Parakramabahu VI.

Parakramabahu VI. (singhalesisch ශ්‍රී ලංකාවේ හයවන පරාක්‍රමබාහු රජු, Tamil ஆறாம் பராக்கிரமபாகு; gestorben 1467 in Kotte) gilt als der letzte König von Gompala (1412 bis 1415). Er gründete dann das Königreich Kotte und war dessen König von 1415 bis 1467. Seine mehr als fünfzig Jahre andauernde Herrschaft gilt als letzte Blütezeit des singhalesischen Königtums. 1450 gelang es ihm, die Oberherrschaft über ganz Sri Lanka zu erringen.

Hintergrund und Amtsantritt

Über die frühen Jahre von Parakramabahu gibt es widersprüchliche Berichte. Der Prinz entstammte der weitverzweigten singhalesischen Königsfamilie, doch seine Abstammung ist nicht genauer bekannt. Als Eltern wurden Vijaya Bahu VI (allerdings nicht zu verwechseln mit Vijayabahu VI.) und dessen Königin Sunetra Devi angegeben[1], andererseits wird über eine andere Linie eine direkte Abstammung von dem zweiten König von Gampola angenommen, Parakramabahu V. (regierte 1345–1359). Weiterhin wurde behauptet, er sei Sohn eines Königs von Jaffna gewesen.

Das Königreich Gampola war erst in der Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden und war wie alle singhalesischen Königreiche der Zeit ein Feudalstaat. Es herrschten oft mehrere Könige in Co-Regentschaft, allesamt Teil der seit dem frühen 13. Jahrhundert bestehenden Dynastie von Siri Sanga Bo. Die buddhistischen Könige von Gampola befanden sich zudem in einer Dauerfehde gegen die hinduistischen Könige von Jaffna im Norden. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts befand sich zudem die Alagakkonara-Familie im Aufwind, die die wichtigsten Ministerialen des Hofes stellte und auch in die Königsfamilie einheiratete. Vira Alakesvara aus der Alagakkonara-Familie bestimmte nach 1405 de facto die Geschicke des Landes, mit dem eigentlichen König Bhuvanekabahu V. (regierte 1372–1408) zuletzt nur noch als Marionette.[2]

Die genaue Chronologie der Machtübernahme von Parakramabahu VI. und dem Ende des Königreichs Gampola ist unklar. Gesichert ist, dass der chinesische Admiral Zheng He auf seiner zweiten Reise in den Indischen Ozean 1405 mit den Königen von Gompala in Kontakt kam, und dann erneut auf seiner dritten Reise in den Jahren 1410 (Hinreise) und 1411 (Rückreise). Er versuchte, die Zahnreliquie des Buddha zu erwerben, was wohl der Auslöser für Feindseligkeiten zwischen den Gompala-Königen und der chinesischen Expedition war. Zheng He entführte daher auf seiner dritten Reise den König von Gompala mitsamt seinem Hofstaat nach China, wo er dem Yongle-Kaiser vorgeführt wurde. Der Kaiser schonte die unterwürfigen Singhalesen und erlaubte ihnen die Rückkehr im Jahr 1414, verfügte aber auch, dass ein ihm genehmerer König installiert wurde. Ob eine Zahnreliquie ebenfalls nach China gebracht wurde, ist ungeklärt, jedenfalls wurde in den entsprechenden Heiligtümern in Sri Lanka weiterhin die bekannte Reliquie verehrt.

Historiker vermuten heute Vira Alakesvara als den nach China entführten König, und Parakramabahu VI. als dessen von China eingesetzten Rivalen[3]; doch frühere Interpretationen der Quellen nahmen an, dass die mutmaßlichen Eltern des späteren Königs entführt wurden, und Vira Alakesvara als Regent installiert wurde, gegen den dann wiederum Parakramabahu VI. erfolgreich rebellierte,[1] sich dann aber mit den zurückkehrenden Chinesen ebenfalls gutstellte. Dass der junge König noch in Gampola residierte, bevor er 1415 sein neues Königtum in Kotte errichtete, ist wenig wahrscheinlich; bereits zum Ende des 14. Jahrhunderts war wohl der Königshof von Gampola (im Hügelland nach Kandy) tatsächlich nach Rayigama nahe der Westküste verlegt worden.[2] Unweit von Rayigama befand sich die auf drei Seiten von Marschland umgebenene Festungsstadt Kotte, wo Parakramabahu VI. ab 1415 seinen neuen Palast errichten ließ.

