Stadtkirche St. Bernhard (Winnenden)

Die Pfarrkirche Stadtkirche St. Bernhard steht Winnenden, einer Stadt im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Waiblingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Namensgeber ist Bernhard von Clairvaux.

Geschichte und Ausstattung

Die Saalkirche besteht aus einem Langhaus und einem Chorturm im Osten, der im Kern zu einer ursprünglichen Kapelle an der Stadtmauer gehörte, die bereits das Patronizium des Heiligen Bernhard von Clairvaux trug. Im Jahr 1444 wird die St. Bernhards-Kapelle als Filialkirche von St. Jakob genannt.[1.1]

Ab 1535 wurden evangelische Predigten in der Stadtkirche gehalten. Da die Schlosskirche St. Jakobus zunächst unter der Kontrolle des Deutschen Ordens katholisch blieb, wurde St. Bernhard vorerst zur Stadtkirche und für den erhöhten Besuch vergrößert. Ab 1552 war aber wieder die Schlosskirche die evangelische Haupt- und Predigerkirche.[1.2]

Beim großen Stadtbrand 1693 verbrannten das Kirchenschiff aus Holz und der obere Teil des Turmes, die Glocken wurden vor der Brandlegung von den plündernden Soldaten geraubt. Allein der massive Grundstock des Turmes blieb erhalten.[1.3]

Die Wiedererrichtung des Turmes wurde in den Jahren 1697/98 nach Plänen des Baumeisters Johann Ulrich Heim ausgeführt. Der Chorturm auf quadratischem Grundriss wurde mit einem achteckigen Geschoss aufgestockt, das die Turmuhr und den Glockenstuhl mit vier Kirchenglocken beherbergt, und mit einer Glockenhaube bedeckt, die von einer Laterne gekrönt ist. Das Langhaus wurde erst 1710–13 nach einem Entwurf von Hans Michael Groß[2] wieder aufgebaut.

1833 gab es Pläne, die Stadtkirche und auch die Schlosskirche abzureißen und an Stelle der Stadtkirche eine neue große Kirche zu bauen. Die Pläne wurden jedoch nicht verwirklicht.[1.4]

1910 wurden von Martin Elsaesser ein Ausbau des Innenraums und eine Erneuerung der Kirchenausstattung vorgenommen. Der Chor wurde als Taufkapelle genutzt, der Taufstein stand links hinter dem Altar. Ein Kronleuchter wurde aufgehängt und an der Chorbogenwand und an der Innenseite des Chorbogens wurden Jugendstilgemälde von Franz Heinrich Gref angebracht.[1.5] Die Kanzel von 1713 und zwei barocke Epitaphien blieben erhalten.

Am Abend des 20. April 1945 wurde Winnenden von der Anhöhe bei Hertmannsweiler beschossen, dabei wurde das Dach der Kirche weitgehend zerstört, die Nordwand zerschossen und Fenster und Leibungen zertrümmert. Der Turm erhielt ebenfalls Treffer, hielt jedoch dank seiner dicken Mauern stand. Die Decke über dem Kirchenschiff, die Emporen, die Orgel und viele Bänke waren von Granatsplittern zerfetzt.

Ab Januar 1946 begann der Wiederaufbau und schon am 4. Advent, dem 22. Dezember 1946, konnte die Stadtkirche wiedereingeweiht werden. Die Wandgemälde von Gref wurden übermalt, der Übergang zur Läutestube nicht wieder aufgebaut.[1.6]

1962 bekam die Turmuhr einen elektrischen Antrieb und die drei Zifferblätter wurden durch ein viertes ergänzt.[1.7]

Der Bildhauer Ulrich Henn schuf eine Kreuzigungsgruppe aus Eichenholz.

