Verfolgung der Sinti und Roma in Bochum
Die Verfolgung der Sinti und Roma in Bochum fand ihren Höhepunkt in der Zeit des Nationalsozialismus.
Geschichte
Die NS-Behörden gaben die Zahl der Sinti und Roma in Bochum 1937 mit rund 131 an. Viele Bochumer Sinti wurden schon im Januar 1938 bei der so genannten Aktion „Arbeitsscheu Reich“ als „Asoziale“ oder „Arbeitscheue“ deportiert. 1939 wurden die verbliebenen Sinti zwangsweise in städtischen Obdachlosenunterkünften an der Meesmannstraße 117 und am Krüzweg 44a untergebracht.[1] 1943 erfolgte die Deportation der übrigen Sinti.
Auch die Sinti und Roma aus der Umgebung wurden ab März 1943 über Bochum, insbesondere Nordbahnhof Bochum, in mehreren Transporten ins Zigeunerlager Auschwitz deportiert, zum Beispiel aus Witten.[2] In Wattenscheid bestand das Zigeunerlager Wattenscheid in Eppendorf.
Die drei Bändes des Hauptbuch des Zigeunerlagers waren von einer Schreibkraft und zwei Häftlingen neben der dortigen Baracke 32 vergraben worden, um sie der Vernichtung durch die SS-Angehörigen zu entziehen. Über 100 Bochumer Tote stehen in den Büchern. Einige von ihnen erlebten nicht einmal ihren ersten Geburtstag.
Die damals vor 1943 verhafteten Opfer und ihre Nachkommen hatten keinen Anspruch auf Entschädigung. Die Begründung des Bochumer Amts für Wiedergutmachung von 1961 lautete: „Sie wurden aus anderen Gründen als nach ihrer Rasse verhaftet.“[3]
Die zehnfache Mutter Appolonia Pfaus schloss sich der Deportation ihrer Kinder und Enkelkinder nach Auschwitz freiwillig an, um sie nicht alleine zu lassen.[4] Zu ihrem sechszigsten Todestag wurde 2004 der Park an der Windmühlenstraße in Appolonia-Pfaus-Park umbenannt.[1]
Im März 2005 eröffnete die Vereinigung Verfolgter des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/Bda) in der Christuskirche (11. bis 19. März 2005) die Ausstellung „Sinti und Roma in Bochum“, in der auf Bildtafeln Zeugnisse der Leidensgeschichte aus Zeitungsarchiven, Behördenschriften – und Todeslisten aus den Konzentrationslagern im Osten gezeigt wurden.[3]
Literatur
- VVN-BdA (Hrsg.): Die Verfolgung der Sinti und Roma in Bochum und Wattenscheid. Bochum, 2002, pdf online auf Bochum alternativ.
Einzelnachweise
- ↑ a b Die Verfolgung der Bochumer Sinti:zze und Rom:nja. WDR
- ↑ Initiative Nordbahnhof Bochum: Der Nordbahnhof in Bochum – Ort von Deportationen in der NS-Zeit.
- ↑ a b Verachtet, vertrieben, verfolgt. taz.de, 15. März 2005
- ↑ Appolonia Pfaus.