Regentschaft

Der Beginn der Herrschaft von Kotte war von Bautätigkeit geprägt, nicht nur in der neuen Hauptstadt Kotte, wo außer dem Palast noch die Kotte Raja Maha Vihara sowie ein dreistöckiger Tempel für die Buddhazahn-Reliquie errichtet wurden. Ab den 1420er-Jahren ließ er bestehende Viharas in Kelaniya (Kelaniya Raja Maha Vihara), Saman Dewale, Ganegama (Aramanapola Raja Maha Vihara) und Gampola (Gadaladeniya Vihara) renovieren bzw. erweitern. In Pepiliyana entstand eine Stätte zum Angedenken an seine Mutter.[1] Parakramabahu VI. zeigte sich auch als Freund und Förderer von brahmanischen und hinduistischen Praktiken, das weitere Vordringen von synkretistischen Elemente in den mehrheitlich buddhistischen Volksglauben verhinderte er insofern nicht. So etablierten sich auch bereits vor einer Herrschaft die Gottheiten Upuluvan, Saman, Vibhisana und Skanda als singhalesische Schutzgottheiten. Parakramabahu VI. förderte den Bau hinduistischer Schreine und restaurierte etwa den aus dem 10. Jahrhundert stammenden Munneswaram-Tempelkomplex im gleichnamigen Dorf in Puttalam. In kultureller Hinsicht wurde die weltliche Gattung der sandesa-Gedichte von ihm gefördert; diese Kunstform hatte ihren Ursprung bereits in Gompala gehabt, aber fand im Kotte-Königreich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ihre Blütezeit, wie auch insgesamt die singhalesische Literatur.[2]

Kotte blieb unter seiner Herrschaft auch in diplomatischem Kontakt mit den Ming in China, es sind drei Tributzahlungen und fünf Gesandtschaften dokumentiert.[1]

Ungefähr Mitte der 1430er Jahre konnte Parakramabahu VI. einen Vorstoß des expandierenden Vijayanagar-Reiches vom indischen Festland abwehren. Auch gegen das nördliche Jaffna-Königreich ging er militärisch vor, es war mittlerweile ein tributpflichter Vasall von Vijayanagar. Jaffna war wiederum Oberherr über die Vanni-Fürsten, fünf davon namhafte Fürstentümer. Zunächst unterwarf Parakramabahu VI. die Vanni, bevor er schließlich ungefähr 1450 Jaffna einnahm. Dessen König musste auf das indische Festland fliehen, baute im Exil aber eine Streitmacht auf. Bis auf Weiteres war aber Parakramabahu der Oberherrscher über ganz Sri Lanka; in Jaffna setzte er seinen Adoptivsohn Sapumal Kumaraya als Statthalter ein.[2]

Ende und Nachfolge

Parakramabahu VI. vererbte den Thron an seinen leiblichen Enkel Jayabahu II, doch der bereits erwähnte Adoptivsohn Sapumal Kumaraya (Bhuvanekabahu VI.) machte diesem den Thron streitig, verließ Jaffna und gab damit die Herrschaft über dieses Königreich preis, das rasch wieder an die bisherige Hindu-Dynastie fiel: Parajasekaram regierte von 1479 bis 1519 als unabhängiger König von Jaffna. Da Parakramabahu die althergebrachte feudale Regierungsstruktur in keiner Weise reformiert hatte, hatten die nominell noch Kotte untergebenen Vasallen unter seinen im Vergleich schwachen Nachfolgern freie Hand. Innerhalb von zehn Jahren war das Königreich Kotte wieder auf das südwestliche Drittel der Insel beschränkt.

In den letzten Jahren von Parakramabahus Herrschaft begann insbesondere ein Aufstand im Hügelland (Udarata), in der Umgegend der alten Hauptstand Gampola. Der Rebellenführer Jotiya Sitana wurde zwar niedergeschlagen, doch bald nach dem Tod von Parakramabahu VI. flammte der Aufruhr wieder auf, und es etablierte sich das Königreich Kandy als eigenes Fürstentum, auch wenn es zunächst noch Tribute nach Kotte abgab.[2]

Einzelnachweise

  1. a b c d Humphry William Codrington: A short history of Lanka, Macmillan and Co., London 1926. Kapitel VI.
  2. a b c d e Kingsley Muthumuni de Silva: A History of Sri Lanka, University of California Press 1981 (Digitalisat), S. 84–96
  3. Haraprasad Ray: An Analysis of the Chinese Maritime Voyages into the Indian Ocean during Early Ming Dynasty and their Raison d'Etre. In: China Report, 1987, S. 65–87. Digitalisat