St. Stephanus (Randersacker)

Die katholische Pfarrkirche St. Stephanus in Randersacker ist eine spätromanische Hallenkirche, die unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn im 17. Jahrhundert zu einer dreischiffigen Basilika ausgebaut wurde. Das Kirchengebäude liegt im Ortszentrum am Kirchplatz nördlich der Klosterstraße. Das Bauwerk ist unter der Denkmalnummer D-6-79-175-51 als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.

Geschichte

Spätromanische Kirchenburg

Die ursprüngliche Kirche in Randersacker stammt wohl aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Die Mauerumfriedung der einstigen Kirchenburg mit ihrem weitgehend unverändertem Turm lässt sich auch heute noch gut verfolgen, auch wenn die meisten Mauern längst gefallen sind. Anfang des 16. Jahrhunderts ließ Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn als Schutz der Kirchenburg gegenüber dem Rathaus noch eine starke Mauer mit einem Haupttor und zwei kleinen Pforten bauen. Das Rathaus/Schulhaus bildeten die starke Nordostecke. Am Haupttor stand das Beinhaus. Um 1790 wurde an die Westmauer ein halbrundes Türmlein angefügt, welches im Volksmund auch Narrenhäußle genannt wurde. Die Mauer zwischen Narrenhäußle und Schulhaus fiel später ein und wurde abgetragen. Sogenannte Gaden[1] umgeben teilweise noch immer den Kirchhof. Die Eckgaden stammen aus dem Jahre 1697. Der Ansatz des verschwundenen Torbogens ist noch sichtbar.

Mit dem Bau des Gotteshauses St. Stephanus wurde zwischen 1190 und 1220 begonnen. Diese Pfarrkirche war eine spätromanische Anlage mit dem Turm auf der Südseite und einem Kirchenschiff mit eingezogenem halbrunden Chor. Von dieser Kirchenanlage ist der Turm bis heute erhalten geblieben und zählt zu den schönsten romanischen Dorfkirchtürmen Frankens. Die Untergeschosse des Turms sind Anfang des 13. Jahrhunderts entstanden, die Formen der Obergeschosse lassen auf die Mitte des 13. Jahrhunderts schließen. Der Turm ist nicht ganz quadratisch und hat vier Geschosse, von denen die beiden unteren fast doppelt so hoch sind wie die oberen. Die Gliederung steigert sich in den Obergeschossen. Der Turm wurde aus Stabilitätsgründen nur aus wetterfestem Randersackerer Muschelkalksteinquadern erbaut und diente bereits dem Vorgängerbau als Glockenturm.

Umbau im 16. und 17. Jahrhundert

Um 1578 wurde der Chor erhöht und mit einem polygonen Abschluss versehen, die Die Sakristei wurde zeitgleich angebaut. Im Jahre 1598 wurde der Ölberg, dessen Herkunft unbekannt ist, an den Turm angebaut.[2] Das Langhauses der einschiffigen spätromanischen Hallenkirche genügte um 1605 den Anforderungen Fürstbischof Julius Echters offenbar nicht mehr. Gegen einen völligen Abriss mit Neubau hatte sich die Gemeinde gewandt, da die die Mauern der Kirche noch in einem guten Zustand seien und die Kosten für einen Neubau für die Gemeinde unerschwinglich seien. So wurden die Seitenmauern mit je drei Bögen durchbrochen, Seitenschiffe angebaut und die Mauern des Mittelschiffs erhöht. Aus der spätromanischen Hallenkirche wurde so mit vertretbarem Aufwand eine spätgotische, dreischiffige Basilika.

Echter gab sich offenbar mit dieser günstigeren Variante zufrieden, drängte jedoch in einem Schreiben vom 3. Mai 1606 an den Rat der Stadt darauf, auf den Pfarrer für einen rascheren Fortgang der Arbeiten einzuwirken. Nach diesem Umbau wurden in den Jahren 1610 und 1614 noch die Bögen des Langhauses angebaut, die höher waren als die früheren gotischen. Die Westseite hat ihr Aussehen der Zeit Julius Echters bewahrt, und hier ist auch noch das Maßwerk der Fenster erhalten.

