Schlosskirche St. Jakobus (Winnenden)

Die Schlosskirche St. Jakobus der Ältere, sie war die ursprüngliche Pfarrkirche, steht in Winnenden, einer Stadt im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zur Gesamtkirchengemeinde Winnenden im Kirchenbezirk Waiblingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte und Architektur

Die Kirche ist ein Nachfolgebau eines Sakralbaus, der bereits zur Zeit Ludwigs des Frommen im 9./10. Jahrhundert existierte. An dem Quaderbau wirken noch Formen des 13. Jahrhunderts nach und an der nördlichen Obergadenwand haben sich Reste der romanischen Vorhalle erhalten. Im 14. Jahrhundert wurde sie als Kirche des Deutschritterordens zu einer Basilika umgebaut, deren Langhaus aus einem Mittelschiff und zwei Seitenschiffen besteht, die durch Arkaden getrennt sind. Im Osten des Mittelschiffs steht der eingezogene, von Strebepfeilern gestützte Chor mit Fünfachtelschluss, an dessen Nordwand ein Chorflankenturm steht, dessen Helm den Glockenstuhl beherbergt.

Der Innenraum wurde 1738 durch Johann Adam Groß den Älteren renoviert.

Ausstattung

Jakobusaltar

Die Schlosskirche St. Jakobus steht am Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Die Deutschordensritter waren im Schloss stationiert und für die Sicherheit des Weges zuständig, neben der Kirche befand sich eine Pilgerherberge.[1] 1520 wurde für die zahlreichen Pilger der Jakobusaltar aufgestellt, der in aufwendiger Schnitzarbeit das Leben und Wirken des heiligen Jakobus und die Legende des Hühnerwunders darstellt.[2]

Der Jakobusaltar ist als Kreuzaltar gestaltet. Die Längsachse thematisiert Jesus Christus, die Querachse die Pilgerschaft. Verbunden werden die Achsen durch die zentrale Figur des Apostels Jakobus, der als Märtyrer in der Nachfolge Christi steht.

Im Zentrum sitzt der Hl. Jakobus der Ältere, einer der zwölf Jünger Jesu. Er wird als Pilger mit Tasche und Jakobsmuschel am Hut dargestellt und segnet die Stifter des Altars, die vermutlich der Kommentur Heinrich von Neuneck und sein Vater Johannes von Neuneck zu Glatt sind.

Zu seinen Seiten stehen links Petrus (mit Schlüssel) und Wendelin, Schutzheiliger der Schäfer und aufgrund seines Namens Patron Winnendens; rechts Paulus (mit Schwert) und Jodokus, ein bretonischer Fürstensohn, der auf die Krone verzichtete und zum Pilger wurde. Über den Seitenfiguren befindet sich links der Hl. Christophorus, der das Christuskind über einen reißenden Strom trägt. Rechts steht eine Figur, deren Deutung ungeklärt ist; vermutet werden Joseph, Jesaja oder der Lieblingsjünger Johannes. Am Stamm des Kreuzes folgen der auferstandene Christus, der die Pilger segnet, darüber die Geburt Christi mit der Anbetung der Weisen, an der Spitze der Schmerzensmann, entsprechend der Weissagung des Propheten Jesaja.[3]

Im unteren Teil des Altars sind die Kirchenväter Augustinus, Ambrosius, Gregor der Große und Hieronymus in Nischen dargestellt. Die Darstellung umfasst charakteristische biografische Akzente wie Gregors Verbindung zum gregorianischen Choral oder Hieronymus’ Bibelübersetzung Vulgata.

Die beiden Flügel zeigen jeweils eine obere und eine untere Bildreihe. Die obere Bildreihe zeigt Szenen aus dem Leben des Jakobus:

  1. Predigt des Jakobus mit Charakterfiguren der Gemeinde
  2. Bekehrung des Zauberers Hermogenes und Verbrennung seiner Bücher
  3. Hinrichtung des Jakobus durch König Herodes
  4. Verschiffung des Leichnams nach Galicien

Die untere Bildreihe zeigt das Hühnerwunder von Santo Domingo de la Calzada. Die vierteilige Darstellung umfasst:

  1. Einkehr einer deutschen Pilgerfamilie
  2. Falsche Diebstahlsbeschuldigung und Verurteilung des Sohnes zum Galgentod
  3. Rettung des Sohnes durch Jakobus, der ihn lebend hält
  4. Das Wunder des wieder lebendig werdenden Brathähnchens beim Richter, woraufhin der Sohn freigesprochen wird und der Wirt bestraft wird

Am linken Rand des Altars befindet sich eine Soldatenfigur, die wahrscheinlich den Hl. Mauritius darstellt, Befehlshaber der Thebäischen Legion und Träger der Heiligen Lanze. Die Lanzenfahne entspricht traditionellen Darstellungen dieses Heiligen; zudem ist im benachbarten Schwaikheim eine Kirche nach Mauritius benannt, was auf lokale Verehrung verweist.

