Unternehmen Mitte

Das Unternehmen Mitte, auch UM genannt, ist ein Basler Kultur- und Gastronomiebetrieb in der Schweiz. Es befindet sich an der Gerbergasse und gilt als grösstes Kaffeehaus in Basel.[1] Seit seiner Eröffnung im Jahr 1999 dient es als Treffpunkt für Öffentlichkeit, Kultur und Gastronomie.[2]

Geschichte

Errichtet wurde der Bau 1912. 1919 erfolgte eine erste Erweiterung. Ursprünglich war das Gebäude der Hauptsitz der Schweizerischen Volksbank, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Geschäftstätigkeit stark ausbaute.[3] Nach deren Übernahme durch die Credit Suisse ging das Gebäude in deren Besitz über.

1998 ging das Gebäude in den Besitz der Stiftung Edith Maryon über.[4] Sie erwarb das Haus zu einem Preis von etwa zehn Millionen Schweizer Franken. Sie leitete damit eine neue Phase seiner Nutzung ein, in der es nicht mehr primär als Bankgebäude, sondern für gemeinnützige und kulturelle Aktivitäten genutzt werden sollte.[3]

Im selben Jahr gründeten Georg Hasler, Thomas Tschopp und Daniel Häni im Haus das Unternehmen Mitte, das den Ort Schritt für Schritt zu einem öffentlichen Begegnungsraum entwickelte. In den darauffolgenden Jahren erfolgten wiederholte Renovierungen und Umbauten, welche die historische Substanz des Gebäudes erhielten, gleichzeitig aber eine zeitgemässe Nutzung ermöglichen.[3] Besonders die ehemalige Schalterhalle der Bank erhielt dabei eine neue Funktion: Sie wurde in ein Kaffeehaus umgestaltet, das sich zu einem zentralen Treffpunkt im Quartier etablierte.

Corona-Krise

Während der COVID-19-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 war das Unternehmen Mitte wie alle Gastronomiebetriebe von den behördlichen Einschränkungen betroffen und musste seinen regulären Betrieb zeitweise einstellen.[5] Um die wirtschaftlichen Folgen abzufedern und weiterhin einen Beitrag zum städtischen Leben zu leisten, wurden Teile der Räumlichkeiten in einen provisorischen Markt umgewandelt. Dort bot das Unternehmen Mitte frische Produkte aus der Region an.[5]

Architektur

Das Gebäude wurde von dem Architekten Hermann Neukomm im historistischen Stil entworfen. Es zeichnete sich insbesondere durch neobarocke Formen aus.[6] Fassaden und Innenräume zeigten reich verzierte Details, die typisch für den spätklassizistischen und neobarocken Einfluss der frühen 1910er Jahre waren.

In den 1970er Jahren wurde das Haus einer umfassenden Modernisierung unterzogen, bei der sowohl die Aussenfassade als auch die Innenräume vom ursprünglichen Barockstil befreit wurden. Dadurch erhielt das Gebäude ein reduziertes, sachliches und zeitgemässes Erscheinungsbild, das sich stärker an den gestalterischen Anforderungen der damaligen Zeit orientierte. 1999 folgte ein weiterer umfangreicher Umbau, der von Thomas Tschopp[3] und François Fasnacht Architekten gemeinsam mit den Architekten Rainer und Liselotte Senn sowie dem Baubüro «in situ» durchgeführt wurde.[6] Ziel der Renovierung war es, die historische Substanz des Hauses zu erhalten und gleichzeitig moderne Nutzungen zu ermöglichen. Dabei wurden zahlreiche ursprüngliche Bauelemente, wie etwa Parkett- und Steinböden, freigelegt, restauriert und in das neue Nutzungskonzept integriert. Im Zuge der Umgestaltung wurden restaurierte historische Elemente mit modernen Nutzungsmöglichkeiten verbunden.

Nutzung

Das Gebäude wird vielseitig genutzt und vereint gastronomische, kulturelle sowie berufliche Angebote. Im Erdgeschoss befindet sich ein Café mit Schaufenster zur Strasse, das Backwaren aus der hauseigenen Biobackstube anbietet. Darüber hinaus wird die Schalterhalle als öffentlicher Treffpunkt genutzt. Einmal im Monat findet dort das eigene Veranstaltungsformat UM-Politics Talk statt.[7]

In den oberen Etagen sind verschiedene Nutzungen untergebracht: Im ersten Stock befinden sich Büros, Co-Working-Bereiche sowie Veranstaltungsräume. Der zweite Stock dient als Sitz der Stiftung Edith Maryon. Die dritte und vierte Etage beherbergen Praxisräume und Wohnungen. Im ehemaligen Tresorraum werden heute Zutaten für die Bäckerei gelagert.[7]

Kulturelle Bedeutung

Das Unternehmen Mitte versteht sich sowohl als Kaffeehaus als auch als kultureller Begegnungsort im Basler Stadtzentrum. Neben gastronomischen Angeboten bietet es Raum für Austausch, Veranstaltungen und unterschiedliche Formen der Öffentlichkeit. Der Betrieb legt Wert darauf, den Aufenthalt auch unabhängig vom Konsum zu ermöglichen und betont einen bewussten Umgang mit Ressourcen und Produkten.[8]

Öffentlicher Verkehr

Das Unternehmen Mitte ist mit mehreren Tramlinien über die nahegelegene Haltestelle Marktplatz erschlossen.[9]

Linie Tramlinien
6 AllschwilRiehen Grenze
8 Neuweilerstrasse ↔ Weil am Rhein
11 St. Louis Grenze ↔ Aesch (BLT)
14 DreirosenbrückePratteln
15 Messeplatz ↔ Bruderholz
16 BruderholzSchifflände

Einzelnachweise

  1. Das grösste Kaffeehaus der Schweiz befindet sich in der ehemaligen Schalterhallte der Schweizerischen Volksbank. designpreis.ch, abgerufen am 24. September 2025
  2. Tim Meyer: 25 Jahre Unternehmen Mitte: «Wir waren mutig, frech und unbekümmert».baseljetzt.ch, 8. April 2024, abgerufen am 2. September 2025
  3. a b c d 72Unternehmen Mitte. openhouse-basel.org, abgerufen am 2. September 2025
  4. Unternehmen Mitte abgerufen am 8. September 2025
  5. a b Andreas Schwald: Badisches Spargelangebot an ungewöhnlichen Orten bzbasel.ch, 23. April 2020, abgerufen am 16. September 2025
  6. a b Architektur mitte.ch, abgerufen am 9. September 2025
  7. a b Stiftung Edith Maryon: Land in Sicht – ein Portrait der Stiftung Edith Maryon vimeo.com, 2024, abgerufen am 25. September 2025
  8. unternehmen mittebasellive.ch, abgerufen am 16. September 2025
  9. Haltestellen-Fahrplänebvb.ch, abgerufen am 25. September 2025