Taiping dao (Daoismus)

Die daoistische messianische Bewegung Taiping dao (chinesisch 太平道) Himmelsweg oder Weg des Großen Friedens, gegründet von Zhang Jiao und seinen Brüdern Zhang Bao und Zhang Liang, ist mit der Bewegung Fünf Scheffel Reis eine der beiden ersten bekannten daoistischen Bewegungen. Taiping bedeutet neben „Höchster Friede“ auch „Große Gleichheit“, steht also für das Ideal eines utopischen Gemeinwesens, welches nach den Prinzipien universeller Gerechtigkeit regiert wird.[1] Die Taiping-Anhänger verehren den mythischen Gelben Kaiser (Huangdi) und Laozi (einen der Begründer des Daoismus) sowie das Werk Taiping jing 太平經 (Schrift vom Höchsten Frieden), von der die Bewegung ihren Namen hat. Allerdings ist alles im Taiping dao auf die Fährnisse dieses Lebens gerichtet, so spielten Übergangsrituale für nachtodliche Daseinsformen – anders als im späteren Daoismus – noch so gut wie keine Rolle.[2] In den 170er und 180er Jahren verbreitete sie sich von Hebei aus rasch über andere Gegenden Zentral- und Ostchinas. 184 führte Zhang Jiao den Aufstand der Gelben Turbane an, der von den Han zerschlagen, aber den Untergang der Han-Dynastie beschleunigen sollte. Die kriegerischen Handlungen dauerten insgesamt über 20 Jahre. Die geistigen Grundlagen des Himmelsweges sind im Taiping jing niedergelegt. In diesem Werk entdeckte die Zhang-Brüder das politische Programm einer vollkommenen gesellschaftlichen Ordnung und es lieferte ihm die Rechtfertigungsgründe für den Aufstand gegen die bestehende Herrschaft.[3] In der Taiping-Rebellion des 19. Jahrhunderts sowie in der gewaltsamen Gleichmacherei der Kulturrevolution von 1966–1978 wurde immer wieder auf diese alten Ideale zurückgegriffen.[4]

Literatur

Isabelle Robinet: Geschichte des Taoismus (Aus dem Französischen von Stephan Stein). Diederichs, München 1995, ISBN 3-424-01298-X, S. 109.

唐大潮 (Tang Dachao): 中国道教简史 (Die Geschichte des chinesischen Daoismus). 宗教文化出版社 (Zongjiao Wenhua Verlag), 北京 (Beijing) 2003, ISBN 7-80123-229-1, S. 42.

Hans-Günter Wagner: Der Daoismus. Chinas indigene Religion und Philosophie. Origo, Bern 2025, ISBN 978-3-282-00214-6, S. 732.

Eva Wong: Die Lehren des Tao. Ullstein, Berlin 1998, ISBN 978-3-548-35778-2, S. 104.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Isabelle Robinet: Geschichte des Taoismus (Aus dem Französischen von Stephan Stein). Diederichs, München 1995, ISBN 3-424-01298-X, S. 109.
  2. Eva Wong: Die Lehren des Tao. Ullstein, Berlin 1998, ISBN 978-3-548-35778-2, S. 104.
  3. 唐大潮 (Tang Dachao): 中国道教简史 (Die Geschichte des chinesischen Daoismus). 宗教文化出版社 (Zongjiao Wenhua Verlag), 北京 (Beijing) 2003, ISBN 7-80123-229-1, S. 42.
  4. Hans-Günter Wagner: Der Daoismus. Chinas indigene Religion und Philosophie. Origo, Bern 2025, ISBN 978-3-282-00214-6, S. 732.