St. Jakobus (Schifferstadt)
| Basisdaten | |
|---|---|
| Konfession | römisch-katholisch |
| Ort | Schifferstadt, Deutschland |
| Diözese | Bistum Speyer |
| Patrozinium | St. Jakobus der Ältere |
| Baugeschichte | |
| Architekt | August von Voit, Bauschaffner Foltz |
| Bauzeit | 1854–1860 |
| Baubeschreibung | |
| Baustil | Neoromanik, Rundbogenstil |
| Bautyp | Basilika |
| 49° 23′ 13,4″ N, 8° 22′ 18,4″ O | |
Die denkmalgeschützte Kirche St. Jakobus in Schifferstadt ist das Kirchengebäude der gleichnamigen römisch-katholischen Kirchengemeinde im Rhein-Pfalz-Kreis (Rheinland-Pfalz). Sie gehört zur Schifferstadter Großpfarrei Hl. Edith Stein im Bistum Speyer und trägt das Patrozinium des heiligen Jakobus dem Älteren.
Lage
Die Kirche liegt im Zentrum von Schifferstadt an der Kirchenstraße. In unmittelbarer Nähe liegen das katholische Pfarramt, die Stadtbücherei sowie das alte und neue Rathaus.
Geschichte
Im Jahr 1101 wurde erstmals eine Kirche an der Stelle des heutigen Kirchengebäudes erwähnt.[1] Der römisch-deutsche Kaiser Heinrich IV. bestätigte in diesem Jahr dem Bistum Speyer den Besitz der Kirche in Schifferstadt.
Ursprünglich wurde die heutige Kirche von 1618 bis 1621 neu erbaut und von 1753 bis 1754 umfangreich erweitert. Von 1854 bis 1860 nahm Bauschaffner Foltz nach Plänen von Zivilbauinspektor August von Voit einen derart umfassenden Umbau vor, dass von einem Neubau gesprochen werden kann.
1763 schuf der Speyerer Bildhauer Vinzenz Möhring für die Kirche eine Holzfigurengruppe der Taufe Jesu und 1765 eine Figur des heiligen Sebastian.
Der Innenraum wurde 1862 ausgemalt, 1863 wurde eine neue Kanzel aufgestellt. Die Empore wurde 1866 erweitert, um Platz für eine größere Orgel zu schaffen. Zum Ende des 19. Jahrhunderts erfolgten nochmals umfangreiche Umbauten im Inneren. So wurden 1893 der Muttergottesaltar, 1894 die Kreuzwegstationen, 1896 der Hochaltar, 1899 die Orgel und 1902 der Josefsaltar umgebaut. In den 1920er und 1930er Jahren wurde das Gebäude instandgesetzt und der Innenraum neu ausgemalt. Im Zuge des Zweiten Weltkriegs baute man in den Jahren 1940 und 1941 einen Luftschutzbunker ein, für den der Chor erhöht werden musste. Zu dieser Zeit wurde auch ein neuer Hochaltar aufgestellt.
Die letzte umfangreiche Umgestaltung des Innenraums erfolgte 1953. Dabei erhielt die Kirche die heutige Innenausstattung, und es wurden eine neue Emporenbühne und eine neue Orgel errichtet.
Beschreibung
Bei dem Kirchengebäude handelt es sich um eine flachgedeckte, dreischiffige Basilika im Rundbogenstil bzw. Stil der Neoromanik mit Querschiff. Das Gebäude, dessen Grundriss sich an frühchristlichen Bauten orientiert, besteht überwiegend aus Sandsteinquadern. Das Äußere der Kirche wirkt schlicht und ist durch eine Lisenengliederung und den eingezogenen Kirchturm geprägt. Dessen beiden untere Geschosse sind das älteste Baudenkmal der Stadt und stammen noch aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts[2] oder aus dem 14. Jahrhundert.[3]
Zur Ausstattung der Kirche gehören eine Mater Dolorosa, also eine Darstellungen der Schmerzen Mariens, und ein Kruzifix aus dem 18. Jahrhundert. Im vorderen rechten Teil der Kirche befindet sich eine Jakobusstatue mit Muschel.[1] Auch befindet sich im Inneren eine große, barocke Madonna mit Jesuskind auf einer von Engelsköpfen getragenen Wolke.
