Königreich Kotte

Das Königreich Kotte (singhalesisch කෝට්ටේ රාජධානිය Kōṭṭē Rajadhaniya, Tamil கோட்டை அரசு) war ein singhalesisches Königreich in Sri Lanka im 15. und 16. Jahrhundert. Benannt war es nach seiner Hauptstadt Kotte. Gegründet 1412, beherrschte Kotte kurzzeitig von 1450 bis 1467 ganz Sri Lanka, war aber ab 1521 wieder auf den südwestlichen Teil der Insel beschränkt und geriet unter immer stärkeren Einfluss der Portugiesen, bis 1565 die Hauptstadt von Kotte nach Colombo verlegt wurde und 1597 der letzte König starb.

Die Gesellschafts- und Sozialstruktur war feudalistisch angelegt, mit reichen und direkt dem König unterstellten Siedlungen, die jährliche Tribute in Naturalien und Geld an den Königshof liefern mussten, sowie lokalen Fürsten die überall andernorts als Statthalter des Königs fungierten und oft große Unabhängigkeit genossen. Die größte Autorität genoss der König daher in der unmittelbaren Umgebung von Kotte. In verantwortlichen Positionen wurden darum häufig Mitglieder der Königsfamilie eingesetzt. Nahe Verwandte des Königs führten als Statthalter oft auch selbst den Königstitel (Raja), sodass der König selbst sich zur Abgrenzung als Kaiser (Chakravarti) stilisierte. Wie auch bei den Königreichen Dambadeniya, Gampola, Kandy und später Sitawaka gehörte die gesamte Herrscherfamilie der singhalesischen Siri-Sanga-Bo-Dynastie an.

Geschichte

Die Stadt Kotte (wörtlich: „Festung“, später auch Jayavardhana Pura Kotte, „Festung des wachsenden Siegs“) wurde bereits im 14. Jahrhundert als eine Festungsstadt vom Königreich Gampola gegründet, um dieses gegen Übergriffe des Königreichs Jaffna im Norden der Insel abzusichern. Als Begründer des Königreichs wird Parakramabahu VI. gesehen, der im Ming-Kotte-Krieg zwischen 1410 und 1411 gegen den Herrscher von Gampola rebellierte, mutmaßlich Vira Alakesvara. Maßgeblich unterstützt wurde diese Revolte von Schatzflotten-Admiral Zheng He, der den Herrscher von Gampola aufgrund seiner feindseligen Haltung nach China entführte. Parakramabahu VI. bestieg dann 1412 den Thron von Gampola, bevor er die Hauptstadt dann 1415 nach Kotte verlegte und somit sein eigenes Reich gründete. Er baute Kotte weiter zur Residenzstadt aus und trat als Förderer von buddhistischer Kultur und Literatur hervor; es sind auch fünf diplomatische Missionen in das chinesische Reich überliefert. Tribute an den Ming-Kaiser leistete Kotte in den Jahren 1436, 1445 und 1459.

Ungefähr um 1435 soll eine Invasion durch Vijayanagar vom indischen Festland erfolgt sein, die abgewehrt wurde. Das Reich von Vijayanagar war in dieser Zeit Oberherr des Königreichs Jaffna; Parakramabahu VI. unterwarf in seiner Regierungszeit zuerst die Wanni-Vasallen von Jaffna, und dann auch zwischen 1447 und 1450 Jaffna selbst. Damit hatte sein Reich von Kotte die ganze Insel von Sri Lanka in einem Königreich vereint. Diese Periode währte aber nur 1467, dem Jahr von Parakramabahus Tod. Dann kehrten die Erben des vorherigen Jaffna-Königs von Madurai auf dem indischen Festland zurück und sicherten sich ihr angestammtes Königreich wieder. Bereits 1463 war eine Revolte im zentralen Osten der Insel ausgebrochen, wo sich ab 1469 das Königreich Kandy etablierte.

