Vijayabahu VI.
Vijayabahu VI. (singhalesisch කෝට්ටේ සත්වන විජයබාහු රජ, Tamil ஏழாம் விஜயபாகு; geboren ungefähr 1445; gestorben 1521 in Kotte) war zwischen 1513 und 1521 der König von Kotte.
Familie
Parakramabahu VI., der Gründer des Königreichs Kotte, hatte von 1412/1415 bis 1467 über fünfzig Jahre lang regiert, zuletzt als Feudalkönig über ganz Sri Lanka. Nach seinem Tod fiel der Thron an verschiedene Erben, und erst 1484 an den Adoptivsohn des Gründers, Vira Parakramabahu VIII. (geboren als Ambulugala Kumara), der dann von 1484 bis 1509/1518 regierte. Vira Parakramabahu VIII. wird bei Antritt seiner Herrschaft auf etwa 50 bis 60 Jahre alt geschätzt und gilt wie auch seine direkten Vorgänger als eher schwacher Herrscher.[1]
Vijayabahu VI. (nach anderer Zählweise gelegentlich auch VII.) war einer der Söhne von Vira Parakramabahu VIII. Gemeinsam mit seinem Bruder Chakrayudabahu (bzw. Rajasingha) teilte er sich eine Residenz in Menikkadawara und eine Ehefrau, mit welcher sie vier Söhne hatten, von denen drei das Erwachsenenalter erreichten: Bhuvanekabahu, Pararajasinghe und Mayadunne. Sowohl sein Bruder wie auch seine Frau starben in Menikkadawara.
Regierungsantritt
Vira Parakramabahu VIII. hatte 1505 die Portugiesen auf Sri Lanka willkommen geheißen und war auf einen Handelsvertrag mit ihnen eingegangen. 1508 erkrankte er so schwer, dass er seinen Sohn Dharma Parakramabahu IX. als Mitregenten inthronisierte. Der neue, jüngere König schlug zunächst eine seit zwanzig Jahren andauernde Revolte gegen das Königtum in Pitigal und Alutkuru Korales nieder.[2] Auch sein Bruder Vijayabahu rückte nun in Regierungsverantwortung und wurde Statthalter in der Stadt Udugampola. Portugiesischen Berichten zufolge soll der ehrgeizige und ungeduldige Vijayabahu seinen greisen und unfähigen Vater mit Gift ermordet haben,[1] dagegen spricht jedoch dessen offizielles Regierungsende erst 1518.
Offiziell inthronisiert wurde Vijayabahu VI. dann 1513. Der Rajavalija-Chronik zufolge geschah dies entgegen dem Willen der Bevölkerung, die seinen populäreren Halbbruder Sakalakala Valla als weiteren Mitregenten bevorzugte. Zugunsten des inneren Friedens soll dieser aber auf den Thron verzichtet haben.[3] Vijayabahu VI. wird ab 1513 als Hauptkönig von Kotte betrachtet, sein Vater war offiziell noch bis 1518 Mitkönig und sein Bruder Dharma Parakramabahu IX. bis 1528. Zu beiden gibt es kaum weitere Berichte. Vijayabahu VI. ehelichte jedoch eine neue Ehefrau, welche ihm auch einen Sohn gebar.
Vijayabahu VI. verbündete sich mit dem muslimischen Zamorin, dem Herrscher von Calicut auf dem indischen Festland, und ging 1518 militärisch gegen das gerade erst errichtete portugiesische Fort in Colombo vor.[1] Als Gründe für den Angriff wird neben der Allianz mit dem mächtigen Zamorin auch angeführt, dass die im Reich Kotte einheimischen Moors durch den portugiesischen Direkthandel mit Europa ruiniert wurden. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts war die Haupteinnahmequelle der Könige von Kotte stets die Binneneinnahmen von Steuern und Tributen gewesen. Mit dem von den Portugiesen nachgefragten Exportgut Zimt zeichnete sich allmählich ein sehr gewinnträchtiges Geschäft ab, welches die muslimischen Händler in den eigenen Händen halten wollten.[2] Der Angriff der Singhalesen auf das Fort in Colombo scheiterte jedoch, was auch das Prestige des Königs trübte.
