseitigt | |
| Unbekannt | Hambach an der Weinstraße | St. Jakobus | Kanzel |
Literatur
- Fritz Klotz: Der Speyerer Bildhauer Vinzenz Möhring. In: Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.): Pfälzer Heimat. Jg. 10, Heft 4. Speyer 1959, S. 134–138.
- Fritz Klotz: Der Speyerer Bildhauer Vinzenz Möhring. In: Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.): Pfälzer Heimat. Jg. 13, Heft 1. Speyer 1962, S. 19–20 (Nachtrag zur Abhandlung von 1959).
- Fritz Klotz: Die Speyerer Bildhauerfamilie Linck-Möhring. In: Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hrsg.): Pfälzer Heimat. Jg. 32, Heft 1. Speyer 1981, S. 25–27.
Weblinks
- Informationen über Möhring. In: Webauftritt des Historischen Vereins der Pfalz.
Einzelnachweise
- ↑ Hans Caspary (Bearb.): Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz, Saarland. 2., bearbeitete und erweiterte Auflage. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 1984, ISBN 3-422-00382-7.
- ↑ Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler. Kreisfreie Stadt Speyer. 3. August 2018 (gdke-rlp.de [PDF; 5,1 MB; abgerufen am 2. Oktober 2025]).