Nachfolger von Parakramabahu VI. waren (teils in Ko-Regentschaft) Jayabahu II. (1468–1470), dann Bhuvanaikabahu VI. (1469–1477), Pandita Parakramabahu VII. (1481–1484) sowie Vira Parakramabahu VIII. (1484–1518). Das Nachbar-Königreich Kandy war in dieser Zeit noch nicht völlig unabhängig von Kotte. 1505 langte der portugiesische Seefahrer Lourenço de Almeida in Colombo an, welches er für die portugiesische Krone „in Besitz“ nahm. Die Portugiesen versprachen Schutz vor ausländischen Invasionen im Tausch gegen Tributzahlungen von Zimt. Zu dieser Zeit hielten die Moors, arabische Händler unter der Oberhoheit des Zamorin von Calicut, erhebliche Macht als Händler im südindischen Raum, was das buddhistische Königreich Kotte aufgeschlossen gegenüber Konkurrenten der Muslime machte. Feuerwaffen waren in Sri Lanka, insbesondere durch arabische Importeure, bereits bekannt; die portugiesischen Waffen waren regionalen Produkten allerdings überlegen.

Ab 1509 wurde die Hauptstadt für knapp zwei Jahrzehnte nach Kelaniya verlegt, heute ein Stadtteil Colombos und bekannt für seinen möglicherweise seit dem 5. Jahrhundert vor Christus bestehenden buddhistischen Tempel. Vijayabahu VI., seit 1509 Ko-Regent, wurde 1513 als Haupt-Herrscher inthronisiert, als sein Vater dem Tod nahe schien. Die Portugiesen hatten bis 1517 die Moors fast völlig aus dem Handel gedrängt und errichteten in dem Jahr ein Fort im Hafen von Colombo. Vijayabahu VI. wandte sich nun gemeinsam mit dem Zamorin 1518 gegen die Portugiesen. Die Belagerung des portugiesischen Behelfsforts scheiterte jedoch.

1521 kam es mit dem Vijayabahu Kollaya-Putsch zu einem großen Umbruch und zur Dreiteilung des Königreichs unter den drei Söhnen Vijayabahus VI. Der älteste Sohn Bhuvanekabahu erbte das Königreich Kotte mit allen Besitztümern an der Küste; seine zwei Brüder erhielten die neu abgespaltetene Inlands-Königreiche Raigama und Sitawaka. Spätestens ab jetzt betrachtete sich auch das Königreich Kandy als von Kotte unabhängig, nachdem es die drei Prinzen von Kotte militärisch gegen ihren Vater unterstützt hatte. Mayadunne von Sitawaka strebte nun nach der Vorherrschaft über ganz Sri Lanka und war insbesondere ein Gegner der Portugiesen, die er aus dem Hinterland nach besten Möglichkeiten angriff.

Bhuvanekabahu VII. von Kotte verbündete sich wiederum mit den Portugiesen und gewährte ihnen Sicherheit auf seinem Gebiet, bestand aber im Gegenzug darauf, dass das portugiesische Fort im Hafen von Colombo aufgegeben werden müsse. Die Portugiesen gingen auf diese Forderung ein, um so weiter am profitablen Gewürzhandel teilhaben zu können. Aktivitäten der Moors und gegen die Portugiesen gerichtete Piraterie des Zamorin von Calicut erschwerten jedoch die Bedingungen, sodass das Königreich nun repressiv gegen die Moors vorging, denen Hochverrat vorgeworfen wurde. Calicut hatte sich mit dem Königreich Sitawaka abgestimmt, und es kam zu einem Bruderkrieg in Sri Lanka. Sitawakas Eroberungsversuch von Kotte 1537 scheiterte am Eingreifen von Martim Afonso de Sousa, ein weiterer Anlauf 1539 an dessen Nachfolger Miguel Ferreira. Der Zamorin sah sich nun gezwungen, die Unterstützung von Sitawaka einzustellen. Daraufhin wurde eine Waffenstillstand zwischen Kotte und Sitawaka vereinbart, der bis 1547 andauerte. 1539 annektierte Sitawaka allerdings auch das Königreich Raigama und befand sich nach wie vor im Streit mit Kandy. 1548 verbündeten sich die Portugiesen dann überraschend kurzfristig mit Sitawaka, doch dieses Bündnis hielt nicht lange.