Orgel
Der Speyerer Orgelbauer Gustav Schlimbach baute 1869 erstmals eine Orgel mit mechanischen Trakturen für das neue Kirchengebäude. Sie verfügte über 24 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Orgelbauwerkstatt Weigle baute die Trakturen 1899 pneumatisch um und ergänzte zwei neue Register. Im Jahr 1952 wurde die Orgel abgebrochen und durch ein neues Instrument auf neuer Empore mit elektropneumatischen Trakturen von Paul Sattel aus Speyer ersetzt. Er verwendete hierfür 15 Register der Schlimbach-Orgel. Das Instrument verfügte über 38 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Windladen waren als Kegelladen ausgeführt. Im Jahr 1999 wurde das Instrument an die Kirche Santuario di Maria Ausiliatrice im italienischen Aprice verkauft, um Platz für ein neues zu schaffen.[4]
Die heutige Orgel wurde 1999 von Orgelbau Vleugels (Hardheim) mit mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur als opus 333 gebaut. Sie verfügt über 45 Register auf drei Manualen und Pedal. Ihre Windladen sind als Schleifladen ausgeführt. Die Disposition lautet:[4][5]
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Anmerkungen
- Koppeln:
- Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
- Superoktavkoppeln: III/I, III/II, III/III, III/P
- Suboktavkoppeln: III/I, III/II, III/III
- Spielhilfen: 2560 Setzerkombinationen, Zuzzi, Registercrescendo (programmierbar), Crescendo Ab, Zungen Ab
Geläut
Das Geläut der St.-Jakobus-Kirche umfasst vier Stahlglocken; darunter die Christusglocke, eine der schwersten Glocken in Deutschland. Die Glocken wurden unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1946 bestellt, konnten wegen Materialmangels jedoch erst zwei Jahre später vom Bochumer Verein gegossen werden. Zum Ende des Jahres 1948 wurden sie im Kirchturm aufgehängt. Wegen des hohen Gewichts und Platzmangel mussten die Glocken an stark gekröpften Stahljochen in den Stahlglockenstuhl gehängt werden. Das Geläut lautet:
| Nr. | Name | Durchmesser (mm, ca.) |
Masse (kg, ca.) |
Schlagton |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Christusglocke | 1.910 | 3.650 | h0 |
| 2 | Marienglocke | 1.600 | 2.140 | d1 |
| 3 | Jakobusglocke | 1.430 | 1.535 | e1 |
| 4 | Sebastiansglocke | 1.200 | 985 | g1 |
Literatur
- Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Rhein-Pfalz-Kreis. Mainz 2024 (PDF; 6,5 MB).
- Hans Caspary (Bearb.): Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz, Saarland. 2., bearbeitete und erweiterte Auflage. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 1984, ISBN 3-422-00382-7 (dehio.org [abgerufen am 7. Januar 2026]).
Weblinks
- Historischer Stadtrundgang. 17, Kirche St. Jakobus. In: heimatpflege-schifferstadt.de. Verein für Heimatpflege Schifferstadt e.V.
- Katholische Kirche St. Jakobus in Schifferstadt. In: regionalgeschichte.net. Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V., 9. Oktober 2014.
- Geläutepräsentation auf YouTube, 18. Juli 2019.
- Livekonzert mit der Vleugels-Orgel aus der St.-Jakobus-Kirche auf YouTube, 4. Mai 2020.
Einzelnachweise
- ↑ a b Christine Kraus: St. Jakobus – der beliebte Volksheilige. In: Die Rheinpfalz. 11. Oktober 2017, abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ Historischer Stadtrundgang. 17, Kirche St. Jakobus. In: heimatpflege-schifferstadt.de. Verein für Heimatpflege Schifferstadt e.V., abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Rhein-Pfalz-Kreis. Mainz 2024 (PDF; 6,5 MB).
- ↑ a b Eintrag zur St.-Jakobus-Kirche Schifferstadt. In: Wiki-Orgeldatenbank Organ index. Abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ Eintrag zur Vleugels-Orgel (Beschreibung Nr. 2014758). In: Orgeldatenbank orgbase.nl. Abgerufen am 7. Januar 2026.