Huang-Lao-Daoismus
Der Huang-Lao-Daoismus (chinesisch 黄老道, Pinyin Huang-Lao dao – „Daoismus des Gelben Kaisers und des Laozi“, auch: 黄老学派 – Huanglao Xuepai) war eine sich auf die mythischen Gestalten Huangdi („Gelber Kaiser“) und Laozi zurückführende Schule des Daoismus bzw. Legalismus aus der Zeit der Streitenden Reiche und der frühen Han-Zeit. „Huang“ bedeutet gelb und steht für den Gelben Kaiser, den großen mythischen Herrscher der Vorzeit, und „Lao“ ist der Name Laozis. Doch dessen historische Existenz ist umstritten, daher kann „lao“ auch als die „Schule der Alten“ gedeutet werden.[1]
Der Huang-Lao-Daoismus war eine wichtige Schule, die maßgeblich zur Entstehung und Verbreitung des Daoismus als institutionalisierte Religion beitrug. Gelehrt wurden Verzicht auf Reichtümer und Methoden der Unsterblichkeitssuche. Die Kunst des Regierens durch Nichthandeln (wu wei) wurde von ihr in die Tat umgesetzt.
Im Shiji („Aufzeichnungen des Historikers“) werden ihr die Philosophen Shen Dao, Tian Pian, Jiezi und Huan Yuan – Mitglieder der Jixia-Akademie – zugerechnet sowie die Philosophie von Shen Buhai und Han Fei mit ihr in Verbindung gebracht.
Bei den 1973 im Han-Grab Nr. 3 von Mawangdui entdeckten Werken Jingfa (经法) und Shiliujing (十六经) handelt es sich um wichtige Texte dieser Schule.
Heute wird mit Huang-Lao vor allem der Daoismus der frühen und mittleren Han-Zeit bezeichnet. Um das 2. Jahrhundert v. u. Z. war dies die vorherrschende Geistesströmung in China, die verschiedene philosophische Lehren und eine Reihe praktischer Übungsformen umfasste.[2] Von vielen Sinologen wird die Huanglao-Schule jedoch stärker mit dem Konfuzianismus als dem Daoismus in Verbindung gebracht. Tatsächlich übernimmt diese Schule Vorstellungen von Konfuzius und Mozi, greift gleichzeitig aber auch Gedanken der Legalisten auf, insbesondere Han Feis (280-233 v. u. Z.) Lehren von der Kunst des richtigen Regierens. Mit Konfuzius sind die Schnittmengen jedoch am Größten. Beide Lehren stimmen darin überein, dass sie eine Einschränkung der leiblichen Begierden, Keuschheit und Reinheit lehren.[3] Im gesellschaftlichen Chaos zu Beginn der Han-Dynastie erschien die Huanglao-Schule vielen Menschen im Land als ein ordnender Faktor, insbesondere durch die Forderungen nach einem Ruhen der Kriegshandlungen und der Verringerung von Frondiensten und Abgabenlasten.[4] Doch die Herrschenden waren diesen Vorstellungen nicht zugeneigt. So geriet nach dem Ende der Han-Zeit der Huanglao-Daoismus bald in Vergessenheit.[5]
Literatur
- Hans van Ess: Der Daoismus. Von Laozi bis heute. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61218-3, S. 46.
- Hans-Georg Möller: In der Mitte des Kreises. Daoistisches Denken. Verlag der Weltreligionen., Berlin 2010, ISBN 978-3-458-72015-7, S. 26.
- Isabelle Robinet: Geschichte des Taoismus. Diederichs, München 1995, ISBN 3-424-01298-X.
- Randall P. Peerenboom: Law and Morality in Ancient China. The Silk Manuscripts of Huang-Lao. State University of New York Press, Albany NY 1993, ISBN 0-7914-1237-7 (SUNY series in Chinese philosophy and culture).
- Anna K. Seidel: Der Kaiser und sein Ratgeber. Lao-tzu und der Taoismus der Han-Zeit. In: Saeculum. Band 29, 1978, S. 18–50, hier 25 f.
- Hans-Günter Wagner: Der Daoismus. Chinas indigene Religion und Philosophie. Origo, Bern 2025, ISBN 978-3-282-00214-6.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Hans-Günter Wagner: Der Daoismus. Chinas indigene Religion und Philosophie. Origo, Bern 2025, ISBN 978-3-282-00214-6, S. 57.
- ↑ Anna K. Seidel: Der Kaiser und sein Ratgeber. Lao-tzu und der Taoismus der Han-Zeit. In: Saeculum. Band 29, 1978, S. 18–50, hier S. 25 f.
- ↑ Hans van Ess: Der Daoismus. Von Laozi bis heute. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61218-3, S. 46.
- ↑ Isabelle Robinet: Geschichte des Taoismus. Diederichs, München 1995, ISBN 3-424-01298-X, S. 74.
- ↑ Hans-Georg Möller: In der Mitte des Kreises. Daoistisches Denken. Verlag der Weltreligionen., Berlin 2010, ISBN 978-3-458-72015-7, S. 26.