Zur Absicherung seiner Thronfolge sandte Bhuvanekabahu von Kotte 1540 eine Gesandtschaft mit dem goldenen Bildnis seines Enkels Dharmapala nach Lissabon, sodass die portugiesische Krone zum Garant des Königreichs Kotte wurde. Zwar war Bhuvanekabahu politisch und militärisch immer stärker von portugiesischer Unterstützung abhängig, in Fragen der Religion zeigte er sich jedoch unnachgiebig gegenüber einer Bekehrung zum christlichen Glauben, den die Mehrheit seiner Untertanen ablehnte. Er sprach dazu unter anderem mit Franz Xaver. Dieser Widerwille wurde auch nach Portugal vermeldet. Der ab 1550 eingesetzte Vizekönig Afonso de Noronha, ab 1550 eingesetzt, war Bhuvanekabahu gegenüber ablehnend eingestellt. 1551 wurde Bhuvanekabahu VII. beim Blick aus seinem Palastfenster von einer Muskete erschossen: als Drahtzieher wurden sowohl der portugiesische Statthalter wie auch der königliche Bruder Mayadunne verdächtigt.

Thronfolger von Bhuvanekabahu VII. wurde tatsächlich sein Enkel Dharmapala, Sohn seiner einzigen Tochter Samudra Devi. 1554 stellten die Portugiesen in Colombo ihr verbessertes Fort fertig, und hatten im Umkreis der Stadt etwa 60.000 Singhalesen zum christlichen Glauben konvertiert. Dazu zählte ab 1557 auch König João Dharmapala Peria Bandara, der nunmehr gänzlich auf die Unterstützung der Portugiesen angewiesen war und ihnen erlaubte, buddhistische Tempel und Klöster niederzubrennen. Die Zwangskonvertierungen zum Christentum führten jedoch auch zu einem Stimmungsumschwung in der Bevölkerung und zahlreiche Gläubige flohen in die benachbarten Königreiche. Dies führte zu einem weiteren Erstarken von Sitawaka. Nach der Schlacht von Mulleriyawa 1559, in welcher Sitawaka den Portugiesen eine verheerende Niederlage zufügte, konnte Sitawaka Kotte in den Folgejahren fast gänzlich erobern. 1565 musste auch die Hauptstadt Kotte geräumt werden. Nur Colombo und weitere Küstenforts standen weiterhin unter Kontrolle Portugals.

Sitawaka wurde 1594 von Portugal besiegt, und die eroberten Gebiete wurden von den Portugiesen wieder an das Königreich Kotte übergeben. 1597 starb König João Peria Bandara; gemäß seinem Testament von 1580 fiel das Reich vollständig an die portugiesische Krone, danach als Portugiesisch-Kotte oder auch einfach Portugiesisch-Ceylon bezeichnet. Es gelang Portugal, weitere Küstengebiete zu erobern, insbesondere 1619 das Königreich Jaffna im Norden der Insel. Im Niederländisch-Portugiesischen Krieg gingen diese Kolonien jedoch 1658 an die Niederlande über, festgeschrieben im Vertrag von Den Haag von 1661.

Literatur

  • Nico F. Declercq: The appearance of the Portuguese and the Establishment of the Portuguese Kingdom of Kotte (Kapitel 43, S. 722–745. In: The Desclergues of la Villa_Ducal de Montblanc, Kortrijk 2021)
  • Humphry William Codrington: A short history of Lanka, Macmillan and Co., London 1926. Kapitel VI.
  • S. Krishnaswami Aiyangar, Simon de Silva and John M. Senaveratna: The overlordship of Ceylon in the 13th, 14th and 15th centuries, Royal Asiatic Society of Sri Lanka, 1921. (JSTOR)
  • Kingsley Muthumuni de Silva: A History of Sri Lanka, University of California Press 1981 (Digitalisat), S. 87–125