Unterer Kranicher Teich

Unterer Kranicher Teich
Unterer Kranicher Teich: Damm, Wasserfläche und das Striegelhaus
Lage Hahnenklee-Bockswiese, Landkreis Goslar, Niedersachsen, Deutschland
Zuflüsse Flößel
Abfluss Kuttelbach → Grumbach → Innerste → Leine → Aller → Weser → Nordsee
Größere Städte in der Nähe Goslar
Koordinaten 51° 51′ 27″ N, 10° 20′ 9″ O
Daten zum Bauwerk

Sperrentyp Staudamm
Bauzeit 1674[1]
Höhe über Talsohle 8,24 m[1]
Höhe über Gewässersohle 7,3 m
Höhe der Bauwerkskrone 556,51 m+NN[1]
Kronenlänge 131,7 m
Betreiber Harzwasserwerke GmbH
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 555,28 m+NN[1]
Gesamtstauraum 107.000 m³[1]
Einzugsgebiet 0,68 km²[1]
Bemessungshochwasser 2,30 m³/s
Besonderheiten

Überlaufteich, Einbindung in den Kurpark Hahnenklee

Der Untere Kranicher Teich, auch Großer Kranicher Teich oder auch einfach nur Kranicher Teich genannt, ist eine historische Talsperre am Ortsrand von Hahnenklee-Bockswiese, Stadtteil von Goslar. Er wurde im Zusammenhang mit dem Oberharzer Wasserregal von Oberharzer Bergleuten im 17. Jahrhundert angelegt. Wie alle Oberharzer Teiche ist auch der Untere Kranicher Teich seit dem Jahr 2010 Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft.

Lage

Der Teich liegt am westlichen Ortsrand des Ortsteiles Hahnenklee und ist zum großen Teil in den Kurpark von Hahnenklee einbezogen. Oberhalb befindet sich der fast verlandete Karpfenteich sowie der Obere Kranicher Teich, der aber auf nahezu gleichem Niveau liegt. Unterhalb befindet sich nach etwa einem Kilometer Fließweg der Kuttelbacher Teich, anschließend nach weiteren zwei Kilometern der Untere Grumbacher Teich. Nach weiteren 15 Kilometer Fließweg gelangt das Wasser in die Innerstetalsperre.

Der Stauraum grenzt im Osten an den Damm des Oberen Kranicher Teiches an.

Dicht an das südliche Dammende grenzt der Friedhof von Hahnenklee an.

Beschreibung

Der Staudamm wurde als Erdbauwerk, das heißt mit einer Erd- und Felsschüttung, erstellt. Dieses Dammschüttmaterial wurde örtlich gewonnen und ist von überwiegend steiniger Substanz. Die Dichtung besteht aus Rasensoden und verläuft entlang der wasserseitigen Böschung. Es handelt sich um einen Teich der „Alten Bauart“.[2]

Der Teich hat eine Entnahmeeinrichtung, die noch gut der originalen Bauweise einer historischen Striegelanlage entspricht. Vom im Wasser stehenden Striegelhaus kann mittels eines Gestänges ein Zapfen aus dem Holzgerenne des Grundablasses gezogen werden, um Wasser aus dem Teich in das Unterwasser abzugeben.[2]

Die Hochwasserentlastungsanlage befindet sich am linken (südlichen) Dammende. Sie besteht aus einer Stahlbetonkonstruktion, die aus Denkmalgründen mit Grauwackemauerwerk verkleidet worden ist.

Bauwerkshistorie

Das Bauwerk wurde vor 1674 errichtet.[1] Es diente vorrangig der Versorgung der Bergwerke in Bockswiese, die von der Entnahme über den Grundstriegel und dann weiter über den Kranicher Graben versorgt werden konnten.[3] Ab 1878 konnte das Wasser über den 600 m langen Kranicher Wasserlauf direkt dem Unteren Flößteich zugeführt werden.