Am 28. Juli 1652 wurde das Gotteshaus nach der Entweihung in den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs durch Weihbischof Johann Melchior Söllner neu eingeweiht.

Insgesamt wurde nach der Echter-Zeit der Kirchenbau äußerlich wenig verändert. Umbauten betrafen vor allem die Ausstattung der Kirche. Die ursprüngliche Deckenmalerei wurde 1749 anlässlich der Stuckierung der Kirche entfernt und durch Rokokogemälde des Malers Wolfgang Hoegeler ersetzt.

Umgestaltungen und Renovierungen des 20. Jahrhunderts

Das aktuellen Deckengemälde im Hauptschiff, das St. Stephanus vor dem Hohen Rat zeigt, malte Eulogius Böhler im Jahre 1913, ebenso die vier Eckbilder an der Decke mit den vier lateinischen Kirchenlehrern, Hl. Ambrosius, Hieronymus, Augustinus und Gregor der Große. Auch die vier Wandgemälde „Stephanus-Zyklus“ stammen von ihm. Böhler hat nicht freskiert, sondern malte mit Kaseinfarben auf trockenen Putz. In dieser Technik behalten die Farben nicht so lange ihre ursprüngliche Leuchtkraft und Festigkeit. Den Stationsweg mit den 14 Kreuzwegstationen malte Böhler in den Jahren 1919 bis 1921.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erfuhr die Kirche im Jahre 1970 eine Umgestaltung des Altarraums. Nach der Höherlegung des Fußbodens im Chorraum wurde ein Volksaltar aufgestellt. In den Jahren 1985/86 fand eine umfassende Renovierung des Kircheninneren statt. Die 1985 noch grau marmorierten beiden Seitenaltäre am Chorbogen wurden der frühbarocken schwarzen Marmorierung der übrigen Altäre und Kanzel angeglichen. Ein neuer Volksaltar wurde am 29. Juni 1986 von Bischof Paul-Werner Scheele geweiht.

Baubeschreibung

St. Stephanus als Baudenkmal

Die katholische Pfarrkirche St. Stephanus wird in der Liste der Baudenkmäler in Randersacker des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege folgendermaßen beschrieben:[2]

 Objekt  Beschreibung  Denkmalnummer
 Kirchplatz 1; Maingasse 10
  • Kath. Pfarrkirche St. Stephan, basilikales Langhaus mit eingezogenem Chor und Chorflankenturm mit Spitzhelm, Turm und Kern des Langhauses spätromanisch, 13. Jh., Chorerhöhung, um 1578, Langhausumbau, 1605; mit Ausstattung
  • Reste der Kirchhofmauer, Bruchsteinmauerwerk, spätmittelalterlich, mit Renaissanceportal, Anfang 17. Jh.
  • Ölbergkapelle, kleiner Massivbau mit Satteldach, Volutengiebel und Bossenquaderung, mit Ölberggruppe, bez. 1598; Epitaphe, Sandstein, 17./18. Jh. nachqualifiziert
D-6-79-175-51

Reste der Kirchenburg

Die Liste der Baudenkmäler in Randersacker weist auch auf weitere Überreste der Kirchenburg in Randersacker hin:[2]

 Objekt  Beschreibung  Denkmalnummer
Badergasse 1

(♁Standort)

Ehemalige Kirchgaden, jetzt Wohngebäude: Zweigeschossige Satteldachbauten mit auskragenden Fachwerkobergeschossen, 16./17. Jahrhundert, südlichstes Bauteil bezeichnet „1607“, über älterem Kern D-6-79-175-7
Badergasse 4; Klosterstraße 17

(♁Standort)

Ehemaliges Torhaus der Kirchenbefestigung: Zweigeschossiger Walmdachbau mit Fachwerkobergeschoss und großer Tordurchfahrt, im Kern wohl mittelalterlich, Erscheinungsbild 17. Jahrhundert D-6-79-175-59