Sowohl vor wie nach dem Angriff auf das portugiesische Fort hatten sich Vijayabahu VI. und seine Vorgänger gut mit den Portugiesen gestellt; und dies beschädigte das Ansehen des Königshauses ebenfalls stark unter allen Untertanen, die das Christentum ablehnten.[2]
Vijayabā Kollaya (Sturz des Vijayabahu)
1521 wurde den drei Prinzen Bhuvanekabahu, Pararajasinghe und Mayadunne offenbart, dass ihre königliche Stiefmutter gemeinsam mit dem König und zwei weiteren Höflingen eine Intrige gesponnen hatte, welche den jüngsten Sohn Deva Rajasinghe zum Erben des Throns von Kotte erklären sollte, sobald die drei Söhne aus der ersten Ehe des Königs ausgeschaltet seien. Die drei Halbbrüder flohen unverzüglich aus der Hauptstadt und der jüngste der Brüder, Mayadunne fand Zuflucht am Hof des verschwägerten Königs von Kandy (Udarata). In Udarata konnte Mayadunne ein Heer aufstellen, mit welchem er zurück nach Kotte zog, gemeinsam mit seinen älteren Brüdern.[2] Dort verlangten sie die Auslieferung der Verschwörer und den Thronverzicht ihres minderjährigen Halbbruders, da Vijayabahu VI. keine ausreichenden Truppen mobilisieren konnte, die willens waren, sich gegen die drei Prinzen zu stellen. Von den zwei beschuldigten Höflingen konnte einer fliehen, der andere wurde ermordet.
Ausgerechnet der Halbbruder Deva Rajasinghe (nach anderer Lesart: ein argloses Kind) soll Mayadunne nun offenbart haben, dass sein Vater doch eine geheime Streitmacht mobilisiert hatte, welche den drei Prinzen auflauern sollte. So vorgewarnt, vermieden die drei Brüder eine Konfrontation mit dieser Armee und zogen direkt zum Palast von Kotte, den sie plünderten. Ihr Vater hatte sich mit zwei Konkubinen im höchsten Turm des Palastes verbarrikadiert. Da keiner der buddhistischen Prinzen und auch sonst kein Singhalese willens war, sich selbst mit königlichem Blut zu beflecken, wurde ein muslimischer Meuchelmörder gedungen, der Vijayabahu VI. ermordete.
Gegen die Machtübernahme der drei Prinzen begehrte Vira Suriya auf, ein weiterer Verwandter des ermordeten Königs. Gemeinsam mit einem Teil des Hofstaates floh er nach Hapitigama Korale, wo seiner Rebellion allerdings durch Mayadunnes Armee ein Ende gesetzt wurde. Die drei Brüder teilten das Königreich Kotte untereinander auf, wobei der älteste König Bhuvanekabahu VII. die Oberherrschaft in Kotte zugesprochen bekam, gemeinsam mit dem größten Teil des Reichs und allen Küstenregionen, die von Kotte kontrolliert wurde. Im Binnenland wurden zwei großzügige Provinzen abgeteilt: der jüngste Bruder Mayadunne erhielt das Königreich Sitawaka zugesprochen, das zentral zwischen Kotte und Kandy lag; der mittlere Bruder Pararajasinghe erhielt das Königreich Raigama. Das letztere wird in der Literatur zum Teil auch nur als Fürstentum geführt, da es nach dem Tod des Herrschers 1538 von Sitawaka annektiert wurde.[2]
Durch diese Ereignisse, die als Vijayabā Kollaya (singhalesisch විජයබා කොල්ලය, Tamil விஜயபாகு படுகொலை, „Sturz des Vijayabahu“) bekannt wurden, hatten sich die singhalesischen Königreiche dramatisch destabilisiert; in den folgenden Jahrzehnten ab 1526 konnte Portugal stark von den Fehden zwischen Kotte, Sitawaka und Kandy profitieren.
Einzelnachweise
- ↑ a b c Humphry William Codrington: A short history of Lanka, Macmillan and Co., London 1926. Kapitel VI.
- ↑ a b c d e Kingsley Muthumuni de Silva: A History of Sri Lanka, University of California Press 1981 (Digitalisat), S. 87–125
- ↑ Nico F. Declercq: The appearance of the Portuguese and the Establishment of the Portuguese Kingdom of Kotte (Kapitel 55.2.2, S. 1087. In: The Desclergues of la Villa Ducal de Montblanc, Kortrijk 2024)