Anfangs war der Damm deutlich kleiner und der Wasserspiegel mehrere Meter unterhalb des Niveaus des Oberen Kranicher Teiches. Nach 1767 (Kurhannoversche Landesaufnahme) muss der Damm um mehrere Meter erhöht worden sein, seitdem befinden sich der Obere und der Untere Kranicher Teich auf nahezu gleichem Niveau und sind untereinander ausgespiegelt. Nur diese Vergangenheit erklärt die Namensgebung „Unterer“ und „Oberer“ Kranicher Teich-

1973 wurde die Striegelanlage samt Striegelhaus abgerissen, die Betätigung des Grundablasses sollte kostengünstiger durch ein hydraulisches System erfolgen. Auf Initiative der Hahnenkleer Kurverwaltung wurde aber wieder eine Striegelhausattrappe errichtet, welches 2002 bei einer Erneuerung des Striegelhauses auch wieder die volle Funktionsfähigkeit bezüglich der Striegelbetätigung erhielt.

1998 wurde die Hochwasserentlastungsanlage auf das Bemessungshochwasser ausgebaut. Das neue Bauwerk erhielt nahezu die doppelte Breite und besteht aus Trockenmauerwerk mit Betonrückenstütze.

Einzugsgebiet, Wasserwirtschaft

Das 0,68 km² große Einzugsgebiet des Unteren Kranicher Teichers besteht zu einem großen Teil aus dem Siedlungsgebiet des Ortsteiles Hahnenklee, aber auch aus Waldflächen. Der Hauptzulauf ist der Flößel, der nördlich des Teiches entspringt und zunächst den heute weitgehend verlandeten Karpfenteich (nördlich der Lautenthaler Straße, in Nachbarschaft zu den ehemaligen Tennisplätzen) speist. Im Bereich des Kurparks ist dieser Bach zum größten Teil verrohrt; 20 Meter nördlich des nördlichen Dammendes des Oberen Kranicher Teiches befindet sich die Möglichkeit, den Flößel wahlweise direkt in den Unteren Kranicher Teich einzuleiten, oder zunächst in den Oberen Kranicher Teich.

Der Teich wird in der Regel als Überlaufteich betrieben; der Grundablass wird nur zu Kontrollzwecken und bei bestimmten Maßnahmen betätigt. Ansonsten verlässt das zufließende Wasser den Teich über den Überlauf.

Sonstiges

Fischereitechnisch ist das Gewässer an einen örtlichen Angelverein verpachtet. Als Besonderheit ist hierzu ein Angelsteg für Rollstuhlfahrer zu nennen, der am nordöstlichen Ufer, nahe zum Damm des Oberen Kranicher Teiches errichtet worden ist.

Badebetrieb kann am Unteren Kranicher Teich in der Regel nicht beobachtet werden.

Literatur

  • Martin Schmidt: Die Wasserwirtschaft des Oberharzer Bergbaus (= Schriftenreihe der Frontinus-Gesellschaft e. V. Heft 13). 3., ergänzte Auflage. Harzwasserwerke, Hildesheim 2002, ISBN 3-00-009609-4.
  • Walter Knissel, Gerhard Fleisch: Kulturdenkmal „Oberharzer Wasserregal“. Eine epochale Leistung. 2. Auflage. Papierflieger, Clausthal-Zellerfeld 2005, ISBN 3-89720-725-7.
  • Martin Schmidt: WasserWanderWege. Ein Führer durch das Oberharzer Wasserregal – Weltkulturerbe. Hrsg.: Harzwasserwerke GmbH. 4. Auflage. Papierflieger Verlag, Clausthal-Zellerfeld 2012, ISBN 978-3-86948-200-2.
Commons: Kranicher Teich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Martin Schmidt: Die Wasserwirtschaft des Oberharzer Bergbaus (= Schriftenreihe der Frontinus-Gesellschaft e. V. Heft 13). 3., ergänzte Auflage. Harzwasserwerke, Hildesheim 2002, ISBN 3-00-009609-4.
  2. a b Justus Teicke: UNESCO-Welterbe Oberharzer Wasserwirtschaft – Das Oberharzer Wasserregal, das bedeutendste vorindustrielle Energiegewinnungs- und Energieversorgungssystem der Welt. Harzwasserwerke, Clausthal-Zellerfeld 2011 (harzwasserwerke.de [PDF; 2,8 MB]).
  3. Hugo Haase: Kunstbauten alter Wasserwirtschaft im Oberharz. 5. Auflage. Pieper, Clausthal-Zellerfeld 1985, ISBN 3-923605-42-0.