Oberer Kranicher Teich

Oberer Kranicher Teich
Oberer Kranicher Teich: Wasserfläche mit Fontäne, im Hintergrund Kurpark mit Pavillon
Lage Hahnenklee-Bockswiese, Landkreis Goslar, Niedersachsen, Deutschland
Zuflüsse Flößel
Abfluss Unterer Kranicher Teich → Kuttelbach → Grumbach → Innerste → Leine → Aller → Weser → Nordsee
Größere Städte in der Nähe Goslar
Koordinaten 51° 51′ 31″ N, 10° 20′ 17″ O
Daten zum Bauwerk

Sperrentyp Staudamm
Bauzeit vor 1675[1]
Höhe über Talsohle 2,50 m[1]
Höhe über Gewässersohle 2,30 m
Höhe der Bauwerkskrone 555,85 m+NN[1]
Kronenlänge 160,1 m
Betreiber Harzwasserwerke GmbH
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 555,12 m+NN[1]
Gesamtstauraum 11.600 m³[1]
Einzugsgebiet 0,51 km²[1]
Besonderheiten

Überlaufteich, Einbindung in den Kurpark Hahnenklee

Der Obere Kranicher Teich, auch Kleiner Kranicher Teich oder auch vor Ort Kurteich genannt, ist eine historische Stauanlage am Ortsrand von Hahnenklee-Bockswiese, Stadtteil von Goslar. Er wurde im Zusammenhang mit dem Oberharzer Wasserregal von Oberharzer Bergleuten im 17. Jahrhundert angelegt. Wie alle Oberharzer Teiche ist auch der Obere Kranicher Teich seit dem Jahr 2010 Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft.

Lage

Der Teich liegt am westlichen Ortsrand des Ortsteiles Hahnenklee und ist komplett in den Kurpark von Hahnenklee einbezogen. Oberhalb befindet sich der fast verlandete Karpfenteich. Unmittelbar unterhalb befindet sich der Untere Kranicher Teich, dessen Wasserfläche auf nahezu dem gleichen Niveau liegt und an die Luftseite des Dammes Oberer Kranicher Teich angrenzt. Etwa einen weiteren Kilometer unterhalb befindet der Kuttelbacher Teich, anschließend nach weiteren zwei Kilometern der Untere Grumbacher Teich. Nach weiteren 15 Kilometer Fließweg gelangt das Wasser in die Innerstetalsperre.

Beschreibung

Der Staudamm wurde als Erdbauwerk, das heißt mit einer Erd- und Felsschüttung, erstellt. Dieses Dammschüttmaterial wurde örtlich gewonnen und ist von überwiegend steiniger Substanz. Die Dichtung besteht aus Rasensoden und verläuft entlang der wasserseitigen Böschung. Es handelt sich um einen Teich der „Alten Bauart“.[2]

Als Entnahmevorrichtung dient heute ein Kunststoffrohr DN 350 mit einem Unterflurschieber.

Die Hochwasserentlastungsanlage befindet sich am linken (südlichen) Dammende. Sie besteht aus einer Holzkonstruktion.

Auffällig ist eine Fontäne in der Mitte der Wasserfläche, die nur im Sommer betrieben werden kann.

Bauwerkshistorie

Das Bauwerk wurde vor 1674 errichtet.[1] Eine andere Quelle gibt als Baujahr das 14. Jahrhundert an.[3] Es diente vorrangig der Versorgung der Bergwerke in Bockswiese mit Aufschlagwasser, die über den Kranicher Graben versorgt werden konnten.[3] Ab 1878 konnte das Wasser über den 600 m langen Kranicher Wasserlauf auf deutlich kürzeren Wege dem Unteren Flößteich zugeführt werden.

Anfangs befanden sich Dammkrone und Wasserspiegel des Oberen Kranicher Teiches deutlich höher, als der Untere Kranicher Teich. Nach 1767 (Kurhannoversche Landesaufnahme) muss der Damm des Unteren Kranicher Teiches um mehrere Meter erhöht worden sein, seitdem befinden sich der Obere und der Untere Kranicher Teich auf nahezu gleichem Niveau und sind untereinander ausgespiegelt.