Bis zum Umbau der Schlosskirche 1979–82 wurde die Stadtkirche als Winterkirche verwendet, da sie seit 1910 beheizbar war. Inzwischen finden nur noch Andachten und kleinere Veranstaltungen in der Stadtkirche statt. Sie soll zukünftig verstärkt für Kultur und Begegnung genutzt werden.[3][4][5] Für die Unterhaltung wurde 2017 die Stiftung Stadtkirche St. Bernhard gegründet.[6]

Orgel

Die Orgel stammte von der Ludwigsburger Orgelbaufirma Walcker und wurde 1910 als opus 1562 mit 15 Registern auf zwei Manualen erbaut. 1945 wurde sie stark beschädigt und 1946 von Walcker (opus 2839) aus drei verschiedenen Abbruchorgeln neu zusammengesetzt. Sie bestand danach aus 22 Registern auf zwei Manualen; das offene Gehäuse war mit Jute bespannt. Später wurde sie um einige zusätzliche Register erweitert. Seit den 1980er-Jahren war sie defekt und wurde nicht mehr genutzt, außerdem war sie vom Holzwurm befallen. Nach einem Gutachten und mit Genehmigung der Denkmalbehörden wurde die Orgel 2025 ausgebaut und entsorgt. Die Altmetallerlöse sollen dem weiteren Erhalt der Stadtkirche zugutekommen.[7]

Glocken

Die beiden großen, noch heute vorhandenen Glocken wurden 1699 von Glockengießer Johannes Rosier im Elsass hergestellt. 1786 kamen zwei weitere Glocken dazu, die das Geläute vervollständigten. Die beiden kleinen Glocken wurden im Ersten Weltkrieg als Metallspende abgeholt. Die beiden großen Glocken waren im Januar 1942 zur Einschmelzung abgeholt worden, wurden aber nach Kriegsende in einem Hüttenwerk in Westfalen wiederaufgefunden und wieder nach Winnenden zurückgebracht. 1949 erklangen die beiden großen Glocken zum ersten Mal wieder zusammen mit zwei neu gegossenen kleinen Glocken. Die Taufglocke wurde von den Winnender Weingärtnern aus Dankbarkeit für den guten Jahrgang 1948 gestiftet.[1.7]

Name Glockengießer Jahr Schlagton Gewicht Durchmesser Inschrift
Herrenglocke Johannes Rosier II. 1699 es' 920 kg 1223 mm Es zieht der Menschen Hand die Glocke mit Bemüh’n, Gott will in Stadt und Land das Herz der Menschen zieh’n.

Namen von Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg (vermutlich als Stifter), Pfarrer Johann Georg Hegel und Johann Hauber, Bürgermeister Friedrich Pistorius

Betglocke Johannes Rosier II. 1699 g' 500 kg 990 mm Die Glocke mahnt durch Terz und Quint, durch Herz und Wind wir stimmen ein, das Volk des Herrn soll einig sein
Kreuzglocke Glockengießerei Kurtz 1949 b' 367 kg 847 mm Er ist unser Friede und In Not und Tränen ich entstand, o Herr, sei gnädig dem deutschen Land
Taufglocke Glockengießerei Kurtz 1949 c" 255 kg 753 mm Bete und arbeite, Glockenzier von Fritz Nuss

Literatur

Commons: St. Bernhard (Winnenden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Helmut Klein: 300 Jahre Stadtkirche St. Bernhard zu Winnenden 1713 – 2013. Hrsg.: Evangelische Gesamtkirchengemeinde Winnenden. Winnenden 2013.
    1. S. 10
    2. S. 12
    3. S. 16
    4. S. 21
    5. S. 23
    6. S. 30
    7. a b S. 31
  2. Deutsche Biographie: Groß, Hans Michel - Deutsche Biographie. Abgerufen am 9. Januar 2026.
  3. Neues Nutzungskonzept. Abgerufen am 9. Januar 2026.
  4. Stuttgarter Zeitung: Stiftungsgründung in Winnenden: Die Stadtkirche soll Mittelpunkt der Stadt sein. Abgerufen am 9. Januar 2026.
  5. Stadtkirche Winnenden wird zum Kultur-Treffpunkt: Gibt es konkrete Umbaupläne? - Nachrichten aus Winnenden - Zeitungsverlag Waiblingen. 29. Juli 2025, abgerufen am 9. Januar 2026.
  6. Stuttgarter Nachrichten: Stiftungsgründung in Winnenden: Pioniere feiern in der Stadtkirche. Abgerufen am 9. Januar 2026.
  7. Winnenden: Warum die massive Orgel von 1945 aus der Stadtkirche weichen musste - Nachrichten aus Winnenden - Zeitungsverlag Waiblingen. 7. Dezember 2025, abgerufen am 9. Januar 2026.

Koordinaten: 48° 52′ 30,6″ N, 9° 24′ 0,9″ O