St. Stephanus - Altarraum und Kanzel

Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges wurde mit der neuen Ausstattung des Gotteshauses begonnen. Der rechte Seitenaltar im Hauptschiff, auch Apostel- oder Kreuznachfolgealtar genannt, wurde 1683 vom Bildhauer und Preuß-Gesellen Johann Michael Rieß († 1730) aus Mainstockheim geschaffen. Die beiden Apostel Petrus und Paulus, aber auch die Putten, sind Arbeiten seiner frühbarocken Schaffensperiode.[3] Der Hochaltar und die weiteren Seitenaltäre sowie die Kanzel wurden zwischen 1703 und 1710 von Balthasar Esterbauer geschaffen. Der Hochaltar mit seinem baldachinförmigen Aufbau und vier Säulen zeigt im Auszug die Heiligste Dreifaltigkeit mit huldigenden Engeln. Zwischen den Säulen, in der Mitte kniet der Kirchenpatron St. Stephanus. Links von ihm St. Laurentius, rechts St. Kilian. Das Altarblatt von der Nachfolge Christi im rechten Seitenaltar („Apostelaltar“) des Hauptschiffes malte Oswald Onghers im Jahre 1683, das Altarblatt mit der Heiligen Familie im linken Seitenaltar („Familienaltar“) des Hauptschiffes ist ebenfalls ein Werk von Oswald Onghers. Es ist signiert mit „Oswald Onghers pinxit 1704“.

Vor dem hinteren Altaraufbau des Hochaltars steht der Tabernakel von Johann Peter Wagner aus der Zeit um 1770. Er wurde 1792 von der Gemeinde Randersacker aus der Karmelitenkirche in Würzburg erworben.[4]

Die Kanzel und ihr Schalldeckel zeigen eine reich profilierte Gliederung. Die Unterseite des Kanzelkorbes sowie die Voluten des Schalldeckels werden geprägt von schönem Akanthusrankenwerk. Die vier Evangelisten und Christus Salvator stehen in Rundbogennischen. An der Rückwand zwei Engel, die den Schalldeckel tragen. Auf dem Schalldeckel als krönender Abschluss der auferstandene Christus. Bei der Kirchenraumumgestaltung 1970 wurde der Treppenaufgang entfernt, der Eingang geschlossen und um etwa 60 cm mit Schalldeckel höher gerückt.

St. Stephanus – weitere Ausstattung

  • Die beiden Grabmale des Hildebrand und der Dorothea von Seinsheim im Eingangsbereich wurden etwa 1380 geschaffen. Sie befanden sich bis um 1860 an der Außenwand des südlichen Seitenschiffs neben der Ölbergkapelle.
  • Die der Riemenschneider-Schule zugeschriebene Büste des Heiligen Urban an der linken Hauptschiffwand gegenüber der Kanzel ist etwa zwischen 1500 und 1520 entstanden. Bis zum Jahr 1870 befand sich die Büste in einem Gebäude des ehemaligen Zehnthofes, der bei der Säkularisation an den Staatlichen Hofkeller Würzburg überging. 1870 übergab der Weinbergsaufseher des Staatlichen Hofkellers die Büste an die Pfarrkirche.
  • Der Taufstein am Beginn des Mittelganges ist ein Renaissance-Werk und wurde 1606 gefertigt.
  • Die Büste des Heiligen Burkard stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, also zwischen 1618 und 1648.
  • Die farbig gefasste Kreuzigungsgruppe im Chorbogen wurde im 17. Jahrhundert geschaffen und ist noch dem Zeitalter der Renaissance zuzuordnen. Bei dem lebensgroßen Christus des Triumphkreuzes handelt es sich vielleicht um eine Arbeit des Zacharias Junker d. J. oder auch des Johann Philipp Preuß. Die beiden Assistenzfiguren, Maria und Johannes, sind wohl 30 Jahre später entstanden.