1934 wurde der Teich aufgrund von Geruchsbelästigungen gründlich entschlammt. Vermutlich wurde um dieser Zeit auch eine kleine Insel mit einem Entenhaus in der Mitte des Stauraumes angelegt. In den 1970er Jahren verschwand die Striegelanlage der Grundablasskonstruktion, anschließend konnte der Obere Kranicher Teich nicht mehr angestaut bleiben, wenn der Untere Teich abgesenkt wurde. Diese Trennung wurde 1996 wieder hergestellt, indem ein Kunststoffrohr mit Unterflurschieber als Grundablass eingebaut wurde. Das historische Holzgerenne wurde entfernt.

2006 wurde die Hochwasserentlastungsanlage ausgebaut. Das neue Bauwerk erhielt nahezu die doppelte Breite und besteht aus Eichenholz.

Einzugsgebiet, Wasserwirtschaft

Das 0,51 km² große Einzugsgebiet des Oberen Kranicher Teiches besteht zu einem großen Teil aus dem Siedlungsgebiet des Ortsteiles Hahnenklee, aber auch aus Waldflächen. Der Hauptzulauf ist der Flößel, der nördlich des Teiches entspringt und zunächst den heute weitgehend verlandeten Karpfenteich (nördlich der Lautenthaler Straße, in Nachbarschaft zu den ehemaligen Tennisplätzen) speist. Im Bereich des Kurparks ist der Bach zum größten Teil verrohrt; 20 Meter nördlich des nördlichen Dammendes des Oberen Kranicher Teiches befindet sich die Möglichkeit, den Flößel wahlweise direkt in den Unteren Kranicher Teich einzuleiten, oder zunächst in den Oberen Kranicher Teich.

Ein nicht unerheblicher Teil des Zulaufes stammt aus der Regenwasserkanalisation der Ortschaft Hahnenklee. Aus diesem Grunde ist die Wasserqualität im Teich nur mäßig; der Stauraum neigt zur Verschlammung.

Der Teich wird als Überlaufteich betrieben; der Grundablass wird nur zu Kontrollzwecken und bei bestimmten Maßnahmen betätigt. Ansonsten verlässt das zufließende Wasser den Teich über den Überlauf.

Sonstiges

Fischereitechnisch ist das Gewässer an einen örtlichen Angelverein verpachtet, allerdings wird hier aufgrund der hohen touristischen Frequentierung der Uferwege nur selten geangelt.

Badebetrieb findet hier nicht statt.

Literatur

  • Martin Schmidt: Die Wasserwirtschaft des Oberharzer Bergbaus (= Schriftenreihe der Frontinus-Gesellschaft e. V. Heft 13). 3., ergänzte Auflage. Harzwasserwerke, Hildesheim 2002, ISBN 3-00-009609-4.
  • Walter Knissel, Gerhard Fleisch: Kulturdenkmal „Oberharzer Wasserregal“. Eine epochale Leistung. 2. Auflage. Papierflieger, Clausthal-Zellerfeld 2005, ISBN 3-89720-725-7.
  • Martin Schmidt: WasserWanderWege. Ein Führer durch das Oberharzer Wasserregal – Weltkulturerbe. Hrsg.: Harzwasserwerke GmbH. 4. Auflage. Papierflieger Verlag, Clausthal-Zellerfeld 2012, ISBN 978-3-86948-200-2.
Commons: Oberer Kranicher Teich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Martin Schmidt: Die Wasserwirtschaft des Oberharzer Bergbaus (= Schriftenreihe der Frontinus-Gesellschaft e. V. Heft 13). 3., ergänzte Auflage. Harzwasserwerke, Hildesheim 2002, ISBN 3-00-009609-4.
  2. Justus Teicke: UNESCO-Welterbe Oberharzer Wasserwirtschaft – Das Oberharzer Wasserregal, das bedeutendste vorindustrielle Energiegewinnungs- und Energieversorgungssystem der Welt. Harzwasserwerke, Clausthal-Zellerfeld 2011 (harzwasserwerke.de [PDF; 2,8 MB]).
  3. a b Hugo Haase: Kunstbauten alter Wasserwirtschaft im Oberharz. 5. Auflage. Pieper, Clausthal-Zellerfeld 1985, ISBN 3-923605-42-0.