Die Schöpfer der Holzskulpturen sind unbekannt. Die Figuren des Mittelteils werden aufgrund stilistischer Ähnlichkeiten den Werken von Jörg Töber aus Hagenau zugeschrieben, während die Flügeltafeln wahrscheinlich aus dem Umfeld von Veit Wagner bzw. seiner Straßburger Schule stammen. Die Kirchenväterbüsten orientieren sich an Vorbildern des Hochaltars der Heilbronner Kilianskirche.[3]

Der Jakobusaltar wurde 1540 im Zuge der Reformation abgebaut, aber 1549 wieder aufgerichtet.

Kanzel und Taufbecken

Die Kanzel, das Taufbecken und das Kirchengestühl wurden im 19. Jahrhundert von Christian Friedrich von Leins entworfen.

Orgel

Eine erste Orgel wurde 1608 gestiftet, weitere Details von ihr sind jedoch nicht mehr bekannt.

Ca. 1700 wurde ein zweites Instrument von Reinhard Mezenius erbaut, das aber aufgrund mangelnder Qualität bereits 1738 wieder abgebrochen wurde.

1739 errichtete der Ulmer Orgelbauer Georg Friedrich Schmahl eine neue Orgel mit 20 Registern auf 2 Manualen und Pedal, die Disposition stammte von Johann Thomas Vogt (Tübingen). In das Gehäuse von Schmahl wurde 1933 ein neues Instrument der Orgelbaufirma Gebr. Link mit 26 Registern eingebaut, welches 1982 wieder durch einen Neubau der Firma Link im historischen Schmahl-Gehäuse erestzt wurde. Die heutige Orgel besitzt 39 Register auf 3 Manualen und Pedal.[4]

Glocken

Bis ins frühe 21. Jahrhundert hing nur eine kleine Glocke der lothingischen Wandergießerei Rosier in der Turmlaterne. Im Jahr 2002 wurden zu dieser Glocke drei weitere, größere Bronzeglocken bei der Glockengießerei Bachert in Heilbronn gegossen. Alle vier Glocken hängen von der Laterne aus bis in den unteren Turmhelm untereinander auf engstem Raum in einem Holzglockenstuhl an Holzjochen. Aufgrund des Platzmangels hängt Glocke 2 an einem leicht gekröpften Holzjoch und besitzt einen Gegengewichtsklöppel. Alle anderen Glocken konnten an ein gerades Joch gehängt werden und besitzen Flugklöppel.[5]

Nr Name Glockengießer Jahr Ton Gewicht Durchmesser
1 Jubilate Albert Bachert 2002 b' 385 kg 884 mm
2 Rogate c'' 285 kg 797 mm
3 Cantate d'' 182 kg 700 mm
4 Taufglocke Johann Rosier II. 1699 f'' 95 kg 552 mm

Literatur

Commons: Schlosskirche St. Jakobus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Schloßkirche Winnenden - Internationales Bachfest Stuttgart. Abgerufen am 21. November 2025.
  2. Freizeit & Tourismus - Rems-Murr-Kreis. Abgerufen am 21. November 2025.
  3. a b Ein Kleinod aus Holz - Der Jakobusaltar in der Schlosskirche Winnenden. (PDF) Abgerufen am 21. November 2025.
  4. Winnenden, Schlosskirche St. Jakobus (Hauptorgel) – Organ index, die freie Orgeldatenbank. Abgerufen am 21. November 2025.
  5. Christus Glocke: WINNENDEN (D), ev. Schlosskirche St. Jakobus, Geläutepräsentation (Turmaufnahme). 25. Mai 2025, abgerufen am 21. November 2025.

Koordinaten: 48° 52′ 21,2″ N, 9° 23′ 48,9″ O