Geläut und Orgel

Glocken

Die älteste Glocke außerhalb der Stadt Würzburg, die Evangelistenglocke mit einem Durchmesser von 93 cm, die um das Jahr 1300 gegossen worden war, läutete hier seit der Fertigstellung des Turms bis zu ihrer Zerstörung 1917.[5] Im Turm von St. Stephanus befinden sich nach der Ablieferung von 3 der 4 Glocken im Kriegsjahr 1942 wieder vier Glocken:

  • Glocke 1 (Sakramentsglocke) in d′: 1850 kg, 1370 mm, unbezeichnet (1631)
  • Glocke 2 (Stephanus und Urbanusglocke) in e′: 820 kg, 1170 mm, Karl Hamm, Regensburg (1948)
  • Glocke 3 (Marienglocke) in fis′: 580 kg, 1030 mm, Karl Hamm, Regensburg (1948)
  • Glocke 4 (Josefsglocke) in a′: 350 kg, 850 mm, Karl Hamm, Regensburg (1948)

Orgel

Die alte Orgel, die sich auf der Empore befand, wurde 1971 durch eine neue Orgel (Manuale II/P; 15 Register) von Orgelbau Norbert Krieger aus Zellingen, eingebaut zwischen Hochaltar und Tabernakel, ersetzt.[6]

Pfarrei

Die Pfarrei St. Stephanus betreut den Markt Randersacker und seit 2006 den Ortsteil Lindelbach. Sie bildet zusammen mit den Pfarreien St. Johannes der Täufer in Theilheim und St. Nikolaus in Eibelstadt seit dem 8. Februar 2010 die Pfarreiengemeinschaft Randersacker-Theilheim-Eibelstadt[7] und ist heute Teil des Pastoralen Raums Würzburg Süd.[8]

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Rudolf Hofmann: Pfarrkirche Randersacker. Hrsg.: Katholisches Pfarramt Randersacker, 1989
  • Bruno Rottenbach: Chronik Markt Randersacker. Heimatbuch der Gemeinde Randersacker und des Ortsteiles Lindelbach. Hrsg.: Markt Randersacker 1988
  • Hans-Peter Trenschel: Die kirchlichen Werke des Würzburger Hofbildhauers Johann Peter Wagner. Kommissionsverlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 1968
Commons: St. Stephan (Randersacker) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise, Hinweise und Erläuterungen

  1. Siehe Altdeutsches Wort „Gaden“
  2. a b c Denkmalliste für Randersacker (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
  3. Vgl. Tilman Kossatz: Johann Philipp Preuß (1605-ca. 1687). Ein Betrag zur Genese barocker Bildkunst in Franken. Mainfränkische Studien Band 42, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. (Hrsg.), Würzburg 1988, S. 191 ff.
  4. 1789 fertigte Johann Peter Wagner für den Hochaltar der Karmelitenkirche in Würzburg einen neuen Tabernakel an.
  5. Die Glocke wurde im Volksmund die Silberglocke genannt (die Legierung enthielt einen Anteil Silber) und wurde wegen des schönen Klanges weithin gerühmt. Am 14. Februar 1917 zersprang diese historisch wertvolle Glocke durch rohe Gewaltanwendung beim Läuten. Sie wurde im Jahr 1919 für den Guss einer neuen „12 Uhr“-Glocke verwendet.
  6. Arbeiten von Krieger, Norbert, Zellingen-Retzbach In: Orgeldatenbank Bayern Version 5 (2009), hrsg. von Michael Bernhard
  7. Pressestelle Ordinariat Würzburg (POW): „Pfarreiengemeinschaft ,Randersacker – Theilheim – Eibelstadt’ errichtet“ (18. Februar 2010)
  8. UG Würzburg Süd: Katholische Pfarreien in Würzburg, Untergliederung Süd. Abgerufen am 17. September 2025.

Koordinaten: 49° 45′ 33,9″ N, 9° 58′ 53,3″ O