Summenregel
Die Summenregel[1][2] ist eine grundlegende Ableitungsregel. Sie besagt: Sind zwei Funktionen und auf einem Intervall an der Stelle differenzierbar, so ist auch die Summenfunktion an dieser Stelle differenzierbar und man erhält die Ableitung der Summenfunktion durch gliedweises Ableiten:
Beispiel
Die Funktion
ist die Summe der Funktionen
- und ,
welche auf differenzierbar sind mit
- und
Daher ist auch auf differenzierbar und es gilt
- .
Herleitung
Seien und zwei Funktionen einer Variablen und die Summe von und . Dann führt eine Änderung der unabhängigen Variablen zu Änderungen und der Summanden und damit mittelbar zu einer Änderung von :
- .
Hieraus folgt, indem man durch teilt, die Gleichung
- .
Lässt man nun gehen, so erhält man die Summenregel.[5][6]
Beweis
Sei ein Intervall und seien in differenzierbar. Dann gilt für :[7]
Dabei folgt die letzte Gleichheit aus dem Grenzwertsatz für Funktionengrenzwerte von Summen. Da per Voraussetzung die beiden Grenzwerte der letzten Zeile existieren, existieren auch die Grenzwerte in den Zeilen darüber und es gilt .
Folgerungen
- Differenzregel: Betrachtet man die Differenz für Funktionen und , die in differenzierbar sind, ergibt sich aus der Summenregel und der Faktorregel, dass in differenzierbar ist und für die Ableitung gilt.
- Zusammen mit der Faktorregel ergibt sich: Sind in differenzierbare Funktionen und reelle Konstanten, dann ist die Linearkombination wiederum in differenzierbar mit (gliedweise differenzierter) Ableitungsfunktion
- .
- Daraus folgt: Die differenzierbaren Funktionen (auf einem gegebenen Intervall) bilden einen reellen Vektorraum, und die Differentiation ist eine lineare Abbildung von diesem Vektorraum in den Vektorraum aller Funktionen.
Siehe auch
Literatur
- Karl Strubecker: Einführung in die Höhere Mathematik. Band II: Differentialrechnung einer reellen Veränderlichen. Oldenbourg Verlag, München / Wien 1967, S. 86–87.
Weblinks
- Summenregel auf MathWorld (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ Schülerduden Die Mathematik II. 3. Auflage. Dudenverlag, Mannheim / Wien / Zürich 1991, ISBN 3-411-04273-7, S. 13.
- ↑ dtv-Atlas Schulmathematik. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuchverlag, München 2003, ISBN 3-423-03099-2, S. 123.
- ↑ Harro Heuser: Lehrbuch der Analysis Teil 1. 17. Auflage. Vieweg+Teubner, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8348-0777-9, S. 270.
- ↑ Otto Forster, Florian Lindemann: Analysis. 1. 13. Auflage. Springer Spektrum, Wiesbaden 2023, ISBN 978-3-658-40129-0, S. 235.
- ↑ Silvanus Phillips Thompson: Analysis leicht gemacht. 12. Auflage. Verlag Harri Deutsch, Thun / Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-87144-739-0, S. 29 f.
- ↑ G. M. Fichtenholz: Differential- und Integralrechnung I. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1989, ISBN 3-326-00398-6, S. 186 (archive.org).
- ↑ Michael Spivak: Calculus. 3. Auflage. Publish or Perish, Houston (Texas) 1994, S. 167.